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"Wir danken Gott für dieses Urteil"

England: Homo-Hasser Franklin Graham gewinnt vor Gericht

US-Prediger Franklin Graham, der Homosexuelle zu Feinden der Christenheit ernannt hat, ist nach Ansicht einer englischen Richterin diskriminiert worden.


Franklin Graham verbreitet seine Ideologie gerne in konservativen Medien (Bild: Screenshot Fox News Channel)

  • 6. April 2021, 12:26h 9 2 Min.

Der amerikanische Fernsehprediger Franklin Graham hat in seiner Klagewelle in Großbritannien einen ersten Erfolg verbucht: Bezirksrichterin Claire Evans hat laut BBC in Manchester entschieden, dass die Stadt Blackpool den 68-Jährigen in seiner Religions- und Redefreiheit eingeschränkt habe.

Der Hintergrund: Der Stadtrat von Blackpool, einer 140.000 Einwohner*­innen zählenden Touristenstadt an der Irischen See, hatte 2018 entschieden, Werbung für Grahams Veranstaltung "Festival of Hope" an Bussen des öffentlichen Stadtverkehrs zu untersagen, weil der Prediger mit seinen LGBTI-feindlichen Tiraden Homo- und Trans­sexuelle gefährde. Hintergrund ist, dass der Prediger sexuell aktive homo­sexuelle Menschen pauschal als "Feinde" von Christen diffamiert. Zuletzt sorgte er mit einem Corona-Feldlazarett für Aufsehen, in dem er sich von allen Mitarbeiter*­innen schriftlich versichern ließ, dass sie homo- und trans­sexuelle Menschen ablehnen (queer.de berichtete).

Richterin: Grundrechte des Antragstellers verletzt

Richterin Evans sieht in Graham jedoch ein Opfer, das gesetzeswidrig seine Meinung nicht frei äußern dürfe. Das Werbeverbot habe die Rechte von Graham-Kritiker*innen über "die Rechte des Antragsstellers oder die Rechte von denjenigen gestellt, die seinen religiösen Glauben teilen". Städtische Unternehmen dürften sich in einer Demokratie nicht so verhalten.

Die Stadt Blackpool hat das Urteil zur Kenntnis genommen und erklärt, man werde nun die Richtlinien überprüfen und evaluieren, welche Änderungen notwendig seien. Trotz der Entscheidung engagiere man sich aber weiter "für Gleichbehandlung und Vielfalt", versicherte die Stadtverwaltung.

Graham: "Das ist ein Sieg für alle Christen"

Graham feierte unterdessen das Urteil als Sieg für seinen Glauben: "Wir danken Gott für dieses Urteil. Das ist ein Sieg für alle Christen im Vereinigten Königreich."

Der nach Grahams Vater benannte Evangelisationsverein "Billy Graham Evangelistic Association" versucht mit weiteren Klagen in Großbritannien juristische Erfolge zu erzielen (queer.de berichtete). So klagte er gegen mehrere Veranstaltungsorte, die ihn letztes Jahr wegen homophober und islamophober Äußerungen ausgeladen hatten. Britische LGBTI-Aktivst*innen zeigen sich besorgt: "US-Evangelikale, die von geheimen Spendern finanziert werden, exportieren ihre Homophobie um die Welt", so fasste etwa Peter Tatchell die Graham-Strategie zusammen.

Seine Homo- und Transphobie wollte Graham auch nach Deutschland bringen: Ausgerechnet zur letztjährigen CSD-Saison buchte der evangelikale Hardliner die Lanxess-Arena in Köln, Deutschlands größte Multifunktionsarena (queer.de berichtete). Wegen der Corona-Pandemie wurde das Event zunächst auf Frühjahr 2021 verschoben. Noch immer steht kein neuer Termin fest. Aktivist*innen oder Politiker*innen wie der grüne Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann forderten die Verantwortlichen der Mehrzweckhalle im Stadtteil Deutz auf, "diesem Hassprediger keine Bühne zu geben". (dk)

/ svenlehmann
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#1 AtreusEhemaliges Profil
  • 06.04.2021, 15:50h
  • Daran krankt nicht nur England, sondern jede Demokratie: nämlich, dass Feinde derselben jene von ihr gegebenen Grundrechte nutzen, um sie anderen Menschen abzusprechen, Hass zu sähen und antike Feindbilder zu exhumieren.

    Selbiges geschieht gerade in unserem Land, seit einem Jahr auf sämtlichen Coronademos, auf denen das Demonstrationsrecht verwandt wird, um zum Mord an Politikern aufzurufen, den Holocaust zu relativieren, Hitlergrüße auf offener Bühne zu zeigen (erst gestern in Berlin) und Juden zum Sündenbock und Täter zu erklären.
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#2 PetterAnonym
  • 06.04.2021, 16:23h
  • Ich hoffe, dass das in die nächste Instanz geht. Denn ihm wurde ja nicht seine Meinung verboten, sondern nur, dass andere das Recht haben, nicht dafür zu werben.

    Denn ansonsten würden ja andere in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt, wenn man sie zwingen könnte, für seine Meinung und seine Veranstaltungen zu werben.
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#3 Taemin
  • 06.04.2021, 16:39h
  • Das alte Lied: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Volksverhetzung und Verbreitung von Hass werden als "freie Meinungsäußerung" verklärt, Menschenwürde und Grundrechte der Opfer sind unbeachtlich.
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