Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?38544

Mord-Anklage

Prozess um tödliche Messerattacke von Dresden beginnt am Montag

Abdullah A. tötete vergangenen Oktober mutmaßlich aus islamistischen Gründen und aus Homo-Hass den schwulen Touristen Thomas L. aus NRW und verletzte dessen Partner schwer.


Gedenkkranz bei der Mahnwache für Thomas L. Anfang November 2020 in Dresden (Bild: BMH)

Ein halbes Jahr nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Messerangriff von Dresden mit einem Toten beginnt am Montag der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter. Die Bundesanwaltschaft wirft dem angeklagten Syrer Abdullah A. in dem Verfahren vor dem Oberlandesgericht (OLG) Dresden Mord, versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Für die Verhandlung sind zunächst Termine bis Ende Mai anberaumt.

Nach Auffassung der Bundesanwaltschaft handelte der Angeklagte aus einer radikalislamistischen Gesinnung heraus – und er verübte den Anschlag offenkundig aus Hass auf Homosexuelle. "Er wollte die beiden Tatopfer als Repräsentanten einer von ihm als 'ungläubig' abgelehnten freiheitlichen Gesellschaft auslöschen", heißt es in der Anklage (queer.de berichtete).

Tatmotiv Homohass wurde wochenlang verschwiegen

Der heute 21 Jahre alte A. soll am Abend des 4. Oktobers vergangenen Jahres mitten in der Dresdner Innenstadt auf zwei Männer eingestochen haben. Der 55-jähriger Thomas L. starb, sein 53-jähriger Begleiter überlebte den Anschlag schwer verletzt (queer.de berichtete). Die beiden Männer aus Nordrhein-Westfalen machten zusammen Urlaub in Sachsen.

Nach der Tat entkam A. zunächst. Bei der Auswertung von Spuren stieß die Polizei dann auf den Syrer und leitete eine Fahndung ein. Mehr als zwei Wochen später wurde A. vorläufig festgenommen. Wochenlang verschwiegen die Behörden, dass der Tatverdächtige sich seine Opfer vermutlich wegen ihrer Homosexualität ausgesucht hatte – ein Oberstaatsanwalt weigerte sich sogar offen, das Thema Homosexualität auch nur anzusprechen (queer.de berichtete).


Der CSD Dresden und die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld veröffentlichten im vergangenen Jahr eine gemeinsame Traueranzeige für Thomas L.

Als islamistischer Gefährder eingestuft

Der Angeklagte ist kein unbeschriebenes Blatt. Der 21-Jährige ist erheblich vorbestraft, war als islamistischer Gefährder eingestuft und wurde überwacht. Dass er dennoch die Tat begehen konnte, sorgte für Aufsehen.

Abdullah A. kam im Oktober 2015 als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland. Seit Ende 2016 radikalisierte er sich immer mehr, wie aus einem früheren Urteil des Landgerichts Dresden hervorgeht. Er verbreitete in Chats die Ideologie der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) und erwog einen Anschlag für den IS in Deutschland. Im Internet bemühte er sich um Bauanleitungen zur Herstellung eines Sprengstoffgürtels.

Zur Umsetzung einer Tat kam es nicht. Abdullah A. wurde 2018 unter anderem wegen Werbens um Mitglieder und Unterstützer einer terroristischen Vereinigung im Ausland zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Von LKA und Verfassungsschutz observiert

Wenige Tage nach seiner Entlassung aus dem Strafvollzug beging er den Anschlag in der Dresdner Innenstadt. A. konnte wegen des Abschiebestopps nach Syrien vorerst geduldet in Deutschland bleiben. Er bekam eine Reihe von Auflagen, musste sich unter anderem regelmäßig bei der Polizei melden – was er vor und selbst nach der Tat auch machte.

Zudem wurde der Mann nach seiner Haftentlassung sowohl vom Landeskriminalamt (LKA) als auch vom Verfassungsschutz observiert. Die Sicherheitsbehörden gingen davon aus, dass A. "unverändert islamistisches Gedankengut vertrat" und eine hohe Gefahr bestand, dass er wieder Straftaten begehen würde, wie Verfassungsschutzchef Dirk-Martin Christian sagte. Selbst am Tattag wurde er zeitweise verdeckt überwacht – und trotzdem konnte er den Anschlag verüben.

Der Verfassungsschutzchef nannte es "sehr bitter", dass der Anschlag nicht verhindert werden konnte. Das LKA betonte, es seien alle rechtlichen Möglichkeiten bei der Überwachung ausgeschöpft worden. Dies wird an den zunächst zwölf Verhandlungstagen sicher eine Rolle spielen, um die Hintergründe der Tat aufzuklären. (cw/AFP)



#1 YannickAnonym
  • 07.04.2021, 11:07h
  • Wenn man die freiheitlich-demokratische Grundordnung erhalten will, muss man solche Personen, die das verachten und abschaffen wollen, mit aller Härte bestrafen und sie daran hindern, das nochmal zu tun.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Falsche ToleranzAnonym
  • 07.04.2021, 13:05h
  • "A. konnte wegen des Abschiebestopps nach Syrien vorerst geduldet in Deutschland bleiben."

    Und genau diese falsch verstandene Toleranz ist das Problem:

    Es wird immer nur auf den Täterschutz geachtet: "Was passiert ihm nach Abschiebung?"

    Aber man sollte stattdessen auf den Opferschutz achten.

    Jeder, der hier leben möchte, sollte das können. Aber dann muss man auch erwarten, dass diese Personen sich an die Regeln halten.

    Die können sich entscheiden, ob sie die Regeln achten oder nicht. Deren Opfer haben dagegen keine Wahl.

    Wer unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung abschaffen will und/oder hier schwerste Verbrechen begehen will, sollte abgeschoben werden. Punkt.

    Und wenn das Gesetz das nicht zulässt, ist das offenbar ein gefährliches Gesetz, das geändert werden muss.

    Gerade auch zum Schutz der Mehrheit der friedlichen und integrationswilligen Migranten.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Ralph
  • 07.04.2021, 13:56h
  • Antwort auf #2 von Falsche Toleranz
  • Rein rechtlich ist das sehr schwierig, aber es stimmt natürlich. Dass lieber ein Unbeteiligter sterben muss als dass ein Verbrecher in Gefahr gerät - das ist unbefriedigend, um es sehr zurückhaltend zu formulieren. Hier muss endlich der Anspruch der Bevölkerung auf Schutz vor Terroristen höher gestellt werden als der Schutz der Terroristen vor ihresgleichen. Wir haben das inzwischen so oft erlebt (Paradebeispiel Anis Amri auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin), dass nicht mehr zu begreifen ist, warum dieser Staat solche Leute unter Naturschutz stellt.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 AufrechtgehnProfil
  • 07.04.2021, 14:17hFrankfurt am Main
  • Antwort auf #2 von Falsche Toleranz
  • Bei aller Abscheu vor der Tat möchte ich der Forderung nach Abschiebung widersprechen. Der Täter gehört für den Mord nach dem Gesetz bestraft, das ist gar keine Frage. Ihn in ein Land abschieben zu wollen, in dem Krieg herrscht, ist aber letztlich genau so unmenschlich wie seine Tat. Damit machen wir uns moralisch mit ihm gemein. Was diese Tat erneut zeigt, ist, dass wir noch stärker gegen religiöse Repression und Homophobie aufklären müssen.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Korinthen KKAnonym
  • 07.04.2021, 14:33h
  • Antwort auf #4 von Aufrechtgehn
  • Und wie sieht das aus, wenn er die Strafe für seine Tat hier abgesessen hat?
    Es wird übersehen, dass er kurz vor der Tat bereits aus dem Gefängnis entlassen worden war. Offenbar hat das keine Resozialisierung gebracht. Man könnte sogar spekulieren, ob die Tat nicht sogar so kalkuliert war, damit er am Ende lieber hier seine Zeit im Gefängnis absitzt anstatt abgeschoben zu werden. Was die ohnehin abscheuliche Tat noch perfider machen würde. Da wird der Rechtsstaat an der Nase rumgeführt und auch noch ausgenutzt. Er soll nicht abgeschoben werden um nicht dem Terror ausgesetzt zu werden, den er selber hier verübt?
  • Antworten » | Direktlink »
#6 ColonelAnonym
  • 07.04.2021, 17:17h
  • Antwort auf #5 von Korinthen KK
  • Spekulieren kann man über vieles. ist aus rechtlicher Sicht aber unerheblich. Und nur weil nicht jeder Ersttäter für das Resozialisierungsvorhaben des Staates empfänglich ist, wird damit das Vorhaben selbst keineswegs entwertet.

    Menschen können sich ändern und oft genug tun sie es auch. Der Angeklagte in diesem Fall wird (sofern rechtskräftig wegen Mordes verurteilt) viele Jahre im Strafvollzug verbringen. Über das danach zu mutmaßen ist an diesem Punkt müßig.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 StaffelbergblickAnonym
  • 07.04.2021, 17:19h
  • Antwort auf #5 von Korinthen KK
  • Die Frage ob ein Asylbewerber nach Verteilung aufgrund Totschlag/Mord abgeschoben werden soll halte ich für sehr interessant. Die Frage dabei ... was wäre für den Täter schlimmer??? Jemand der in Deutschland einen Schwulen ermordet, weil mit "seiner kulturellen Auffassung" er eine legitime Lösung sieht? und ihn dann auszuweisen??? Könnte das für ihn nicht sogar eine Art "Belohnung" sein? Hier zur "kurz" im Knast ... aber in seiner originären Heimat womöglich schnell ein freier Mann??? Also wäre es nicht sogar notwendig, ihn hier zu verteilen und die gesamte Strafe absitzen zu lassen ???
    Ich stelle mir immer die Frage, was ist für einen Täter als Bestrafung schlimmer? Allein deshalb würde ich eine Todesstrafe ablehnen ... Der Täter wäre "sofort von seiner Tat erlöst" ... aber die Opfer ... die müssen lebenslang damit klarkommen.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 ColonelAnonym
  • 07.04.2021, 17:26h
  • Antwort auf #7 von Staffelbergblick
  • Also, bei allem Respekt, aber was wäre für den Täter schlimmer ist nun wirklich kein angemessener Bewertungsgrundsatz. Wir leben ja nicht im Mittelalter und es kann schon aus sachlogischen Gründen keinen Sinn ergeben, einen Täter nach Verbüßung seiner Tat noch einmal bestrafen zu wollen. Überhaupt ist es extrem gefährlich, asylrechtliche und strafrechtliche Punkte so zu vermischen - die Rechten freuen sich.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 StaffelbergblickAnonym
#10 Korinthen KKAnonym
  • 07.04.2021, 18:04h
  • Antwort auf #6 von Colonel
  • Wir sprechen hier nicht über einen Ersttäter, der ggf. Einsicht zeigt. Man hat anhand der Tat gesehen, wohin diese fehlende Spekulation "nach dem Strafvollzug" geführt hat. Umso mehr ist die Überlegung berechtigt, was nach dem nächsten Strafvollzug passieren soll.
  • Antworten » | Direktlink »