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Schottland

German Mr. Leather 2004 will für rechtspopulistische Partei ins Parlament

Noch vor zehn Jahren war Philipp Tanzer ein in der Schwulencommunity gefeierter Pornostar. Heute setzt er sich dafür ein, die Rechte von sexuellen Minderheiten zurückzudrängen.


Eines hat sich nach seinem Coming-out als Hetero nicht geändert: Auf Instagram zeigt Philipp Tanzer noch immer gern seinen tätowierten Body (Bild: Instagram / Philipp Tanzer)

  • 7. April 2021, 10:19h 17 3 Min.

Philipp Tanzer will für die LGBTI-feindliche Kleinpartei Scottish Family Party ins teilautonome schottische Parlament einziehen, das am 6. Mai gewählt werden soll. Der frühere German Mr. Leather, der unter dem Pornonamen Logan McCree jahrelang für das amerikanische Label Raging Stallion vor der Kamera stand, tritt in einem besonders ländlichen Wahlkreis in den schottischen Highlands an.


So posierte Pornostar Tanzer vor einem Jahrzehnt (Bild: Raging Stallion)

Der 43-jährige gebürtige Pforzheimer hatte sich vor rund zehn Jahren von der LGBTI-Community abgewendet und zog in eine ländliche Gegend in Schottland. Dort arbeitete er unter anderem als Masseur, Friseur und Feuerwehrmann. In Interviews behauptete Tanzer, er sei nicht schwul und habe das Ziel, eine Familie mit einer Frau zu gründen.

Gegenüber "Vice" erklärte er etwa 2018: "Ich habe mich nicht als schwul identifiziert, weil ich nicht wirklich in die schwule Kultur gepasst habe. Eine Zeit lang habe ich mich sogar als asexuell bezeichnet, mit einer Präferenz für Männer." Er erklärte weiter, er wolle Kinder mit einer Frau kriegen, damit diese "das Produkt einer Liebesbeziehung sind". Zuletzt sorgte er als "Männerrechtsaktivist" für Schlagzeilen – die BBC widmete dem Fan des damaligen US-Präsidenten Donald Trump 2020 eine wohlwollende Dokumentation (queer.de berichtete).

Tanzers Scottish Family Party ist eine Abspaltung der europafeindlichen UKIP-Partei. Die "Familienpartei" sieht Homo- und Transsexualität als gefährliche "Ideologie" an. Das Verbot der "Homo-Heilung" lehne man etwa ab, weil ein derartiges Gesetz Heterosexuelle diskriminiere. Auf ihrer Facebook-Seite äußerte die Partei sogar die Befürchtung, dass es weniger heterosexuelle Menschen geben werde, wenn die "Heilung" von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten untersagt werden würde: "Es ist legal, für die lesbische, schwule und trans Identität zu werben und diese zu feiern. Aber es ist gleichzeitig illegal, für die heterosexuelle Identität zu werben. Das wird dazu führen, dass immer mehr unentschlossene junge Menschen in Richtung der lesbischen, schwulen und trans Identität gedrückt werden."


Letztes Jahr machte Tanzer auf Twitter auch Stimmung gegen LGBTI-Aufklärung an Schulen – diese bezeichnete er als "Indoktrinierung"

Bei der Wahl im Mai werden der Scottish Family Party praktisch keine Chancen auf einen Sitz im Einkammerparlament von Edinburgh eingeräumt. Meinungsumfragen sagen einen erneuten Wahlsieg der Scottish National Party voraus, einer sozialdemokratischen Partei, deren Hauptziel die Unabhängigkeit Schottlands von Großbritannien ist. Die Partei kann demnach mit über 40 Prozent der Stimmen rechnen und möglicherweise sogar die absolute Mehrheit der Sitze erringen. Weit abgeschlagen folgen die Konservativen und Labour-Partei mit je 20 Prozent Stimmenanteil.

Regierungschefin Nicola Sturgeon, die Schottland bereits seit 2014 regiert, gilt als äußerst LGBTI-freundlich – sie führte 2018 etwa den CSD Glasgow an. Dabei trug sie ein T-Shirt mit der bunten Aufschrift "Choose Love". Zuvor hatte noch nie ein Chef oder eine Chefin einer britischen Bundes- oder Landesregierung einen CSD angeführt. (dk)

/ theSNP
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#1 GargamelAnonym
  • 07.04.2021, 12:46h
  • ...Das Verbot der "Homo-Heilung" lehne man etwa ab, weil ein derartiges Gesetz Heterosexuelle diskriminiere...

    Zum Thema Gleichstellung könnte man ja ein Verbot von "Hetero-Heilung" einführen, oder eben einen neuen Geschäftszweig zur Heilung von Heterosexuellen etablieren.
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#2 FliegenAnonym
  • 07.04.2021, 14:50h
  • ...und so einen hab ich mal bei einem CSD in Dresden ANGEHIMMELT!!! schade das so ein hübscher Mann sich so krass ändert:-(
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#3 KnusperknäuschenAnonym
  • 07.04.2021, 15:27h
  • Manchmal sind politische Überzeugungen und psychische Störungen schwer auseinander zu halten. Womit ich psychische Diversität als solche keineswegs abwerten möchte.
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