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Bayern-Chef

Rummenigge gegen Katar-Boykott: "Kennen Sie Paragraf 175 des deutschen Strafgesetzbuches?"

Deutschland habe ewig gebraucht, um das Homo-Verbot abzuschaffen. Also, so der Bayern-Chef, müsse auch dem WM-Ausrichter Katar Zeit gegeben werden.


Karl-Heinz Rummenigge bei einem Interview im ZDF-Sportstudio (Bild: Screenshot ZDF)

  • 7. April 2021, 10:50h 27 2 Min.

Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hält nichts von einem Boykott der Fußball-WM im kommenden Jahr in Katar. "Die Spieler haben das gute Recht, ihre Bedenken vorzubringen", sagte der 65-jährige frühere Nationalspieler in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des amerikanischen Sport-Portals "The Athletic" (Bezahlartikel). "Wir sind der Meinung, dass Veränderung nicht durch Zurückweisung geschieht, sondern nur durch Dialog. Und Veränderung passiert nicht über Nacht, sie braucht Zeit."

Man sollte nicht vergessen, dass Katar erst seit 50 Jahren eine unabhängige Nation sei, so Rumenigge weiter. "Es ist Teil der islamischen Welt, mit einem anderen kulturellen und religiösen Hintergrund." Deutschland habe schließlich auch Homosexualität nicht über Nacht legalisiert, argumentierte der Bayern-Chef: "Wir verlangen von ihnen, dass sie Rechte verankern, für die wir in Europa Hunderte von Jahren gebraucht haben, um sie zu verwirklichen. Kennen Sie Paragraf 175 des deutschen Strafgesetzbuches? Er stellt Homosexualität unter Strafe und wurde 1871 eingeführt. Es hat bis 1994 gedauert, bis er endlich abgeschafft wurde."

Der notorische Paragraf 175 war 1969 von der Großen Koalition entschärft worden – fortan enthielt er kein Sex-Verbot mehr für Schwule, sondern "lediglich" ein höheres Schutzalter. Schwule durften damit ab 21 Jahren (später ab 18) Sex haben, Heterosexuelle und Lesben aber bereits ab 14 Jahren. Nach der Wiedervereinigung wurde der diskriminierende Paragraf schließlich gestrichen.

Rummenigge setzt auf Dialog

Rummenigges Einschätzung zufolge hat die Partnerschaft seines Vereins mit Sponsor Qatar Airways in den vergangenen Jahren gezeigt, "dass durch den Fußball, durch den Dialog, die Dinge besser geworden sind. Langsam, aber sicher." Bayern München hatte in den vergangenen Jahren auch wegen eines Winter-Trainingslagers in Katar in der Kritik gestanden.

WM-Gastgeber Katar steht international wegen des Umgangs mit Gastarbeitern und wegen der Kriminalisierung von Homosexualität in der Kritik. Bereits bei der Vergabe der Spiele an das reiche Emirat im Jahr 2010 gab es von queeren Fußballfans Boykottforderungen (queer.de berichtete).

Zuletzt hatten die deutschen Nationalspieler wie ihre Kollegen aus Norwegen, Dänemark, Belgien und den Niederlanden bei WM-Qualifikationsspielen mit Protestaktionen die Einhaltung von Menschenrechten gefordert und damit auch die Bedingungen in Katar kritisiert. Real-Madrid-Profi Toni Kroos, der 2014 mit Deutschland Weltmeister wurde, kritisierte Ende März die Verfolgung Homosexueller im arabischen Kleinstaat (queer.de berichtete).

Die Fußball-Weltmeisterschaft soll wegen des tropischen Klimas in Katar 2022 nicht wie gewohnt im Sommer stattfinden, sondern erst in der Adventszeit. Bei dem Turnier sollen 32 Nationen gegeneinander antreten. Titelverteidiger ist Frankreich. (dpa/dk)

-w-

#1 Money Money MoneyAnonym
  • 07.04.2021, 13:00h
  • Money Money Money
    must be funny,
    in a rich man's world...
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#2 YannickAnonym
  • 07.04.2021, 13:13h
  • Herr Rummenigge argumentiert mit einem Paragraphen aus der Kaiserzeit, der von den Nazis verschärft wurde. Und der vor 52 Jahren bereits deutlich entschärft und vor 27 Jahren endgültig gestrichen wurde.

    In diesen Jahrzehnten hat sich die Welt verändert. Wer heute noch Homosexualität ablehnt oder gar unter Strafe stellt, der tut das ganz bewusst und vorsätzlich.

    Ja, auch andere Staaten haben lange gebraucht. Aber sie haben es längst geändert und seit Jahrzehnten abgeschafft. Wie lange soll man solchen menschenverachtenden Staaten denn noch Zeit geben?

    Aber da spricht wohl eher die Angst vor Boykotten, weil man sich aus Motiven, die nichts mit Sport zu tun haben, auf solch einen Unrechtsstaat eingelassen hat.

    Diese WM beschmutzt den Fußball.
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#3 OutAndProud
  • 07.04.2021, 13:25h
  • Der arme Karl Heinz, er war ja schon gezwungen seine Uhr zu schmuggeln weil er nur den Mindestlohn verdient.
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