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LGBTI-Feindlichkeit bei der Linkspartei

Wagenknecht warnt vor "immer skurrileren Minderheiten"

Wie bei Grünen und SPD gibt es auch in der Linken Forderungen, die Gleichberechtigung von ethnischen oder sexuellen Minderheiten für Gedöns zu erklären.


Sahra Wagenknecht will offenbar Wählerstimmen ergattern, indem sie die Minderheitenpolitik der AfD übernimmt (Bild: Deutscher Bundestag / photothek / Thomas Köhler)

"Dieses Buch ist durchzogen von Menschenverachtung." Dieses Urteil über Sahra Wagenknechts neuestes Werk "Die Selbstgerechten", das nächste Woche erscheinen soll, stammt nicht von einem politischen Gegner der ehemaligen Oppositionsführerin im Bundestag, sondern von einem Parteifreund: Frank Laubenburg, der Bundessprecher der parteiinternen Vereinigung Die Linke.queer, ist empört über die Äußerungen der wohl prominentesten Politikerin seiner Partei.

Was war geschehen? Vorab sind mehrere Zitate aus dem Werk der 51-Jährigen aufgetaucht, die unter anderem auch in der parteinahen Zeitung "Neues Deutschland" diskutiert wurden. Wagenknecht echauffiert darin über die angeblich um sich greifende linke "Identitätspolitik". Der Begriff ist in den letzten Monaten zu einem Schlagwort all jener bei SPD, Grünen und Linken geworden, die Bürgerrechtspolitik – insbesondere die Forderungen von LGBTI-Aktivst*innen – ablehnen, indem sie diese Thematik für unwichtig erklären. In der SPD verbreitet etwa Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse diese These, bei den Grünen der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer.

Wörtlich schrieb Wagenknecht: "Die Identitätspolitik läuft darauf hinaus, das Augenmerk auf immer kleinere und immer skurrilere Minderheiten zu lenken, die ihre Identität jeweils in irgendeiner Marotte finden, durch die sie sich von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden und aus der sie den Anspruch ableiten, ein Opfer zu sein." Als Beispiel für solche "Marotten" nennt sie sexuelle Orientierung, Hautfarbe und Ethnie. Arme Menschen, die lediglich "weiß und hetero" seien, würden dagegen den angeblich begehrten Opferstatus nicht erhalten.

..."skurrile Minderheiten, die ihre Identität jeweils in irgendeiner Marotte finden"… Was da Sahra Wagenknecht in...

Posted by Luigi Pantisano on Wednesday, April 7, 2021
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Wagenknecht hatte bereits 2018 versucht, Politik für die Gleichbehandlung von LGBTI pauschal als unwichtig darzustellen. Weltoffenheit, Antirassismus und Minderheitenschutz seien lediglich "Wohlfühl-Label, um rüde Umverteilung von unten nach oben zu kaschieren und ihren Nutznießern ein gutes Gewissen zu bereiten" (queer.de berichtete).

Wagenknecht könnte erneut linke Spitzenkandidatin werden

Für Linken-Politiker Laubenburg ist nun das Fass übergelaufen. In einem längeren Facebook-Eintrag erklärte er, die Äußerungen Wagenknechts seien "unerträglich und mit dem Selbstverständnis, mit den Werten und Zielen der Partei DIE LINKE nicht vereinbar". Er forderte seine Parteifreund*innen auf, die Buch-Autorin nicht erneut zur nordrhein-westfälischen Spitzenkandidatin auf der Bundestags-Landesliste zu machen: "Die Delegierten der LINKEN in NRW müssen sich am Samstag bei der Aufstellung ihrer Bundestagsliste entscheiden, ob sie Solidarität und Gerechtigkeit wirklich zugunsten einer vermeintlichen Popularität aufgeben wollen. Man wirft niemanden den Hunden zum Fraß vor."

1941 wurde Piere Seel als 18-jähriger aufgrund seiner Homosexualität von den Nazis in das Camp de Schirmeck...

Posted by Frank Laubenburg on Wednesday, April 7, 2021
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Die nach wie vor anhaltende Popularität Wagenknechts innerhalb von Partei und Fraktion zeigt einen großen Unterschied zwischen Homophobie in der Linkspartei und bei SPD und Grünen. Denn das Duo Thierse/Palmer hat in ihren Parteien nichts (mehr) zu sagen: Thierse ist schon längst aus der aktiven Politik ausgestiegen, während Palmer in seiner Partei weitgehend isoliert ist und seine Autorität nur aus seinem Bürgermeisterposten herleitet. Wagenknecht und ihre menschenverachtenden Äußerungen scheinen hingegen in der Mitte der Partei zu wachsen.

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#1 KotzAnonym
  • 08.04.2021, 12:34h
  • Ekelerregend.
    Man kommt immer mehr dahin, zu begreifen, dass eine echte Unterstützerpartei für unsere Anliegen nicht existiert.
    Egal aus welcher Ecke. Es kommen immer wieder diese Figuren hervorgekrochen.
    Wir sind einfach zu vielen Menschen schlicht egal.
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#2 LorenProfil
  • 08.04.2021, 12:42hGreifswald
  • Das einzig Gute an diesen öffentlichen Äußerungen ist, dass bei einigen die Masken fallen, was nicht nur diejenigen betrifft, die sich wie Wagenknecht, Palmer, Thierse etc. im öffentlichen Diskurs positionieren, sondern auch diejenigen, die ihnen weiterhin nachlaufen. Offenbar lässt sich mit diesen Frontalangriffen auf Emanzipations- und Gleichstellungspolitik derzeit sehr gut symbolisches (z.B. Thierse, Palmer) oder auch, wenn in Buchform auf den Markt gebracht, kontofüllend-handfestes Kapital (z.B. Wagenknecht) erwirtschaften.
    Linksliberalismus und Marxismus gehen halt im Betonkopf Wagenknechtscher Bauart nicht zusammen, was für mich allerdings keine neue Erkenntnis ist.
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#3 DudelAnonym
  • 08.04.2021, 12:54h
  • Eines gilt Partei übergreifend:
    Es entlarvt sich noch fast jede Person selbst durch ihr Handeln oder durch ihre Äußerungen.
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#4 Alexander_FAnonym
  • 08.04.2021, 13:01h
  • Es zeigt sich immer mehr genau jene Niedertracht, vor der Autoren wie Christian Baron, als sie auf die Vernachlässigung der Klassenproblematik und des deutschen "white trash" hinwiesen, ausdrücklich gewarnt haben: die nämlich, diese vernachlässigten Problematiken gegen jene von Minderheiten auszuspielen.

    Es ist ein immer widerwärtigeres Schauspiel, was sich da links von der politischen Mitte abspielt, und es ist fatal, dass es sich dort abspielt und nicht bei den Schwarz-Blauen, wo es eigentlich hingehört.
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#5 CornyAnonym
  • 08.04.2021, 13:06h
  • Das traurige ist, dass Wagenknecht die einzige Spitzenkandidatin ist, mit der eine breite Menge von Menschen als Wählerschaft "gewonnen" werden kann. Das bedeutet traurigerweise aber auch, dass es strategisch klug wäre, Frau Wagenknecht zur Spitzenkanditatin zu machen.
    Denn was nützt die Aufrichtigkeit, um bei der Wahl sang- und klanglos unterzugehen? So kann man die Richtung nicht mitbestimmen.

    Anmerkung: Mir persönlich wäre lieber, dass Frau Wagenknecht aus der Politik verschwindet, aber ich sehe trotzdem, dass es eine unkluge Entscheidung wäre.
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#6 AtreusProfil
  • 08.04.2021, 13:08hSÜW
  • Verwundert nicht, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Wagenknecht bis zum Schulterblatt im Rektum von Putin steckt.
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#7 Girlygirl
  • 08.04.2021, 13:28h
  • Warum versteht keiner Intersektionalität? Sowohl die Twitter "sjw"s, als auch die Boomer verstehen das Konzept Intersektionalität nicht. Es ist keine Hierarchie, wo irgendwie Max Mustermann mit seiner Frau Erika an der Spitze stehen, sondern es bedeutet, dass Menschen nicht nur aufgrund ihres Einkommens benachteiligt werden, sondern es viele Faktoren gibt. Ich hasse es, wenn ich irgendwo mal wieder was von "weißer, hetero" keine Ahnung Mann lese, weil ich weiß, was die Person meint, aber sie es so komisch ausdrückt, dass es komplett daneben klingt. Die Intoleranten nutzen die Tatsache, dass viele diese Theorie nicht verstehen, schamlos aus. Außerdem sollten wir in Debatten mit Thierse und Wagenknecht NIEMALS ihre eigene Strategie zu Nutzen machen und unsere oder ihre Identität hervorheben. Ich könnte gegen die beiden argumentieren ohne zu erwähnen, dass sie weiß oder Hetero oder 1,4 Kinder im Ikeabett gezeugt haben und ich eher das Gegenteil davon bin. Bitte hört auf damit, die Identität einer Person zu nutzen, um ihr Argument zu entkräften.
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#8 AufrechtgehnProfil
  • 08.04.2021, 13:31hFrankfurt am Main
  • Ich kann nur hoffen, dass die Frau nicht als Spitzenkandidatin aufgestellt wird. Langsam gehen mir nämlich die wählbaren Alternativen aus.
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#9 KaiJAnonym
  • 08.04.2021, 14:00h
  • Bei Wagenknecht und der Linken sieht mensch, dass es ihnen nicht um das Individuum und seine Rechte geht, sondern in der von ihnen vorgetragen Gleichheit im Kollektiv um die Entmachtung des Individuums in seiner Rechten und seiner Persönlichkeit zugunsten der Aneignung der Macht und des Diktats durch einige wenige. Dies' ist klassisch in der Linken und der AfD, aber auch bei vielen in den demokratischen Parteien nicht nur im Ansatz vorhanden. Die Fans da überall z.B. grüssen ihren Putin. Die Parteien und Personen sind klar in diesen Haltungen zu benennen, hinter ihre verfassungs- und menschenrechtlichen Grenzen zu weisen, um Schaden für alle abzuhalten.
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#10 jStaffelbergblickAnonym
  • 08.04.2021, 14:06h
  • ich mache mich mal wieder unbeliebt ... das kann ich mittlerweile am besten:
    Es wird hier über Wagenknecht aufgerecht ... nur darf nie vergessen werden, diese Frau ist alles andere blöde. Die schlichtweg gebildet. Und die hat ... wie viele in der Politik ... einen Machtanspruch. Die einen betreiben diesen in der Hoffnung auf ihren ostpreusischen Gutsbesitz, die anderen in Hoffnung auf den deutschen Geldadel und dann noch die in Hoffnung auf "den deutschen Arbeiter". Und was machen wir??? Jeder hängt sich nach eigenem Ermessen irgendeiner Kategorie/Partei an ... oder gar nicht. Das bedeutet ... wir machen uns damit abhängig in einer Art und Weise wie im Sandkasten ... "Mutti, der hat mir mein Förmchen geklaut" und plärren ... in der Hoffnung, daß "Mutti" hilft. Und heute ... ich erlebe das momentan in den gesamten Diskussionen nicht anders ... Das heftigste ist noch eine allgemein depperter Shitstorm, denn den mache ganz einfach, ganz schnell, so mal nebenbei von zu Hause, aus dem Auto ... und ach was war ich toll. Ich habe meine Wut rausgelassen ... Und die Quintessenz?? Das Netz ist voll von wütenden Netzbürgern. Der größte Erfolg ist noch, dass in den Printmedien wieder über einen Shitstorm berichtet wird ... mit dem der "strunznormale Bürger" schon aufgrund der Sprache mehr oder weniger (un-)interessiert drüber hinweggeht. Wenn wir doch ach so viele sind ... warum an andere anhängen? Wo bleiben die lautstarken Aktivisten und gründen nicht eine Partei????
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