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Mordprozess

Ließ der Geliebte des Pastors den Mörder in die Wohnung?

In Berlin hat am Donnerstag der Prozess gegen zwei junge Männer begonnen, die im vergangenen Jahr einen 77-jährigen ehemaligen Pastor getötet haben sollen. Viele Fragen bleiben nach wie vor offen.


Reinhold Zuber wurde im Sommer 2020 in seiner Wohnung in Berlin-Moabit ermordet (Bild: Polizei Berlin)

Sie sollen einen Berliner Pastor ermordet haben, weil sie in seiner Wohnung lohnenswerte Beute erwarteten: Nach dem gewaltsamen Tod des 77-jährigen Reinhold Zuber hat am Berliner Landgericht der Prozess gegen zwei Männer begonnen. Der 21-jährige Angeklagte Vandam G. wies die Vorwürfe zu Beginn der Verhandlung am Donnerstag zurück. Er habe den Mann nicht getötet. "Ich bin unschuldig", erklärte er über einen seiner Verteidiger. Der zweite Angeklagte Constantin C. im Alter von 24 Jahren schwieg zu den Vorwürfen.

Die Staatsanwaltschaft legt den aus Rumänien stammenden Männern zur Last, den schwulen aus Habgier und in Verdeckungsabsicht getötet zu haben. Der 24-jährige Angeklagte soll eine intime Beziehung zu dem Senior unterhalten, von ihm großzügig unterstützt worden sein und sich regelmäßig in dessen Wohnung in Berlin-Moabit aufgehalten haben. Er habe dem 21-Jährigen und weiteren Personen laut Anklage berichtet, dass der 77-Jährige vermögend sei. Zuber soll den vorbestraften 24-Jährigen vor drei Jahren in einer Berliner Stricherbar kennengelernt haben.

Das Opfer wurde geschlagen und mit einem Kissen erstickt

Der Geistliche wurde laut Ermittlungen am 30. Juni oder am 1. Juli 2020 tödlich angegriffen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 24-Jährige den Mitangeklagten sowie einen bislang unbekannten Mittäter in die Wohnung eingelassen habe. Der 21-Jährige habe das Oper geschlagen und getreten, den Senior dann in einem spontanen Tatentschluss mit einem Kissen erstickt, so die Anklage. Der 24-Jährige habe das billigend in Kauf genommen. Er habe während der Gewaltattacke Verstecke von Wertgegenständen gesucht – "wozu er auch Teppiche entfernte und Bodenplatten herausbrach".

Der 21-Jährige erklärte weiter, manchmal habe er "als Stricher etwas für die Familie dazuverdient". So sei es auch am 30. Juni 2020 gewesen. Als er an seinem Stammplatz stand, habe ihn der Herr angesprochen. "Wir haben uns auf 80 Euro geeinigt." Sie seien per Taxi in die Wohnung des 77-Jährigen gefahren. Nach etwa einer Stunde habe er die Wohnung verlassen, weil es Diskussionen um weitere sexuelle Handlungen gegeben habe. "Seitdem habe ich den Mann nicht mehr gesehen", so der 21-Jährige. Er sei am nächsten Tag mit seiner Familie nach Rumänien gefahren. Das sei geplant gewesen.

Mehrere 100-Euro-Scheine lagen auf dem Tisch

Der Theologe war am 4. Juli 2020 tot in seiner Moabiter Wohnung entdeckt worden (queer.de berichtete). Bewohner des Mehrfamilienhauses hatten Feuerwehr und Polizei alarmiert, weil sie den Mann seit mehreren Tagen nicht mehr gesehen hatten. Die Angeklagten sollen sich nach der Tat nach Rumänien abgesetzt haben, wo sie im August und September 2020 festgenommen wurden (queer.de berichtete).

Nachbar*innen hatten gegenüber dem "Berliner Kurier" erklärt, dass Zuber offen mit seiner Homosexualität umgegangen sei und regelmäßig junge Männer zu Besuch gehabt habe. Auf seinem Briefkasten war neben seinem Namen auch ein "AIDS Projekt Begegnungsstätte Tiergarten" angegeben, das jedoch weder bei Google noch bei der Berliner Aidshilfe bekannt ist. Medien berichteten zudem, dass Zuber zu Beginn der Achtzigerjahre wegen Drogenbesitzes und Drogenhandels zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden sei und deshalb seine Anstellung bei der Berliner Stadtmission verloren habe. Sein Geld soll er im Kunsthandel verdient haben.

Ein Verteidiger des 21-Jährigen erklärte am Rande des Prozesses, Zeugen hätten den 77-Jährigen noch am 1. Juli 2020 gesehen. Zu dem Zeitpunkt sei sein Mandant bereits über 1.000 Kilometer von Berlin entfernt gewesen. Auch eine von der Anklage angenommene Raubabsicht sei fraglich. Auf einem Tisch in der Wohnung des Opfers habe die Polizei mehrere 100-Euro-Scheine entdeckt. Der Prozess wird am 14. April fortgesetzt. (cw/dpa)