Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?38567

Vandalismus

Berlin: Gedenktafeln für Homosexuellen-Bewegung schon wieder beschädigt

Am Magnus-Hirschfeld-Ufer wurden Gesichter auf den Gedenktafeln ausgebrannt und laut LSVD "homophobe Schmierereien" angebracht.


Die aktuellen Beschädigungen (Bild: Sara Rigotti / LSVD Berlin-Brandenburg)

Die Gedenktafeln am Berliner Magnus-Hirschfeld-Ufer, die in der Nähe des Bundeskanzleramts an die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung erinnern, wurden erneut beschädigt. Darauf wies der LSVD Berlin-Brandenburg am Freitag hin.

Die Gesichter von Anita Augspurg (1857-1943), Karl Heinrich Ulrichs (1825-1895) und Dr. Magnus Hirschfeld (1868-1935) wurden demnach ausgebrannt. Hinzu kämen Schmierereien auf den Gedenktafeln, "die auf ein eindeutig LSBTI*-feindliches Motiv" schließen ließen, so der Verband. Der polizeiliche Staatsschutz habe die Ermittlungen aufgenommen.

Ähnliche Beschädigungen hatte es bereits unter anderem im Oktober 2019, August 2019, Oktober 2018 und im August 2017 gegeben – damals kurz vor der Einweihung des Denkmals, das neben den bereits 2011 eingerichteten Tafeln mit meterhohen künstlichen Calla-Lilien an die Bewegung erinnert.

Auch zuvor waren die Tafeln mehrfach beschädigt oder verbogen worden. Die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung begann 1897 mit der Gründung des Wissenschaftlich-humanitären Komitees. Der jüdische Arzt und Sexualwissenschaftler Hirschfeld war Initiator und maßgeblicher Vertreter dieser Bewegung. 1919 errichtete er auf dem Gelände zwischen dem heutigen Bundeskanzleramt und dem Haus der Kulturen der Welt das Institut für Sexualwissenschaft.

"Keine Bagatelle"

"Vandalismus ist keine Bagatelle", so Christopher Schreiber, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg. "Die gezielte Zerstörung der Gesichter der abgebildeten Personen zeugt von enormem Hass und Respektlosigkeit gegenüber queeren Personen. Von der Sachbeschädigung zum Gewaltdelikt ist es hier meist nur ein kleiner Schritt."

Schreiber verwies darauf, dass die "in etwa 30 Jahren mühevoll aufgebauten Gedenk- und Erinnerungsorte für die queere Verfolgungs- und Emanzipationsgeschichte" immer wieder zur Zielscheibe von Vandalismus werden. Auch eine Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen am U-Bahnhof Nollendorfplatz und vor allem das entsprechende Denkmal im Berliner Tiergarten wurden immer wieder beschädigt. Nach einem Fahndungsaufruf konnte im letzten Sommer ein Verdächtiger ermittelt werden (queer.de berichtete).

Laut einer vorläufigen Statistik des Bundesinnenministeriums war es im Vorjahr zu 43 von der Polizei erfassten Sachbeschädigungen gekommen, die den Themenfeldern "sexuelle Orientierung" sowie "Geschlecht/sexuelle Identität" zugeordnet wurden. (pm/cw)



#1 KaiJAnonym
  • 09.04.2021, 17:53h
  • "Von der Sachbeschädigung bis zum Gewaltdelikt ist es hier meist nur ein kleiner Schritt", weil die vielen Anschläge auch hier Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse sind, denen um so entschiedener zu begegnen ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 AtreusProfil
#3 MittimittlerAnonym
  • 10.04.2021, 10:58h
  • Man hört ständig "der polizeiliche Staatsschutz" ermittelt. Klingt ja schonmal mächtig beeindruckend... aaaaber...

    Kommt der auch mal zu Ergebnissen?

    Und führen diese Ergebnisse auch mal zu strafrechtlichen Konseqzenzen?

    Von letzterem hört man leider nicht so oft.

    Passiert da nichts oder wird einfach nur nicht berichtet?

    Sollte einfach nur nicht berichtet werden, weil das "nicht genug Aufreger" ist, so wäre das sehr schade.

    Denn gerade Berichte über Strafen könnten, wenn sie nur angemessen sind, andere Täter abhalten.

    Über die Möglichkeit, dass "nichts passiert", möchte ich gar nicht nachdenken.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Ralph
  • 10.04.2021, 10:59h
  • Vandalismus definiert sich im heutigen Sprachgebrauch (wenn auch historisch falsch, denn die Vandalen plünderten Rom sehr planvoll, um dessen Schätze möglichst unbeschädigt nach Karthago zu bringen) als sinnlose Zerstörungswut. Gerade darum handelt es sich hier aber nicht, denn die Täter wollen eine menschenfeindliche politische Gesinnung zum Ausdruck bringen, ähnlich wie beim Beschmieren von Grabsteinen auf jüdischen Friedhöfen mit Halenkreuzen. "Vandalismus" ist da im Grunde ein verharmlosender Ausdruck.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 swimniAnonym
#6 9uzzwAnonym
  • 10.04.2021, 13:30h
  • Antwort auf #5 von swimni
  • bei dem jetzigen klima aus querdenkern, reichsbürgern, besorgten irgendwers, konversions"therapie"-erlaubnis für volljährige durch das deutsche parlament usw. würden berichte über diesen schwulenhass vermutlich als bestärkung aufgefasst werden, vermehrt weiterzumachen und statt bildern auch mal reale gesichter zu verbrennen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Ralph
#8 dellbronx51069Anonym
  • 11.04.2021, 09:53h
  • Die Gesichter wurden ausgebrannt. Lässt doch tief blicken . Gerade jetzt wo sich das Nationale wieder mit dem Sozialen verbündet. Wagenknecht, Thierse , Palmer . Da ist es nur noch ein kurzer weg zu Höcke und Kalbitz , den Standby Nazis der Afd. Der deutsche Spiessbürger entdeckt wieder einen alten gemeinsamen Feind . Insbesondere bei uns Schwulen sollten da sämtliche rote Lampen angehen. Und die Corona Pandemie wirkt wie ein Bandbeschleuniger. Ich hatte schon vor einem Jahr drauf hingewiesen.
  • Antworten » | Direktlink »