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"Tatort"

Ulrike Folkerts verhinderte das Coming-out von Lena Odenthal

Der SWR wollte wohl, dass die Ludwigshafener "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal offen lesbisch lebt, doch Schauspielerin Ulrike Folkerts lehnte ab: "Der Zug ist so was von abgefahren."


Ulrike Folkerts spielt seit 1989 die Ludwigshafener "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal (Bild: SWR / Jacqueline Krause-Burberg)

Die lesbische Schauspielerin Ulrike Folkerts hat einen Vorschlag des SWR abgelehnt, dass sich die von ihr gespielte Ludwigshafener "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal als homosexuell outet. Das berichtete die 59-Jährige eher beiläufig in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Bezahlartikel).

"Mein Beruf ist es, Rollen zu spielen, fertig", sagte Folkerts zunächst zum Thema LGBTI-Sichtbarkeit in Film und Fernsehen. "Ich habe nie extra nach lesbischen Rollen gesucht. Auch Vereinnahmungen finde ich schwierig." Entsprechende Versuche habe es "ständig" gegeben, beklagte sich die Schauspielerin: "Einige in der lesbischen Community fanden zwischenzeitlich sogar, dass Lena Odenthal im 'Tatort' jetzt bitte auch lesbisch werden soll. Die sagten: 'Das bist du uns schuldig'."

Die Community habe "plötzlich ähnlich argumentiert wie die SWR-Redaktion", so Folkerts weiter. "Die kam nämlich mit demselben Vorschlag, schließlich gebe es noch keine lesbische 'Tatort'-Kommissarin. Da habe ich gesagt: Lieb gemeint, aber der Zug ist so was von abgefahren. Das kann jetzt wirklich wer anders machen."

Ulrike Folkerts verteidigt #ActOut


Am 12. April erscheint Folkerts Autobiografie "Ich muss raus" im Brandstätter Verlag

Im SZ-Interview stellte sich Ulrike Folkerts klar hinter die Kampagne #ActOut, bei der sich Anfang Februar 185 LGBTI-Schauspieler*innen gemeinsam im "SZ-Magazin" geoutet hatten (queer.de berichtete). "Es ist ein Drama, dass solche Aktionen heute noch nötig sind", sagte die 59-Jährige. "Aber es ist auch Fakt, dass das Fernsehen immer noch viel zu wenig divers ist. Dass es gerade mal eine Handvoll Schauspielerinnen in Deutschland gibt, die sich als lesbisch geoutet haben und trotzdem gut arbeiten können. Es gibt kaum Role Models."

Ein Grund für das Versteckspiel sei, dass Schauspieler*innen Projektionsfläche sein sollen, vermutet Folkerts. "Deshalb raten manche Agenten homosexuellen Schauspielern weiter dazu, sich nicht mit Partnern auf roten Teppichen zu zeigen. Nur im Profisport ist es ähnlich schwierig."

Sie selbst spreche heute kaum noch über ihre Homosexualität, sagte die Schauspielerin. "Weil es nicht wichtig ist für mein Zusammensein mit Menschen. Ich lebe in einer glücklichen Beziehung, und das ist nur das, was die meisten wollen. Da relativieren sich die Unterschiede."

Folkerts outete sich 1999

Ulrike Folkerts hatte sich 1999 nach Druck von Boulevardmedien als lesbisch geoutet. Nach ihrem Coming-out engagierte sie sich zunächst bei zahlreichen Community-Events: So nahm die Hobbysportlerin 2002 bei den Gay Games im australischen Sydney teil und holte mit der Schwimmstaffel des schwul-lesbischen Berliner Vereins "Vorspiel" eine Silber- und eine Bronzemedaille. Im Juli 2004 erschwamm sie eine Bronzemedaille bei den Eurogames in München. 2008 kündigte Folkerts jedoch im Magazin "stern" an, den Kampf für LGBTI-Rechte lieber anderen zu überlassen. "Ich habe keine Lust mehr, die Vorzeige-Lesbe zu geben. Das sollen jetzt mal Jüngere machen."

Beim "Tatort" ist Folkerts die dienstälteste Ermittlerin. Seit 32 Jahren und 74 Folgen spielt sie die Ludwigshafener Kommissarin Lena Odenthal. Nur einmal im Jahr 2001 durfte sie in einer Folge eine andere Frau küssen, sonst hat sie nur Beziehungen mit Männern. (cw)



#1 KumpelAnonym
  • 10.04.2021, 09:53h
  • Frau Folkerts will nicht mehr die Vorzeige Lesbe sein. So,so. Nun. sie steht aber mit ihrer Rolle als Kommissarin seit Jahrzehnten im Tatort und somit im öffentlichen Raum. Gerade sie könnte getrost noch mehr Einfluss nehmen um ein gutes Beispiel für andere Schauspiel Kolleg*innen zu sein. Meiner Meinung nach würde ihr die Rolle als lesbische Kommissarin sehr gut zu Gesicht stehen. Aber nun gut, sie hat sich dagegen entschieden. Persönlich finde ich ihre Leistung als Ermittlerin sowieso eher mäßig.
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#2 DaortDortAnonym
  • 10.04.2021, 10:08h
  • Antwort auf #1 von Kumpel
  • Sie ist keine "Ermittlerin". Sie ist Schauspielerin.
    Wenn sie schlecht "ermittelt", dann liegt es am Drehbuch des Filmes.

    Ich kann ihrer (Folkert's) Einstellung eher zustimmen. Sie spielt eine Rolle und dreht kein Selbstportrait.

    Die Debatte erinnert mich ein wenig an die Tatsache, dass Star-Trek-Sulu auf einmal schwul sein soll. Nicht weil es der Rolle hilft, sondern der Quote.

    Und wenn schwule/lesbische SchauspielerInnen immer in dir Richtung genötigt werden, ihre Rollen als schwul/lesbisch zu spielen... werden sie dann am Ende nicht wieder nur zur Nischenbesatzung?
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#3 Sam83Anonym
  • 10.04.2021, 10:25h
  • Volle Zustimmung für Ulrike Folkerts.

    Sie muss in ihrer Rolle wohl kaum auch noch ihr privates Leben mit einbringen. Privat ist privat. Rolle ist Rolle. Ich kann ihre Aussagen sehr gut nachvollziehen.
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#4 Ralph
  • 10.04.2021, 10:53h
  • Ich glaube, der Punkt ist ein anderer. Seit 32 Jahren gibt es Lena Odenthal. Und da soll sie auf einmal (sei es nach 20 oder nach 30 Jahren, ist im Prinzip egal) lesbisch sein, was sie vorher nie war? Da kann ich nur mit Ulrike Folkerts sagen: Der Zug ist so was von abgefahren. Wenn man endlich mal eine lesbische Kommissarin oder einen schwulen Kommissar haben will, dann muss die/der von Anfang an als lesbisch/schwul eingeführt werden. Und dass ausgerechnet eine lesbische Schauspielerin Adresse dieser Idee ist, lässt auch tief blicken - meinen die Fernsehgewaltigen etwa, einer heterosexuellen Frau ein solches Rollenbild nicht zumuten zu können? Oder ist da schon die Angst vor denjenigen zu erkennen, die meinen, nur eine Lesbe dürfe eine Lesbe spielen?
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#5 KumpelAnonym
#6 KumpelAnonym
#7 KumpelAnonym
  • 10.04.2021, 11:51h
  • Antwort auf #2 von DaortDort
  • Nachtrag. Der Sender hat Frau Folkerts gefragt und nicht dazu genötigt, ob sie in ihrer Rolle auch die Lesbische Kommissarin spielen möchte. Und ich bleibe bei meiner persönlichen Meinung, das sie nur mäßig spielt.
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#8 MatainaAnonym
  • 10.04.2021, 12:11h
  • Ulrikes Aussage: "Mein Beruf ist es, Rollen zu spielen, fertig" finde ich eigentlich gut. Für mich war sie allerdings immer die ungeoutete lesbische Kommissarin. Keine Ahnung ob das an ihrem Outing lag, was sich dann in meinem Hirn als Zusatzinformation angeheftet hat und immer aufpoppte, wenn ich sie sah, oder an ihrer butchen Art. Sie ist halt nicht der Typ "zarte Femme" oder "hingebungsvolle Mutter und Hausfrau" und auch nicht der Typ, der dem Durchschnittsmann den Kopf verdreht. In meinen Augen hat sie eigentlich immer sich selbst gespielt. Insofern konnte ich ihr die Rolle als hetero-sexuelle Kommissarin nie abnehmen. Es wäre jetzt mal interessant zu wissen, ob ich das auch so empfinden würde, wenn ich nicht von ihrem Outing erfahren hätte. Wenn doch, würde das dann leider bedeuten, dass sie die Hete nicht gut bzw. überzeugend genug gespielt hätte. Wenn nein, dann wäre das ein Argument dafür, dass gutes Schauspiel eben doch alles kann und das eine hetero-sexuelle Schauspielerin auch eine Lesbe oder Transsexuelle spielen kann.
    Insofern kann ich Schauspieler jedenfalls verstehen, wenn sie ein Outing abwägen. Ihr Metier spielt eben einfach mit der Illusion und sie müssen schon verdammt gut spielen, um das Wissen um ihre eigentliche Veranlagung komplett vergessen zu machen. Sicher nicht unmöglich, aber verdammt schwierig.
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#9 Girlygirl
  • 10.04.2021, 15:06h
  • Ich respektiere Ulrike Folkerts Entscheidung. Die lesbische Repräsentation in Serien besteht ja ziemlich häufig aus Frauen, die vorher "hetero" waren und dann plötzlich im weiten Erwachsenenalter lesbische Erfahrungen machen. So was gibt es natürlich, aber man braucht das jetzt nicht noch mal im Tatort zu sehen. Und wenn mehr homosexuelle Schauspieler*innen hetero spielen, ist es dann umgekehrt auch in Ordnung, dass Heteros homo spielen und generell die sexuelle Orientierung unwichtig ist. Momentan sind geoutete Homosexuelle in Hetero Rollen aber noch selten, aber das wird sich ändern und besonders die Act Out Teilnehmer*innen haben einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht!
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#10 TV-junkieAnonym
  • 11.04.2021, 05:49h
  • Mir gefallen die Odenthal-Tatorts sehr gut. Allerdings hat sich Lena menschlich in 32 Jahren nicht entwickelt. Sie wirkt immer auf der Suche nach ihrer persönlichen Identitãt. Ich bin immer davon ausgegangen, dass das bewusst inszeniert ist. Häufig wurde Momente der sexuellen Identität angedeutet, mit dem Eindruck, dass Lena sich nicht entscheiden kann oder will.
    Lena Odenthal ist eine gute Ermittlerin mit einem ungewöhnlichen Privatleben, dass offen für Interpretationen ist.
    Die private Lesbe Ulrike Folkerts, die offensichtlich ihren Weg/Glück gefunden hat muss ja nicht zwangsläufig bedeuten, dass Lena Odenthal auch diesen Weg geht.
    Es wäre natürlich sehr schön, wenn es irgendwo mal im Tatort das Experiment eines nicht stereotypen homosexuellen Charakter gelingen würde, aus dem extrem sichtbaren schwulen Robert Karow wurde dann plötzlich der bisexuelle Macho. Vermutlich eine Entscheidung zu Gunsten des Zuschauervotums.
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