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"Tatort"

Ulrike Folkerts verhinderte das Coming-out von Lena Odenthal

Der SWR wollte wohl, dass die Ludwigshafener "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal offen lesbisch lebt, doch Schauspielerin Ulrike Folkerts lehnte ab: "Der Zug ist so was von abgefahren."


Ulrike Folkerts spielt seit 1989 die Ludwigshafener "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal (Bild: SWR / Jacqueline Krause-Burberg)
  • 10. April 2021, 06:50h 10 3 Min.

Die lesbische Schauspielerin Ulrike Folkerts hat einen Vorschlag des SWR abgelehnt, dass sich die von ihr gespielte Ludwigshafener "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal als homosexuell outet. Das berichtete die 59-Jährige eher beiläufig in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Bezahlartikel).

"Mein Beruf ist es, Rollen zu spielen, fertig", sagte Folkerts zunächst zum Thema LGBTI-Sichtbarkeit in Film und Fernsehen. "Ich habe nie extra nach lesbischen Rollen gesucht. Auch Vereinnahmungen finde ich schwierig." Entsprechende Versuche habe es "ständig" gegeben, beklagte sich die Schauspielerin: "Einige in der lesbischen Community fanden zwischenzeitlich sogar, dass Lena Odenthal im 'Tatort' jetzt bitte auch lesbisch werden soll. Die sagten: 'Das bist du uns schuldig'."

Die Community habe "plötzlich ähnlich argumentiert wie die SWR-Redaktion", so Folkerts weiter. "Die kam nämlich mit demselben Vorschlag, schließlich gebe es noch keine lesbische 'Tatort'-Kommissarin. Da habe ich gesagt: Lieb gemeint, aber der Zug ist so was von abgefahren. Das kann jetzt wirklich wer anders machen."

Ulrike Folkerts verteidigt #ActOut


Am 12. April erscheint Folkerts Autobiografie "Ich muss raus" im Brandstätter Verlag

Im SZ-Interview stellte sich Ulrike Folkerts klar hinter die Kampagne #ActOut, bei der sich Anfang Februar 185 LGBTI-Schauspieler*­innen gemeinsam im "SZ-Magazin" geoutet hatten (queer.de berichtete). "Es ist ein Drama, dass solche Aktionen heute noch nötig sind", sagte die 59-Jährige. "Aber es ist auch Fakt, dass das Fernsehen immer noch viel zu wenig divers ist. Dass es gerade mal eine Handvoll Schauspielerinnen in Deutschland gibt, die sich als lesbisch geoutet haben und trotzdem gut arbeiten können. Es gibt kaum Role Models."

Ein Grund für das Versteckspiel sei, dass Schauspieler*­innen Projektionsfläche sein sollen, vermutet Folkerts. "Deshalb raten manche Agenten homo­sexuellen Schauspielern weiter dazu, sich nicht mit Partnern auf roten Teppichen zu zeigen. Nur im Profisport ist es ähnlich schwierig."

Sie selbst spreche heute kaum noch über ihre Homosexualität, sagte die Schauspielerin. "Weil es nicht wichtig ist für mein Zusammensein mit Menschen. Ich lebe in einer glücklichen Beziehung, und das ist nur das, was die meisten wollen. Da relativieren sich die Unterschiede."

Folkerts outete sich 1999

Ulrike Folkerts hatte sich 1999 nach Druck von Boulevardmedien als lesbisch geoutet. Nach ihrem Coming-out engagierte sie sich zunächst bei zahlreichen Community-Events: So nahm die Hobbysportlerin 2002 bei den Gay Games im australischen Sydney teil und holte mit der Schwimmstaffel des schwul-lesbischen Berliner Vereins "Vorspiel" eine Silber- und eine Bronzemedaille. Im Juli 2004 erschwamm sie eine Bronzemedaille bei den Eurogames in München. 2008 kündigte Folkerts jedoch im Magazin "stern" an, den Kampf für LGBTI-Rechte lieber anderen zu überlassen. "Ich habe keine Lust mehr, die Vorzeige-Lesbe zu geben. Das sollen jetzt mal Jüngere machen."

Beim "Tatort" ist Folkerts die dienstälteste Ermittlerin. Seit 32 Jahren und 74 Folgen spielt sie die Ludwigshafener Kommissarin Lena Odenthal. Nur einmal im Jahr 2001 durfte sie in einer Folge eine andere Frau küssen, sonst hat sie nur Beziehungen mit Männern. (cw)

-w-

#1 KumpelAnonym
  • 10.04.2021, 09:53h
  • Frau Folkerts will nicht mehr die Vorzeige Lesbe sein. So,so. Nun. sie steht aber mit ihrer Rolle als Kommissarin seit Jahrzehnten im Tatort und somit im öffentlichen Raum. Gerade sie könnte getrost noch mehr Einfluss nehmen um ein gutes Beispiel für andere Schauspiel Kolleg*innen zu sein. Meiner Meinung nach würde ihr die Rolle als lesbische Kommissarin sehr gut zu Gesicht stehen. Aber nun gut, sie hat sich dagegen entschieden. Persönlich finde ich ihre Leistung als Ermittlerin sowieso eher mäßig.
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#2 DaortDortAnonym
  • 10.04.2021, 10:08h
  • Antwort auf #1 von Kumpel
  • Sie ist keine "Ermittlerin". Sie ist Schauspielerin.
    Wenn sie schlecht "ermittelt", dann liegt es am Drehbuch des Filmes.

    Ich kann ihrer (Folkert's) Einstellung eher zustimmen. Sie spielt eine Rolle und dreht kein Selbstportrait.

    Die Debatte erinnert mich ein wenig an die Tatsache, dass Star-Trek-Sulu auf einmal schwul sein soll. Nicht weil es der Rolle hilft, sondern der Quote.

    Und wenn schwule/lesbische SchauspielerInnen immer in dir Richtung genötigt werden, ihre Rollen als schwul/lesbisch zu spielen... werden sie dann am Ende nicht wieder nur zur Nischenbesatzung?
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#3 Sam83Anonym
  • 10.04.2021, 10:25h
  • Volle Zustimmung für Ulrike Folkerts.

    Sie muss in ihrer Rolle wohl kaum auch noch ihr privates Leben mit einbringen. Privat ist privat. Rolle ist Rolle. Ich kann ihre Aussagen sehr gut nachvollziehen.
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