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Smart Hero Award

Zwischen Grabrede und Youtube: "Anders Amen" ausgezeichnet

Für ihr Vlog "Anders Amen" erhielten die lesbischen Pastorinnen Ellen und Stefanie Radtke den Smart Hero Award. Am Freitag sprachen sie mit Schirmfrau Elke Büdenbender über Geschlechtergerechtigkeit.


Wollen mehr Glitzer an den Kirchtürmen: Ellen und Steffi Radtke vom Youtubekanal "Anders Amen" (Bild: ekn)
  • 10. April 2021, 14:53h, noch kein Kommentar

Viel Zeit hat Stefanie Radtke nicht. "Ich habe nachher noch eine Beerdigung", sagt die Pastorin aus Niedersachsen. Radtke ist lesbisch, lebt in einem Dorf im Landkreis Hildesheim, und ist mit Ellen verheiratet. Die beiden erreichen jede Woche Zehntausende Menschen über Youtube. Ihr Kanal "Anders Amen" soll "eine Online-Gemeinde für alle sein, denn die evangelische Kirche braucht definitiv mehr Glitzer in ihren Türmen", sagt Stefanie.

Für ihr Projekt sind die Pastorinnen Ende letzten Jahres mit dem Smart Hero Award geehrt worden – ein Preis für Menschen und Organisationen, die sich für eine faire und soziale Gesellschaft einsetzen. Schirmherrin dieses Jahr ist Elke Büdenbender, die Frau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Mit Stefanie und Ellen sprach Büdenbender am Freitag über Geschlechtergerechtigkeit.

Wie gerecht erleben Stefanie und Ellen die Gesellschaft in Bezug auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau? "Ich erlebe sie nicht als gerecht", sagt Stefanie. Durch Corona habe sich gezeigt, "wie selbstverständlich Frauen die Care-Arbeit zugeteilt wird". Haushalt, Kinder, Pflege von Angehörigen – all das sei entweder gar nicht oder schlecht bezahlt.

Vor sechs Monaten sind die Pastorinnen Mütter geworden.

Die beiden Pastorinnen wissen, wovon sie sprechen. Vor sechs Monaten sind sie Mütter geworden (queer.de berichtete). Jobs und Kind kriegen die Mütter geschaukelt. Aber: Eine evangelische Kita, die die Kleine auch sonntags nimmt, wenn die beiden arbeiten, die gibt es nicht. "Familie bleibt hauptsächlich an uns Frauen hängen", sagt Ellen.

Dabei sei die evangelische Kirche schon weit, was das Verhältnis von Frauen und Männern angehe. Bei den Katholiken sei das anders, aus gutem Grund: "Die sind eine Weltkirche", sagt Ellen. "Die hängen an Rom, die können sich nicht so einfach abspalten." Zu viel internationales Gewicht, zu viel Tradition.

Die Radtkes loben "Mario 2.0"

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten gingen die Frauen in der katholischen Kirche schon ihren Weg. "Maria 2.0 ist eine der fantastischsten feministischen Bewegungen", sagt Ellen. "Die Frauen haben sich in der katholischen Kirche lange viel gefallen lassen – und jetzt einen Punkt gefunden, wo sie sich verbinden, aufstehen und sagen: nicht weiter. Das ist unglaublich beeindruckend."

"Anders Amen" hatte 2020 den mit 10.000 Euro dotierten zweiten Platz des Smart Hero Award in der Kategorie "Demokratisch Gestalten" gewonnen. In ihrer Laudatio sagte Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) bei der digitalen Verleihung, "Anders Amen" zeige "eindrücklich und kreativ die Vielfältigkeit auch meiner evangelischen Kirche". Das Projekt mache deutlich, "dass die Kirche – die Gemeinde – auch queeren Menschen eine Heimat bieten kann". Dabei überzeuge "Anders Amen" mit einer durchdachten und modernen Socialmedia-Strategie, mit der die beiden Pastorinnen klug aktuelle Themen reflektierten: "Ich habe mich mit großem Interesse durch den Youtube-Kanal geklickt und habe mehrfach herzhaft gelacht." (cw/dpa)