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Erster Verhandlungstag

Dresdner Islamist sah Homosexuelle als "Feinde Gottes" an

Der Angeklagte Abdullah A. suchte sich offenbar gezielt das schwule Paar als Ziel seines Anschlages aus.


Abdullah A. steht derzeit in Dresden vor Gericht

Am ersten Tag der Verhandlung im Mordprozess gegen den 21-jährigen Syrer Abdullah A. wird die Motivation des Angeklagten deutlicher: Der forensische Mediziner Norbert Leygraf aus Münster schilderte vor Gericht, dass der Täter Homosexuelle als "Feinde Gottes" betrachte, die man töten dürfe. In dem Weltbild des Angeklagten habe Gott Frau und Mann geschaffen, um Kinder zu zeugen. A. habe laut Leygraf ausdrücklich erwähnt, dass sich die beiden von ihm angegriffenen Männer an den Händen gehalten hätten. Der Forensiker hatte sechs Stunden lang mit dem Angeklagten gesprochen.

Nach den Worten von Leygraf hatte sich der Beschuldigte im Gespräch nachdenklich und auf eine "irritierende Weise selbstkritisch" über die Tat geäußert. Denn er habe sich Vorwürfe gemacht, nicht stark genug gewesen zu sein. Er habe zwar zugestochen, aber "nicht mit dem Herzen" gehandelt. Auch dass eines der beiden Messer abbrach, habe er als Beleg für mangelnde Stärke gewertet. Gegenüber dem Gutachter bedauerte A. demnach, dass er zu schwach war, seinen Plan vollständig auszuführen und den "Märtyrertod" zu sterben. Er habe auch die Frage bejaht, ob er eine solche Tat wieder begehen würde. Einen Fehler habe er lediglich darin gesehen, sich vorher nicht mit Vertretern des Terrornetzwerks Islamischer Staat (IS) verständigt und ihm einen Treueschwur geleistet zu haben.

Der heute 21 Jahre alte A. soll am Abend des 4. Oktobers vergangenen Jahres mitten in der Dresdner Innenstadt auf zwei schwule Männer eingestochen haben. Der 55-jähriger Thomas L. starb, sein 53-jähriger Partner überlebte den Anschlag schwer verletzt (queer.de berichtete). Die beiden Männer aus Nordrhein-Westfalen machten zusammen Urlaub in Sachsen. Zum Tatzeitpunkt war A. erst 20 Jahre alt.

2015 nach Deutschland gekommen

Der Angeklagte, der aus Aleppo stammt und in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, war 2015 als Geflüchteter nach Deutschland gekommen. 2018 war er vom Oberlandesgericht Dresden wegen Werbung für den IS zu einer Jugendstrafe verurteilt worden, die nach Angriffen auf Beamte im Gefängnis erhöht wurde. Ende September 2020 wurde er aus der Haft entlassen, wenige Tage später griff er die beiden Männer an. Knapp drei Wochen später wurde er gefasst.

Laut Bundesanwaltschaft sah A. die beiden Opfer als Repräsentanten einer von ihm als "ungläubig" abgelehnten freiheitlichen Gesellschaft an und wollte ihr Leben auslöschen. Die Anklage machte vor Gericht deutlich, dass gegen ihn auch eine Sicherungsverwahrung in Betracht komme.

Der Beschuldigte selbst will sich im Prozess nicht zu dem Verbrechen äußern und sich "schweigend verteidigen", wie es sein Anwalt ausdrückte. Sein Mandant lehne das Gericht als "irdisches Gericht ab, das nicht zu bewerten hat, was er aus göttlicher Sicht getan hat".

Jugendstrafe für Angeklagten?

Verteidiger Peter Hollstein gab in einer Verhandlungspause zu, dass der Beschuldigte mit seinen Äußerungen gegenüber dem Gutachter de facto ein Geständnis abgelegt habe. "Die Katze ist insofern aus dem Sack. Er hat die Tat eingeräumt. Es ist hier der richtige Täter vor Gericht." Die von der Bundesanwaltschaft genannten Mordmerkmale seien erfüllt. Die andere Frage sei aber, ob Jugendstrafrecht und die Sicherungsverwahrung zur Anwendung kommen.

Laut Hollstein geht es beim Jugendstrafrecht darum, ob Reifedefizite bestehen. Bei seiner ersten Verurteilung sei Jugendstrafrecht angewendet worden und er habe drei Jahre in einer Jugendstrafanstalt abgesessen. Die Frage sei nun, wo eine "Nachreifung" erfolgt sein soll: "Was ist jetzt anders als vor der Inhaftierung?" Das Tat selbst sei allerdings keine "jugendtypische Tat": "Das ist allen bewusst." Das Gericht müsse jedoch die Frage der Reife klären. Die Frage der Reue stehe nicht im Raum. Der Syrer habe aus religiösen Motiven gehandelt und sei überzeugt, das Richtige getan zu haben. (AFP/dpa/cw)



#1 Alt genugAnonym
  • 12.04.2021, 15:23h
  • """Das Gericht müsse jedoch die Frage der Reife klären."""

    Er war reif genug, einen Menschen vorsätzlich zu ermorden. Dann ist er auch alt genug, die Konsequenzen zu tragen.

    """Der Syrer habe aus religiösen Motiven gehandelt und sei überzeugt, das Richtige getan zu haben."""

    Was nur belegt, dass er nach wie vor uneinsichtig ist. Ob ein Straftäter seine Tat richtig findet oder nicht, spielt aber auch keine Rolle.
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#2 Korinthen KKAnonym
  • 12.04.2021, 15:33h
  • Will jemand noch ernsthaft argumentieren, es sei eine doppelte Bestrafung, ihn nach Verbüßung der Tat abzuschieben?
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#3 Nicht integrierbarAnonym
  • 12.04.2021, 16:01h
  • Antwort auf #2 von Korinthen KK
  • Volle Zustimmung.

    Dass dieser Fanatiker nicht integrierbar ist, beweist er ja selbst:

    ------ Sein Mandant lehne das Gericht als "irdisches Gericht ab, das nicht zu bewerten hat, was er aus göttlicher Sicht getan hat". ------

    Braucht jemand noch mehr Beweise, dass der mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung nicht klar kommt und sie abschaffen will?

    Wenn der aus Haft frei kommt, würde der sofort wieder loslegen.

    Wir müssen leider akzeptieren, dass es auch Menschen gibt, die vollkommen in die Radikalität abgedriftet sind. Und die sollten dann auch nie mehr hier leben dürfen.

    Gerade auch zum Schutz der Mehrheit der friedlichen und integrationsbereiten Migranten.
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#4 GodzillaAnonym
  • 12.04.2021, 16:33h
  • Mit seinen Aussagen dem Forensiker ggü. hat er doch gezeigt, dass er sich nicht ändern wird und das Verhalten dem Gericht ggü. untermauert dies. Ich halte eine Sicherungsverwahrung für unumgänglich, ich beziehe da auch seine bisherigen Straftaten mit ein.
    Ich halte Resozialisierungen auch nur dann für möglich, wenn während der Haft eine Therapie stattfindet, denn Justizvollzugsbeamte können diese Arbeit gar nicht leisten und allein die Haft macht einem nicht zu einem besseren Menschen, sofern man nicht über Selbstreflexion verfügt.

    BtW : Spätestens jetzt sollte der Justiz klar sein, dass es sich um ein homosexuellenfeindliches Motiv handelt, wenn auch mit religiösen Wahn gepaart, und dies sollte man für künftige Fälle im Gedächtnis behalten und nicht vom Tisch wischen, wie es in diesem Fall zu Anfang geschah. Hoffentlich berücksichtigt der verhandelnde Richter in seinem Urteil das Motiv.
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#5 AFD-WatchAnonym
  • 12.04.2021, 16:36h
  • Antwort auf #3 von Nicht integrierbar
  • ------ Sein Mandant lehne das Gericht als "irdisches Gericht ab, das nicht zu bewerten hat, was er aus göttlicher Sicht getan hat". ------

    Aber ist ja interessant, wie sie sich ihr fanatisches Weltbild zurecht legen, wenn sie sich doch selber das "Recht" herausnehmen "irdisch zu bewerten".
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#6 Alexander_FAnonym
  • 12.04.2021, 17:16h
  • Antwort auf #2 von Korinthen KK
  • Nein, denn er hat damit auch klar bewiesen, dass er kein Flüchtling ist. Ein Flüchtling wäre er, wenn er vor dem religiösen Wahnsinn und Krieg in Syrien geflohen wäre. Er hat ihn aber nur in der Welt weiterverbreitet. Gerade für die, die in seiner Heimat Opfer dieses Irrsinns wurden und sie deshalb verlassen haben, ist er eine große Gefahr und sein Bleiben eine Beleidigung.
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#7 AtreusProfil
  • 12.04.2021, 17:40hSÜW
  • Antwort auf #1 von Alt genug
  • Der deutsche Staat findet doch immer etwas, um Taten abzuschwächen. Wenn gar nichts mehr hilft, ist er eben wieder betrunken gewesen oder psychisch vorbelastet. Eine Krankheit dieses Landes, dass eine halbe Stunde nach der Tat schon mehr über den Täter, als das Opfer gesprochen wird.
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#8 Ralph
  • 12.04.2021, 17:45h
  • Im Prinzip deckt sich sein Motiv mit der Ansicht katholischer, orthodoxer und evangelikaler Christen sowie zahlloser Politiker/innen weltweit. Uns muss klar sein, dass es Sicherheit für uns nicht geben kann. Es ist nur eine Frage der jeweiligen Verhältnisse, ob solche Grundeinstellung in Hasspredigten, Diskriminierung oder eben in Mord ihren Ausdruck findet. Was diesen speziellen Mann angeht, darf sich die Frage gar nicht erst stellen, ob er weniger als die Höchststrafe erhalten kann und ob ihm je erlaubt werden darf, sich in Deutschland frei zu bewegen. Niemand kann zweifeln, dass er bei erster Gelegenheit die gleiche Tat wieder begehen würde. Auch wird an diesem Täter unübersehbar, dass die deutsche Justiz und das deutsche Strafgesetz vor religlös fanatischen Gewalttätern schlicht versagt.
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#9 Ralph
  • 12.04.2021, 17:52h
  • Antwort auf #8 von Ralph
  • Sehr richtig. Über den Mörder wissen wir inzwischen fast alles - über seine Opfer fast nichts. Wir müssen ertragen, wie darüber spekuliert wird, auf welche Weise das Verbrechen "erklärt" werden und der Täter möglichst milde behandelt werden könne - dass dem überlebenden Opfer der Mann genommen wurde und wie es jetzt damit leben muss, das interessiert Presse und Justiz nicht die Bohne. Ich erinnere mich, dass das im Falle der NSU-Morde ganz anders war. Wieder erleben wir, dass Schwule immer Menschen zweiter Klasse sind, eben auch als Mordopfer.
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#10 YannickAnonym
  • 12.04.2021, 17:55h
  • Antwort auf #6 von Alexander_F
  • Richtig,

    das ist kein Flüchtling, sondern ein "Gotteskrieger", der nicht vor Gewalt in seinem Land flieht, sondern Hass und Gewalt seines Landes in der ganzen Welt verbreiten will.

    Und deshalb sollte er auch nicht hier bleiben dürfen.

    Opferschutz (auch der zukünftiger Opfer) geht vor Täterschutz.
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