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Regenbogenfamilie

USA: Drei Männer als Väter anerkannt

Die Kinder Piper und Parker sind in Amerika kleine Berühmtheiten: Denn sie haben nicht nur einen, sondern gleich drei Väter. Die schwulen Männer haben erreicht, dass sie alle als Elternteil rechtlich anerkannt werden.


v.l.n.r.: Ian Jenkins, Alan Mayfield, Jeremy Hodges und Töchterchen Piper bei einem Familienausflug 2019 (Bild: Instagram / three_dads_and_a_baby )

Für ihre drei Väter in Kalifornien hat die dreieinhalbjährige Piper drei verschiedene Namen. Alan Mayfield ist "Dada", Jeremy Hodges hört auf "Daddy" und er sei "Papa", erzählt Ian Jenkins über ihre blondgelockte Tochter. Piper hat zudem zwei Mütter: eine enge Bekannte des Trios, Meghan, spendete die Eizelle, eine Leihmutter brachte das Mädchen im August 2017 zur Welt. Was diese Familie einzigartig macht: alle drei Männer, die als "Throuple" seit über acht Jahren ohne Trauschein in einer polyamourösen Beziehung leben, sind offiziell als Väter auf Pipers Geburtsurkunde eingetragen.

Jenkins, Medizinprofessor an der Universität San Diego, hat ihre juristische Odyssee in dem kürzlich veröffentlichten Buch "Three Dads and a Baby: Adventures in Modern Parenting" (Drei Männer und ein Baby: Abenteuer moderner Elternschaft) aufgeschrieben. Nun steht das Trio plötzlich im Rampenlicht, tritt in Talkshows auf und macht sich für die Akzeptanz ihrer Familie stark.

Der Buchtitel erinnert an die Hit-Komödie "Noch drei Männer, noch ein Baby" von 1987 mit Tom Selleck, Ted Danson und Steve Guttenberg als drei (heterosexuelle) Junggesellen, die sich plötzlich um ein Baby kümmern müssen. Doch die Story von Ian, Alan (ein Psychiater) und Jeremy (ein Tierpfleger im Zoo von San Diego) ist komplizierter. Die in Deutschland verbotenen Leihmutterschaften sind in großen Teilen der USA legal, aber die Anerkennung von drei oder mehr Eltern ist der Ausnahmefall, erst recht, wenn es drei Väter sind. "Wir sind untypisch", räumt Jenkins im Gespräch ein. "Aber wer uns kennt, weiß, dass wir kein verrücktes, sondern eine ganz normales Familienleben haben. Wir lieben unsere Kinder und erziehen sie zu unabhängigen und verantwortungsvollen Menschen".

"Unser Problem war ein biologisches"


Ian Jenkins' Buch ist Anfang März erschienen

Piper hat inzwischen auch ein Brüderchen. Parker wurde im Juni 2019 von einer Leihmutter geboren. Mit Meghan als Eizellenspenderin haben die Halbgeschwister dieselbe Mutter. Der Junge ist biologisch Alans Sohn, während Piper mit der Samenspende von Jeremy erzeugt wurde. "Unser Problem war ein biologisches, keiner von uns hat eine Gebärmutter", witzelt Ian in seinem Buch. Mit Humor schildert er die Erlebnisse junger Eltern, mit Windelpannen und schlaflosen Nächten, dazu der mühsame, teure Weg mit künstlicher Befruchtung, das Hin und Her mit einem Team von Anwälten und die vielen rechtlichen Hürden.

"Wir sind keine Aktivisten, die etwa dafür kämpfen, dass wir drei heiraten dürfen", sagt Jeremy. "Uns geht es einzig um den Schutz unserer Kinder. Sie sollen abgesichert sein, wenn einem ihrer Väter etwas zustößt". Ohne rechtlich anerkannte Elternteile, hätten die Kinder etwa keinen Anspruch auf deren Pension oder Krankenversicherung. Eine Richterin in San Diego war zunächst skeptisch, das Trio vor Pipers Geburt als rechtmäßige Eltern anzuerkennen. Sie habe Sorge gehabt, einen Präzedenzfall zu schaffen, erzählt Alan. Doch die drei Männer trugen vor Gericht ihr ungewöhnliches Anliegen vor. "Ohne unser persönliches Vorsprechen, hätte sie bestimmt anders entschieden", davon ist der Psychiater überzeugt.

Laut ihrer Anwälte ist es in den USA juristisch beispiellos, dass schon vor der Geburt eines Kindes drei Eltern offiziell anerkannt und amtlich eingetragen wurden. Als Parker geboren wurde, gaben die Behörden dem Throuple für das Dreier-Geburtszertifikat gleich grünes Licht. "Kalifornien ist in so vielen Dingen ein Vorreiter, etwa im Klimaschutz oder in politischen Initiativen", sagt Ian. Sie hofften, dass ihr Vorbild weltweit etwas bewirken könne. Es helfe zudem, dass sie wirklich keine schrägen Sonderlinge seien, mit Totenkopf-Tätowierungen im Gesicht, witzelt Ian. "Wir haben alle gute Jobs, eine sehr stabile Familie und gehen total in unseren Kindern auf".

Am Stadtrand von San Diego hat die Familie ein großes Haus mit Pool, im Garten Hühner und Hasen, dazu die Hunde Otis und Hazel. Auf ihrer Instagramseite mit rund 4.000 Follower*innen veröffentlichen sie Fotos aus ihrem Alltag. Das häufigste Motiv sind die Kinder: Piper beim Zöpfe flechten, Parker Huckepack auf Ians Schulter, die Geschwister in ihren Halloween-Kostümen, als kleiner Drache und Faultier verkleidet.

"Jeder von uns hilft mit, bei allem was anfällt, von Fläschchen geben bis Windeln wechseln", sagt Alan. Dazu habe jeder Dad besondere Stärken. "Jeremy ist Meister im Frisieren, ich bin oft zum Trösten da, Ian ist immer für Aktivitäten zu haben."

Die biologische Mutter Meghan ist viel mehr als nur Eizellenspenderin. Sie wohnt tausende Kilometer entfernt an der US-Ostküste, nimmt aber mit Besuchen und über Videoschalten an dem Leben von Piper und Parker teil.

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Die Kinder würden mit der ungewöhnlichen Familienkonstellation ganz normal umgehen, sagt das Trio. Sie habe etwas von Mommy Meghan und ein bisschen von Daddy Jeremy, erklärt der Tierpfleger über seine Tochter Piper. "Natürlich weiß sie, dass unsere Familie anders ist, aber im Kindergarten erzählt sie stolz, dass sie drei Väter und nicht nur zwei Elternteile hat", sagt Jeremy. (dpa/cw)



#1 AtreusProfil
  • 13.04.2021, 12:00hSÜW
  • Wo anders als in Kalifornien wäre das auch möglich gewesen? Man stelle sich das Anliegen vor einem Gericht in Florida, South Carolina oder Indiana vor. Von den hardcore Rassismus- und Unterdrückerstaaten ala Mississippi will ich gar nicht sprechen. Das Vorhaben hätte dort mutmaßlich körperliche und seelische Beeinträchtigungen nach sich gezogen.

    Jedenfalls Glückwunsch an die Familie, für diesen Erfolg, der gleichzeitig auch zeigt, wie traurig zurückgeblieben die weltweiten Gesellschaften sind, dass man sich als offensichtlich erkennbare Familie den Titel und die damit verbundenen Rechte erst gerichtlich erstreiten muss und andernorts selbst das gar nicht könnte.

    Ich werde nicht müde es zu wiederholen: der technische Fortschritt ist dem gesellschaftlichen um Lichtjahre vorausgeeilt.
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#2 daVinci6667
  • 13.04.2021, 14:29h
  • Die Kommentarspalten von Blick oder 20 Minuten hier in der CH sind unschön. Öl ins Feuer der Gegner der Ehe für Alle, die uns ein paar Prozente kosten könnten. Man liest Dinge wie, sieht nur her wohin das alles hinführt, verrückt usw. Allzuviele denken nicht weiter und werden in ihren Vorurteilen bestärkt. Beschränkte Menschen eben,

    Dabei machen solche Dreier oder Viererbeziehungen ökonomisch durchaus Sinn. Der Staat sollte solche Beziehungen daher sehr zu schätzen wissen, denn er könnte viel Geld sparen.

    In einer solchen Konstellation ist die Wahrscheinlichkeit Sozialgelder auszahlen zu müssen viel geringer. Die Kinder haben immer jemanden da und bei drei voll verantwortlichen Elternteilen sind sie viel besser geschützt.

    Es sollte überall möglich sein für die drei eine echte Ehe einzugehen, falls sie das denn wünschen.

    Falls ein Mitglied der Familie inklusive Kind mal krank, arbeitslos, verunfallt, eine Krise hat, egal was auch immer, es sind im Minimum immer noch zwei da die helfen können.

    Und sexuell, ja, das geb ich zu, ist es auch ganz nett, so zu dritt oder viert im Ehebett...
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#3 ehtfbgswfdAnonym
  • 13.04.2021, 15:44h
  • Stellt euch vor was passiert, wenn 20 Leute eine Ehe schließen.

    Oder 100.

    Oder 10.000.

    Oder 1.000.000.

    1 Million Eltern für jedes Kind! Boa kann das Kind damit im Kindergarten angeben. "Ich hab 1 Million Papas!"

    Sobald man eine Obergrenze X für Vielehen zieht, werden X+1 Menschen ankommen und das Recht auf Eheschließung verlangen.

    Also wenn, dann Vielehe ohne Obergrenze.

    Why not?

    Ich find die drei sind ein süßes Throuple / Trio.

    Vier wären dann Quadrouple / Quadrupel.

    Fünf Pentouple / Pentupel.

    Sechs Sextouple / Sextupel.

    Und so weiter.
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