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Bericht

Nur 300 Menschen als divers anerkannt

Standesämter registrierten bis Ende 2020 bundesweit nur wenige Eintragungen im dritten Geschlecht. Grund für das mangelnde Interesse ist vor allem das restriktive Gesetz der Großen Koalition.


Die Intersexuellen-Flagge beim CSD Belgrad (Bild: Bojan Cvetanović / wikipedia)

  • 14. April 2021, 10:43h 31 2 Min.

Der Geschlechtseintrag divers ist einem Zeitungsbericht zufolge in Deutschland weiterhin extrem selten. Bis zum Ende des vergangenen Jahres hätten sich insgesamt knapp 300 Menschen bei den Standesämtern entsprechend eintragen lassen, berichtete "Die Zeit" am Mittwoch vorab unter Berufung auf einen Brief des Bundesinnenministeriums an die Bundesländer zu dem Thema.

Demnach waren die Zahlen in den zehn größten deutschen Städten im Vergleich zum Vorjahr 2019 tendenziell auch eher rückläufig. So meldeten die Standesämter dort für 2020 insgesamt 31 neue Einträge. 2019 hatten 42 Bürger ihren Geschlechtseintrag auf die Kategorie divers ändern lassen. Bei Neugeborenen gab es 2019 laut Bericht außerdem elf Fälle, in denen Eltern dies für ihr Baby festlegten.

Vor dreieinhalb Jahre hatte das Bundesverfassungsgericht in einem wegweisenden Urteil die rechtliche Besserstellung intersexueller Menschen verlangt (queer.de berichtete). In der Folge wurde die Möglichkeit geschaffen, sich als divers ins Geburtsregister eintragen zu lassen. Der Minimalkompromiss der Großen Koalition wurde scharf kritisiert, weil die Hürden für die Anerkennung sehr hoch angesetzt wurden – und die Regelung nur für intersexuelle, aber nicht für trans Menschen gilt (queer.de berichtete).

Neben der AfD übt insbesondere die Union Widerstand gegen eine liberalere Regelung. Teile der Union, etwa der sächsische Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß, leugnen sogar offen die Existenz von Intersexuellen (queer.de berichtete). Krauß ist dabei keine Randerscheinung in seiner Partei, sondern erhält große Unterstützung: So wurde der 45-Jährige kürzlich erneut zum Direktkandidaten im Wahlkreis Erzgebirge I aufgestellt – mit 93 Prozent der innerparteilichen Stimmen. (AFP/cw)

-w-

#1 GewitterziegeEhemaliges Profil
  • 14.04.2021, 14:02h
  • Wahlkeis Erzgebirge...aha...der Herr erinnert sich wohl an INTERshop für TRANSitreisende...gibt's ja nun wirklich nicht (mehr)...
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#2 Homonklin_NZAnonym
  • 14.04.2021, 15:53h
  • Auf einer Seite ist das verständlich, da sich viele Inter-Menschen nicht direkt auf einer Liste erkennbar zeigen möchten.

    Gerade dann nicht, wenn staatsfeindliche Parteien in dem Land beinahe alles durchgehen gelassen wird. Inklusive Torpedirtung, hemmen und stören der Entwicklungsprozesse.
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#3 ExNonBinaryAnonym
  • 14.04.2021, 18:21h
  • "Mangelndes Interesse" ist gut. Wenn ich mich gar nicht als "divers" eintragen lassen DARF, kann ich auch nicht beim Amt aufschlagen und "Interesse" zeigen. Es ist also offenbar politisch gewollt, diese Zahlen bewusst niedrig zu halten.

    Übrigens werden nicht nur Trans-Menschen durch die aktuelle Gesetzgebung ausgeschlossen, sondern auch nichtbinäre Menschen, die weder inter noch trans sind. Uns gibt es nämlich auch. Nur werden wir halt meistens schlichtweg übersehen oder, je nach Intention, auch aktiv totgeschwiegen.
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