Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?38599

Bericht

Nur 300 Menschen als divers anerkannt

Standesämter registrierten bis Ende 2020 bundesweit nur wenige Eintragungen im dritten Geschlecht. Grund für das mangelnde Interesse ist vor allem das restriktive Gesetz der Großen Koalition.


Die Intersexuellen-Flagge beim CSD Belgrad (Bild: Bojan Cvetanović / wikipedia)

Der Geschlechtseintrag divers ist einem Zeitungsbericht zufolge in Deutschland weiterhin extrem selten. Bis zum Ende des vergangenen Jahres hätten sich insgesamt knapp 300 Menschen bei den Standesämtern entsprechend eintragen lassen, berichtete "Die Zeit" am Mittwoch vorab unter Berufung auf einen Brief des Bundesinnenministeriums an die Bundesländer zu dem Thema.

Demnach waren die Zahlen in den zehn größten deutschen Städten im Vergleich zum Vorjahr 2019 tendenziell auch eher rückläufig. So meldeten die Standesämter dort für 2020 insgesamt 31 neue Einträge. 2019 hatten 42 Bürger ihren Geschlechtseintrag auf die Kategorie divers ändern lassen. Bei Neugeborenen gab es 2019 laut Bericht außerdem elf Fälle, in denen Eltern dies für ihr Baby festlegten.

Vor dreieinhalb Jahre hatte das Bundesverfassungsgericht in einem wegweisenden Urteil die rechtliche Besserstellung intersexueller Menschen verlangt (queer.de berichtete). In der Folge wurde die Möglichkeit geschaffen, sich als divers ins Geburtsregister eintragen zu lassen. Der Minimalkompromiss der Großen Koalition wurde scharf kritisiert, weil die Hürden für die Anerkennung sehr hoch angesetzt wurden – und die Regelung nur für intersexuelle, aber nicht für trans Menschen gilt (queer.de berichtete).

Neben der AfD übt insbesondere die Union Widerstand gegen eine liberalere Regelung. Teile der Union, etwa der sächsische Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß, leugnen sogar offen die Existenz von Intersexuellen (queer.de berichtete). Krauß ist dabei keine Randerscheinung in seiner Partei, sondern erhält große Unterstützung: So wurde der 45-Jährige kürzlich erneut zum Direktkandidaten im Wahlkreis Erzgebirge I aufgestellt – mit 93 Prozent der innerparteilichen Stimmen. (AFP/cw)



#1 GewitterziegeProfil
  • 14.04.2021, 14:02hErkelenz
  • Wahlkeis Erzgebirge...aha...der Herr erinnert sich wohl an INTERshop für TRANSitreisende...gibt's ja nun wirklich nicht (mehr)...
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Homonklin_NZAnonym
  • 14.04.2021, 15:53h
  • Auf einer Seite ist das verständlich, da sich viele Inter-Menschen nicht direkt auf einer Liste erkennbar zeigen möchten.

    Gerade dann nicht, wenn staatsfeindliche Parteien in dem Land beinahe alles durchgehen gelassen wird. Inklusive Torpedirtung, hemmen und stören der Entwicklungsprozesse.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 ExNonBinaryAnonym
  • 14.04.2021, 18:21h
  • "Mangelndes Interesse" ist gut. Wenn ich mich gar nicht als "divers" eintragen lassen DARF, kann ich auch nicht beim Amt aufschlagen und "Interesse" zeigen. Es ist also offenbar politisch gewollt, diese Zahlen bewusst niedrig zu halten.

    Übrigens werden nicht nur Trans-Menschen durch die aktuelle Gesetzgebung ausgeschlossen, sondern auch nichtbinäre Menschen, die weder inter noch trans sind. Uns gibt es nämlich auch. Nur werden wir halt meistens schlichtweg übersehen oder, je nach Intention, auch aktiv totgeschwiegen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 MinkaAnonym
  • 14.04.2021, 21:48h
  • Antwort auf #3 von ExNonBinary
  • Ernsthafte und hoffentlich nicht dumme Frage: Wie sind "nichtbinäre Menschen, die weder inter noch trans sind" definiert?

    Ich dachte, trans* Menschen sind so definiert, dass sie "sich mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht nicht identifizieren".
    Da wohl niemand bei der Geburt als "nicht-binär" definiert wird, sind nicht-binäre Menschen doch auch trans oder sehe ich das jetzt falsch?

    Hoffe, mit der Frage niemanden vor den Kopf gestoßen zu haben.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 ExNonBinaryAnonym
  • 14.04.2021, 22:47h
  • Antwort auf #4 von Minka
  • Diese Konfusion mag auf den unterschiedlichen Bedeutungs-Bandbreiten der Begriffe "transgender" und "transsexuell" beruhen (nähere Einzelheiten findet man jeweils auf Wikipedia). "Trans" kann eben für beides eine Abkürzung sein. Nach "modernerer" Definition könnten alle nichtbinären Menschen eben auch "trans(gender)" sein - nach "älterer" Definition aber eben nicht "trans(sexuell).

    Ich bin Jahrgang 1965; die Diskussion um transGENDER begann in Europa lt. Wikipedia ca. 1995. Mit 30 Jahren hatte sich für "trans" in meinem Kopf jedenfalls schon die Begrifflichkeit "transsexuell" gefestigt. Und so habe ich mich nie selbst gesehen. Ich hatte nie - nach der entsprechenden Definition - den Wunsch nach "einer weitestgehenden körperlichen und sozialen Angleichung an das empfundene innere Geschlecht", womit ja in der Regel das nach binären Regeln jeweils "andere" Geschlecht gemeint war. Daher z.B. auch der unsägliche Begriff "Geschlechtsumwandlung".

    Ich beanspruche auf keinen Fall, alleine und ausschließlich den Begriff "trans" so zu definieren. Für mich hat sich jedoch stets die Definition ergeben, dass ich mich nicht als "trans" im Sinne von "transsexuell" empfinde. Aber eben als nichtbinär. Also etwas zwischen, relativ platt ausgedrückt, meiner "männlichen" Erscheinung und "der Frau in mir", die da eben auch massiv vorhanden ist. Ich weiß, diese Ausdrucksweise ist überholt und nicht wirklich zutreffend. Ich wähle sie allerdings jetzt hier, weil große Teile der Bevölkerung Trans-Menschen (noch?!) genau so sehen.

    Mir kräuseln sich die Fußnägel, wenn ich Formulierungen lese wie "Er will eine Frau sein" oder umgekehrt. Jedenfalls bin ich nach DIESEN Kriterien garantiert kein bisschen trans.

    Als nichtbinär empfinde ich mich jedoch schon seit mindestens meiner Jugend. Ein Wort dafür hatte ich allerdings erst sehr viel später.

    Ich hoffe, es wurde einigermaßen verständlich, warum für mich "nichtbinär" nicht GLEICH "trans" ist. Und ich vermute mal, dass ich nicht die einzige Person bin, die sich so definiert bzw. so empfindet.

    Diskutiert das hier gerne weiter - ich persönlich möchte mich wieder ausklinken. Wie meinem Nickname zu entnehmen ist, war ich hier unter NonBinary unterwegs, hatte allerdings gravierende persönliche Gründe, von einer breiteren Teilnahme an den Diskussionen hier Abstand zu nehmen, und möchte es auch weiterhin so halten. Vielen Dank fürs Verständnis.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 NevermindAnonym
  • 15.04.2021, 05:44h
  • Antwort auf #3 von ExNonBinary
  • Bitte entschuldige, wenn ich trotzdem noch mal etwas frage. Woran liegt es, dass du dich nicht als >>divers<< eintragen lassen DARFST? Weil man dir das Attest verweigert bzw. weil du keinen Arzt finden kannst, der das machen würde? Geht mich ja nichts an, aber ich würde es gern verstehen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 MinkaAnonym
#8 ExNonBinaryAnonym
  • 15.04.2021, 07:20h
  • Antwort auf #6 von Nevermind
  • Die Antwort findest Du hier in diesem Artikel:
    "und die Regelung nur für intersexuelle [...] Menschen gilt".

    Ich fände es im übrigen nett, wenn respektiert würde, dass ich mich an dieser Diskussion nicht weiter beteiligen möchte - schon gar nicht, wenn ich Fragen beantworten soll, die bereits im Artikel beantwortet sind, und erst recht nicht bei Rückfragen zu meinen persönlichen Gegebenheiten.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 OrchideeAnonym
  • 15.04.2021, 09:00h
  • Wer sich versteckt, kann sowieso nicht erwarten, dass gesetzlich irgendwas extra für sie verändert wird. Ihr müsst schon auch mal selbst aus dem anonymen Quark kommen und klar und mutig als sichtbare Personen in der Öffentlichkeit einfordern, was ihr eigentlich wollt und warum. Ihr könnt nicht erwarten, dass das stellvertretend schon alles die Cis-Lesben/Schwulen/Bis für euch erledigen werden.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Ralph
  • 15.04.2021, 09:40h
  • Antwort auf #9 von Orchidee
  • Ist das nicht ein bisschen arg? Lesben und Schwule haben oft große Probleme mit dem Coming out und Going public, auch wenn das in den letzten Jahren sicher sehr viel leichter geworden ist, für die meisten jedenfalls. Was es aber bedeutet, sich als trans oder inter zu outen, kann außer den betreffenden Menschen wohl niemand ermessen. Ich kenne ein Geschwisterpaar, der eine ist schwul, die andere ist eine Transfrau. In der Familie der beiden gibt es eine klare Meinung. Mit dem Schwulsein des Sohnes könne man ja noch umgehen, das sei heutzutage so schlimm nicht mehr... aber die "Transensache" - wie solle man damit klarkommen?
  • Antworten » | Direktlink »