Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?38619

Katholische Rebellion

Diözese Rottenburg-Stuttgart will gleichgeschlechtliche Paare trotz Verbots segnen

In der katholischen Kirche in Deutschland rumort es wegen des vom Vatikan ausgesprochenen Segnungsverbots weiter.


Weihbischof Matthäus Karrer rebelliert gegen die homophobe Order aus Rom (Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Rainer Mozer)

Die katholische Diözese Rottenburg-Stuttgart will homosexuelle Paare trotz des Verbots aus Rom weiter segnen. Der 52-jährige Weihbischof Matthäus Karrer sagte der "Schwäbischen Zeitung" (Freitag): "Segnungen gehören in der Seelsorge zum pastoralen Alltag." Diese Praxis werde durch das Papier aus Rom zumindest in der württembergischen Diözese nicht infrage gestellt. Es gebe auch keine Strafen: "Wir sanktionieren keine Segnungen."

Der Vatikan hatte Mitte März erklärt, dass homosexuelle Paare nicht gesegnet werden dürfen (queer.de berichtete). Dies hat in der katholischen Kirche in Deutschland einen Proteststurm ausgelöst (queer.de berichtete).

Auch Karrer, der in der Diözese für Grundsatzfragen der Seelsorge zuständig ist, kritisierte das Verbot aus Rom: "Nicht nur hat die Glaubenskongregation für massiven Wirbel im Haupt- und Ehrenamt gesorgt, auch stellt das Papier zentrale Fundamente im pastoralen Handeln infrage, wie zum Beispiel die vorbehaltlose Annahme von Menschen mit ihrer je eigenen Lebensgeschichte." Gleichwohl stellte er auch klar: "Segnungen für homosexuelle Paare sind kein "Ja" der Kirche zur Homo-Ehe." Es gehe um die Bitte, dass der Segen Gottes für sich liebende Menschen wirken möge: "Nicht weniger, aber auch nicht mehr."

"Versöhnliche Lösung" gefordert

Bischof Gebhard Fürst sprach sich in der Zeitung für eine "versöhnliche Lösung" aus. Auch homosexuellen Paaren gebühre die Achtung und Zuwendung der Kirche. "Ich wende mich entschieden gegen jegliche Diskriminierung", erklärte Fürst. Die Kirchengemeinden sollten Frauen und Männer in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in ihren Reihen "ohne Diskriminierung" aufnehmen. Zudem kündigte Fürst an, demnächst eine diözesane Stelle "in diesem sensiblen seelsorgerischen Bereich" einzurichten.

Die Äußerung Fürsts bedeutet einen 180-Grad-Wende: In der Vergangenheit hatte der 2000 zum Bischof ernannte Theologe wiederholt gegen sexuelle Minderheiten polemisiert. So beklagte er 2005, dass Homosexualität als eine "Spielart des Normalen" dargestellt werde (queer.de berichtete). Welche Macht Fürst auch politisch hat, zeigte er ein Jahr später: Nachdem der damalige baden-württembergische Sozialminister Andreas Renner Schirmherr des Stuttgarter CSD geworden war, warf Fürst dem CDU-Politiker Beleidigungen vor – das führte schließlich zum Rücktritt des als weltoffen geltenden Ministers (queer.de berichtete). Noch 2018 sprach er sich öffentlich dagegen aus, homosexuelle Paare zu segnen (queer.de berichtete). (dpa/cw)



#1 kurz und gutAnonym
  • 16.04.2021, 10:57h
  • was für die einen ein palastrevolutiönchen ist, ist für klar denkende nichts weiter als fortgesetzte diskriminierung, weil es weiterhin keine gleichwertgien trauungen geben soll.

    www.kirchenaustritt.de
  • Antworten » | Direktlink »
#2 CogitoAnonym
  • 16.04.2021, 12:40h
  • Antwort auf #1 von kurz und gut
  • Das mit der gleichwertigen Trauung ist zu modern gedacht. Die Logik der katholischen Kirche, die eine aus heutiger Sicht natürlich klar vormoderne Gesellschaft widerspiegelt, ist eine andere: Hier ist das eigentlich höherwertige Äquivalent zur heterosexuellen Trauung die direkte Bindung an oder die Verheiratung mit Gott im Priesteramt oder in einem Orden. In der frühen Neuzeit, wo ja auch Heteros sexuell nicht alles machen durften, was sie wollten und selten reine Liebesheiraten eingingen, bot dieses Arrangement für Schwule und Lesben durchaus auch Vorteile: Man konnte auf diese Weise einer Zwangsheirat entgehen und etwa als Lesbe zumindest in einer Frauengemeinschaft leben, ohne dem Mann gegenüber "eheliche Verpflichtungen" erfüllen zu müssen und noch zusätzlich Gefahr zu laufen, im Kindbett zu sterben. Schwulen Männern und ihren Verwandten, aber auch Heteros aus weniger mächtigen Familien oder eigenen Grundbesitz hingegen bot dieses System gesellschaftliche Aufstiegschancen, die sie im weltlichen Bereich in der damaligen Ständegesellschaft so nicht gehabt hätten. Die katholische Lehre ist insofern für ihre Entstehungszeit nicht völlig ungerecht. Ihr Problem scheint mir zu sein, dass diese Vorteile sich nur in einem extrem patriarchal und tribalistisch geprägten Umfeld manifestieren und in ihr Gegenteil umschlagen, sobald dieser Gegenpol wegfällt.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 DiarrhoeAnonym
  • 16.04.2021, 13:30h
  • Alles, was nicht 100% Gleichstellung ist, ist per definition Diskriminierung.

    Es geht also darum, dass die Diarrhöse Rottenburg-Stuttgart weiter diskriminieren will, nur halt ein bisschen weniger diskriminieren als bisher.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Ergo DummdidummAnonym
  • 16.04.2021, 14:05h
  • Antwort auf #2 von Cogito
  • Werte Blase lauwarmer Luft, Ihre Relativierungsversuche gehen fehl. Maßstab ist nicht innerkirchliches Geschwurbele, sondern weltliche Maßstäbe der realen Welt im Hier und Jetzt.

    kath.net scheint mir der passendere Spielplatz für Sie zu sein.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 LarsAnonym
  • 16.04.2021, 17:59h
  • Antwort auf #4 von Ergo Dummdidumm
  • "Maßstab ist nicht innerkirchliches Geschwurbele, sondern weltliche Maßstäbe der realen Welt im Hier und Jetzt."

    Das ist aber lebensfremd. Die heutigen Maßstäbe sind ja nicht vom Himmel gefallen, sondern haben sich evolutionär entwickelt.

    Zu betonen, dass homosexuelle und heterosexuelle Menschen in der Vergangenheit ganz anders tickten, andere Optionen und Einschränkungen hatten und ihre Wertvorstellungen daher auch andere waren als heute, ist wichtig, auch und gerade aus Respekt vor Menschen, die nicht einmal die Option eines Outings hatten, weil es zu der Zeit dieses Konzept gar nicht gab. Sonst verfällt man bei der Betrachtung der Geschichte in triviale romanische Verklärung oder Schauerromantik.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 SpockAnonym
#7 CogitoAnonym
  • 16.04.2021, 19:22h
  • Antwort auf #4 von Ergo Dummdidumm
  • Werter Dummdidumm, ich wünschte, meine Ausführungen zur geschichtlichen Entwicklung des katholischen Ehebegriffs wären bereits "innerkirchliches Geschwurbele". Das sind sie aber nicht! Die offizielle katholische Kirche argumentiert nämlich nicht historisch (was dann auch eine Anpassung der Lehre ermöglichen würde) sondern bemüht ein angeblich ewig gültiges "Naturrecht". Dieses geht entgegen aller biologischen Erkenntnisse von einer durchgängig binären sich gegenseitig ergänzenden Zuordnung von "Mann und Frau" (verstanden als: alle Männer und alle Frauen) aus und wird dabei auch noch rückwirkend auf einzelne Bibelstellen projiziert.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 LarsAnonym