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Homo-Aktivist und Bürgerrechtler

Trauer um Christian Pulz

Er organisierte 1983 den ersten Homo-Protest der DDR und hatte die Idee für den Berliner Sternmarsch-CSD in diesem Juni. Am Donnerstag ist der langjährige Aktivist Christian Pulz im Alter von 76 Jahren gestorben.


Christian Pulz 2011 in der rbb-Doku "DDR unterm Regenbogen" (Bild: rbb)

Mit Christian Pulz hat Berlin einen wichtigen schwulen Aktivisten verloren. Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler, Buchhändler, Sozialpädagoge und frühere Abgeordnete im Berliner Landesparlament ist am Donnerstag im Alter von 76 Jahren verstorben.

Pulz spielte in der ostdeutschen Homosexuellenbewegung eine wichtige Rolle. 1982 gründete er zusammen mit Eduard Stapel und Matthias Kittlitz in seiner Leipziger Wohnung den Arbeitskreis "Schwule in der Kirche" – die erste vom Staat unabhängige und von Homosexuellen selbst initiierte Homosexuellengruppe der DDR.

Pulz wurde von der Stasi überwacht und bespitzelt

Noch im selben Jahr zog er nach Ostberlin, wo er sein Engagement fortsetzte. Am 21. Mai 1983 organisierte Pulz den ersten Lesben- und Schwulenprotest der DDR. An der Aktion in der Gedenkstätte Sachsenhausen beteiligten sich 13 Personen, die – trotz massiven Eingreifens der Staatssicherheit – erstmals an die Verfolgung Homosexueller im Nationalsozialismus erinnerten. Im Gästebuch hinterließ die Gruppe folgenden Eintrag: "Wir gedachten heute der im KZ Sachsenhausen ermordeten homosexuellen Häftlinge. Wir waren sehr betroffen, hier nichts über ihr Schicksal zu erfahren."

Die emanzipatorische Arbeit von Christian Pulz und sein Ziel, selbstbestimmte Gruppen zu bilden, wurden von der Stasi als "staatsfeindlich" und "landesverräterische Nachrichtenübermittlung" eingestuft. Unter dem Operativen Vorgang "Orion" wurden auf ihn mehrere Inoffizielle Mitarbeiter angesetzt, in seiner Wohnung wurden Wanzen installiert, im selben Haus eine konspirative Wohnung unterhalten und vor dem Haus ein mit Infrarottechnik ausgestatteter Barkas positioniert. In der rbb-Doku "DDR unterm Regenbogen" (2011) und in Jochen Hicks Film "Out in Ost-Berlin" (2013) berichtete Pulz von seinem Engagement bis zur Wende.

Direktlink | Interview mit Christian Pulz zur Entstehung der unabhängigen Lesben- und Schwulenbewegung in der DDR
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Fünf Jahre Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus

Kurz nach der Wiedervereinigung zog Christian Pulz im Dezember 1990 für das Bündnis 90 in das Berliner Abgeordnetenhaus ein und war in der gemeinsamen Fraktion mit der Alternativen Liste u.a. für die Minderheiten- und Schwulenpolitik verantwortlich. Gegen den Rat seiner damaligen Fraktionschefin Renate Künast ließ er es sich nicht nehmen, auch als gewählter Volksvertreter fast jede Nacht den Cruisingpark am Märchenbrunnen zu besuchen und darüber auch mit Journalisten zu reden. Bei der Wahl 1995 trat er nicht noch einmal an.

In den letzten Jahren machte Pulz als Mitbegründer der GayChurch Berlin von sich reden, die sich in der Tradition der unabhängigen Lesben- und Schwulenbewegung der DDR sieht. Im vergangenen Jahr organisierte er u.a. mit Nasser El-Ahmad die alternative Pride-Demonstration zum Alexanderplatz. Pulz hatte auch die Idee, in diesem Jahr am 26. Juni einen Sternmarsch-CSD in der Hauptstadt durchzuführen (queer.de berichtete). Berlin wird ihn sehr vermissen. (mize)

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