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Britischer Ex-Professor

Wegen Transphobie: Richard Dawkins verliert Titel "Humanist des Jahres"

Der Atheismus-Aktivist und Evolutionsbiologe machte zuletzt mit als transphob und rassistisch kritisierten Äußerungen von sich reden.


Richard Dawkins steht schon seit Jahren wegen transfeindlicher Äußerungen in der Kritik (Bild: David Shankbone / flickr)

Die American Humanist Association (AHA) hat am Montag dem früheren Oxford-Professor Richard Dawkins den 1996 verliehenen Preis "Humanist des Jahres" wieder entzogen – nur wenige Tage nach einer transphoben Äußerung des 80-Jährigen auf Twitter. Der britische Evolutionsbiologe gilt als einer der bekanntesten Vertreter des "Neuen Atheismus".

Wörtlich erklärte die AHA, die sich einer säkularen und humanistischen Geisteshaltung verschrieben hat: "Leider hat Richard Dawkins in den letzten Jahren mehrfach Aussagen getätigt, in denen er unter dem Vorwand einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung marginalisierte Gruppen erniedrigt hat. Dieses Vorgehen widerspricht humanistischen Werten", so die Organisation in einer Stellungnahme. "In seinen letzten Äußerungen deutet er an, dass die Identitäten von trans Menschen betrügerisch sind. Außerdem attackierte er die Schwarze Identität als eine, die nur angenommen wird, wenn es gerade passt. Seine anschließenden Versuche einer Klarstellung reichen nicht aus und zeigen weder Sensibilität noch Aufrichtigkeit."

Anlass für die Aberkennung des Preises war Dawkins Tweet vom 10. April, in dem er trans Menschen mit Rachel Dolezal verglich. Der Hintergrund: Dolezal war bis 2015 Chefin der afroamerikanischen Bürgerrechtsorganisation NAACP in der amerikanischen 200.000-Einwohner-Stadt Spokane und hatte stets behauptet, eine Schwarze zu sein. Sie musste schließlich ihren Hut nehmen, als ihre Eltern der Presse Kinderfotos der Aktivistin gaben, auf denen sie mit sehr heller Hautfarbe und blonden Haaren zu sehen war.

Vergleich mit Rachel Dolezal

Wörtlich hatte Dawkins geschrieben: "2015 wurde Rachel Dolezal, eine weiße Regionalvorsitzende der NAACP, verunglimpft, weil sie sich als Schwarz bezeichnete. Manche Männer entscheiden sich, sich als Frauen zu bezeichnen, und manche Frauen entscheiden sich, sich als Männer zu bezeichnen. Man wird verunglimpft, wenn man leugnet, dass sie buchstäblich das sind, als das sie sich bezeichnen." Zwei Tage später ergänzte Dawkins nach Kritik, dass er trans Menschen nicht verunglimpfen möchte. Sein Diskussionsansatz sei vielmehr falsch ausgelegt worden.



Dawkins hatte bereits in der Vergangenheit mit Äußerungen über trans Menschen für Kritik unter LGBTI-Aktivist*innen gesorgt. 2015 twitterte er etwa: "Ist eine trans Frau eine Frau? Das ist pure Semantik. Wenn man es mit Chromosomen definiert, nein. Wenn man es mit Selbstbeschreibung definiert, ja. Ich nenne sie 'sie' aus Höflichkeit."



Bereits 2006 war Richard Dawkins bei "South Park" in der Doppelfolge "Gott ist tot" als nicht gerade transfreundlich dargestellt worden: Damals begann er eine Affäre mit Mrs. Garrison, die sich einer Geschlechtsanpassung unterzogen hatte (dieser Handlungsstrang war bei LGBTI-Aktivist*innen umstrittenen). Dawkins erfährt in der Folge am Telefon von der angeblichen Transsexualität seiner Liebhaberin, während er mit Mrs. Garrison Sex hat. Als Reaktion verlässt er sie sofort und ruft: "Wie kann ich nur so dumm sein?"


Mrs. Garrison und Richard Dawkins (re.) vergnügen sich in der Zeichentrickserie "South Park" (Bild: Comedy Central)

Dawkins ist vor allem wegen seiner populärwissenschaftlichen Bücher bekannt, in denen er seine atheistische Lebenswelt beschreibt. Die Werke tragen Titel wie "Atheismus für Anfänger: Warum wir Gott für ein sinnerfülltes Leben nicht brauchen" oder "Die Schöpfungslüge: Warum Darwin recht hat".

Auszeichnung "Humanist des Jahres" seit 1953 vergeben

Die AHA vergibt den Preis "Humanist des Jahres" bereits seit 1953 an bekannte Persönlichkeiten, die sich besonders für die Ziele der humanistischen Bewegung engagierten. Weitere Preisträger sind unter anderem der deutsche Psychoanalytiker Erich Fromm, Biochemie-Professor und Science-Fiction-Autor Isaac Asimov oder Barney Frank, der erste offen schwule US-Abgeordnete. Auch Margaret Atwood ("The Handmaid's Tale") und Salman Rushdie ("Satanische Verse") konnten die Auszeichnung gewinnen.

Dawkins ist erst die zweite Person, der der Preis aberkannt worden ist. 2018 verlor auch Lawrence Krauss, ein bekannter amerikanisch-kanadischer Physiker und Autor ("The Physics of Star Trek"), den Titel. Ihm hatten zuvor mehrere Frauen sexuelle Übergriffe vorgeworfen. (dk)



#1 _hh_Anonym
  • 20.04.2021, 17:48h
  • Manche organisierte Atheist*innen übersehen leider, dass Ablehnung von Religion noch lange nicht per se humanistisch sein muss. Richard Dawkins verbreitet seit Jahrzehnten ein extrem biologistisches Welt- und Menschenbild (sein bekanntestes Buch: "The selfish gene" / "Das egoistische Gen", zuerst 1976 erschienen). Er ist ein führender und besonders lautstarker Vertreter der Soziobiologie, einer Lehre bzw. Forschungsrichtung, in der menschliche - ebenso wie tierische - Verhaltensweisen weitgehend biologisch festgelegt werden, weil sie sich angeblich nur durchsetzen und auf Dauer existieren können, wenn sie der Vermehrung der Gene dienlich sind. Soziobiologie ist in aller Regel grundlegend biologistisch und heteronormativ, weil sie Sexualität - auch menschliche - dem Zweck der Vermehrung der eigenen Gene unterordnet. Soziobiolog*innen wie Dawkins behaupten z. B. auch, Frauen seien "von Natur aus" monogamer als Männer, weil sie in die Nachkommenschaft mehr "investieren" würden (so ökonomisch drücken sie es tatsächlich aus). Was für ein "Zufall", dass dadurch traditionelle Geschlechterkonzepte wissenschaftsförmig bestätigt werden ... Dawkins' transphobe Äußerungen sind also kein "Ausrutscher", sondern sind eine logische Folge der Thesen, die er als Soziobiologe schon immer vertreten hat. Das muss die Organisation, die ihm den Titel "Humanist des Jahres" verliehen und jetzt wieder aberkannt hat, von vornherein gewusst haben. Sie muss sich fragen lassen, warum sie diesen Biologisten überhaupt jemals geehrt hat. Manche wissenschaftliche Lehren und atheistische Ideen sind eben genauso menschenfeindlich wie religiöser Fundamentalismus.
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#2 Alexander_FAnonym
  • 20.04.2021, 21:46h
  • Antwort auf #1 von _hh_
  • Es stimmt wohl, dass Atheismus allein nicht abendfüllend ist, und gerade ein biologistischer Ansatz ist leicht anfällig für Rechtsdrall, das zeigt auch der Fall Kutschera.
    Aber wenn schließlich auch so viele aus der Linken stammende alte weiße Männer nun nach rechts wandern, können eben auch führende Köpfe des Atheismus betroffen sein.
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#3 TuggerAnonym
  • 21.04.2021, 04:37h
  • Antwort auf #1 von _hh_
  • Es sind ein paar falsche Annahmen in dein Kommentar. Man könnte meinen Du bist Religiös?

    1. organisierte Atheist*innen gibt es nicht. Es gibt Organisationen in denen sich Menschen einigen. Atheismus ist aber keine Überzeugung. Genau das Gegenteil.

    2. Atheismus ist das Fehlen des Glaubens an ein oder mehrere Gott/Götter. Nicht die Ablehnung von Religion an sich. Egal wie gerne Christen es anders definieren wollen. Wobei manche Vertreter von Religionen es verdienen abgelehnt zu werden. Dafür muss man aber kein Atheist sein.

    Ganz einfach formuliert;
    Ein Christ behauptet; es gibt ein Gott
    Ich als Atheist antworte; Glaube ich nicht, solange Du deine Behauptung nicht bewiesen hast. Mehr nicht.
    Das ist nicht das Gleiche wie aktiv zu behaupten das es keinen Gott gibt.
    Christen verdrehen diese Tatsache gerne um deren Glauben verteidigen und den Beweislast beim Atheisten legen zu können.
    Atheisten findet man in allerlei Bevölkerungsgruppen. Ich kenne persönlich sogar katholische Atheisten. Sie glauben zwar nicht an Gott aber finden die Religion und das Gedöns drum herum so schön.

    3. Manche wissenschaftliche Lehren und atheistische Ideen sind eben genauso menschenfeindlich wie religiöser Fundamentalismus. Es gibt keine atheistische Ideen wie oben erläutert. Dieser Satz ist unehrlich und wird normalerweise von Christen benutzt um Atheisten zu diskreditieren. Deshalb unehrlich weil die Definition von Atheismus mal eben so gedreht wird wie man es braucht.

    4. Ein Randbemerkung für queer.de; es gibt keine atheistischen Bewegung! Es gibt immer mehr Menschen die offen Atheisten sind. Bewegung klingt nach organisiert. Übrigens ist der Begriff Neuer Atheismus ein von Christen erfundener Begriff und absoluter Quatsch. Atheisten gab es schon so lange wie es Religionen gab. Mag sein das weil Religionen schon immer sehr gut im Unterdrücken waren, sie das nicht immer so offen gezeigt haben.
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#4 MaybemeAnonym
  • 21.04.2021, 07:16h
  • Antwort auf #3 von Tugger
  • Sorry, klar gibt es organisierte Atheisten. American Atheists zum Beispiel.

    Die sprechen zwar nur für ihre Mitglieder, aber nichts desto trotz gibt es sie.

    Der satanische Tempel wäre ein weiteres gutes Beispiel.
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#5 Rheinpark1609
  • 21.04.2021, 08:32h
  • Antwort auf #3 von Tugger
  • Doch, es gibt sehr wohl eine atheistische bzw. säkular-freigeistig-humanistische Bewegung. Mit dem sog. "Neuen Atheismus", von dem im Zuge der religionskritischen Bücher von Dawkins u.a. um 2007 herum die Rede war, wurde ihr größere öffentliche Beachtung geschenkt. Sowohl in den USA als auch in Europa sowie Australien und Indien etwa gibt es ein breites Feld von Organisationen, die sich dieser Bewegung zuordnen lassen. Im virtuellen Feld waren damals die "Brights" recht bekannt. In Deutschland gehören etwa der IBKA, die Giordano-Bruno-Stiftung oder der Humanistische Verband zu dieser breiteren Bewegung, die ihre eigenen Subströmungen hat. So ist der IBKA zum Beispiel eher politisch und bürgerrechtlich ausgerichtet, die GBS wissenschaftlich oder "evolutionär-humanistisch" und der HVD eher karitativ-humanistisch. Das Feld ist tatsächlich recht groß, wenn auch nur ein Bruchteil der Nichtreligiösen sich dort engagieren oder überhaupt davon wissen.
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#6 Ralph
#7 LegatProfil
  • 21.04.2021, 09:37hFrankfurt am Main
  • Antwort auf #3 von Tugger
  • Dazu kommt noch der wesentliche Punkt, dass auch alle Christen Atheisten sind und zwar hinsichtlich aller Götter außer eben dem Gott, der in der Bibel behauptet wird. Wir Atheisten gehen nur eben eine Gottesbehauptung weiter und zwar aus klaren Vernunftgründen, während Christen aus unvernünftigen Gründen wie Egotismus oder Angst unbedingt an ihrem Lieblingsgott festhalten wollen wie an einer liebgewonnenen schlechten Angewohnheit.
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#8 LegatProfil
  • 21.04.2021, 09:43hFrankfurt am Main
  • Antwort auf #6 von Ralph
  • Der Satanische Tempel ist eine Vereinigung von Atheisten, welche auf diese Weise für die Religionsfreiheit in den USA kämpfen, die dort von der religiösen Rechten massiv bedroht wird.
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#9 LegatProfil
  • 21.04.2021, 09:52hFrankfurt am Main
  • Antwort auf #5 von Rheinpark1609
  • "Das Feld ist tatsächlich recht groß, wenn auch nur ein Bruchteil der Nichtreligiösen sich dort engagieren oder überhaupt davon wissen."

    Stimmt. Daher ist von "atheistischer Bewegung" zu sprechen auch unredlich. Es wird damit der Eindruck erweckt, es handle sich hier um eine Massenbewegung, was leider nicht der Fall ist. Für die meisten geht der Weg halt aus der Religion in den Apatheismus nach dem Motto: Mir doch egal! Viele Atheisten bezeichnen sich auch nicht so, weil sie diese Haltung nicht bewusst angenommen haben und daher auch nicht gut argumentieren können. Es ist ihnen schlichtweg nicht wichtig. Genau das sollte auch in einem säkularen Staat möglich sein, ohne dadurch Nachteile fürchten zu müssen, doch von einem echten Säkularismus sind wir in Deutschland leider sehr weit entfernt.
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#10 nein nein neinAnonym
  • 21.04.2021, 15:45h
  • Antwort auf #2 von Alexander_F
  • "alter weißer mann" ist ein simplifizierender kampfbegriff, der den fakten nicht gerecht wird. das ist gefährlich.

    der rechtsdrall ist kein problem der chromosomen und des alters. die linke rechtsaußen wagenknecht ist zum beispiel kein alter mann.

    das problem mit den rechtsaußen ist viel breiter als die verengung auf "alter weißer mann". die mehrheit alter weißer männer ist übrigens nicht rechtsextrem.
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