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Deutsche TV-Premiere

Eine weibliche Gang mischt den Wedding auf

Am Donnerstag startet mit der Dramaserie "Para – Wir sind King" die queere Antwort auf "4 Blocks": Vier beste Freundinnen, darunter die lesbische Fanta, verticken im Berliner Kiez gefundenes Koks.


Mit der Hobby-Dealerei gehen die Probleme erst richtig los: Fanta (Jobel Mokonzi, li) und Hajra (Soma Pysall) greifen zu drastischen Maßnahmen (Bild: Turner / WarnerMedia / W&B Television GmbH / Gordon Timpe)
  • Von Patrick Heidmann
    21. April 2021, 10:25h, 1 Kommentar

Die gleiche Welt wie in "4 Blocks", nur drei Straßen weiter. So ähnlich beschreibt das Autoren-Trio Hanno Hackfort, Richard Kropf und Bob Konrad seine neue Serie "Para – Wir sind King" (ab 22. April bei TNT Serie), die nun also lose an die Clan-Saga anknüpft, aber eben doch eine ganz andere Geschichte erzählt. Und zwar eine, die sogar Platz für eine queere Protagonistin hat.

Was die Figuren im Zentrum angeht, könnten die Unterschiede erst einmal kaum größer sein. Vom Berliner Stadtteil Neukölln geht es in den Wedding, und auf die Männerwelt rund um Toni Hamady folgt nun ein weibliches Protagonistinnen-Quartett. Die vier sind beste Freundinnen seit Ewigkeiten und alle gerade an jenem Punkt, an dem sie nicht mehr bloß Teenager, aber auch noch nicht so ganz im Erwachsenen-Alltag angekommen sind.

Geldsegen für vier typische Kiez-Girls


Poster zur Serie: "Para – Wir sind King" startet am 22. April 2021 bei TNT Serie

Hajra (Soma Pysall, "Beat"), die nicht erst seit dem Ende ihrer letzten Beziehung ein allzu aufbrausendes Temperament hat, ist auf Bewährung – und der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Die lesbische Fanta (Jobel Mokonzi, bereits bekannt aus "Druck") steht kurz vor dem Abi und muss ansonsten dabei helfen, ihre alleinerziehende Mutter und den kleinen Bruder durchzubringen. Arzthelferin Rasaq (Roxana Samadi) soll den für sie arrangierten Ehemann kennenzulernen. Und Jazz (Jeanne Goursaud, jüngst in "Barbaren" zu sehen) träumt von einer Karriere als Tänzerin, muss sich fürs erste aber eher als Bardame durchschlagen.

Als Hajra nach sechs Monaten Jugendknast zurückkommt, wollen die vier eigentlich nur zusammen den Sommer genießen. Ein bisschen Gönnung, wie sie es selbst sagen würden. Deswegen greift Hajra kurzentschlossen zu, als sie fast zufällig ein Beutel mit Koks-Kapseln in die Finger bekommt. Die Freundinnen beschließen, die Drogen zu verkaufen, doch die Freude über den unerwarteten Geldsegen hält nicht lange an. Denn die eigentlichen Besitzer kommen ihnen bald auf die Spur.

Alte Bekannte aus "4 Blocks"

Dealer Pascal (Florian Renner), der sich seinerseits gegenüber der Russenmafia verantworten muss, ist eine Figur, die man schon aus "4 Blocks" kennt. Und auch Matthias Keil (David Schütter), früher Immobilienhai, jetzt vor allem im Nachtleben aktiv, kreuzt bald den Weg einer der jungen Frauen. Hinter der Kamera dieser Wiedemann & Berg-Produktion finden sich ebenfalls alte Bekannte wieder: Regisseur Özgür Yildirim und Kameramann Matthias Bolliger waren damals ab Mitte der zweiten Staffel verantwortlich.


Milieudrama und Coming-of-Age-Geschichte: Fanta (Jobel Mokonzi) und Jazz (Jeanne Goursaud) in der Serie (Bild: Turner / WarnerMedia / W&B Television GmbH / Gordon Timpe)

Von einem bloßen Abklatsch kann trotzdem keine Rede sein. Der Gangster-Thriller-Aspekt ist in "Para – Wir sind King" (der Titel verweist auf das türkische Wort für Geld, das in der Jugendsprache durch zahlreiche deutsche Rapper populär wurde) ist nur eine von drei Säulen – und letztlich die, die am kürzesten kommt. Darüber hinaus ist die Serie immer wieder auch Sozial- und Milieudrama, aber vor allem natürlich eine Coming-of-Age-Geschichte mit viel Party, Sex und Verschlafen (wie oft hier trotz wichtiger Termine kein Wecker gestellt wird, ist bemerkenswert!).

Vier energiegeladene Hauptdarstellerinnen

In den ersten drei vorab gezeigten Folgen hätte es mitunter etwas weniger atmosphärische Montagen und dafür mehr Handlung sein dürfen. Oder auch einfach mehr Zeit für den Alltag der Protagonistinnen; gerade über das Leben von Fanta, die ihren Freundinnen schon auch mal ein paar Einblicke in Sex unter Frauen gibt, hätte man gerne mehr erfahren.

Doch die Inszenierung ist stimmungsvoll und die Dialoge muten, nicht zuletzt angesichts der Tatsache, dass sie von drei weißen, nicht mehr ganz jungen Männern geschrieben wurden, erfreulich authentisch an. Die größte Freude hier sind allerdings die vier energiegeladenen Hauptdarstellerinnen, die unwiderruflich beweisen, wie vielfältig und spannend der Talentpool für deutsche Produktionen inzwischen ist.

Direktlink | Deutscher Trailer zur Serie
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