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Heimkino

Wie queer ist "The United States vs. Billie Holiday"?

Lee Daniels' Biopic über die bisexuelle Jazz-Legende Billie Holiday trägt an vielen Stellen dick auf, aber ausgerechnet bei den queeren Aspekten ihres Lebens hält sich der schwule Regisseur zurück.


Die Affäre der bisexuellen Sängerin Billie Holiday (Andra Day) mit Tallulah Bankhead (Natasha Lyonne) wird im Film nicht weiter vertieft (Bild: capelight pictures)
  • Von Patrick Heidmann
    23. April 2021, 08:52h, noch kein Kommentar

Drama, Baby! So oder so ähnlich dürfte das Motto von Lee Daniels lauten, wenn man sich seine Arbeiten ansieht. Oprah Winfrey angetrunken und tanzend in "Der Butler", Zac Efron, der sich in "The Paperboy" von Nicole Kidman anpinkeln lässt, oder die Serie "Empire" mit Über-Mutter Cookie und ihrem schwulen Sohn Jamal im Zentrum einer HipHop-Familiensaga – Pathos, Kitsch und ein Hang zur Übertreibung liegen bei dem 61-jährigen Regisseur und Produzenten immer in Reichweite.

Kein Wunder also, dass er sich für seine erste Regiearbeit seit acht Jahren nun das filmreife Leben der Jazz-Legende Billie Holiday vorgenommen hat und sich in "The United States vs. Billie Holiday – Ihre Stimme wird nicht schweigen" vor allem auf Drogen, Männergeschichten und einen dramatischen Konflikt mit den Behörden konzentriert. Um zu verhindern, dass Holiday (Andra Day erstmals als Schauspielerin) bei Konzerten ihren Anti-Lynching-Song "Strange Fruit" singt, soll ihr aus ihrer Drogensucht ein Strick gedreht werden. Sorgen dafür soll Agent Jimmy Fletcher (Trevante Rhodes aus "Moonlight"), der sich als Informant die Nähe der Sängerin erschleicht. Doch die beiden verlieben sich natürlich ineinander, so dass Fletcher bald für beide Seiten tätig ist. Verhindern, dass Holiday an ihren Süchten, ihrer tragischen Vergangenheit und dem Rassismus der Zeit zugrunde geht, kann allerdings auch er nicht.

Holidays Leiden steht im Zentrum des Films


"The United States vs. Billie Holiday" erscheint am 14. Mai 2021 auch auf DVD und Blu-ray. Seit 23. April ist der Film digital zum Kauf erhältlich

So wahr die Geschichte in ihren Grundzügen sein mag, so dick trägt Daniels in "The United States vs. Billie Holiday" auf. Und dass nicht nur, was die Liebesgeschichte im Zentrum angeht, die in der Realität vermutlich eher eine kleine Affäre war. Auch das Leiden Holidays an ihren zahlreichen traumatischen Erlebnissen rückt er allzu sehr ins Zentrum – und vergisst darüber immer mal wieder, auch wirklich etwas über die Frau und Künstlerin zu erzählen.

Auch das Queere, das in den Arbeiten des schwulen Regisseurs fast immer mit ins Spiel kommt, hätte hier gerne mehr Raum einnehmen dürfen. Dass Holiday bisexuell war und auch Affären mit Frauen wie Tallulah Bankhead (gespielt von "Orange Is the New Black"-Star Natasha Lyonne) hatte, verschweigt der Film zwar nicht. Doch in die Tiefe geht Daniels diesbezüglich ebenso wenig wie mit Blick auf Holidays Vertraute*n Miss Freddy (verkörpert durch Hairstylist Miss Lawrence, bekannt aus "The Real Housewives of Atlanta" und Daniels' Serie "Star"). In einer kleinen Rolle (samt kuriosem Toupet) ist übrigens auch der aus "Will & Grace" bekannte schwule Schauspieler Leslie Jordan zu sehen.

Andra Day überstrahlt alle Schwächen

Unabhängig davon ist es bemerkenswert, wie eindrucksvoll Soul-Sängerin Andra Day als Billie Holiday in ihrer ersten Filmrolle all diese Schwächen überstrahlt. Die Subtilität und Tiefe, die der Film ansonsten oft vermissen lässt, scheinen in ihrer Oscar-nominierten (und kürzlich mit dem Golden Globe prämierten) Performance immer wieder durch, ihre Leinwandpräsenz dominiert jede der prachtvoll ausgestatteten Szenen und wenn sie dann auch noch Holidays grandiose Songs singt, kann man sich der Gänsehaut eigentlich kaum erwehren.

Was ohne Frage ganz im Sinne von Tränendrüsen-Fan Lee Daniels sein dürfte.

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Infos zum Film

The United States vs. Billie Holiday – Ihre Stimme wird nicht schweigen. Biopic. USA 2021. Regie: Lee Daniels. Darsteller*innen: Andra Day, Trevante Rhodes, Garrett Hedlund, DaVine Joy Randolph, Natasha Lyonne, Rob Morgan. Laufzeit: 125 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung, englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 16. Verleih: capelight pictures