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#Allesdichtmachen

Ulrike Folkerts wird zur Querdenkerin

Die lesbische "Tatort"-Schauspielerin ist Teil der Aktion #Allesdichtmachen, die derzeit vor allem Applaus aus der rechtsextremen Szene erhält. Viele in der Kulturbranche zeigen sich hingegen entsetzt.


Das ist ungewohnt: Ulrike Folkerts erhält Applaus von Rechtsextremen (Bild: Krd / wikipedia)

Zu Update springen: Folkerts spricht von "Fehler" (21:40h)

"Ich unterstütze die Corona-Maßnahmen, weil ich das Meer liebe. Und weil ich das Meer liebe, will ich mehr. Mehr Maßnahmen. Nur mit mehr Maßnahmen, komm ich wieder ans Meer." Diese albernen Wortspielchen nutzt Ulrike Folkerts in einem knapp einminütigen Video, mit dem sie sich an der am Donnerstag gestarteten Internetaktion #Allesdichtmachen beteiligt, die die deutsche Corona-Politik pauschal lächerlich machen soll.

Die 59-Jährige ist eine von 53 Film- und Fernsehschauspieler*innen, die Videos mit dem Hashtag veröffentlichten. Darunter sind viele bekannte Stars wie Meret Becker, Richy Müller, Heike Makatsch, Kostja Ullmann und Jan Josef Liefers, die in ihren Videos sarkastisch die Corona-Politik kommentieren.

Die Videos wurden am Donnerstag in sozialen Netzwerken hochgeladen und auf die Seite Allesdichtmachen.de gestellt, die binnen weniger Stunden zusammenbrach. In den stets kurzen Statements werden keine Lösungsansätze für bessere Corona-Maßnahmen debattiert, sondern lediglich die augenblickliche Politik verhöhnt, indem ein "Lockdown für immer" gefordert wird.

Twitter / 50trends_de | Die Aktion dominierte das deutsche Internet
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Folkerts, die 1999 ihre Homosexualität publik gemacht hatte, war in den letzten Wochen vermehrt wegen der Veröffentlichung ihrer Autobiografie "Ich muss raus" in den Schlagzeilen. Thema war dabei besonders ihr Coming-out (queer.de berichtete).

"Der größte Erfolg der Querdenkerszene bisher"

Die Aktion #Allesdichtmachen stieß sofort auf viel Kritik. So kritisierten viele Twitter-Nutzer*innen, es sei pietätslos, sich angesichts voller Intensivstationen und mehr als 81.000 Corona-Toten allein in Deutschland derartig über die Pandemie lustig zu machen. Außerdem werde der von der Corona-Krise gebeutelten Kulturbranche nicht geholfen, wenn man die sarkastischen Äußerungen von Rechtsextremen eins zu eins übernehme. Medienjournalist Stefan Niggemeier von uebermedien.de auf Twitter die "eklige Ironie". "Es fühlt sich wie ein Dammbruch an. Der größte Erfolg der Querdenkerszene bisher", so Niggemeier.

Twitter / niggi

Kritik kommt auch von vielen Film- und TV-Kolleg*innen. Der österreichische Schauspieler Elyas M'Barek ("Türkisch für Anfänger", "Fack ju Göhte") erklärte etwa: "Mit Zynismus ist doch keinem geholfen." Satiriker Jan Böhmermann ("ZDF Magazin Royale") zeigte sich ungewohnt ernst und verlinkte angesichts der Aktion eine rbb-Doku über den Kampf um das Leben von Corona-Infizierten auf einer Berliner Intensivstation: "Das ist das einzige Video, das man sich ansehen sollte, wenn man Probleme mit Corona-Eindämmungsmaßnahmen hat: Charité Intensiv: Station 43 – Sterben."

Twitter / janboehm

Applaus erhalten die #Allesdichtmachen-Schauspieler*innen dagegen von Rechtsaußen. "Chapeau! 53 Schauspieler ätzen gegen die Corona-Politik", heißt es etwa im rechtsextremen Portal "PI News" – und weiter: "Seit Beginn des Corona-Wahnsinns hat noch keine Aktion so gesessen." Die frühere Pegida-Organisatorin Tatjana Festerling schrieb auf Twitter: "Ich find's lustig." Auch AfD-Politikerin Beatrix von Storch zeigte sich hochzufrieden – und attestierte den Schauspieler*innen, "normal" zu sein: "Die halbe deutsche Schauspieler-Riege – alles Nazis? Oder reden die einfach nur für #deutschlandabernormal?"



Der "Tagesspiegel" sagt bereits voraus, wie die Debatte in den nächsten Tagen weitergehen wird: "Einige der Schauspieler:innen werden sich in den kommenden Tagen sicher über den massiven Gegenwind beschweren. Sie werden argumentieren: Das wird man doch wohl noch sagen dürfen. Ja, das darf man. Aber man muss auch damit leben, dass solcher Unsinn nicht unwidersprochen bleibt."

 Update  21.40h: Folkerts spricht von "Fehler"

Wie mehrere weitere Beteiligte der Videoaktion hat sich Ulrike Folkerts am Freitag von ihr distanziert und sich entschuldigt. Auf Instagram schrieb sie:

"Dichtmachen" ist eine Aktion von 50 Schauspieler*innen, die mich neugierig gemacht hat und von der ich mir gewünscht hätte, dass sie die Menschen auf neue Ideen bringt in der Pandemie mit Corona-Maßnahmen gut zu leben Deshalb habe ich mit gemacht. Die Videos, die entstanden sind, wurden falsch verstanden, sind vielleicht falsch zu verstehen.
Ich habe einen Fehler gemacht, ich war naiv genug zu glauben, mit meinen Kollegen*innen ein gewinnbringendes Gespräch in Gang zu bringen. Das Gegenteil ist passiert. Und das tut mir Leid. Es tut mir Leid, Menschen verletzt und vor den Kopf gestoßen zu haben.
All die Nachrichten, die mich bezüglich dichtmachen erreicht haben, zeigen mir, dass ich viele meiner treuesten Fans enttäuscht habe. Das nehme ich sehr ernst und macht mich traurig
Ich nehme die Pandemie sehr ernst, sehe und weiß, wieviel von jedem einzelnen im Moment abverlangt wird. Die Maßnahmen sind absolut richtig und der einzige Weg, die Zahlen der Neuinfizierten und Todesfälle den Griff zu bekommen.
Und seien Sie sicher, ich bin weit davon entfernt, Querdenkern und Rechten Argumente in die Hände zu spielen. Es ist furchtbar, dass man mir das unterstellt.
Meine persönliche Haltung ist ganz klar für die Einhaltung der Coronamaßnahmen und natürlich schaffen wir das nur gemeinsam.
Glauben Sie mir, dass sich meine Persönlichkeit und wie Sie mich kennen durch diese Aktion, die schief gegangen und unverzeihlich ist, nicht verändert hat.



#1 Ralph
  • 23.04.2021, 10:49h
  • Nicht nur als LSBTI, sondern schon allein wegen der eigenen Prominenz mussten sich diese Leute fragen, ob es wirklich gut ist, wenn sie öffentlich Rechtsaußenpositionen vertreten und auf zynische Weise Covid-19-Opfer, Ärzte/Ärztinnen und Pflegepersonal verspotten. Liefers, Folkerts und Konsorten haben sich falsch entschieden. Böhmermann bringt das dankenswerterweise auf den Punkt. Aber in einer Zeit, in der sich selbst ehem. Bundestagspräsidenten und Kandidatinnen fürs Bundespräsidentenamt nicht genug tun können, sich an die Spitze der Neuen Rechten zu setzen und sich dafür von Halb- und Dreiviertelnazis feiern zu lassen, kann das nicht mehr verwundern.
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#2 AltoAnonym
  • 23.04.2021, 10:59h
  • Das auch Queers bei Querdenken mitlaufen ist jetzt kein Geheimins. das ist tatsächlich eine sehr gemischte Gruppe und nicht alle da sind Nazis.
    Die wissen schon was sie tun. Die Zahl der Maßnahme-Gegner und Querdenker nimmt rasend zu. Das sind potenzielle Tatort-Zuschauer, die man gerne gewinnen möchte.
    Aber das jemand wie Folkerts oder J.J. Liefers da mitmacht hat mich echt überascht, mehr noch als bei Wendler, Naidoo, Hildmann und Co.
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#3 LogischAnonym
  • 23.04.2021, 11:16h
  • Folkerts geriert sich nun als Alice Weidel des deutschen Fernsehens?

    Passt auf jeden Fall zum Fakt, der von ihr gespielten Kommissarin lesbische Sichtbarkeit zu verweigern.

    Am besten im TV in Pension schicken.
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#4 AndreAnonym
  • 23.04.2021, 11:31h
  • Antwort auf #3 von Logisch
  • Das Problem sehe ich woanders. Seit über 1 Jahr Jahren verdienen Schauspieler, Künstler und andere "Promis" kein Geld mehr. Es fallen Konzerte, aus, Veranstaltungen im Theater finden nicht statt und es wird wahrscheinlich auch dieses Jahr nicht anders werden.

    Den Künstlern geht das Geld aus, wenn sie nicht gerade in irgendwelchen TV Formaten auftreten. Und dann liegt Resignation in der Luft.

    Aber nicht nur die Künstler wollen ans Meer, mir würde es schon reichen mit Freunden im Cafe einen Cappuccino zu trinken.

    Da haben es Störche einfacher, die können einfach mit dem Schnabel klappern auch wenn man nichts versteht und das ist manchmal besser :-).
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#5 GodzillaAnonym
  • 23.04.2021, 11:36h
  • Es ist nicht verwunderlich, dass immer mehr und sogar bekannte Menschen in diese Ecke abdriften, da es an der Nachvollziehbarkeit einiger Maßnahmen fehlt. Es muss mehr erklärt und aufgeklärt werden und endlich Mal nen harten Lockdown her. Bei dem halbgaren Lockdown kommt den Menschen langsam das Durchhalten abhanden, selbst vernünftige Menschen können langsam nicht mehr.

    Dennoch macht es den Schwachsinn einiger Mitmenschen nicht besser, klar, es erklärt ihn aber und da muss man ansetzen, zumindest bei denen die an sich noch bei Verstand sind.
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#6 remixbeb
  • 23.04.2021, 11:55h
  • Antwort auf #4 von Andre
  • Ja. Das wollen wir alle. Aber wir haben eine Pandemie.. das ist für unsere Zeit was Neues. Und offensichtlich scheinen das viele nicht zu verstehen, weil es Ihnen doch ganz normal geht und sie vielleicht auch niemanden kennen, der/die betroffen ist. Um es mal etwas zu überzeichnen: Wenn wir alle ausgerottet werden, dann juckt die fehlende Gage oder der nächste Auftritt nicht mehr viel. $Aber wir leben inzwischen in so einer Wohnstandsgesellschaft, dass Verzicht offensichtlich sehr sehr schwer fällt.
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#7 AndreAnonym
  • 23.04.2021, 12:03h
  • Antwort auf #6 von remixbeb
  • Ich möchte noch sagen, das ich hinter den Maßnahmen der Bundesregierung stehe, um die Corona Pandemie zu bekämpfen. Man kann sicher einiges kritisch sehen, das tue ich auch.

    Wenn man aber selber mal mit Covid19 in Kontakt stand (direkt/indirekt), dann hat man ein ganz anderen Blick auf das Virus.
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#8 SchleicheRAnonym
  • 23.04.2021, 12:04h
  • Ich verstehe hier was nicht, also grundsätzlich fehlt mir hier ein Aspekt, den ich nicht herauslese.

    Diese Querdenker leugnen Corona und unterstützen die Corona-Maßnahmen nicht. Und Folkerts will strengere Maßnahmen, damit sie früher/schneller [Interpretation] wieder ans Meer kann.
    Das steht den Querdenkern doch entgegen?!
    Werd ich grad verarscht, oder schnall ich hier grad nichts? - oder Beides? Ist das purer Sarkasmus? Fehlen für den Sarkasmus nicht ein paar Satzzeichen, um ihn als solchen zu verstehen?

    Für so blöd hab ich mich bisher nicht gehalten ;)

    Allerdings legt die Politik für solche Scharmützel geradezu Steilvorlagen hin. Wenn ich auch sonst die Coronamaßnahmen unterstützte und mich denen anpasse, bin ich jedoch strikt gegen eine Ausgangssperre, die ich für vollkommen unverhältnismäßig und willkürlich [Sperrzeiten] halte. Dazu sei gesagt, das ich im Kreis Vorpommern-Rügen wohne, und wir hier am unteren Ende der Inzidenzskala liegen [neidisch auf Nordfriesland und Plön schau].
    Nährt nicht vielleicht die Ausgangsperre solche beschi***nen Aktionen?
    Wenn Zustimmung von diesen Idioten aus der AfD und Konsorten kommt, gehen ja zu Recht die Alarmglocken..., leise sind sie nicht...

    Das sind Fragen, die ich mir zügig beantworten können sollte, bevor ich mich wieder in Diskussionen stürze.
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#9 WahrheitIstRelativAnonym
  • 23.04.2021, 12:18h
  • Ja, Kunst und Kultur hat mit am meisten zu leiden. Da kann man auch nicht wie die Gaststätten alternativ "außer Haus" liefern. Und wenn der Baumarkt zu macht, dann braucht man den neuen Gartenschlauch aber trotzdem und holt sich den im Nachhinein - oder Baumarkt bietet bei ebay an...
    Das man aber nach Lockdown doppelt so oft Sport macht, zum Ausgleich weil es im Lockdown nicht ging, oder doppelt so oft Theater, Zoo usw besucht, ist unwahrscheinlich, da reicht die Freizeit nicht, im Gegenteil, man hat dann ja auch einiges an Schule/Arbeit aufzuholen.
    Völlig typisch, dass die wenigen reichen Künstler, wie Nena oder Folkerts am meisten wegen Einbußen rumheulen. Die sind halt verwöhnt, der Straßenkünstler, der von fast nichts auf garnichts rutscht ist dagegen tapfer. Die Amateurbühne spart und meldet seinen 100 Mitgliedern "so zwei Jahre halten wir das ohne Einnahmen durch, hoffen wir, dass wir dann wieder spielen dürfen..."
    Unsere Bühne hat jetzt schon dreimal ein Theaterstück erarbeitet. Es wurde geprobt, gesägt, gehämmert, Werbung gemacht und dann hieß es wieder " neuer Lockdown, wir können nicht aufführen". So viel Arbeit unentgeltlich und schließlich umsonst- und keiner beklagt sich, denn keiner kann was dafür, dass eine Pandemie kein Zuckerschlecken ist.
    Aber die reichen Künstler zicken rum - wie peinlich!
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#10 AltoAnonym
  • 23.04.2021, 12:26h
  • Antwort auf #8 von SchleicheR
  • "Diese Querdenker leugnen Corona und unterstützen die Corona-Maßnahmen nicht. Und Folkerts will strengere Maßnahmen, damit sie früher/schneller [Interpretation] wieder ans Meer kann."

    Nein, will sie nicht wirklich. Sie macht sich über Leute lustig, die strengere Maßnahmen fordern. Das ist Sarkasmus, wie er gerne von Rechten genutzt wird.
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