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Mordprozess in Dresden

Sozialarbeiterin über Abdullah A.: Religion "beeinflusste alle Entscheidungen"

Gegenüber dem Gerichtsgutachter gestand er, ein schwules Paar in Dresden niedergestochen zu haben. Am Freitag gaben Vertraute Einblick in die Persönlichkeit des 21-jährigen Islamisten.


Gedenkkranz bei einer Mahnwache für Thomas L. Anfang November 2020 in Dresden (Bild: BMH)

Nach der tödlichen Messerattacke auf ein schwules Paar im Oktober 2020 in Dresden ließ der Tatverdächtige sich gegenüber Bekannten nichts anmerken. "Es war wie immer", sagte sein Cousin am Freitag beim Prozess gegen den 21-Jährigen am Oberlandesgericht (OLG) Dresden über sein Treffen mit ihn nach dem 4. Oktober. "Ich habe nichts gemerkt, überhaupt nichts." Mit einer Sozialarbeiterin, die den als islamistischen Gefährder geltenden Abdullah A. mit dem Ziel der Deradikalisierung betreute, spaziert er sogar in Tatortnähe vorbei. Ihm war nichts anzumerken, sagte sie dem Staatsschutzsenat.

A. ist wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Syrer vor, am 4. Oktober 2020 zwei homosexuelle Männer aus Nordrhein-Westfalen mit zwei Küchenmessern von hinten niedergestochen zu haben. Thomas L. starb, Oliver L. überlebte knapp. Das Motiv sieht sie in der radikal-islamistischen Gesinnung des Beschuldigten. In Gesprächen mit einem Gutachter hatte A. die Tat zugegeben und mit seinem Ziel erklärt, seiner Meinung nach Ungläubige zu töten.

Nach der Jugendhaft "war er ein Anderer"

"Er war immer schon ein Einzelgänger", sagte sein Cousin. Er sei lieber allein, habe nicht viele Freunde. "Keiner kennt ihn", beschrieb der 23-Jährige das Umfeld des Verwandten in Dresden. Er selbst habe seit der gemeinsamen Flucht aus Syrien nach Deutschland 2015 eine engere Beziehung zu A. und ihm geholfen, weil "er jemanden brauchte". Aber alle Versuche, etwas mit ihm zu unternehmen, etwa auszugehen, liefen ins Leere, "er wollte immer zu Hause bleiben", erzählte er. Sie hätten sich wie Freunde regelmäßig besucht.

Nach der Jugendhaft – A. war 2018 unter anderem wegen Propaganda für das Terrornetzwerk Islamischer Staat (IS) verurteilt – "war er ein Anderer", beschrieb der Cousin. Im Auto musste er die Musik ausmachen. A. sei in einer Weise religiös gewesen, die "nicht normal" war. Als der Angeklagte beim Einkauf nach der Haftentlassung im Supermarkt zwei Messer-Sets für seine leere Küche kaufte – zwei Tage vor dem Angriff – wunderte sich der Verwandte.

Homosexualität hielt A. für eine ganz schwere Sünde

Die Sozialarbeiterin, die A. seit Juni 2020 mit dem Ziel einer Deradikalisierung betreute, erlebte ihn als konservativ salafistisch mit strenger Auslegung der Religion. "Sie spielt für ihn eine sehr große Rolle im Leben, beeinflusst alle Entscheidungen." A. habe ihr gesagt, nur Muslimen könne er wirklich zu 100 Prozent vertrauen. Dabei wisse er nicht viel vom Islam und wiederhole IS-Ideologie wie auswendig gelernt. Auf einer langen Liste, was er für Sünde halte, habe Homosexualität als eine der schwersten ganz oben gestanden.

Die Männer, die im Oktober angegriffen wurden, waren seit Jahren ein Paar. A. war drei Wochen später verhaftet worden. Die Sozialarbeiterin, die Vertrauen zu A. aufgebaut hatte und ihn als interessiert, freundlich und offen beschrieb, aber radikal in seinen Ansichten, traf die Erkenntnis, dass sie mit ihm am Tatort war: "Das war für mich persönlich krass."

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. (cw/dpa)



#1 MircoTrolsmanProfil
  • 24.04.2021, 06:19hNeumünster
  • Ach so! Es sind also bloß die Salafisten und Extremisten, die meinen, Homosexualität sei einer der schlimmsten Sünden überhaupt und dazu noch todeswürdig.

    Dass dies eigentlich Mainstream-Meinungen der ,,Gelehrten'' sind, wird da irgendwie unter den Tisch gekehrt.
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#2 DramaQueen24Profil
  • 24.04.2021, 09:22hBerlin
  • Die Meinung, dass Homosexuelle eine Todsünde begehen, finden wir in allen monotheistischen Religionen wie Judentum, Christentum und Islam. Auch die Bibel (Levitikus Kapitel 18 und 20) sagt es. Und es wird von so genannten "Christen, wie Franklin Graham, Pastor Latzel oder der katholischen Glaubenskongregation verkündet. In ihrem Hass gegen Homosexuelle und Transsexuelle sind alle Religionen sich einig. Und auch darin, dass Demokratie abgeschafft, und ein "Gottesstaat" eingerichtet wird. Dafür sammeln sie Geld, dafür suchen sie politischen und wirtschaftlichen Einfluss, und dazu sind sie die Brandstifter, die andere dazu bringen, uns zu ermorden.
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#3 hugoAnonym
  • 24.04.2021, 09:42h
  • Es bleibt den Religionsgemeinschaften überlassen, was sie als Sünde bezeichnen.
    Das sind die AGB diser Gruppierungen.
    Nun ist es in einem Rechtsstaat per Gesetz festgelegt, dass Streitigkeiten vor ordentlichen Gerichten azszutragen sind.
    Wer die AGB verletzt, muss verklagt werden und muss die darin enthaltenen Folgen tragen, sofern die AGB nicht sittenwiedrig sind.
    Selbstjustiz oder der Aufruf dazu oder die Unterstützung kennzeichnet eine kriminelle Vereinigung!
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#4 KaiJAnonym
  • 24.04.2021, 11:01h
  • Antwort auf #2 von DramaQueen24
  • Du bist wohl schon manches mal bibelkundiger gewesen. In der Bibel wird Jesus um seinen Spruch "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!" herum mit der klaren demokratischen Trennung von Staat und Kirche zitiert. Und u.a. der Spruch aus Levitikus 18 in der Art "Du sollst nicht bei einem Manne liegen wie bei einer Frau" zitiert wissenschaftlich von seinem Sinn her keine Ablehnung von Homosexualität.
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#5 AtreusProfil
  • 24.04.2021, 12:06hSÜW
  • Auch wenn ich mich wiederhole: A. hat genau das getan, was Latzel in Bremen gepredigt hat. Der eine ist Terrorist, der andere durfte vor kurzem wieder in die Kanzel, um das Wort Gottes zu verkünden.
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#6 qwertzuiopüAnonym
  • 24.04.2021, 12:09h
  • Auf Propaganda des IS haben wir natürlich nicht viel Einfluss, aber muslimischen Verbänden in Deutschland dürfen wir ein Herumdrucksen bei Akzeptanz von Homosexuellen nicht mehr durchgehen lassen.
    Die verquere Sicht islamischer Theologen auf Homosexualität muss dringend auch von der muslimischen Community eingeordnet werden. Und das ist meiner Meinung nach nicht nur eine notwendige, sondern auch realistische Forderung: die meisten Muslime in Deutschland leben schon so lange bzw. schon ihr ganzes Leben hier, und schätzen und leben die individuelle Freiheit als Wert, mit der Folge, dass sie dafür von Verwandten und Bekannten den Verrat an ihrer Identität vorwerfen lassen müssen (zumindest wenn sie offen diesen Wert vertreten).
    Diese Menschen sind alle unsere Verbündeten, und es darf nicht länger sein, dass ein hirngewaschener Homophober alle Muslime in Deutschland hinter sich sieht, nur weil er in muslimischen Gemeinden keinen Widerspruch für seine Thesen bekommt, oder sogar als besonders gläubig angesehen wird.
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#7 MiwioAnonym
#8 Ralph
  • 24.04.2021, 13:23h
  • Antwort auf #7 von Miwio
  • Latzel begnügt sich mit einem nicht näher ausgestalteten Mordaufruf, indem er sagt, Homosexualität sei todeswürdig. Die Einzelheiten der Ausführung überlässt er dem Täter.
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#9 PinoAnonym
  • 25.04.2021, 10:40h
  • Ein weiteres Beispiel, wie Religion Menschen mit Hass vergiftet und Unheil verbreitet.

    Dieser religiöse Fanatiker darf nie wieder auf die Menschheit losgelassen werden.
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#10 Korinthen KKAnonym