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Transfeindlichkeit

Hirschfeld-Stiftung distanziert sich von Lesbenfrühlingstreffen

Auf dem Programm des virtuellen Lesbenfrühlingstreffens vom 21. bis 23. Mai stehen mehrere transfeindliche Veranstaltungen. Nur "detransitionierte" Teilnehmerinnen sind willkommen.


Das 47. Lesbenfrühlingstreffen findet vom 21. bis 23. Mai unter dem Motto "rising to the roots" statt (Bild: LFT)

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH) hat sich von Veranstaltungen auf dem diesjährigen Lesbenfrühlingstreffen (LFT) distanziert. Teile des Programms, das virtuell stattfindet, seien "trans*feindlich und nicht vereinbar mit den Zwecken und Werten unserer Stiftung", heißt es in einem Schreiben von Vorstand Jörg Litwinschuh-Barthel an den Verein Lesbenfrühling. "Ich habe am Donnerstag mit der verantwortlichen Organisatorin telefoniert und unsere scharfe Kritik geäußert", sagte der BMH-Chef auf Anfrage von queer.de. "Wir haben das LFT 21 mitfinanziert, kannten aber bei Antragstellung das Programm nicht."

Heftige Kritik gibt es u.a. am geplanten Vortrag "Genderidentität anstatt Geschlecht – Ein trojanisches Pferd für die Frauen" von Gunda Schumann, die bereits im vergangenen Jahr mit einer transfeindlichen Lecture in Berlin für Schlagzeilen sorgte (queer.de berichtete). Bei der Anerkennung des selbstbestimmten Geschlechts von trans Menschen drohten laut LFT-Ankündigung ein "Rückfall in Geschlechtsrollenstereotype, Negation des homosexuellen Begehrens, 'Transformierung' lesbischer Mädchen in 'Transjungen' bei gleichzeitiger Sterilisierung und Verstümmelung ihrer Körper, Beseitigung geschützter und autonomer Frauenräume, Auslöschung der Kategorie 'Frau' im öffentlichen Rechtsverkehr und damit auch der Frauenrechte und des Feminismus." Ähnlich hatte "Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling im vergangenen Jahr argumentiert (queer.de berichtete).

Vortrag vergleicht trans Frauen mit Ausbeuter*innen

Auch der Vortrag "Separatism as a strategy for the liberation of women" der linken australischen Schriftstellerin Susan Hawthorne verweigert trans Frauen die Anerkennung. In der Ankündigung werden trans Frauen sogar mit Ausbeuter*innen verglichen: "Das Proletariat hat Kapitalist*innen nicht in ihre Gruppe eingeladen, aber von Frauen wird erwartet, dass sie Männer, die sich als Frauen ausgeben, willkommen heißen", heißt es auf Englisch im LFT-Programm. "Das ist eine Erwartung, die sogar in Gefängnissen, Asylunterkünften und Frauenhäusern gilt. Frauen, die künstlerische oder sportliche Erfolge erzielen wollen, müssen akzeptieren, dass Männer ihnen ihre Preise wegnehmen."

Twitter / epicLouT | Ausführliche Kritik am LFT 2021 auf Twitter. Ein Klick führt zum kompletten Thread

Eine weitere Veranstaltung auf dem Lesbenfrühlingstreffen beschäftigt sich mit "Lesbenphobie und Frauenfeindlichkeit aus der 'queeren' Szene". Themen sind hier u.a. "frauenfeindliche Äußerungen schwuler Männer oder Sprüche wie 'Hearts not parts', die Homosexualität trivialisieren oder die Relevanz des Körpers in der Sexualität abstreiten". Während Frauenfeindlichkeit in der schwulen Community ein ernstes Problem ist, manifestiert sich im zweiten Punkt wohl vor allem die eigene Ablehnung von trans Frauen.

TERFs kapern das Lesbenfrühlingstreffen

Für Kritik sorgt nicht zuletzt das LFT-Panel "Macht – Sinnlichkeit – Würde: Feministische Positionen um Körper", an dem u.a. die Frauenforscherinnen Monika Barz und Inge Kleine teilnehmen. Beide unterschrieben im vergangenen Jahr einen offenen Brief, um geschlechtliche Identität aus dem Verbot sogenannter Konversionstherapien für Minderjährige zu streichen.

Ein Vortrag "Detransition in Deutschland & International" sowie ein Infostand der Gruppe "Post Trans" sind weitere Zeichen dafür, dass sogenannte TERFs – die Abkürzung steht für "trans-exclusionary radical feminists", also für radikale Feminist*innen, die trans Frauen nicht als Frauen anerkennen wollen – das diesjährige Lesbenfrühlingstreffen gekapert haben. Trans und nichtbinäre Lesben sind bei dem Bremer Treffen auch gar nicht erst willkommen: Anders als "intersexuelle und detransitionierte Lesben" fehlen sie in der detaillierten Aufzählung der Zielgruppen im Programmheft.

Erster Boykottaufruf

In einem am Samstag veröffentlichten Kommentar auf dem Portal männer* forderte Victoria Forkel lesbische Personen und Organisationen dazu auf, dem diesjährigen Lesbenfrühlingstreffen fernzubleiben: "Eine solidarische Haltung gegenüber geschlechtsdiversen Lesben wäre es, den LFT zu boykottieren, denn nicht nur offen trans*feindliche Personen sind eine Gefahr. Jede Person, die kritiklos neben TERFs steht, lässt trans*, inter und nicht-binäre Menschen im Stich." Das LFT 2021 wurde neben der Hirschfeld-Stiftung auch von der Hannchen-Mehrzweck-Stiftung, dem Bremer Senat und der Sparkasse Bremen gefördert.

Das in Bremen organisierte 47. Lesbenfrühlingstreffen findet vom 21. bis 23. Mai unter dem Motto "rising to the roots" statt. Das LFT wird jährlich an Pfingsten in einer anderen deutschen Stadt abgehalten. Nachdem Heidelberg im letzten Jahr wegen Corona-Maßnahmen absagen musste, wurde das diesjährige Treffen virtuell geplant. Die LFT-Anfänge reichen bis in die Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts zurück: Damals trafen sich in Berlin Lesben zu einem Pfingstspaziergang, der schließlich bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 zur jährlichen Tradition wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg dann trafen sich Lesben erst 1970 erstmals wieder öffentlich – zwei Jahre später kam es zum ersten "Lesbenpfingsttreffen". Schauplatz war erneut Berlin, wo die Treffen bis 1978 stattfanden. Danach wurde jährlich eine andere deutsche Stadt ausgewählt. Der Name "Lesbenfrühlingstreffen" entstand 1992 in Bremen.



#1 Taemin
  • 25.04.2021, 10:31h
  • Wer Transfrauen diffamiert als "Männer, die sich als Frauen ausgeben", stellt sich außerhalb der queeren Community und außerhalb des demokratischen Diskurses. Das ist AfD-Sprache. Die Stiftung muss sich freilich die Frage gefallen lassen, wieso sie eine Veranstaltung mitfinanziert (und das ja wohl aus Steuermitteln), deren Inhalte sie vorher nicht mal angeschaut hat.
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#2 Alexander_FAnonym
  • 25.04.2021, 11:01h
  • "Rising to the roots"; die Verwendung der Metapher "Wurzeln" ist etwas, was einen immer stutzig machen sollte, denn nur allzu oft stecken sie im braunen Erdreich.

    Es ist nur erschreckend, wie derartig breite Teile "unserer" Community bereits in ihm stecken. Das ist ein unhaltbarer Zustand.
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#3 rangerAnonym
  • 25.04.2021, 11:12h
  • "Rückfall in Geschlechtsrollenstereotype, Negation des homosexuellen Begehrens, 'Transformierung' lesbischer Mädchen in 'Transjungen' bei gleichzeitiger Sterilisierung und Verstümmelung ihrer Körper..."
    Ernsthaft? Man kann doch nicht wirklich glauben, lesbische Mädchen/Frauen würden sich zu einer Geschlechtsumwandlung (hier wäre es ja keine Anpassung) nötigen lassen, um quasi zu einem heterosexuellen Mann zu werden und damit der Norm zu entsprechen.
    "...Auslöschung der Kategorie 'Frau' im öffentlichen Rechtsverkehr und damit auch der Frauenrechte und des Feminismus"
    Noch weitreichender geht es wohl nicht? Das erinnert mich sehr an die Argumentation, dass die Menschheit ausstreben würde, wenn man Homosexualität zuließe.
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#4 Svetlana LAnonym
  • 25.04.2021, 11:14h
  • Schon die Wortwahl wie Genderideologie, links-liberaler Mainstream, Männer, die sich als Frauen ausgeben, ... ist ja widerlich und zeigt, in welche Ecke sich die Organisatorinnen stellen.

    Ich bin für einen möglichst breiten Boykott dieser Veranstaltung! Gleichzeitig hoffe ich, dass sie ein einmaliger Ausrutscher bleibt und beim nächsten Mal wieder alle Lesben* angesprochen werden.
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#5 ich muss rausAnonym
  • 25.04.2021, 11:36h
  • Terfs und Terf-Veranstaltungen halte ich mittlerweile für ebenso toxisch wie andere Extreme.
    Traurig, dass diese Bewegung aus der queeren Familie kommt und so zumindest nach außen die Gefahr besteht, dass wir Queers mehrheitlich genauso ticken, wie die, die wir kritisieren. Storch wird es diebisch freuen.

    Veranstaltung und Verein müssen boykottiert werden. Diese Kampflinie u.a. gegen Trans ist klar keine Diskussionsgrundlage sondern schlicht nur üble Hetze.
    Vielleicht versucht die Hirschfeld-Stiftung ja Gelder über den Rechtsweg zurück zu fordern?!
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#6 SandraAnonym
  • 25.04.2021, 11:40h
  • Ich hoffe das da nicht viele Leute hingehen.
    Ich kann mir nicht vorstellen das so viele von uns transphob sind.

    Es ist mir einfach nicht möglich einen Grund in derart widerlichen Aktionen zu sehen, abgesehen davon was es ist, das widerliche verbreiten von Hass und praktizieren von Ausgrenzung.
    Das ist somit definitiv nichts woran ich mich beteiligen würde, glücklicherweise kenne ich auch keine anderen Lesben die den scheiß mitmachen würden.

    Da ich nun meine Abneigung zum Ausdruck gebracht habe, (und mich dabei sogar zurückhalten konnte) wünsche ich nun zum Abschluss all den Trans-Schwestern die das lesen egal ob lesbisch oder nicht einen schönen tag, gönnt euch was.
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#7 KaiJAnonym
  • 25.04.2021, 11:54h
  • Der schwule, alte, weisse Mann ala Jan Feddersen, die Terfs und das von ihnen gekaperte LesbenFrühlingstreffen sind Beleg für die Ausbreitung der feindlichen Reaktion innerhalb der und gegen die queere Emanzipation. Ihnen ist nicht zu gewähren aus missverstandener, noch irgendwie reichender Solidarität, sondern konfliktreich und entschieden entgegen zu treten. Ihr Handeln geht an die Wurzeln unserer Emanzipation und dient den reaktionären Kräften allgemein. Deshalb sollten sich die queeren Stiftungen bei Förderungen mit Rückfordrungsklauseln bei sich als queerfeindlich herausstellenden Veranstaltungen absichern. Mit obiger Konsequenz ist ihnen mit klaren Worten auch auf und mit Demos entgegen zu treten.
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#8 GodzillaAnonym
  • 25.04.2021, 12:21h
  • Da kommt mir die Galle hoch, das ist eindeutig astreiner Faschosprech.
    Was die Terfs damit anrichten scheint ihnen nicht bewusst oder schlichtweg egal zu sein.
    Das sie mit ihren Aussagen eben jene Geschlechtsstereotype zementieren, was sie ja angeblich nicht wollen, merken sie nicht Mal. Und da sie ja auch so auf Körperlichkeiten rumreiten, was ja an sich kein Problem ist, verwechseln sie allem Anschein nach auch noch sexuelle Identität mit sexuellen Präferenzen.
    Für mich gehören solche Menschen nicht zur Community, weil bei denen einfach die Solidarität fehlt. Man wird schon genug angegriffen, da braucht man das nicht auch noch in den eigenen Reihen.

    Traurigerweise gibt es nicht wenig Lesben die ebenso denken, daher traue ich mich gar nicht mich quasi auf den Datingmarkt zu schmeißen.
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#9 NikolaAusRAnonym
#10 SpockAnonym
  • 25.04.2021, 13:45h
  • Antwort auf #1 von Taemin
  • "Die Stiftung muss sich freilich die Frage gefallen lassen, wieso sie eine Veranstaltung mitfinanziert (und das ja wohl aus Steuermitteln), deren Inhalte sie vorher nicht mal angeschaut hat."

    Ich vermute, dass der Fördervertrag abgeschlossen wurde, bevor das endgültige Programm feststand. Mir scheint ein solcher Vertrauensvorschuss nicht unüblich und manchmal unvermeidlich zu sein. Fördernde von sozialen/kulturellen Projekten können nicht immer auf allen Ebenen die absolute Kontrolle haben. Ich erwarte allerdings auch, dass die MHS klare Konsequenzen für künftige Förderungen zieht.

    Ich hoffe sehr, dass sich genügend engagierte Lesben finden, die dieses wichtige Treffen zurückerobern und wieder zu einem menschenfreundlichen Event machen. Das sollte doch eigentlich möglich sein. Ich glaube nicht, dass TERFs die Mehrheit der Lesben repräsentieren.
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