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USA
Republikaner kritisieren "anti-amerikanische" Regenbogenfahne
Die Biden-Regierung erlaubt US-Botschaften in aller Welt, zur Pride-Saison Regenbogenfahnen zu hissen – und schafft damit ein Verbot aus der Trump-Zeit ab. Manche fühlen sich dadurch in ihrer Vaterlandsliebe gestört.

Republikanische Politiker*innen wollen die Regenbogenfarben nicht nahe der "Old Glory" sehen (Bild: Ted Eytan / flickr)
- 28. April 2021, 11:07h 3 Min.
Das amerikanische Außenministerium hat laut Medienberichten vergangene Woche eine "pauschale Erlaubnis" für alle Botschaften ausgesprochen, während des Pride-Monats die Regenbogenfahne auf ihrem Gelände zu hissen. Damit wird ein Verbot der Trump-Regierung rückgängig gemacht (queer.de berichtete). Kritik an der Erlaubnis kommt aus der republikanischen Oppositionspartei.
Konkret heißt es in dem Erlaubnisschreiben, dass US-Botschaften "die Pride-Fahne auf äußeren Fahnenstangen während der Pride-Saison 2021 anbringen dürfen". In dem Papier wird auch klargestellt: "Das ist eine Erlaubnis, keine Pflicht."
"Traditionelle Werte werden attackiert"
Newt Gingrich, der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, gehörte zu den schärfsten Kritiker*innen der Regenbogenfahne. Im republikanischen Haussender Fox News Channel kritisierte der 77-Jährige, dass die Biden-Regierung "alle idiotischen Sachen" tun würde, um Konservative zu verärgern. Dazu gehörten etwa die Forderung nach schärferem Waffenrecht oder nach dem Recht auf Abtreibung. "Auch traditionelle Werte werden attackiert, wenn die Regierung die Schwulenflagge an amerikanischen Botschaften in der ganzen Welt zeigen will", so Gingrich. "Es ist fast so, als ob die eine Checklist haben mit dem Titel: 'Was können wir tun, was traditionelle Amerikaner so richtig wütend macht?'" Außerdem sagte der Hardliner: "Ich hätte mir keine Regierung vorstellen können, die so bewusst anti-amerikanisch ist und es darauf anlegt, die Mehrheit des amerikanischen Volkes wütend zu machen."

(Bild: Screenshot Fox News Channel)
Kritik kam auch vom evangelikalen Eiferer Franklin Graham, der Donald Trump im Wahlkampf unterstützt hatte (queer.de berichtete). Der 68-Jährige erklärte, an Botschaften dürfe nur die Nationalfahne hängen. "Unsere US-Fahne repräsentiert Opferwillen, Ehre, Einheit, Patriotismus und das Blut – all dies hat Amerika groß gemacht", so Graham, der Sohn des 2018 verstorbenen Evangelisten Billy Graham. Vater und Sohn haben aus ihrer christlich motivierten Abneigung gegenüber Homosexuellen nie ein Geheimnis gemacht. Franklin Graham hatte etwa 2016 sexuell aktive Homosexuelle pauschal zu "Feinden" von Christinnen und Christen erklärt (queer.de berichtete).

Auch im Parlament versuchen Republikaner*innen, das Hissen von Regenbogenfahnen an ausländischen Botschaften zu verhindern. Anfang des Jahres brachten homophobe Politiker*innen etwa den "Old Glory Only Act" ein, der US-Vertretungen das Zeigen jeglicher Flagge außer der US-Fahne verbieten soll (queer.de berichtete).
Mehrere ausländische US-Botschaften hatten sich in den letzten Jahren über das Regenbogenfahnen-Verbot von US-Präsident Donald Trump hinweggesetzt – oft, indem sie die Regenbogenflagge neben den Flaggenmast aufhingen und damit das Verbot umgingen. So wehte etwa letztes Jahr zur CSD-Saison an der US-Botschaft in Moskau – neben anderen westlichen Botschaften – eine entsprechende Fahne. Das führte zu Protesten durch das russische Regime, das die Fahne als verbotene "Homo-Propaganda" einstufte (queer.de berichtete). (dk)














