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Riga

Lettland: Mann erliegt Brandverletzungen

Nach Spekulationen über ein schwulenfeindliches Hassverbrechen starb ein Mann mit schweren Verbrennungen im Krankenhaus. Inzwischen wurde bekannt, dass er selbst wegen Brandstiftung vor Gericht stand.


Normunds Kindzulis arbeitete zuletzt als Assistenzarzt und Mitarbeiter der Notrufzentrale (Bild: privat)

Der Mann, der in der Nacht zum letzten Freitag in der lettischen Stadt Tukums mit schweren Brandverletzungen im Treppenhaus seines Wohnhauses aufgefunden wurde, ist an den Folgen gestorben. Das berichten lettische Medien am Mittwoch unter Berufung auf Kollegen des 29-Jährigen.

Normunds Kindzulis war in den letzten Tagen auf einer speziellen Station für Verbrennungen in der Hauptstadt Riga behandelt worden – Medienberichten zufolge lag der Anteil der verbrannten Körperoberfläche zwischen 85 und 100 Prozent. Ein Mitbewohner und Freund des Mannes, der durch Schreie geweckt wurde und ihm zur Hilfe eilte, wurde dort ebenfalls mit Verbrennungen unter anderem an Händen und Füßen behandelt.

Izsak?m visdzi??ko l?dzj?t?bu Normunda ?imenei, draugiem un kol??iem! B?sim l?dzciet?gi un saproto?i! ?

Posted by Association of LGBT and their friends Mozaika on Wednesday, April 28, 2021
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Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil Artis Jaunklavinš, der 23-jährige Mitbewohner, von einem möglichen Hassverbrechen gesprochen hatte, nachdem Medien zunächst unter Berufung auf die Feuerwehr schlicht von einem regulären Brand mit zwei Verletzten gesprochen hatten. Normunds sei mit Brennstoff übergossen und angezündet worden, berichtete Artis gegenüber einer Lokalzeitung aus Tukums (queer.de berichtete). Beide Männer seien im Vorjahr unter homophoben Beschimpfungen mit dem Tode bedroht und zum Wegzug aufgefordert worden, die Polizei habe eine Anzeige aber ignoriert.

Hintergründe des Brandes weiter unklar

Die Schilderungen hatten seit Samstag zu einer öffentlichen Debatte über Homophobie in Lettland und die Rolle der Polizei geführt, die sich zunächst unter Verweis auf laufende Ermittlungen nicht näher zu dem Fall äußern wollte.

"Es gibt und kann keinen Ort für solche Gräueltaten in Lettland geben", hatte der schwule Außenminister Edgars Rinkevics bereits am Freitag getwittert. Im Land dürfe es keinen Platz für Hass geben, schrieb Präsident Egils Levits am Samstag. Toleranz sei ein Wert Lettlands. "Intoleranz, Homophobie und Gewalt haben in unserer Gesellschaft keinen Platz", sagte Ministerpräsident Krišjanis Karinš am Montag nach einem Treffen des Kabinetts; die Regierung kündigte eine Untersuchung des Verhaltens der Polizei und Initiativen für eine stärkere Verfolgung und Ahndung von Hassverbrechen an. Auch queere Organisationen forderten einen größeren Einsatz der Politik für LGBTI und beklagten unter anderem die Untätigkeit der Regierung gegenüber zunehmender Hetze in Internet.

Latvija ? no naida br?va zona. ??? Paldies visiem jaunie?iem – p?rmai?u nes?jiem un Jaunatnes organiz?cija "Protests" par piketa organiz??anu.

Posted by Association of LGBT and their friends Mozaika on Tuesday, April 27, 2021
Facebook / Association of LGBT and their friends Mozaika | Queere Aktivist*innen demonstrierten am Dienstag vor dem Regierungssitz in Riga für mehr Schutz und Rechte
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Allerdings bleiben die Hintergründe des Falles aus Tukums weiter unklar (wie auch die sexuelle Orientierung der beiden Männer, die trotz manchen Medienberichten offenbar kein Paar waren). Mitbewohner Jaunklavinš sprach in späteren Interviews auch von weiteren möglichen Motiven, etwa in der Arbeit der beiden Männer im medizinischen Bereich. Auch gab er an, Jaunklavinš sei bereits am Donnerstagnachmittag im Treppenhaus von zwei Männern angegriffen worden, gegen die er sich habe wehren können. Zu dem Brand sei es nach seiner Rückkehr von der Nachtschicht gekommen.

Verstorbener stand wegen Brandstiftung vor Gericht

Gegenüber Medien ließ die Polizei inzwischen verlauten, dass sie weiter in alle Richtungen ermittle – auch in die, dass kein Verbrechen stattgefunden habe. Die Sendung "Panorama" des öffentlich-rechtlichen Senders LTV hatte zuvor berichtet, dass Kindzulis wegen fünf unterschiedlichen Fällen von Brandstiftung in Riga vor Gericht stand. Bei diesen Taten sei niemand verletzt worden, aber Sachschaden entstanden.

Da der Prozess wegen des Todes von Kindzulis nicht fortgesetzt wird, gelte weiter die Unschuldsvermutung, so LTV. Der Sender zitierte allerdings die zuständige Staatsanwältin mit der Aussage, dass er die Taten gestanden habe und dass man vor Gericht nach dem Ergebnis eines Gutachtens zu seinem psychischen Befinden eine Einweisung in eine Klinik beantragen wollte.

Bei der Geschichte von Normunds sollte niemand übersehen, dass er "ständig verfolgt wurde", kommentierte die queere Organisation Mozaika am Dienstag, "er wurde mit dem Tod bedroht, er wurde wiederholt angegriffen, er wurde die Treppe hinuntergestoßen, bis er unter ärztliche Aufsicht geriet". Die Polizei habe nie auf Beschwerden reagiert, sondern immer nach Beweisen gesucht, dass er selbst verantwortlich sei. Daher sei es notwendig, alle Umstände und den Kontext der Ereignisse umfassend aufzuklären. (nb)



#1 LeashAnonym
  • 29.04.2021, 12:28h
  • Komische Geschichte, jetzt wird es so dargestellt das er sich selbst angezündet haben könnte und psychisch krank war?

    Wie soll das passiert sein? Er kommt nach seiner Nachtschicht nach Hause und denkt "Oh jetzt hab ich bock noch schnell irgendwas anzuzünden" und stolpert aus Versehen über einen Benzinkanister und ein Feuerzeug?
    Oder soll er sich hat umbringen wollen? Ich glaube wenn ich mich umbringen wollen würde wäre mich anzünden nicht meine erste Wahl.

    So viele offene Fragen:
    -Wann waren diese 5 Fälle wegen Brandstiftung?-Was wurde angezündet?
    -Darf die zuständige Staatsanwältin das einfach öffentlich bekannt machen das er angeblich gestanden habe und das ein Gutachten zum Schluß kam er sollte eingewiesen werden - auch wenn das Verfahren noch nicht abgeschlossen war?

    Also das klingt doch alles sehr nach Vertuschung. Mit Sicherheit wird das nun im Sand verlaufen, weil er ist ja tot und jetzt interessiert es keinen mehr.

    Das glaubt ja wohl keiner das die Polizei, die kritisiert wird den wiederholten Morddrohungen, Anfeindungen etc nicht entsprechend nachgegangen zu sein ein Interesse daran hat den Fall wirklich aufzuklären, wenn sich dabei herausstellt das jemand diese Drohungen wahr gemacht hat.

    Wenn ich die wäre hätte ich es aber so gedreht das der Mitbewohner der ja nun auch Verbrennungen erlitten hat ihn angezündet hat aus Liebeskummer oder whatever. Wundert mich das sie den Weg (noch) nicht gegangen sind.

    Wie dem auch sei: REST IN PEACE. Ich hoffe wer auch immer dafür verantwortlich ist kann jetzt keine Nacht mehr schlafen und wird den Rest seines Lebens nicht mehr glücklich.
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#2 SebiAnonym
  • 29.04.2021, 12:33h
  • "er wurde mit dem Tod bedroht, er wurde wiederholt angegriffen, er wurde die Treppe hinuntergestoßen, bis er unter ärztliche Aufsicht geriet"

    Wie pervers und degeneriert müssen Menschen sein, um andere Menschen anzugreifen oder auch nur zu beleidigen oder zu diskriminieren, nur weil sie lieben?

    Alle Menschen, die bei Homohass wegsehen oder es gar aktiv fördern, sind mitschuldig an solchen Vorfällen.
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