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US-Studie

Schwule und bisexuelle Jungs outen sich immer häufiger

Die Eltern von minderjährigen Teenagern wissen heute viel eher über die sexuelle Orientierung ihrer Kids Bescheid als Väter und Mütter in den Neunzigerjahren.


Immer mehr jungen Männer sehen sich als Mitglieder der queeren Community an (Bild: Tjook (TJOOK.COM) / flickr)

Schwule und bisexuelle Teenager, die heute aufwachsen, outen sich viel häufiger gegenüber ihren Eltern als die Generation vor ihnen. Das ist das Ergebnis einer US-Studie (PDF), die am Montag im Fachmagazin "Psychology of Sexual Orientation and Gender Diversity" veröffentlicht wurde. Autoren waren vier Wissenschaftler der Northwestern University in Illinois und der City University of New York. Hauptgrund für die Zunahme von Coming-outs sei die höhere Akzeptanz von sexuellen Minderheiten in der amerikanischen Gesellschaft.

Demnach haben sich 66 Prozent der 13- bis 18-jährigen schwulen und bisexuellen US-Bürger gegenüber ihren Müttern oder anderen weiblichen Erziehungsberechtigten geoutet, 49 Prozent sind out gegenüber ihrem Vater oder männlichen Erziehungsberechtigten.

Damit geht die Generation Z (also die ab Ende der Neunzigerjahren geborenen Personen) weitaus offener mit ihrer sexuellen Orientierung um als die Vorgänger der Generation Y: Bei jenen, die in den Neunzigerjahren geboren wurden, hatten sich in der Altersklasse zwischen 13 und 18 nur 40 Prozent gegenüber ihren Müttern geoutet und weniger als 30 Prozent gegenüber ihren Vätern.

"Es gibt immer noch die gleichen Hürden und Diskriminierungen"

"Die Studie ist ermutigend, weil sie zeigt, dass viele Jugendliche sich mit ihrer Sexualität wohlfühlen", erklärte Hauptautor David A. Moskowitz. "Wir müssen aber auch vorsichtig sein, weil die Daten anzeigen, dass es immer noch die gleichen Hürden und Diskriminierungen gibt wie in vorhergehenden Generationen. Es ist noch viel zu tun." Die Daten aus der Studie stammen von einer HIV-Präventionsstudie unter rund 1.200 Teenagern, die zwischen Januar 2018 und Januar 2020 zu einer Reihe von Themen befragt wurden.

Laut der Studie outeten sich weiße Teilnehmer eher gegenüber ihren Eltern als Schwarze Befragte. Diejenigen, die sich als schwul identifizierten, outeten sich häufiger als jene, die sich als bisexuell bezeichneten. Zudem war Religiosität ein Faktor: Jugendliche, die sich als nicht gläubig bezeichneten, sprachen weit häufiger offen über ihre sexuelle Orientierung als Teenager, für die Religiosität in ihrem Leben eine Rolle spielte. Zudem zeigte sich, dass jungen Menschen, die mit ihrer sexuellen Orientierung hadern, sich in weit geringerem Umfang outen.

Laut Moskowitz müssten diese Daten in weiteren Forschungsarbeiten mit Daten aus anderen Generationen verglichen werden. Zudem müsse noch eine ähnliche Studie über Lesben und weibliche Bisexuelle durchgeführt werden. Am Ende könne die Gesellschaft besser darauf eingehen, wie Sexualität von jungen Menschen verstanden wird – dies sei insbesondere wichtig für die Arbeit in Schulen oder Jugendeinrichtungen.

Eine erst vor wenigen Wochen veröffentlichte US-Studie war bereits zum Ergebnis gekommen, dass sich in der Generation Z weit mehr Menschen als LGBT identifizieren als in vorhergehenden Generationen. So gaben 17 Prozent der zwischen 1997 bis 2002 geborenen Amerikanerinnen und Amerikaner an, Mitglied der queeren Community zu sein. Bei den Babyboomern (Geburtsjahr 1946 bis 1964) waren es nur zwei Prozent, bei den noch älteren sogar noch weniger (queer.de berichtete). (dk)



#1 SebiAnonym
  • 29.04.2021, 12:35h
  • Sehr gut.

    Selbstverleugnung, die ständige Angst vor Enttarnung und das ewige Aufpassen was man sagt und wie man sich verhält bleiben langfristig nicht ohne Folgen für die Psyche und die Gesundheit.

    Deshalb kann man jedem nur wünschen, dass er die Kraft hat, sich zu outen. Auch wenn das leider immer noch nicht so einfach und selbstverständlich ist, wie es längst sein sollte. Aber es wird kontinuierlich besser. Und dazu trägt jedes einzelne Outing bei.
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#2 LeashAnonym
  • 29.04.2021, 12:44h
  • Das freut mich zu lesen!

    Ich für meinen Teil hab mich erst mit 24 geoutet. Wie viel Zeit ich verloren habe in denen ich dachte ich sei hetero und wie unglücklich/verwirrt ich war weil ich nicht wusste was mit mir los ist. Kein Wunder das die Selbstmordrate bei queeren Jugendlichen so hoch ist, ich hätte locker einer davon sein können.

    Wäre man aufgewachsen in einer Welt die toleranter ist, die einem Schwulsein etc als etwas okayes vermittelt hätte, hätte ich mir das sicher schneller eingestehen können und wäre heute anders.

    Ich bin noch heute wütend auf die Gesellschaft die "noch nicht so weit war" und die Kirche die nicht müde wird ihren Teil beizutragen.
    Und es macht mich traurig wenn man noch immer lesen muss, dass in manchen Ländern in der Schule das Thema einfach verschwiegen wird, weil man will die Kinder ja nicht "sexualisieren" und Schwulsein propagieren, als wäre das möglich!
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#3 KenshiroProfil
  • 29.04.2021, 15:43hBerlin
  • Das man sich eher seiner Mutter anvertraut und outet, kann ich nur bestätigen. Für mich gilt das meine Mama einer sehr offener und liberaler Menschen ist, sehr liebevoll und gebildet mit allen Art von Menschen. Bis heute bin ich mir sicher das sie es schon immer geahnt das ich nicht hetro bin.

    Was die im Artikel angesprochenen Jugendlichen und jung Erwachsenen betrifft, sehe ich dort auch eine große Offenheit, Liebe und Liberalität. Ich habe Freunde*innen die sind 20, 21 oder 25 Jahre alt und sind da völlig ungezwungen, sogar interessiert. Ich bin mir aber auch bewusst das mein Umfeld nicht unbedingt repräsentativ ist und mich dahingehend privilegiert hat.
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#4 Alexander_FAnonym
  • 29.04.2021, 15:53h
  • Die Jugend von heute ist nun eben auch nicht mehr das, was sie einmal war...und das ist gut so!
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#5 Ralph
  • 29.04.2021, 17:53h
  • Ich hab mich meinen Eltern gegenüber mit 20 geoutet. Und ich bin mit 20 ausgezogen. Weil das letztere eh anstand, fiel das erstere leichter. Das war 1982.
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#6 56James35Anonym
  • 30.04.2021, 17:13h
  • Sich outen? Vor wem? Vor dem Arbeitgeber, wenn man ein Azubi ist?
    Immer auf der Hut sein sollte das Überlebensmotto eines jeden Schwulen sein, es sei denn er kann es sich finanziell leisten, den Anderen "Leck mich am A* ins Gesicht sagen.
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#7 KMBonnProfil
  • 03.05.2021, 09:48hBonn
  • Ich hab mich seinerzeit als Schüler mit 16, 17 geoutet. Erste große Liebe in der Tanzschule zu einer anderen Tanzmaus. Kuschelrunden bei unserer Trainerin mit VHS-Videos und Pizza, da fanden sich die ersten Pärchen und es nahm niemand Anstoß daran, dass es auch schwule Pärchen gab.
    Und das war 1983 in der Kleinstadt Celle kein wirkliches Problem.
    Es gab ein paar dumme Sprüche von Jungs aus höheren Jahrgängen, aber ich kann nicht sagen, dass es mir größere Probleme oder gar Mobbing eingebracht hätte.
    In der Oberstufe hatte ich einen offiziellen Vertrauenslehrer und einen inoffiziellen, meinen schwulen Französischlehrer.
    Das war das einzige "Problem", denn ich hätte ihn gern offiziell als Tutor gehabt. Aber da hatte er Angst. Als schwul bekannter Lehrer mit einem schwulen als Schüler, das hätte Gerede geben können - wir haben es dann mit Wissen meines offiziellen Oberstufenbetreuers geregelt. Schulisches besprach ich mit dem einen Lehrer und für persönliche Fragen stand mir der andere Lehrer zur Verfügung. Und ich werde nie vergessen, wie er mich ein Mal, als ich tatsächlich einmal Liebeskummer hatte, einfach mal in den Arm nahm. Einfach so, ein paar tröstende und Zuversicht spendende Worte, Mitgefühl zeigen - ich erinnere mich heute noch daran, 35 Jahre später. Es war wichtig für mich damals und ich habe diesen Lehrer auch heute noch so vor Augen.
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