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Katholische Kirche

Studie von Theolog*innen: Bibel lehnt "treue gleichgeschlechtliche Beziehungen" nicht ab

Dutzende katholische Akademiker*innen haben "aktuelle" Forschungsergebnisse zu Bibelstellen zusammengefasst und eine "Akademische Erklärung" mit Forderungen veröffentlicht.


Regenbogenflagge an einer katholischen Kirche in Österreich (Bild: Facebook / Pfarre Schwechat)

Mitten im Streit um die durch den Vatikan untersagte Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in der Katholischen Kirche hat das britische "Wijngaards-Institut für katholische Forschung" einen Bericht zur "Neubewertung" der biblischen Aussagen zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen veröffentlicht.

"Der Report greift neueste Forschungsergebnisse zu den einschlägigen biblischen Texten im Buch Leviticus und im Römerbrief auf", so Dr. Michael Brinkschröder, Sprecher des Katholischen LSBT+Komitees, das den Bericht auf Deutsch (PDF) übersetzte. Der Report lege "auf sehr konzise Weise dar, dass man der Bibel keine Argumente gegen auf Dauer und Treue angelegte gleichgeschlechtliche Beziehungen entnehmen kann. Die Verdammung von homosexuellen Handlungen durch das Lehramt hat jetzt keine theologische Grundlage mehr."

Dem Komitee gehören unter anderem die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) und das Netzwerk Katholischer Lesben e.V. an. "Der Report kommt genau zum richtigen Zeitpunkt", so Komitee-Sprecherin Veronika Gräwe. "Seine Ergebnisse liefern wichtige Impulse für die Debatte über gleichgeschlechtliche Beziehungen in der katholischen Kirche, die aktuell im Rahmen des Synodalen Wegs, aber auch in vielen Kirchengemeinden und Diözesen geführt wird."

Die Glaubenskongregation des Vatikans hatte im März ihr Nein zur Segnung homosexueller Paare bekräftigt, da dies "objektiv" nicht Gottes Wille entspreche (queer.de berichtete). Zahlreiche katholische Verbände und über 280 Theologieprofessor*innen aus dem deutschsprachigen Raum protestierten dagegen (queer.de berichtete). Einzelne Priester haben angekündigt, sie würden weiterhin homosexuellen Paaren den Segen erteilen. Im Rahmen der Aktion #liebegewinnt sind am 10. Mai und um das Datum herum fast 100 entsprechende Gottesdienste geplant.

Bericht: Bibelstellen wurden falsch übersetzt

Zu dem Report hatten zwanzig Akademiker*innen beitragen, aus den Bereichen Bibelwissenschaft, Theologie, Ethik, Evolutionsbiologie und Soziologie. Es gebe "nirgendwo in der Bibel eine Verurteilung von weiblichen gleichgeschlechtlichen Beziehungen und von einvernehmlichen und treuen gleichgeschlechtlichen Beziehungen im Allgemeinen", halten sie fest.

Die "interdisziplinäre und bahnbrechende Studie" widerlege "christliche Einwände gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen", betonen die Autor*innen. Entsprechende Verurteilungen würden auch "von den meisten römischen Katholik*innen weltweit nicht geteilt", gelten aber weiter als päpstliche Lehre. Man hoffe, mit der unabhängigen Studie zu einem Umdenken beizutragen.

Konkret setzt sich der Report etwa mit den Bibelstellen Levitikus 18,22 und 20,13 auseinander, die als Grundlage jahrhundertelanger Verfolgung und Diskriminierung Homosexueller dienten. Übersetzt wird die Stelle beispielsweise mit: "Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen."

Diese "ausdrücklichste und allgemeinste Verurteilung gleichgeschlechtlicher Beziehungen" in Bibelwerken beruhe auf falschen Deutungen, heißt es nun vom Wijngaards-Institut: "Unsere Studie kann bestätigen, dass die traditionelle Interpretation auf einer Fehlübersetzung beruht. Im Gegenteil, diese Verse beziehen sich nur auf bestimmte Arten von männlichen gleichgeschlechtlichen sexuellen Handlungen (insbesondere Ehebruch und Inzest) und verurteilen gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht im Allgemeinen. Die Tatsache, dass sich das Verbot auf eine bestimmte Art von Aktivität bezieht, deutet darauf hin, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen außerhalb der verbotenen Kategorie als zulässig angesehen wurden."

Auch andere Bibelstellen wie Römer 1,26-27 würden falsch interpretiert, so die Studie, die auch die Verurteilung gleichgeschlechtlicher Beziehungen als "von Natur aus ungeordnet" durch die Kirche kritisiert: "Aus der Sicht der Naturwissenschaften kann bestätigt werden, dass Homosexualität eine 'natürliche Variation innerhalb der Bandbreite menschlicher Sexualität' ist."

Forderungen an Kirche

Zeitgleich zur Veröffentlichung der Studie am Dienstag stellte das Institut auch eine ebenfalls in mehrere Sprachen übersetzte "Akademische Erklärung" vor, unterzeichnet von 66 Forscher*innen unter anderem auch aus Deutschland. Diese fasst die Ergebnisse zusammen und stellt mehrere Forderungen auf. So sollte ein offizielles kirchenrechtliches Dokument "die absolute Verurteilung von freien, treuen und lebenslangen nicht-heterosexuellen Beziehungen widerrufen und die Kriterien für ihre moralische Bewertung, pastorale Begleitung und liturgische Feier festlegen". Auch müssten diskriminierende Einstellungsvoraussetzungen beendet und weitere diskriminierende Praktiken eliminiert werden.

Die Erklärung enthält ein Vorwort des polnischen Theologen Krzysztof Charamsa, der sich 2015 als schwul outete und darauf unter anderem seinen Posten in der Glaubenskongregation verlor und als Priester suspendiert wurde (queer.de berichtete). Er hatte schon zu seinem Coming-out einen umfassenden Forderungskatalog an die Kirche veröffentlicht (queer.de berichtete). "Wenn Menschen leiden, weil sie sich diskriminiert und verfolgt fühlen, zurückgewiesen oder marginalisiert aufgrund von Doktrin, Gesetzen und Regeln, über deren Korrektheit es inzwischen wohlbegründete Zweifel gibt, haben die verantwortlichen Kirchenautoritäten eine religiöse und christliche Pflicht, diese sorgfältig und empathisch zu überarbeiten", schreibt er in dem Vorwort. (nb)



#1 borutAnonym
  • 05.05.2021, 13:27h
  • Die haben also das Wort Gottes 2000 Jahre lang falsch verstanden und dem Alten im Himmel war es noch nicht der Mühe wert, dem Papst eine Email mit der richtigen Interpretation zu schicken?
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#2 GodzillaAnonym
  • 05.05.2021, 14:06h
  • Ich weiß ja, dass es vor sehr langer Zeit Fehler in der Übersetzung gegeben haben soll aber ich erkenne die Ablehnung der Homosexualität dennoch, da sie dem Artikel zufolge nur unter bestimmten Voraussetzungen, laut Text, nicht verwerflich ist.
    So störe ich mich z. B. daran, dass es lediglich für auf Dauer und Treue (und ich kann mir vorstellen was für eine Definition sie da haben) ausgelegte Homosexualität gilt.
    Dann die Stelle, dass mit Levitikus(?) Ehebruch und Inzest gemeint gewesen sein sollen, ähm, wenn ich mir die Passage(n) ansehe, dann ist es schwer zu glauben, dass das ein reiner Übersetzungsfehler war, denn Beides ist doch so oder so Tabu gewesen.

    Also mein Eindruck ist, dass sich da was zusammengesucht wird, damit einem nicht noch mehr Mitglieder abhanden kommen, zumal ich mir gut vorstellen kann, dass die Hardliner bereits Blasphemie-Schilder basteln.
    Falls das allerdings zweifelsfrei und auch für Menschen die nichts mit Theologie zu tun haben nachprüfbar ist, dass da zum Teil schwerwiegende Fehler in der Übersetzung vorgelegen haben kann ich nur hoffen, dass sich einiges ändert.
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#3 SpockAnonym
  • 05.05.2021, 14:58h
  • Schlecht übersetzte Textfragmente aus der Bronzezeit danach absuchen, ob sie heutigen Erwachsenen bestimmte selbstgewählte Beziehungen "erlauben" oder nicht und dann über weiterhin diskriminierende Rituale streiten. Was in der RKK als Fortschritt und Durchbruch abgefeiert wird, ist schon faszinierend.

    Als Außenstehender kann man sich über so viel selbstgewählte Unmündigkeit nur die Augen reiben.
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#4 AlexAnonym
  • 05.05.2021, 15:27h
  • Ich lasse mir nicht von einer Organisation, die immer noch so viel Kindesmissbrauch wie möglich vertuscht, vorschreiben, ob ich treu zu sein habe oder nicht.

    Ich lebe wie ICH will. Und ob dieser Verein das gut findet oder nicht, ist mir herzlich egal.
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#5 Homonklin_NZAnonym
  • 05.05.2021, 15:35h
  • ""Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen.""

    Diese Stelle (3.Mose 20:13) wurde gar mehrfach falsch übersetzt, so wurde der "Mann" anstelle des in der anderen Übersetzung stehenden "Knaben" gesetzt.
    Eigentlich verurteilt die Stelle Päderastie, Pädophilie.
    Dass gerade die katholische Kirche damit ein Riesenproblem haben muss, überrascht niemand mehr.
    Aus der Zeit, in der beide Übertragungen geläufig waren, dürfte wohl auch die vielfache Vermischung von Homosexualität und Pädophilie stammen, die etwa auch in Russland oder Polen mit einem Begriff zusammengeworfen wird.

    ""Lutherbibel 1912
    Wenn jemand beim Knaben schläft wie beim Weibe, die haben einen Greuel getan und sollen beide des Todes sterben; ihr Blut sei auf ihnen.""

    Hier gibt es weitere Stellen, die das teils mit "Mann" und teils mit "Knabe" angeben:

    bibeltext.com/leviticus/20-13.htm

    Beim Beischlaf mit Schwiegertochter und deren Mutter werden gar die Frauen ebengleich scheußlich bestraft wie der Kerl, und Frauen während ihrer Regel und diverser Zeitangaben nach einer Geburt als unrein gesehen, und sollen 2 Monate nicht zum Gotteshaus kommen, bzw. Zauben, Turteltauben oder ein einjähriges Schaf zum Opfer darbringen.

    Klar, die Pfaffen aßen schon damals nur das Beste!
    Die müssen sich ein Zeugs reingebaut haben, um sich so einen Brunz auszudenken.

    Am achten Tag nach der Geburt eines Sohnes soll die Vorhaut beschnitten werden...
    Bei einem Baby? Was waren das bloß für Knilche, die sich das zurecht bastelten?

    Jedem heute lebenden Herrn mit Verstand mussdie Bibel ein Greuel sein!
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#6 Pu244Anonym
  • 05.05.2021, 15:41h
  • Da ist nichts fehlübersetzt worden. Die Forderung, Schwule zu ermorden, wenn sie Sex haben, ist sehr eindeutig und läßt an Klarheit nichts vermissen. Das kommt durchaus nicht so oft vor, bei vielen Dingen gibt es einen großen Deutungsspielraum (z.B. Kapitalismus, Umgang mit Andersgläubigen usw.), nur eben beim Schwulsein nicht.

    Gegen diese neuerliche Hirnverdrehung spricht die Tatsache, dass sowohl Ehebruch, als auch Inzest, an anderer Stelle deutlich verurteilt (sogar ebenfalls mit dem Tod bestraft) werden. Es müßte also nicht noch einmal Extra für Schwule hervorgehoben werden.

    Es ist nunmal leider eine historische Tatsache, dass damit sehr wohl das gemeint war, was drin steht und dass die Existenz von Lesben ignoriert oder geleugnet wurde.

    Daraus sollten alle ihre Schlüsse ziehen und sich fragen, ob sie den Verein unterstützen, der gut zweitausend Jahre lang für die Unterdrückung von Homosexuellen gesorgt hat.
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#7 KMBonnProfil
  • 05.05.2021, 17:31hBonn
  • Schön. Aber wen interessiert das denn noch wirklich? In Köln passiert am Monatsanfang seit Monaten jedes Mal dasssalebe. Binnen weniger Stunden sind die Austrittstermin, zuletzt auf 1500 aufgestockt, restlos ausgebucht.

    Wer als Mensch glaubt, für ein glückliches und erfülltes queeres Leben diesen Laden und seine geweihten Röckchenträger zu brauchen - ehrlich, dem ist nicht zu helfen.

    Tragen wir dazu bei, dass der Laden weiter erodiert. Das ist das Beste, was einer modernen Zivilgesellschat passieren kann.
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#8 MarkKerzmanProfil
  • 05.05.2021, 19:48hPrinceton
  • Antwort auf #2 von Godzilla
  • >>> Dann die Stelle, dass mit Levitikus(?) Ehebruch und Inzest gemeint gewesen sein sollen, ähm, wenn ich mir die Passage(n) ansehe, dann ist es schwer zu glauben, dass das ein reiner Übersetzungsfehler war, denn Beides ist doch so oder so Tabu gewesen. <<<

    Deine Auslegung ist fehlerhaft: selbstredend handelt Leviticus 18:22 explizit von sexueller Aktivität zweier Männer. Die wissenschaftliche Interpretation hier limitiert das Verbot in Leviticus jedoch ausschließlich auf Situationen, in denen a) ein oder beide Beteiligter/en (nach damaliger Halacha mit einer Frau) verheiratet ist/sind und/oder b) ein Verwandtschaftsverhältnis zwischen den beiden vorliegt, sodaß ihre sexuelle Aktivität als Inzest qualifiziert werden kann, z.B. zwischen Vater und Sohn, zwischen zwei Brüdern.
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#9 GodzillaAnonym
  • 05.05.2021, 21:48h
  • Antwort auf #8 von MarkKerzman
  • Und wie ich bereits schrieb war sowohl Ehebruch wie auch Inzest ein Tabu, warum sollte es also bei Homosexualität nochmals gesondert erwähnt werden?
    Daher halte ich einen Übersetzungsfehler und dann auch noch einen der eklatant wäre für ausgeschlossen.
    Hier wird versucht zu vertuschen, dass Homosexualität als widernatürlich verteufelt wurde und leider bei vielen religiösen Menschen auch immernoch wird.
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#10 JadugharProfil
  • 05.05.2021, 23:23hHamburg
  • Antwort auf #5 von Homonklin_NZ
  • Sie ist auch ein Gräuel, da der Großteil der Textstellen, besonders im Alten Testament sehr menschenfeindlich sind und im heutigen Sinne auch menschrechtswidrig! Der arbeitsscheuen Priesterkaste, die nicht im Angesicht des Schweißes ihr Brot verdienen wollten, ging es immer um Macht und einer üppigen Grundversorgung. So knebelte man eben die Menschen mit drakonischen Regeln und Maßnahmen.
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