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Urteil

Kroatien: Gericht ermöglicht Homo-Paaren Adoption von Kindern

Mit der noch nicht rechtskräftigen Entscheidung fällt ein großer Unterschied zwischen Lebenspartnerschaften und Ehen.


Illustration aus einem Kinderbuch des kroatischen Verbands der Regenbogenfamilien (Bild: Dugina obitelj)

Das Verwaltungsgericht in Zagreb hat geurteilt, dass gleichgeschlechtliche Paare, die in einer Lebenspartnerschaft leben, in Adoptionsverfahren nicht diskriminiert werden dürfen. Legt die Regierung keinen Einspruch gegen diese Entscheidung in erster Instanz ein, hätten die seit 2014 eingeführten Lebenspartnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare ihren größten Unterschied zur Ehe verloren. Das seperate Rechtsinstitut sieht bislang nur eine Art Stiefkindadoption vor.

"Dieses historische Urteil öffnet die Tür für alle schwulen und lesbischen Paare in Kroatien, die Adoptiveltern werden möchten, und bestätigt, dass Lebenspartner in allen Verfahren die gleichen Rechte wie Ehepartner haben müssen", kommentierte Danijel Martinovic von der Organisation "Dugina obitelj" (Regenbogenfamilien) am Mittwoch zur Vorstellung des Urteils, das bereits Ende April gefallen war. "Das Recht des Kindes auf die bestmöglichen Adoptiveltern bleibt eine Priorität, und diese Entscheidung bedeutet nicht automatisch, dass schwule und lesbische Paare Adoptiveltern werden. Lebenspartner können sich nun aber furchtlos an die Behörden wenden und eine Bewertung ihres Adoptionsansinnens beantragen."

Im vorliegenden Fall ging es um ein schwules Paar, dessen Antrag auf Adoption eines Kindes im Jahr 2016 von der zuständigen staatlichen Vermittlungsstelle mit Verweis auf die Lebenspartnerschaft abgelehnt worden war. Zwar können neben Ehepaaren auch Einzelpersonen Kinder adoptieren, aber Lebenspartnern ist die Adoption fremder Kinder verwehrt. Das Gericht habe das Prinzip der Nicht-Diskriminierung angewandt, kommentierte Martinovic, der nach eigenen Angaben befürchtet hatte, mit der Frage bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen zu müssen.

Der Sprecher des Regenbogenfamilien-Verbands äußerte die Hoffnung, dass das Familien- und Sozialministerium keine Berufung gegen das Urteil einlegt. Hoffnung mache ihm dabei, dass das kroatische Verfassungsgericht im letzten Jahr bereits geurteilt hatte, dass homosexuelle Paare bei der Vergabe von Pflegekindern nicht auszuschließen sind (queer.de berichtete). In diesem mehrinstanzlichen Verfahren hatte das gleiche schwule Paar geklagt wie bei dem Rechtsstreit um die Adoption. Im letzten Herbst konnten die Männer als erstes homosexuelles Paar ein Pflegekind aufnehmen.

Kroatien ist mehrheitlich katholisch und streng konservativ geprägt. Gleichgeschlechtliche Paare hatten seit 2003 wie heterosexuelle Paare limitierte Rechte im Rahmen einer nicht-registrierten Partnerschaft. 2013 stimmte eine Mehrheit in einem Referendum für eine Verfassungsergänzung, die die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert (queer.de berichtete). 2014 führte das Land dann eingetragene Partnerschaften ein, die vom Adoptionsrecht abgesehen der Ehe praktisch gleichgestellt sind (queer.de berichtete). Zwischen 2014 und 2020 wurden rund 400 Partnerschaften geschlossen.

Die Organisation "Dugina obitelj" kämpft seit Jahren für die rechtliche und gesellschaftliche Anerkennung von Regenbogenfamilien. 2018 veröffentlichte sie zu dem Thema ein Kinderbuch (queer.de berichtete). Die erste Auflage war dank großem Interesse von Schulen und Kindergärten schnell vergriffen, sorgte aber auch für Mobilmachung rechter und klerikaler Kreise. Die weltweite christlich-fundamentalistische Organisation CitizenGo, in Deutschland Mitorganisator der "Demo für alle", startete etwa eine Online-Petition zum Verbot der "Bewerbung des homosexuellen Lebensstils an Schulen" mit zehntausenden Unterschriften. 2018 wurde eine Plakatwand, die das Buch darstellen sollte, bei einem Kinderkarneval in Kaštela öffentlich verbrannt (queer.de berichtete). Im letzten Jahr wurden bei einem anderen Karneval Pappfiguren, die das klagende Schwulenpaar darstellten, kurz nach dem Urteil zu Pflegekindern ebenfalls öffentlich verbrannt (queer.de berichtete). (nb)



#1 RegenbogenpapaAnonym
  • 06.05.2021, 01:07h
  • Ein großartiger Erfolg für Dugine obitelji! Die kleine Gruppe aus Zagreb schafft es, das Land in diesen Fragen umzukrempeln. Die ganze Balkan-Region kommt allmählich in Schwung - bei allen Widerständen. Hoffentlich wird es auch in anderen Nachbarländern von Kroatien bald ähnliche Meldungen geben...!
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#2 LeashAnonym
  • 06.05.2021, 11:53h
  • Endlich mal gute Neuigkeiten! Wenn ich es jetzt noch schaffe den Artikel über der Kommentarspalte "Karneval in Kroatien: Regenbogenfamilie aus Pappe verbrannt" auszublenden...
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