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Lettland

Tukums: Polizei geht von Suizid aus

Nach bisherigen Ermittlungen zum Tod von Normunds Kindzulis gebe es keine Anzeichen für das teilweise vermutete homophobe Hassverbrechen.


Normunds Kindzulis arbeitete zuletzt als Assistenzarzt und Mitarbeiter der Notrufzentrale

Fast zwei Wochen nach einem Brand im Treppenhaus eines Apartmenthauses in der lettischen Stadt Tukums geben nach Angaben der Staatspolizei keine während der Ermittlungen erlangten Beweise einen Grund zur Annahme, dass eine homophob motivierte Straftat stattgefunden habe. Vielmehr drehten sich die Ermittlungen um einen Suizid, so die Polizei am Mittwoch in einem Update laut der Nachrichtenagentur LETA.

Der Fall hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt: Der 29-jährige Normunds Kindzulis war in der Nacht zum 23. April mit schweren Brandverletzungen im Treppenhaus seines Wohnhauses aufgefunden worden (queer.de berichtete), an denen er Mitte letzter Woche in einer Spezialklinik in Riga starb (queer.de berichtete). Sein Mitbewohner Artis Jaunklavinš war in der Nacht von Kindzulis' Schreien geweckt worden und erlitt bei einem Rettungsversuch schwere Brandverletzungen an Armen und Beinen.

Jaunklavinš hatte auch Medien über den Brand informiert: Normunds sei mit Brennstoff übergossen und angezündet worden, mutmaßte er, auch hätten die beiden Männer Monate zuvor unter anderem homophob motivierte Bedrohungen erhalten. Die Polizei habe eine entsprechende damalige Anzeige ignoriert. Später berichtete der 23-Jährige auch, Kindzulis sei bereits am Tag zuvor im Treppenhaus von zwei Männern angegriffen worden, gegen die er sich habe wehren können. Zudem sprach er von weiteren möglichen Motiven, etwa in der Arbeit der beiden Männer im medizinischen Bereich.

Fehlinformationen in zahlreichen Medien

Die lokale Polizei hatte den Eingang der damaligen Anzeige bestätigt, sich ansonsten aber mit Äußerungen zu dem Vorfall zurückgehalten. Auch am Mittwoch bat die Polizei laut LETA um Verständnis, mit nicht allen Details zu laufenden Ermittlungen in die Öffentlichkeit zu gehen. Derzeit liefen diese nach einem Artikel des Strafgesetzbuches, mit dem Personen bestraft werden können, die andere zu einem Suizid oder Suizidversuch verleiten – durch direkte Einwirkung oder "durch grausame Behandlung des Opfers oder systematische Herabsetzung seiner persönlichen Würde". Es blieb unklar, ob ein konkreter entsprechender Verdacht besteht.

Vor allem in internationalen Medien war in den letzten Tagen vermehrt über den Fall als mögliches Hassverbrechen berichtet worden – teilweise mit Fehlinformationen und -Übersetzungen über angebliche Zeugen einer Gewalttat oder über einen Nachbarn als quasi bestätigten Täter. Teilweise wurde Kindzulis auch zu einem LGBTI-Aktivisten gemacht oder von einem schwulen Paar gesprochen, obwohl die Männer offenbar kein Paar waren und es unterschiedliche Berichte über ihre sexuelle Orientierung gibt.

In Lettland wurde nach anfänglichem Entsetzen bereits seit letzter Woche zunehmend vorsichtig über den Fall berichtet. Grund dafür war auch ein Bericht des öffentlich-rechtlichen Senders LTV, wonach Kindzulis vor seinem Umzug nach Tukums wegen fünf unterschiedlichen Fällen von Brandstiftung in Riga vor Gericht stand (queer.de berichtete). Die Sendung "Panorama" zitierte die zuständige Staatsanwältin mit der Aussage, dass er die Taten in dem zum Zeitpunkt seines Todes noch laufenden Verfahren gestanden habe und dass man vor Gericht nach dem Ergebnis eines Gutachtens zu seinem psychischen Befinden eine Einweisung in eine Klinik beantragen wollte. Nach damaligen Presseberichten von der Gerichtsverhandlung ging es unter anderem um einen Brand im Treppenhaus des Apartmenthauses, in dem Kindzulis in Riga wohnte. (nb)

Hilfsangebote bei Suizidgedanken

Eine generelle Notfall-Seelsorge für Menschen mit Suizidgedanken ist unter der kostenlosen Nummer 0800 111 0 111 zu erreichen (für Kinder und Jugendliche gibt es auch die kostenlose "Nummer gegen Kummer" unter 116 111).

Für Kinder und Jugendliche, die in Deutschland Schwierigkeiten rund um ihr Coming-out haben, gibt es zahlreiche LGBTI-Jugendgruppen und -zentren, die ebenso Beratung bieten wie Kontaktmöglichkeiten zu Gleichgesinnten. Auch mehrere Webseiten, etwa dbna (Du bist nicht allein) oder die des bundesweiten Jugendnetzwerks Lambda, richten sich gezielt an junge Schwule und Lesben.


#1 Julian SAnonym
  • 06.05.2021, 10:37h
  • Sollte irgendwer ihn (z.B. durch Mobbing oder Drohungen) in den Selbstmord getrieben haben, ist das keinen Deut besser als Mord.

    Und sollte auch genauso bestraft werden.
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#2 LeashAnonym
  • 06.05.2021, 11:17h
  • Die wiederholten Angriffe und Anfeindungen sind also kein Anzeichen?

    Ich wiederhole mich aber es fällt mir wirklich schwer zu glauben das sich jemand auf diese Weise das Leben nimmt, egal wie sehr sie versuchen ihn jetzt postum als Psycho Pyromanen darzustellen. Lebendig verbrennen? Da gibt es sicher angenehmere Wege zu gehen.

    Das schreit nach Vertuschung seitens der Polizei, ich bin gespannt auf das finale Untersuchungsergebnis.
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#3 marcocharlottenburgAnonym
  • 06.05.2021, 16:41h
  • Antwort auf #2 von Leash
  • Aus der Art der Selbsttötung ableiten zu wollen, es könne nur mit Vertuschung zu erklären sein, ist schon eigenartig. Derzeit fehlt mir jede Vorstellung, dass es angenehme Tötungsarten gibt, deiner Argumentation folgend gibt es damit auch keine Selbsttötungen.
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#4 LeashAnonym
  • 06.05.2021, 17:17h
  • Antwort auf #3 von marcocharlottenburg
  • Der Schlussfolgerung kann ich wiederum nicht folgen.
    Was verstehst du daran nicht: Wenn du entscheiden würdest dich umzubringen, würdest du nicht eine Selbsttötungsart wählen die weniger schmerzhaft ist als lebendig zu verbrennen?
    Findest du das nicht wenigstens ein bißchen seltsam?
    Ich sage nicht das es nur deshalb Vertuschung sein muss, ich glaube du möchtest mich mißverstehen.
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#5 lotosblueteAnonym
  • 06.05.2021, 18:27h
  • Antwort auf #4 von Leash
  • Selbstverbrennung ist ungeachtet der dabei erlittenen Schmerzen eine nicht selten gewählte Form des Suizids.
    Entscheidende Faktoren für die Wahl sind oft eine psychische Krankheit, öffentlicher Protest, der Wunsch nach Aufmerksamkeit, persönliche Verzweiflung, der Wunsch, anderen zu schaden oder mehrere zusammen oder ganz andere Gründe.
    Die Liste der möglichen Motive ist lang und ich könnte hier endlos spekulieren, vorausgesetzt, es handelt sich tatsächlich um einen Suizid.

    de.wikipedia.org/wiki/Selbstverbrennung

    en.wikipedia.org/wiki/List_of_political_self-immolations

    en.wikipedia.org/wiki/Self-immolation

    "Wenn du entscheiden würdest dich umzubringen, würdest du nicht eine Selbsttötungsart wählen die weniger schmerzhaft ist als lebendig zu verbrennen? "

    Jeder Mensch empfindet das unterschiedlich. Wenn ich mich umbringen wollte - will ich nicht und ich empfehle es niemandem! - würde ich mich für eine Methode entscheiden, die meiner Persönlichkeit oder momentanen Gemütslage entspricht. Warum sollte diese Wahl für andere relevant sein?
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#6 AnonymAnonym
  • 07.05.2021, 10:14h
  • Leider kann man den Behörden dabei kein Wort glauben. Hassverbrechen als Suizid zu vertuschen, ist keine Seltenheit. Regierungen und Behörden sind mancherorts nicht dazu bereit sind, Hassverbrechen einzuräumen oder diese zu verhindern. Vorsicht bei Reisen!
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