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Miniserie "All you need"

Gay Sex and the City

Lange hat Deutschland auf die erste queere ARD-Serie warten müssen. "All you need", ab Freitag in der ARD-Mediathek, überzeugt mit dem charismatischen Hauptdarsteller Benito Bause, jeder Menge Drama, Sexpositivität und originalen Berliner Drehorten.


Die deutsche und richtig schwule Carrie Bradshaw: Benito Bause als Serienhauptdarsteller Vince (Bild: ARD Degeto / Andrea Hansen)

Wo wir hier doch unter uns sind: Mit "Sex and the City" Ende der Neunzigerjahre sozialisierte Homosexuelle wissen, dass es sich bei Carrie Bradshaw im Grunde um einen schwulen Mann handelt. Ein Indiz unter vielen: Mr. Big (hetero!) konnte sich nicht zu einer Beziehung committen, weil das einem Coming-out gleichgekommen wäre.

So ist es eine charmante Idee des Drehbuchautors und Regisseurs Benjamin Gutsche in einem deutschen "Sex and the City"-Setting eine Serienhauptfigur zu schaffen, die von schwulen Zuschauern keine Übersetzungsarbeit erfordert. Lange hat Deutschland darauf warten müssen. Vorhang auf für Vince in "All you need"!

Der egoistische "Nachtschwärmer"


Poster zur Serie; "All you need" gibt es ab 7. Mai 2021 in der ARD-Mediathek sowie am 16. und 17. Mai auf ONE

Der 29-jährige Berliner ist noch Medizinstudent und wird im Pressetext der ARD-Dramedy-Miniserie als "Nachtschwärmer" vorgestellt. Wie Carrie ist er ein Darling zum Liebhaben in seinem Freund*innenkreis: smart, verpeilt, attraktiv und ein bisschen selbstzweifelig. Außerdem teilt er mit Carrie diesen Hauch von Egoismus.

Gleich in der ersten Folge verschläft er seine zugesagte Hilfe beim Umzug des besten Freundes. Die Ausrede? Sorry, ich habe die Nacht durchgefeiert. Das kennen wir auch von Carrie. Für Männer und Affären priorisierte sie ihre Freundinnen rasch ein paar Stufen hinunter. Entschuldigung? Wenn überhaupt, dann halbherzig. Oft gab es nur ein "I got carried away".

Genau dieser Makel macht Vince jedoch zu einer sehenswerten Figur. Legt Benjamin Gutsche diese Charakterschwäche mit seinem charismatischen Darsteller Benito Bause in der ersten Folge bereits an, entwickelt er sie am Staffelende zum spannenden Cliffhanger. Zum Glück hat die ARD bereits grünes Licht für eine zweite Staffel gegeben, sonst würden wir ein wenig frustriert zurückbleiben.

Vier unterschiedliche schwule Männer in Berlin

Doch der Reihe nach: Vince und Webdesigner Levo (Arash Marandi) sind beste Freunde und wohnen in einer WG. Für Levo beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Er zieht zu seinem Partner Tom (Mads Hjulmand) in einen Berliner Villenbezirk. Dorthin, wo sich Vorstadt-Ehefrauen gegenseitig gedeckten Apfelkuchen vorbeibringen. Noch obendrauf: Tom hat für Levo Ehefrau und pubertierenden Sohn verlassen.


Levo (Arash Marandi, li.) und Tom (Mads Hjulmand) ziehen zusammen (Bild: ARD Degeto / Andrea Hansen)

Levo hat als Single nichts ausgelassen und glaubt jetzt an die Exklusivität in Beziehungen. Das bringt Vince zum Nachdenken, hatte er doch nie längerfristig einen Partner. Stattdessen aber jede Menge Männerbekanntschaften via Grindr. Das scheint sich zu ändern, als er in einem Club (klasse, dass auch das Berliner SchwuZ mitspielen darf) den arbeitsuchenden Fitnesstrainer Robbie (Frédéric Brossier) kennenlernt. Robbie ist Erotik auf zwei Beinen, kann liebevoll und fürsorglich sein, offenbart im Laufe der Folgen aber auch ziemlich unangenehme Seiten.

Alltagsdiskriminierung und authentische Sexszenen

Viel Stoff für Drama also, das Benjamin Gutsche auch um Themen wie Alltagsdiskriminierung erweitert. Dazu originale Drehorte aus Berlins schwuler Szene (wer hätte gedacht, dass es im Dampflabyrinth der "Boiler"-Sauna eine Spiegeldecke gibt?) und ein wunderschön gefilmtes Intro. Bei den intimen Szenen wird auch nicht verschämt weggeschwenkt. Zuschauer*innen können sich durchaus ein Bild machen, welche Sexpraktik gerade stattfindet. Auf der Habenseite ist auch zu verbuchen, dass die Figuren mehr als bloß den Charakterzug schwul haben dürfen. Dem gesamten Ensemble ist die Spielfreude anzusehen.


Mehr als nur ein One-Night-Stand? Vince (Benito Bause, li.) und Robbie (Frédéric Brossier) verstehen sich gut (Bild: ARD Degeto / Andrea Hansen)

Was wir uns für die zweite Staffel anders wünschen? Eigentlich nicht viel, aber doch ein wenig. Dass es nicht wieder eine fünf Folgen lange Exposition braucht, um den Basiskonflikt von Vince zu bearbeiten. Dass die Figur der besten Freundin Sarina ein bisschen mehr an Kontur gewinnt, sie schrammt haarscharf am Stereotyp der Schwulenmutti vorbei (auch Gabis haben ein Recht auf eigenes Drama). Und dass keine Dialogsätze mehr wie "Ich habe heute Abend Lust zu dancen" zu hören sind. Seit Deichkinds "Remmidemmi" sollte "dancen" ausschließlich ironisch eingesetzt werden, wenn überhaupt.

Zu guter Letzt: Wir wollen mehr von Levos homophobem Vater sehen. Ihn mit Matthias Freihof zu besetzen, ist ein smarter Move und der Beweis, dass offen queere Schauspieler*innen ja doch alles super spielen können.

Direktlink | Offizieller Trailer zur Dramedy-Miniserie
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Infos zur Serie

All you need. Dramedy-Miniserie. Deutschland 2020. Buch und Regie: Benjamin Gutsche. Darsteller*innen: Benito Bause, Arash Marandi, Frédéric Brossier, Mads Hjulmand, Christin Nichols, Julius Feldmeier, Karsten Speck, Dennis Hofmeister, Mona Pirzad, Matthias Freihof, Jale Arikan, Martin Bruchmann. Laufzeit: 5 Folgen à 28 bis 34 Minuten. Ab 7. Mai 2021 in der ARD-Mediathek und am 16. und 17. Mai auch auf ONE
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» Welche Schulnote würdest du "All you need", der ersten queeren ARD-Serie, geben?
    Ergebnis der Umfrage vom 10.05.2021 bis 17.05.2021
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All you need
25 Bilder


#1 WanndererAnonym
  • 07.05.2021, 08:28h
  • Ich habe jetzt die erste Folge in der Mediathek gesehen. Für Oma Hilde im linearen Fernsehen wären manche Szenen vielleicht wirklich zu heiß. Aber was mich etwas stört, sind die teils hölzernen Dialoge und dass da wieder, typisch deutsche Serie, so viele Probleme auf einmal reingewurstet wurden.
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#2 LedErich
  • 07.05.2021, 08:34h
  • Ich bin jetzt mal pisitiv neugierig. Wueer as Folk war ja auch voll von Problemen.
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#3 Saargay66117Anonym
  • 07.05.2021, 08:44h
  • Aber warum folgt auf Folge 1 Folge 4 wo sind die Folgen 2 und 3 versteh ich nicht.
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#4 XyzqAnonym
#5 StaffelbergblickAnonym
  • 07.05.2021, 11:22h
  • Antwort auf #3 von Saargay66117
  • das ist mir in der Mediathek auch aufgefallen. Es kann damit zusammenhängen, dass in diesen Folgen Sexszenen enthalten sind, die entsprechend FSK-Grundlagen nicht "tagsüber" zur Verfügung gestellt werden dürfen. Ist mir schon öfters passiert ... nach 22 Uhr waren diese dann wieder verfügbar.
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#6 sfdhfngbdAnonym
  • 07.05.2021, 11:29h
  • Die Serie trieft voller Klischees. Ficken, Feiern, Tuntigkeit, Leather, Drag, und so weiter.

    Diese Serie wird vermutlich das klischeebeladene Bild des schwulen Mannes in der Gesellschaft befeuern.

    Eine ausgewogenere Darstellung schwulen Lebens wäre wünschenswert gewesen. Zwar kein schwules Rosamunde Pilcher, sondern mit Ficken, natürlich auch mit Darstellung der schwulen "Szene", aber eben auch solche Charaktere, denen man ihr Schwulsein äußerlich nicht anmerkt und deren Leben sich nicht in der schwulen Szene abspielt.

    Meine Eltern leben in einer Welt voller Vorurteile und diese Serie wird ihre Vorurteile nur weiter befeuern.

    Schade.

    Generell wäre es besser wenn queere Sichtbarkeit im Querschnitt des gesamten öffentlich-rechtlichen Fernsehens präsenter wäre und nicht überdosiert in einer klischeebeladenen Serie, während außerhalb dieses Sendeblocks pratisch nur Heteronormativität überbetont wird.

    So, das wäre meine Kritik. Lebt damit oder hasst mich.

    Schwule Sexszenen sollten meines Erachtens ebenso wie heterosexuelle Sexszenen ganz selbstverständlich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen im Querschnitt des Abendprogramms gezeigt werden. Ohne Überbetonung von Klischees.
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#7 LorenProfil
#8 ElfolfProfil
  • 07.05.2021, 11:43hHamburg
  • Antwort auf #6 von sfdhfngbd
  • Ich stimme dir im großen und ganzen zu. Dazu kommt für mich noch die grottenschlechte Kameraführung, unmotivierte Schnitte, gekünstelte Dialoge, die die Darsteller völlig unnatürlich wirken lassen. Selbst die Musikschnipsel sind einfach nur unmotiviert eingestreut.
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#9 WanndererAnonym
#10 WanndererAnonym
  • 07.05.2021, 12:33h
  • Antwort auf #7 von Loren
  • Ok ok stimmt. Das war verallgemeinernd.
    Also, wenn konservative Menschen nachts beim Zappen drüber stolpern würden, wären sie vielleicht entsetzt. Aber dann könnten sie den Fernseher auch aus machen. Aber wahrscheinlich war es bei der ARD wirklich eine Abwägungssache.
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