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Dresden

Mordprozess um Messerangriff: Anklage fordert lebenslang

Abdullah A. soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft die Höchststrafe erhalten.


Nach der Tat wurden vor Ort Blumen niedergelegt (Bild: Dresden.Respekt – Place to be! / twitter)

Die Bundesanwaltschaft hat im Prozess wegen des tödlichen Angriffs auf ein schwules Paar in Dresden eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Angeklagten wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung gefordert. Staatsanwalt Marcel Croissant plädierte am Donnerstag im Prozess am Oberlandesgericht (OLG) Dresden auch dafür, die besondere Schwere der Schuld festzustellen und den Vorbehalt einer Sicherungsverwahrung anzuordnen.

Es sei zweifelsfrei erwiesen, dass der Syrer Abdullah A. am 4. Oktober 2020 die von ihm als homosexuell identifizierten Männer aus "radikal-islamistischer" Gesinnung und homophober Einstellung heraus hinterrücks niederstach, einen von ihnen tötete und den anderen lebensgefährlich verletzte. Die beiden Männer aus Nordrhein-Westfalen, die als Touristen in Dresden unterwegs waren, seien arg- und wehrlos gewesen, die Tat heimtückisch und kaltblütig, die Beweggründe verachtenswert.

"Es war nicht nur ein Angriff auf zwei Menschen, sondern auf uns alle", auf die Freiheit und demokratische Gesellschaft, sagte Croissant. Die "islamistisch-dschihadistischen" Überzeugungen seien tief verwurzelt bei A. und bestimmten nach wie vor sein Leben. Daher sei die Gefahr, dass er bei entsprechender Möglichkeit weitere Gewalttaten bis zur Tötung von Menschen begehe, sehr hoch.

In rund zwei Wochen sind die Plädoyers von Verteidigung und Nebenklage geplant. Am 21. Mai könnte das Urteil fallen.

Der jetzt 21-jährige Angeklagte ist erheblich vorbestraft und erst wenige Tage vor der Tat aus einer Jugendstrafvollzugsanstalt entlassen worden. 2018 war er unter anderem wegen Werbens um Mitglieder und Unterstützer einer terroristischen Vereinigung im Ausland verurteilt worden, 2019 wegen Körperverletzung und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte. Er war als islamistischer Gefährder eingestuft, konnte aber wegen des Abschiebestopps nach Syrien vorerst geduldet in Deutschland bleiben. (dpa/AFP/cw)



#1 Nicht_alle_gleichAnonym
  • 07.05.2021, 21:03h
  • "Es war nicht nur ein Angriff auf zwei Menschen, sondern auf uns alle", auf die Freiheit und demokratische Gesellschaft, sagte Croissant.

    Ja, es WAR ein Angriff auf die Freiheit und demokratische Gesellschaft. Aber in erster Linie war es ein gezielter Angriff auf schwule Männer bzw. queere Menschen. Woher kommt der ständige Drang Schwulenhass/Queerfeindlichkeit zu verschleiern und herunterzuspielen? Ist es cis Heten sonst nicht möglich mit den Betroffenen mitzufühlen? Wir sind eben nicht "alle nur Menschen", wenn es um Diskriminierung und Gewalt geht. Bestimmte Menschen(gruppen) sind ihr nämlich wesentlich häufiger und intensiver ausgesetzt als andere. Und solange es dafür kein Bewusstsein gibt, ist so eine Äußerung wie oben alles andere als solidarisch. Aber das ist dann wohl böse Identitätspolitik...
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#2 finkAnonym
  • 07.05.2021, 23:56h
  • Antwort auf #1 von Nicht_alle_gleich
  • "Ja, es WAR ein Angriff auf die Freiheit und demokratische Gesellschaft. Aber in erster Linie war es ein gezielter Angriff auf schwule Männer bzw. queere Menschen."

    Ich verstehe gut, was du meinst.

    Man kann ja theoretisch beides zusammen denken, indem man sagt: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit widerspricht zutiefst den Werten dieser Gesellschaft, und wer z. B. queerfeindlich denkt und handelt, greift deshalb unsere Gesellschaft als solche an.

    Aber solange niemand auf die Idee kommt, auch das unsägliche sogenannte Transsexuellengesetz oder das bis 2001 gültige Eheverbot als "Angriff auf die demokratische Gesellschaft" einzuordnen, bleibt das eben alles recht scheinheilig und wohlfeil.

    Die ehrliche Aussage wäre: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeiten sind integraler Bestandteil unserer Gesellschaft, man sollte sie aber nicht über das allgemein akzeptierte und geforderte Maß hinaus übertreiben, denn dann, aber auch erst dann, fühlen wir uns doch plötzlich _alle_ etwas unwohl.
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