Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?38802

Medien

Respektloses Interview beschäftigte Österreichischen Presserat

Zahlreiche Leser*innen hatten ein Interview mit Kerosin95 auf dem Portal derStandard.at als queerfeindlich kritisiert – das Kontrollgremium konnte jedoch keine Diskriminierung nichtbinärer Menschen erkennen.


Kerosin95 veröffentlichte im März 2021 das Debütalbum "Volume 1" (Bild: Hanna Fasching)

Der Österreichische Presserat befasste sich im vergangenen Monat mit dem Beitrag "Kerosin 95: 'Das ist verinnerlichte Arroganz'", erschienen am 8. März 2021 auf dem Portal derStandard.at. Nach Auffassung des dritten Senats ist das darin veröffentlichte Interview mit einer nichtbinären Person von der Pressefreiheit gedeckt. Am Freitag wurde die Entscheidung (PDF) veröffentlicht.

Im Interview geht es zunächst darum, weshalb die Kunstfigur Kerosin95 auf genderneutraler Sprache bestehe. Dabei merkt Interviewer Karl Fluch an, dass Studien zufolge nur "0,5 Prozent der Bevölkerung transgender" seien und ob man deswegen die Sprache von 99,5 Prozent verändern solle. Hierzu antwortet Kerosin95, zu Statistiken keine Angaben machen zu können, aber dass es viel mehr Leute seien als viele glauben. Danach geht es im Interview um die Frage, ob nicht Gleichberechtigung das bedeutendere Ziel sei als die Befriedigung individuell gefühlter Bedürfnisse; der Interviewer hält u.a. fest, dass George Floyd systematischer Rassismus trotz korrekter Ansprache als Afroamerikaner das Leben gekostet habe. Schließlich wird erörtert, welche Formen der Anrede für Kerosin95 beleidigend seien.

Presserat: Provokation gehört zur Pressefreiheit

Zahlreiche Leser*innen wandten sich an den Österreichischen Presserat und kritisierten das Interview als queerfeindlich und respektlos. Zudem würden Rassismus und die Sichtbarmachung nichtbinärer Geschlechter gegeneinander ausgespielt, so einige der Beschwerden.

Zunächst hält der Senat fest, dass Journalist*innen bei der Fragestellung in Interviews ein großer Ermessensspielraum zukomme. "Es ist Ausdruck der Pressefreiheit, im Zuge eines Interviews auch kritische oder sogar provozierende Fragen zu stellen", heißt es in der Entscheidung. "Bei der Formulierung von Interviewfragen reicht das journalistische Ermessen auch deshalb weit, weil der Interviewpartner unmittelbar und spezifisch auf die Fragen eingehen und seine Sicht der Dinge erläutern kann." Außerdem weist der Presserat darauf hin, dass die im vorliegenden Interview besprochenen Themen für den gesellschaftlichen Diskurs relevant seien, sodass die Presse- und Meinungsfreiheit von Vornherein weit ausgelegt werden müsse.

Hinzu komme, dass sich die Kunstfigur Kerosin95 in ihren Songtexten oftmals mit Geschlechterrollen und queerfeindlichen Situationen im Alltag auseinandersetze; auch von den Medien fordere Kersoin95 eine genderneutrale Berichterstattung ein. "Vor diesem Hintergrund erscheint es naheliegend, Kerosin95 in einem Interview mit Fragen über Gender- und Geschlechterpolitik zu konfrontieren", so der Presserat.

Senat sieht keine gezielte Verunglimpfung von Minderheiten

Nach Auffassung des Senats ging es Karl Fluch offensichtlich darum, Kerosin95 mit genderpolitischen Gegenpositionen zu konfrontieren, die in Teilen der Gesellschaft nach wie vor verbreitet seien. In Anbetracht dessen könne er es nachvollziehen, dass der Journalist die verschiedenen Vorbehalte von Teilen der Gesellschaft in einem Interview mit einer nichtbinären Person aufgreife.

"Aus medienethischer Sicht bewertet es der Senat auch als unbedenklich, gendergerechte Sprache und strukturellen Rassismus einander gegenüberzustellen – selbst wenn diese Gegenüberstellung überspitzt ist oder von manchen Expert*innen möglicherweise kritisch betrachtet wird", heißt es weiter in der Entscheidung. Im Rahmen der Antworten sei Kerosin95 die Möglichkeit geboten worden, die eigene Position ausführlich darzulegen und dadurch auch gewisse Vorurteile zu entkräften.

Zuletzt stuft der Senat den Beitrag auch nicht als diskriminierend "gegenüber nichtbinären Menschen oder anderen Personengruppen" ein. "Zwar kann es der Senat nachvollziehen, dass manche Formulierungen als ein wenig unsensibel bzw. provokant angesehen werden können – etwa, dass 0,5 Prozent die Sprache von 99,5 Prozent verändern würden", heißt es in der Entscheidung. "Nach Auffassung des Senats wurden diese zugespitzten Formulierungen aber vor allem deshalb gewählt, damit Kerosin95 genderpolitische Gegenpositionen thematisieren kann; eine gezielte Verunglimpfung von Minderheiten erkennt der Senat darin jedoch nicht." (cw/ots)



#1 LaetitiaAnonym
  • 08.05.2021, 10:39h
  • Der Presserat ist doch sowieso nicht die Anlaufstelle, zumindest nicht in D. Habe dort auch wegen was ganz anderem mal eine Beschwerde eingereicht, da ging es um Beleidigung und Panikmache und die Begründung des Presserats war ein Lehrstück dafür, wie man mit ganz "geschickten" Formulierungen problemlos beleidigen und falsche Verdächtigungen in den Raum stellen kann. Selbst wenn der Presserat mal reagiert, dann gibt es so harte "Konsequenzen" wie ein "Hinweis" oder eine Abmahnung. Im schlimmsten Fall müssen sie die Abmahnung drucken. Habe ich noch niemals irgendwo gesehen. Wenn sie die Abmahnung nicht drucken, kommt der Name der Zeitung auf eine Liste und die kommt in ein Buch oder irgend so was Lächerliches... Die Bild hat das schon tausend mal gemacht und es hat keine Konsequenzen. Besser die jeweiligen Journalist*innen, Zeitungen (sagen, man wollte ein Abo abschließen, aber jetzt nicht mehr und begründen etc), Verlage, Landesmedienanstalten, Verbände oder Anzeigenkunden kontaktieren, je nachdem, wie schwerwiegend es ist, was nicht in Ordnung war.
  • Antworten » | Direktlink »