Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?38814

Katholische Kirche

Ein Segen gegen den Vatikan

Nach dem kategorischen Nein des Vatikans zur Segnung homosexueller Paare geht ein Aufschrei durch die katholische Kirche. Die Protestwelle erreicht nun mit der Aktion #liebegewinnt ihren vorläufigen Höhepunkt.


Symbolbild: Unter dem Motto #liebegewinnt finden rund um den 10. Mai über 100 Segnungsfeiern für homosexuelle Paare und zuvor geschiedene Menschen statt, um ein Zeichen gegen Diskriminierung und für Vielfalt zu setzen. (Bild: Peter Hope)

Erst waren es nur Worte, nun folgen Taten: Überall in Deutschland wollen katholische Priester in diesen Tagen alle liebenden Paare segnen – ob schwul, lesbisch oder geschieden und hetero. Und das, obwohl der Vatikan kürzlich erst bekanntgeben hat, was er davon hält, homosexuelle Partnerschaften zu segnen: nichts nämlich (queer.de berichtete). Was nun auf diese Absage folgt, ist durchaus ein offener Affront, eine Demonstration des Ungehorsams, der doch als so ungehörig gilt bei Katholik*innen.

Der Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose hat schon direkt nach dem kategorischen Nein der vatikanischen Glaubenskongregation als Mitinitiator 2.600 Unterschriften von Menschen aller pastoraler Berufsgruppen und aus allen Diözesen Deutschlands zusammengetragen, die damit zeigen wollen, dass sie das Segnungsverbot für falsch halten (queer.de berichtete). Unter den Unterstützer*innen waren Priester, Ordensleute, Theolog*innen, Seelsorger*innen sowie Gemeinde- und Pastoralreferent*innen. Mit ihrer Unterschrift erklärten sie sich bereit, weiterhin gleichgeschlechtliche Paare segnen zu wollen.

"Wir wollen raus aus den Hinterzimmern"

Und genau das passiert nun: Unter dem Motto #liebegewinnt sind rund um den Hauptaktionstag am 10. Mai herum – eine Woche vor dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi- und Transphobie (IDAHOBIT) – Gottesdienste überall in Deutschland eingetragen (queer.de berichtete). Gesegnet wird von Aachen bis Zornheim, von München über Würzburg, Frankfurt, Köln und Berlin bis Quakenbrück. Klare Schwerpunkte liegen im Norden und Westen. Nur vier geplante Segnungsmessen gibt es in Bayern – drei in Würzburg, eine in München. Alle geplanten Termine – mittlerweile sind es über 100 – sammelt die Initiative auf ihrer Internetseite.

Vielen Priestern sei das alles inzwischen einfach zu viel, sagt Hose. "Diese Kluft zwischen der alltäglichen Arbeit in der Seelsorge und dem, was aus Rom kommt an teilweise doch sehr überkommenen und überholten Vorstellungen, das löst Spannungen aus, die für viele immer unerträglicher werden", meint er. Die Kirche habe zunehmend an Autorität und Glaubwürdigkeit verloren, Sexualität sei zum Thema der Macht und des Machtmissbrauchs geworden. Der Protest, der sich nun regt, sei "ein Ventil, das sich jetzt geöffnet hat". Auch wenn es solche Segnungen im Geheimen lange schon gegeben habe – Segnen sei eine öffentliche Sache. "Und wir wollen raus aus den Hinterzimmern."

Erzkonservative fordern die Exkommunikation

Die Segnungsgottesdienste sind der vorläufige Höhepunkt einer Welle, die der Vatikan unter vielen Katholik*innen in Deutschland und inzwischen auch unter katholischen Priestern ausgelöst hat mit seinem Nein.

Ob diese Welle nun bricht oder weiter Fahrt aufnimmt, wird auch davon abhängen, wie die deutschen Bischöfe sich positionieren zu den Protestaktionen in ihren Diözesen. Der Chef der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hält die Aktion "nicht für ein hilfreiches Zeichen und einen weiterführenden Weg", wie er sagte (queer.de berichtete). "Segnungsgottesdienste haben ihre eigene theologische Würde und pastorale Bedeutung. Sie sind nicht als Instrument für kirchenpolitische Manifestationen oder Protestaktionen geeignet."

Konservative Katholik*innen rufen die Bischöfe beispielsweise in dem erzkonservativen Forum kath.net zu mehr Deutlichkeit auf, zu Konsequenzen. Sie fordern beispielsweise die Exkommunikation derjenigen, die sich nicht an die klare Ansage aus Rom halten.

"Maria 1.0" ruft dazu auf, am 10. Mai den Rosenkranz zu beten

Auch die Bewegung "Maria 1.0", als konservative Gegenbewegung zu den feministischen Aktivistinnen von "Maria 2.0" gegründet, fordert die Bischöfe auf, tätig zu werden. "Die geplanten Segnungsfeiern sind eine gezielte Provokation in Richtung von Papst Franziskus und sollten daher von den Priestern unterlassen werden", sagt Clara Steinbrecher, seit Anfang des Monats Leiterin der Initiative. Die Einheit mit Rom müsse unbedingt gewahrt bleiben. Außerdem ruft "Maria 1.0" "alle Katholiken und Menschen guten Willens" dazu auf, an diesem 10. Mai den Rosenkranz zu beten.

Die Fülle der Veranstaltungen solle auch den einzelnen Priester, der sich in dieser Sache ausdrücklich gegen Rom stellt, schützen, betont Burkhard Hose, der auf Zurückhaltung der Bischöfe hofft. "Wer darauf mit disziplinarischen Maßnahmen reagiert, enttarnt sich."

"Roma locuta, causa finita" – das war einmal

Es gab eine Zeit, in der ein Machtwort aus Rom Debatten beendete. Doch "Roma locuta, causa finita" – das war einmal. Dass es überhaupt so weit gekommen ist, dass Priester sich ganz offen gegen Rom stellen, sieht Martin Kirschner, Professor für Theologie in Transformationsprozessen an der Katholischen Universität Eichstätt, als Beleg für eine Art Zeitenwenden. Denn das entschiedene Nein des Vatikans zur Segnung lesbischer und schwuler Partnerschaften hat die Diskussion darum nicht etwa erlöschen lassen, sondern in bislang nicht da gewesener Form angefacht.

"Es ist der Versuch, den Raum der Kirche zu besitzen und zu bestimmen, auch um offene Kommunikationsprozesse zu unterbinden", sagt Kirschner. Und dieser Versuch sei ins Gegenteil umgeschlagen: "Jetzt kann man beobachten, wie eine solche Intervention das Gegenteil von dem erreicht, was sie angeblich bewirken will: Statt eine Debatte zu beenden, wird diese Debatte gerade losgetreten, und zwar mit voller Wucht", betont er. "Ein Machtwort, das Teile der Wirklichkeit ausblendet und die Konflikte zu unterbinden sucht, untergräbt die eigene Autorität. Es macht das sichtbar, was aus der eigenen Position ausgeschlossen und verleugnet wird."



#1 Carsten ACAnonym
  • 09.05.2021, 10:10h
  • Wie will man ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen, wenn man selbst wieder diskriminiert?

    Denn alles was nicht 100% Gleichstellung ist, ist per definition Diskriminierung. Und solange gleichgeschlechtliche Paare in der Kirche nicht dieselben Rechte haben wie gemischtgeschlechtliche Paare (also die Hochzeit), ist es per definition Diskriminierung.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Carsten ACAnonym
  • 09.05.2021, 10:11h
  • "Erzkonservative fordern die Exkommunikation"

    Ja bitte.

    Dann blamiert dieser Verein sich noch mehr und dann wird die Anzahl der Mitglieder noch weiter reduziert und die Kinderschänder-Sekte rutscht noch weiter in die Bedeutungslosigkeit ab.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 SebiAnonym
  • 09.05.2021, 10:59h
  • ----------------------------
    Der Chef der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hält die Aktion "nicht für ein hilfreiches Zeichen und einen weiterführenden Weg", wie er sagte
    ---------------------------

    Das zeigt, dass Herr Bätzing, der sich in den Medien gerne als liberal und fortschrittlich präsentiert, letztlich auch nur eine Marionette des Papstes ist und im Zweifelsfall dann doch die homophobe Linie umsetzt.

    ---------------------------
    "Segnungsgottesdienste haben ihre eigene theologische Würde und pastorale Bedeutung."
    ---------------------------

    Aha, liebende Menschen zu segnen hat also weniger Würde, als wenn man Tiere, Gebäude, Spielzeug, Fahrzeuge, etc. und sogar Waffen segnet?!

    -------------------------
    "Sie sind nicht als Instrument für kirchenpolitische Manifestationen oder Protestaktionen geeignet."
    -----------------------

    Hallo? Wenn zwei Menschen sich lieben und ein Priester ihnen seinen Segen gibt, ist das doch in erster Linie ein Ausdruck von Liebe und Nächstenliebe. Das ist doch keine Protestaktion oder "kirchenpolitische Manifestation".

    Die Liebe zwischen Menschen und deren Anerkennung als "Protestaktion" anzusehen, sagt sehr viel über das eigene Menschenbild aus.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 QueersAnonym
  • 09.05.2021, 11:30h
  • "solange gleichgeschlechtliche Paare in der Kirche nicht dieselben Rechte haben wie gemischtgeschlechtliche Paare (also die Hochzeit), ist es per definition Diskriminierung."

    Du vergisst, dass in der katholischen Kirche dennoch noch immer bloß männliche Priester segnen können und das durch diese Aktion nicht hinterfragt wird.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Rheinpark1609
  • 09.05.2021, 12:01h
  • Für mich ist das alles sehr amüsant anzuschauen. Die segnenden Priester haben offensichtlich nicht verstanden, welchem Verein sie da angehören. Die katholische Kirche ist keine basisdemokratische Veranstaltung. Sollen sie doch in eine liberale Strömung des Protestantismus wechseln. Und die einfältigen Marien versuchen mit Beschwörungen (Rosenkranzbeten) dagegenzuhalten. Wenn man sich so wenig einig ist - da es ja auch so wenig klar ersichtlich ist - was der Wille dieses vermeintlichen Gottes ist, dann kann ich doch sehr gut auf so einen Glauben verzichten und argumentiere lieber auf Basis von Humanismus und Empathie über das, was als richtig und falsch gelten soll. Als Partner in einer wunderbaren Beziehung mit meinem Mann seit fast 24 Jahren kann ich jedenfalls auf den Hokuspokus einer solchen "Segnung" durch die Anhänger einer irrationalen, autokratischen und chauvinistisch--selbstherrlichen Organisation mehr als gut verzichten.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Julian SAnonym
  • 09.05.2021, 13:59h
  • Ich werde niemals verstehen, wie man für seine eigene Existenz, seine Gefühle und seine Liebe das Okay irgendwelcher fremder Menschen braucht.

    Aber wenn man schon so unselbständig und unsicher ist, dass man immer Leute braucht, die einem Bestätigung geben, dann sollte man sich doch als allerletztes dafür eine okkulte Organisation suchen, die schon seit langem nur noch mit immer neuen Skandalen von Kindesmissbrauch von sich reden macht. Und nach wie vor nur gerade so viel davon zugibt, wie sich eh nicht mehr vertuschen lässt. Von all den anderen Verbrechen mal ganz zu schweigen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Julian SAnonym
  • 09.05.2021, 14:11h
  • Antwort auf #5 von Rheinpark1609
  • Volle Zustimmung!

    Man sollte diese "aufmüpfigen" Priester keineswegs als Helden feiern. Denn erstens speisen auch die uns mit einer Zeremonie zweiter Klasse ab, die sie auch längst für Tiere und Gegenstände anbieten, statt uns wirklich voll gleichzustellen - also zu verheiraten.

    Und zweitens unterstützen die mit ihren okkulten Riten auch weiterhin diesen menschenverachtenden, scheinheiligen Verein und wollen mit ihrem Hokuspokus die Hirne der Menschen verneblen, um weiter auf deren Kosten ein bequemes und sorgenfreies Leben führen zu können.

    Die haben einfach nur erkannt, dass auch ihnen das Gehalt und all die Privilegien wegbrechen, wenn noch mehr Menschen die Kirche verlassen. Und zur Sicherung des eigenen Wohlstands sind die dann sogar bereit, sich mit dem Vatikan anzulegen.

    So ist das eben in einem Verein, wo der persönliche Vorteil über alles andere gestellt wird und "Religion" als Deckmäntelchen genutzt wird, um seine Schäfchen auf Linie zu bringen.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 globoProfil
  • 10.05.2021, 09:16hBerlin
  • Warum werden an die kath. Kirche andere, nämlich geringere Ansprüche gestellt als an den Staat?
    Gesegnet werden Autos, Tiere und jetzt eben als großes Zugeständnis auch Schwule. Nein Danke!
  • Antworten » | Direktlink »
#9 uep8vAnonym
  • 10.05.2021, 10:17h
  • Kein Grund zu frohlocken, werte Christ:innen. Die Segnung ist in euerem Klub liturgisch minderwertig, das Verweigern einer sog. "Trauung" und die Bahndlung als gesegnete Haustiere oder Panzer ist fortgesetzte Diskriminierung. Wer das freiwillig mit sich machen lässt, hat augenscheinlich ein tiefer liegendes Problem.

    www.kirchenaustritt.de
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Stockholm-SyndromAnonym
  • 10.05.2021, 10:37h
  • Jetzt sollen also in wenigen ausgesuchten Kirchen in irgendwelchen Massenveranstaltungen Schwule, Lesben und geschiedene Heteros gemeinsam "gesegnet" werden. Etwas, was Tieren, Motorrädern und Waffen schon lange geboten wird.

    Und gleichzeitig macht man damit deutlich, dass es selbst in diesen Kirchen echte Gleichstellung (also die Ehe) niemals geben wird.

    Sich darauf einzulassen ist wohl ein Beispiel für das Stockholm-Syndrom.
  • Antworten » | Direktlink »