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Podcast

"Die Revolutionäre von gestern sind die Konservativen von heute"

Im neuen QUEERKRAM-Podcast spricht Johannes Kram mit der Berliner Künstlerin Sigrid Grajek über queere Selbstdefinitionen und Generationenkonflikte, die Aktion #Allesdichtmachen, natürlich Claire Waldoff und was wir von den 1920er Jahren lernen können.

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Wer Sigrid Grajek einmal live erlebt, wird sofort ein Fan. Ihre Interpretationen von Liedern der 1920er Jahre sind eine absolut mitreißende und hochemotionale Zeitreise. Wenn die lesbische Berliner Künstlerin, Jahrgang 1963, die großen Weimarer Hymnen schmettert, tobt die queere Szenekneipe in Kreuzberg ebenso wie das Hohenschönhausener Senior*innenheim.

Das Coronavirus macht ihren Auftritten seit über einem Jahr einen Strich durch die Rechnung, aber so hatte Grajek immerhin Zeit für ein längeres Gespräch mit Johannes Kram. Von einem "Berufsverbot", wie es andere Künstler*innen nennen, will die Sängerin, Kabarettistin und Schauspielerin im neuen QUEERKRAM-Podcast allerdings nichts wissen. "Ich sitze lieber noch ein Jahr zu Hause, als dass ich einen Menschen gefährde", verteidigt sie die Kontaktverbote. Hin und wieder gebe sie Wohnzimmerkonzerte via Zoom. Die Aktion #Allesdichtmachen erklären Grajek und Kram auch mit einer "narzisstischen Kränkung" einiger auftrittsverwöhnter Künstler*innen in der Pandemie.


Sigrid Grajek und Johannes Kram vor dem Tonstudio

Die Sängerin, die mit ihrem Claire-Waldoff-Programm fast 500 Mal auf der Bühne stand, wird im Podcast sehr persönlich. Sie berichtet von ihrem dramatischen Coming-out in Lünen, das dazu führte, dass sie mit 16 Jahren ihre geschockte homophobe Mutter verließ, die Schule abbrach und in ein besetztes Haus in Dortmund zog. Den Begriff "Lesbe" habe sie sich damals erst erarbeiten müssen. "Ich komme aus einem katholischen Elternhaus, da gab es das Wort nicht."

"Wenn ich heute 17 wär', dann wäre ich vielleicht nonbinär"

Heute sei ihre Mutter ihr größter Fan und widerspreche jeder queerfeindlichen Äußerung, berichtet Grajek. Verständnis brauche Zeit. Überhaupt gibt sich die Künstlerin sehr gelassen, egal ob es um Queerpolitik, Generationenkonflikte oder den Streit um Selbstdefinitionen geht. Zu Wolfgang Thierses Attacken gegen "linke Identitätspolitik" meint sie nur: "Die Revolutionäre von gestern sind die Konservativen von heute. Das war schon immer so."

Dass lesbische Identitäten in der jungen queeren Generation eine geringere Rolle spielen, findet Grajek nicht schlimm. "Ich habe als junge Lesbe für meine Zukunft, wie ich sie mir vorgestellt habe, gekämpft und bin damit angeeckt bei der damaligen Mehrheitsgesellschaft." Nun gestalteten viele junge Menschen "mit komplett anderen Begriffen" ihre Zukunft. "An mancher Stelle geht es einfach darum, denen das Feld zu überlassen", rät Grajek. Jede sei nun mal ein Kind ihrer Zeit: "Wenn ich heute 17 wär', dann wäre ich vielleicht nonbinär."

Direktlink | Sigrid Grajek singt Claire Waldoff
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Immer wieder kommen Johannes Kram und Sigrid Grajek im Podcast auf die 1920er Jahre zu sprechen, auf die große queere Freiheit nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin, als es weitaus mehr Szenekneipen gab als heute und bereits dieselben Debatten über Anderssein und "Normalität" geführt wurden. Was wir aus dieser Zeit lernen können, fragt Kram am Ende des Gesprächs. Grajeks Antwort: "Wir können auf jeden Fall lernen, dass das Leben weitergeht."

Noch ein Hinweis in eigener Sache: Der QUEERKRAM-Podcast wurde für den Grimme Online Award 2021 nominiert (queer.de berichtete). Noch bis zum 10. Juni kann jede*r bei einem Online-Voting für den Publikumspreis abstimmen und an der Verlosung zweier Tablets teilnehmen.

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Zu Gast bei QUEERKRAM

Folge 1 mit Falk Richter und Jonas Dassler:
Warum sich Schauspieler outen sollten
Folge 2 mit Anastasia Biefang:
Warum das Transsexuellengesetz auf den "Müllhaufen der Geschichte" gehört
Folge 3 mit Ralf König:
Warum Ralf König genug vom "Gezicke in sozialen Medien" hat
Folge 4 mit Stephanie Kuhnen und Juliane Löffler:
Wie viel kreatives Potenzial steckt in der Corona-Krise?
Folge 4 mit Georg Uecker:
Warum gibt es so viel Häme auch in der Community?
Folge 6 mit Ines Pohl:
Outest du dich im Interview mit Homohassern, Ines Pohl?
Folge 7 mit Patrick Lindner:
Warum Patrick Lindner auf dem CSD singen muss!
Folge 8 mit Pierre Sanoussi-Bliss:
"Dass mein Leben auch zählt, müssen mir Weiße nicht sagen"
Folge 9 mit Annie Heger:
"Ich werde als Christin von der LGBT-Community mehr angefeindet als andersrum"
Folge 10 mit Aminata Touré und Tessa Ganserer:
"Zwischen Queerfeindlichkeit und Rassismus gibt es Parallelen"
Folge 11 mit Riccardo Simonetti:
Warum wir auf unser "Anderssein" stolz sein können!
Folge 12 mit Sookee:
"Eine rassistisch agierende Community kann sich erneuern"
Folge 13 mit Linus Giese:
"Trans Menschen müssen nicht ihre Existenz erklären"
Folge 14 mit Kevin Kühnert:
Warum schweigt die Politik zum Mord in Dresden, Kevin Kühnert?
Folge 15 mit Manuela Kay:
"Die Berliner Szene kann die Pest sein"
Folge 16 mit Kristina Marlen:
"So offen hat sich die Fratze der heteronormativen Ordnung selten gezeigt"
Folge 17 mit Klaus Lederer:
Klaus Lederer: Wie er Wowereit mit "sanftem Druck" zur Gleichstellung drängte
Folge 18 mit Karin Hanczewski und Godehard Giese:
3 Wochen #ActOut: Karin Hanczewski und Godehard Giese ziehen Bilanz
Folge 19 mit Julian F. M. Stoeckel:
"Wir durften bei RTL so sein, wie wir sind"
Folge 20 mit Jens Brandenburg
"Auch die Grünen könnten noch LGBT-freundlicher werden"



#1 KaiJAnonym
  • 09.05.2021, 11:16h
  • "Die Revolutionäre von gestern sind die Konservativen von heute". So wie diese Verallgemeinerung ziemlich sinnfrei ist, so ist auch die folgende Meinung die Aufgabe von Politik. "An mancher Stelle geht es einfach darum, denen das Feld zu überlassen."
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#2 KaiJAnonym
#3 Girlygirl
  • 09.05.2021, 15:03h
  • Zugegeben ist das mit dem non binär etwas falsch, so habe ich neulich eine Statistik gesehen die zeigt, dass sich MEHR jüngere Frauen als lesbisch identifizieren als in der alten Generation. Dass es auch mehr Menschen gibt, die non-binary sind lässt den Anschein erwecken, dass die Zahl der Homosexuellen zurück ginge, dabei geht der Anteil an LGBT generell hoch. Dass besonders die Trans Community wächst liegt natürlich an der steigenden Akzeptanz und mehr Aufklärung. Aber was sie über Konservative sagt stimmt: Kaum eine Ideologie ist so sehr vom gesellschaftlichen Klima geprägt, wie der Konservatismus. Heutige CDU Politiker*innen wären vor 50, 60 Jahren mit ihren Ansichten revolutionär. Wer vor 50 Jahren nicht homophob war galt als fortschrittlich, heute hingegen sollte das normal sein. Nun ist es natürlich oft der Fall, dass tolerante Menschen sich weiter entwickeln. Aber das ist leider nicht immer der Fall. Wer heute noch die 60er Jahre "Liberalität" "Schwule und Lesben sind Menschen und verdienen es nicht verkloppt zu werden" vertritt, aber dafür transphob ist, wird heutzutage zurecht kritisiert. Das soll keine Entschuldigung für Diskriminierung sein, aber es erklärt den Konflikt.
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#4 Alexander_FAnonym
  • 09.05.2021, 22:30h
  • So sehr die Aussage "Wenn ich heute 17 wäre, wäre ich vielleicht nonbinär" auch etwas schräg ist (denn auch 90-jährige können sich durchaus in einem solchen Begriff noch wiederfinden, so sie sich denn einfach darin wiederfinden), finde ich es doch gut, dass sie so eine positive und versöhnliche Haltung zur jüngeren queeren Generation hat.
    Wenn sie sagt, es gehe darum, anderen das Feld zu überlassen, so meint sie wohl damit, dass es einfach Dinge gibt, die sie vielleicht aus ihrem Erfahrungshorizont nicht mehr verstehen kann, die sie aber dennoch deswegen nicht ablehnt. Denn wenn umgekehrt etwas den oft zitierten "alten weißen Mann" ausmacht, dann das.
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#5 Uta NeussAnonym
  • 10.05.2021, 10:22h
  • "Die Revolutionäre von gestern sind die Konservativen von heute"

    Hach, das klingt so schön gebildet. ist es aber nicht. Vielmehr ist es in dieser Absolutheit formuliert fataler Unfug.

    Einige Revolutionäre von gestern sind heute Rechtsextrmist*innen (z. B. Horst Mahler), andere Revolutionäre bleiben bzw. blieben es ihr Leben lang: Uta Ranke-Heinemann, Wolfgang Neuss ...

    Wer so einen Satz formuliert, ist selbst schon im nichtssagenden Mainstream angekommen. Passt.
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#6 StaffelbergblickAnonym
  • 10.05.2021, 11:38h
  • Antwort auf #5 von Uta Neuss
  • na ja ... das Arguement ist jetzt aber auch nicht das Gelbe vom Ei ... Mahler, auf alle Fälle korrekt. Aber Wolfgang Neuss ... begnadeter Kabarettist, ihn als Revolutionär zu interpretieren und Ranke-Heinemann, würde sie sich selbst so interpretieren ??? Hat sie sich zeitlebens als solche wahrgenommen, interpretiert?
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#7 Uta NeussAnonym
#8 StaffelbergblickAnonym