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Queer Cinema

LGBTI-Filme, die den Weg für kommende Generationen geebnet haben

Queere Themen werden im Kino allmählich zur Selbstverständlichkeit – vor gar nicht allzu langer Zeit lösten sie jedoch noch heftige Kontroversen aus.


Szene aus "Priscilla – Königin der Wüste" (Bild: Allstar / Polygram)
  • 12. Mai 2021, 05:27h, noch kein Kommentar

In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich für die queere Community im Film viel verändert. Kurz nach der Jahrtausendwende kamen LGB-Themen endgültig im Mainstream an. Und seit einigen Jahren ist auch eine zunehmende Akzeptanz von trans Themen zu beobachten. Noch sind trans Schauspieler*innen zwar eine echte Seltenheit, zumal in Hauptrollen. Langsam aber sicher macht sich jedoch eine Öffnung bemerkbar.

Was allmählich zur Selbstverständlichkeit wird, löste vor gar nicht allzu langer Zeit noch Kontroversen aus. Als die folgenden Filme erstmals erschienen, wurden sie heiß diskutiert. Ihre Pionierarbeit ebnete jedoch den Weg für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Minderheiten.

Die Harten und die Zarten (1970)

Dieses Drama war einer der ersten großen Kinofilme in den USA, bei denen schwule Charaktere im Mittelpunkt standen. Deshalb gilt er auch heute noch als ein Meilenstein der Filmgeschichte. Dabei war seine Darstellung von Homosexualität in der damaligen Schwulenszene durchaus umstritten. Die Hauptfiguren quälen sich mit Selbsthass und Selbstmitleid. In Zeiten, als die meisten Schwulen ihre Sexualität noch versteckt ausleben mussten, spiegelte das eine unschöne Realität wider. Trotzdem wünschten sich viele in der damaligen Gay-Community einen Blick auf die positiven Seiten der schwulen Kultur. Aus heutiger Sicht ist der Film ein wichtiges Zeitdokument, das schonungslos die inneren Konflikte von Schwulen in einer feindseligen Gesellschaft thematisiert. 1970 war "Die Harten und die Zarten" aber noch ein kontroverses Machwerk. Er erhielt zwar durchaus wohlwollende Kritiken in den großen Zeitungen. Gleichzeitig weigerten sich Blätter wie die "Los Angeles Times", Werbeanzeigen für den Film zu veröffentlichen. 2020 erschien auf Netflix ein Remake dieses Klassikers.

Priscilla – Königin der Wüste (1994)

Diese Komödie aus dem Outback ist einer der ersten Filme, bei dem sowohl Travestie als auch Transsexualität im Mittelpunkt stehen. In der queeren Community kam der Film überwiegend gut an. Denn auch wenn er sich vieler Klischees bedient, werden die Hauptfiguren auf sympathisch-menschliche Art dargestellt. Die Handlung begleitet zwei Drag-Darsteller und eine trans Frau, die auf einen Roadtrip durch die australische Wüste aufbrechen. Ihr Ziel ist ein Casino im roten Zentrum des Kontinents, wo sie einen Showauftritt absolvieren sollen. Auf dem Weg dorthin stoßen sie nicht nur auf Gegenliebe. Dieser Film ist auch heute noch aktuell. Drag-Shows im Casino haben zwar längst nicht mehr denselben Stellenwert wie damals. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Glücksspiel sich zunehmend ins Internet verlagert. Denn Digital Natives, die lieber Freispiele nutzen als ihr eigenes Geld zu riskieren, machen mittlerweile einen großen Teil der Kundschaft aus. Wenn es eine Gruppe von queeren Menschen dennoch in die ländlichen Gegend Australiens verschlagen sollte, dürften sie auch heute noch auf viel Ablehnung stoßen.

Go Fish (1994)

Dieses Indie-Drama wurde mit einem Budget von nur 15.000 US-Dollar gedreht und begeisterte beim Sundance-Festival 1994 die Kritiker. Es gilt als Meilenstein der lesbischen Kultur im Kino und das nicht nur, weil es einer der ersten kommerziellen Erfolge war. Die lesbische Regisseurin Rose Troche verfasste das Skript zusammen mit ihrer damaligen Partnerin Guinevere Turner, die auch eine der Hauptrollen spielt. Damit liefert der Film einen authentischen Blick auf die lesbische Kultur der damaligen Zeit und kommt ohne die Klischees aus, die sich unweigerlich einschleichen, wenn Heteros aus ihrem Blickwinkel über Queere erzählen. Auch mehr als 20 Jahre später gilt "Go Fish" immer noch als einer der besten lesbischen Filme aller Zeiten. Die Geschichte funktioniert auch völlig losgelöst von Themen der Sexualität als charmante Liebeskomödie. Auch das dürfte einer der Gründe dafür sein, dass der Film seinerzeit im Handumdrehen den Mainstream eroberte.

Boys Don't Cry (1999)

Dieser Film beruht auf einer wahren Begebenheit und erzählt die Geschichte des trans Manns Brandon Teena, der 1993 in Nebraska wegen seiner Identität ermordet wurde. Aus heutiger Sicht wäre es bedenklich, dass mit Hillary Swank eine cis Frau die Hauptrolle spielte. Trotzdem war "Boys Don't Cry" einer der ersten Filme, der sich ernsthaft mit dem Thema Transgeschlechtlichkeit befasste und die Gewalt gegen trans Menschen in das Licht der Öffentlichkeit rückte. Der Film folgt dem letzten Jahr im Leben von Brandon Teena. Nachdem er aufgrund seiner Geschlechtsidentität seine Heimatstadt verlassen muss, lässt er sich in einer Kleinstadt in Nebraska wieder. Dort findet er schnell Anschluss, seine neuen Bekannten wissen allerdings nichts über seinen trans Hintergrund. Er beginnt auch eine Liebesbeziehung mit einer jungen Frau. Als er wegen Scheckbetrugs verhaftet wird, erfahren alle sein Geheimnis. Zwei seiner Bekannten vergewaltigen ihn und töten ihn, nachdem er den Vorfall der Polizei gemeldet hat. Der queeren Regisseurin Kimberly Peirce gelang es mit "Boys Don't Cry", ein schwieriges Thema der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Brokeback Mountain (2005)

Schon bevor "Brokeback Mountain" in die Kinos kam, war die Freude in der schwulen Szene groß. Denn schon früh war klar, dass dieser Film ein echter Blockbuster werden würde. Mit Heath Ledger und Jake Gyllenhaal spielten zwei echte Stars die schwulen Hauptrollen und nahmen dem Thema Homosexualität somit einen großen Teil seiner Stigmatisierung. Ledger hatte zu Beginn zwar noch Bedenken, dass die Rolle seiner Karriere schaden würde. Seine damalige Freundin Naomi Watts war aber vom Skript so begeistert, dass er zusagte und bald voll hinter dem Projekt stand. Obwohl "Brokeback Mountain" bei den Oscars leer ausging, markierte der Film einen Wendepunkt. Aus heutiger Sicht ist kaum noch vorstellbar, dass er zum Teil kontrovers diskutiert wurde. So unterstellten konservative Kommentatoren dem Film eine politische Agenda und einige christliche Gruppierungen fanden den Film unmoralisch. Sie blieben aber in der Minderheit.

Tangerine L.A. (2015)

Dieser Film ist einer der ersten, bei dem trans Frauen nicht nur in der Hauptrolle zu sehen sind, sondern auch von trans Frauen gespielt werden. Der Film wurde mit einem Budget von nur 100.000 US-Dollar komplett auf dem iPhone gedreht und feierte auf dem Sundance-Festival Premiere. Er wurde zwar kein kommerzieller Erfolg, kam aber bei Kritikern gut an. Der schonungslose und humorvolle Blick auf das Leben von Sexarbeitern in Los Angeles ist auch in stilistischer und erzählerischer Hinsicht sehenswert. Seit 2015 hat es zunehmend weitere Filme mit Trans-Schauspielern in der Hauptrolle gegeben. "Tangerine L.A." wird aber immer als ein Vorreiter auf diesem Gebiet herausstechen. (ak)