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Maneo-Bericht

Berlin: Weniger LGBTI-feindliche Übergriffe registriert

Im Corona-Jahr 2020 ging die Zahl der gemeldeten LGBTI-feindlichen Übergriffe um rund neun Prozent zurück. Entwarnung könne aber nicht gegeben werden.


In Berlin (Bild: René Mentschke / flickr)

Das Berliner Antigewaltprojekt Maneo hat in seinem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht (PDF) einen Rückgang der registrierten Fälle LGBTI-feindlicher Übergriffe in der Bundeshauptstadt gemeldet. Demnach sank die Zahl von 559 auf 510. Das entspricht einem Rückgang von 8,8 Prozent.

Die sinkenden Zahlen dürften jedoch kein Signal sein, dass sich das Problem erledigt habe, sondern seien vielmehr auf die Corona-Pandemie und die reduzierten Kontakte zurückzuführen. "Trotz aller mit der Corona-Pandemie einhergehenden Entwicklungen und Belastungen weisen diese Zahlen darauf hin, dass Homophobie und Trans*phobie mit Lockdowns nicht verschwunden sind", heißt es im Bericht. Man gehe zudem weiter davon aus, dass viele Taten nicht gemeldet werden – das Dunkelfeld schätze man auf 80 bis 90 Prozent.

Die meisten der gemeldeten Fälle waren Beleidigungen (45 Prozent). Hier wurden weit mehr Fälle gezählt als in den Vorjahren. Rückgängig waren dagegen die anderen Kategorien: Nötigung und Bedrohungen machten 27 Prozent der Meldungen aus, gefolgt von Körperverletzung (23 Prozent) und Raubstraftaten (1 Prozent). Die Zahl der Beleidigungen war im Vergleich zu den Vorjahren angestiegen, während die anderen Deliktformen zurückgegangen sind. Grund für den Anstieg bei Beleidungen waren insbesondere Übergriffe im Netz: Diese seien laut dem Bericht von 42 auf 106 gestiegen – und hätten sich damit mehr als verdoppelt.


(Bild: Maneo)

Am meisten Fälle gab es im Bezirk Schöneberg (11 Prozent), gefolgt von Neukölln und Kreuzberg (je 10 Prozent) sowie Mitte (9 Prozent).

"Regenbogenhauptstadt Berlin hat auch Schattenseiten"

"Der Maneo-Report führt uns immer wieder vor Augen, dass die Regenbogenhauptstadt Berlin auch Schattenseiten hat", erklärte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) angesichts der neuen Zahlen. "Die pandemiebedingten Rückgänge bei den gewalttätigen Übergriffen werden scheinbar durch Beleidigungen und Bedrohungen online kompensiert." Behrendt verwies darauf, dass Berlin letztes Jahr die Ansprechspersonen für LGBTI in die bei der Staatsanwaltschaft neu geschaffene Zentralstelle Hasskriminalität integriert habe (queer.de berichtete). Zudem erklärte er, Projekte wie Maneo seien "auf staatliche Unterstützung angewiesen, deshalb ist es richtig, diese Arbeit zu fördern". Die in Behrendts Senatsverwaltung integrierte Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung hatte Maneo allein 2020 mit 319.000 Euro gefördert.

Erst vergangene Woche hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) den jährlichen Bericht über politisch motivierte Straftaten vorgelegt und vor "Verrohungstendenzen" gewarnt (queer.de berichtete). Nach diesen Zahlen gab es 2020 eine Zunahme registrierter Hasskriminalität, auch gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten. (dk)



#1 Ralph
  • 12.05.2021, 17:32h
  • Wer abends nicht aus einer Szenekneipe nach Hause geht, kann dabei auch nicht angegriffen werden. Wer nicht im ÖPNV erkannt und belästigt wird, auch nicht. Diese Gefahr fällt durch die Pandemiemaßnahmen schon mal weg oder wird deutlich geringer. Ob der Rückgang deswegen nicht sogar größer sein müsste?
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