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Tschetschenien

arte zeigt "Welcome to Chechnya"

Die wichtige Dokumentation über die anti-queere Verfolgungswelle ist ab sofort in der Mediathek des Senders und am 18. Mai im Fernsehen zu sehen.


Zwischenzeitlich wirkt die Dokumentation wie ein Thriller, hier etwa bei der Anspannung im Flugzeug vor der Flucht nach Europa

"Achtung Lebensgefahr! LGBT in Tschetschenien" – so lautet nun der weniger ironische, aber zutreffende deutsche Titel der Dokumentation "Welcome to Chechnya", die der deutsch-französische Sender arte am kommenden Dienstag (18. Mai, 21.50 Uhr) in deutscher TV-Erstausstrahlung zeigt. In der Mediathek ist der rund 100-minütige Film von David France ("How to Survive a Plague") bereits zu sehen.

Der Amerikaner hatte sich 2017 nach Russland aufgemacht, als die ersten Berichte über eine Schwulen-, später LGBTI-Verfolgung in der Teilrepublik im Nordkaukasus auftauchten. In dem Film stellt er Geflohene aus der Region, ihre traumatischen Erlebnisse und ihre unermüdlichen und mutigen Helfer*innen vom russischen LGBT Network vor.

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Mit der Kamera ist er hautnah in einer Geheimunterkunft dabei, in der die Geflohenen auf eine Weitervermittlung nach Europa oder Kanada warten, später gar bei einer Flucht aus Tschetschenien. Zuhilfe kommt ihm eine neue, den "Deep Fakes" verwandte Technik: Über die Gesichter realer Personen legt France die von Schauspieler*innen. Das wirkt gelegentlich künstlich, ungewohnt und unnahbar – macht eine Dokumentation über eine unter großer Geheimhaltung erfolgte Rettungsaktion aber auch erst möglich. Lance ist auch dabei, als eine der Personen, die er in der Dokumentation begleitet, bei einer Pressekonferenz als erstes Opfer der Verfolgungswelle mit Namen und Gesicht vor die Presse tritt. Maxim Lapunow macht damit im Herbst 2017 weltweit Schlagzeilen (queer.de berichtete) – und durch die Dokumentation, die Sekunde, in der sein Schauspielergesicht verschwindet, spürt man den unglaublichen Mut, den das kostete.

Zusammen mit David Isteev und Olga Baranowa vom LGBT Network war Lapunow im letzten Jahr beim Berliner Teddy Award mit dem "Teddy Activist Award" ausgezeichnet worden. Der Film selbst erhielt unter anderem den Dokumentations-Filmschnitt-Award beim Sundance Festival, den Amnesty International Filmpreis und bei der Berlinale den Panorama Publikumspreis.


Das Filmposter

Anfang 2017 wurden in Tschetschenien über hundert Männer wegen vermuteter Homosexualität verschleppt und in außergesetzlichen Lagern neben weiteren Gefangenen gefoltert, einige von ihnen starben dabei (queer.de berichtete). Nach internationaler Empörung wurde das mutmaßliche Hauptinhaftierungslager in Argun geräumt, später kam es aber immer wieder zu lokaler Verfolgung, die auch vermutete Lesben oder trans Menschen umfasste (queer.de berichtete).

"Welcome to Chechnya" erzählt auch vom Wegschauen des russischen Staates: Obwohl immer neue Details und Beweise für die Verfolgung veröffentlicht wurden, verschleppten die zuständigen russischen Behörden alle Ermittlungen, während Tschetscheniens Machthaber Ramsan Kadyrow die Verfolgung unter homofeindlicher Hetze immer wieder zynisch abstritt (queer.de berichtete). Europarat und OSZE hatten eigene Untersuchungen zu den Verfolgungen angestellt und in den letzten Jahren Russland mehrfach aufgefordert, Hintergründe zu ermitteln, Verantwortliche zu bestrafen und das "Klima der Rechtlosigkeit" in der Region zu beenden (queer.de berichtete). Vor wenigen Wochen stellten das LGBT Network und ein deutscher Verein Anzeige gegen mehrere mutmaßliche Verantwortliche der Taten bei der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe (queer.de berichtete).

Die Dokumentation kann so hier auch in Deutschland noch einmal Bewusstsein für diese Gräuel schaffen. Im Anschluss an den Film wiederholt arte am nächsten Dienstag den Film "Kadyrow, der Schreckliche". Den Abend zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie, der bereits am Vortag am 17. Mai begangen wird, beginnt der Sender um 20.15 Uhr mit der Wiederholung der Dokumentation "Wie krank ist Homo-Heilung?". (nb)



#1 AtreusProfil
  • 12.05.2021, 20:31hSÜW
  • Die Doku konnte ich schon mit englischen Untertiteln sehen und muss sagen, dass das eine der schlimmsten filmischen Erfahrungen meines Lebens war. Einzelne Gewaltszenen, die Hilflosigkeit, das Leid, die Verzweiflung und das Unrecht, das hier zu Tage tritt, hat mich bis ins Mark erschüttert und wochenlang beschäftigt. Ich glaube, ich kann mir den Film nicht noch ein zweites Mal zumuten, ohne selbst Schaden zu nehmen. Ganz harter Tobak.
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#2 LorenProfil
#3 LotiAnonym
#4 AlexAnonym
  • 13.05.2021, 09:38h
  • Gut, dass arte diese wichtige Dokumentation zeigt.

    Arte ist echt einer der besten öffentlich-rechtlichen Sender. Den kann man fast immer blind einschalten.
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#5 LotiAnonym
#6 SebiAnonym
  • 13.05.2021, 11:12h
  • Antwort auf #5 von Loti
  • Ja, Arte hat tolle Filme, oft auch im Original. Aber auch tolle Dokus, tolle Wissenschafts- und Kulturmagazine, tolle Nachrichtensendungen. Und ich liebe das deutsch-französische Kulturmagazin Karambolage mit dem legendären Rätsel.
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#7 Jascha70Anonym
#8 Carsten ACAnonym
  • 14.05.2021, 10:47h
  • Antwort auf #7 von Jascha70
  • Naja, dann kann man auch sagen:

    Dass es heute an Ort XY eine schwule Kneipe gibt, haben wir dem Architekten zu verdanken, der vor 100 Jahren das Haus erbaut hat.

    Das sollte man schon etwas nüchterner und differenzierter sehen. Zumal Kohl das ja nicht alleine durchgeboxt hat, sondern nur nach präsentiert hat, was vorher ganz andere überlegt haben. Und spätestens mit den Inhalten hat er dann (glücklicherweise) rein gar nichts mehr zu tun.
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#9 ClaudiaAnonym
  • 15.05.2021, 19:07h
  • Ein sehr bewegender und wichtiger Film. Ich habe ihn vor ein paar Tagen gesehen und muss immer noch ständig daran denken. Meine Hochachtung für die Helfer*innen!
    Ist das deutsche Spendenkonto noch aktuell?
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#10 snafuAnonym
  • 19.05.2021, 13:05h
  • Habe den Film gestern gesehen und bin immer noch ganz aufgewühlt. Ja, die Gewaltszenen waren nicht zu ertragen, auch nicht der Zynismus von Kadyrow und Co. Zumal ich selbst mal ILGA-Delegierte* war. Eine Moderatorin der Bürgerdialoge in der Kirche zur Flüchtlingskrise hat vor mir mit ihrer angeblich so erfolgreichen Arbeit mit tschetschenischen Mördern geprotzt. Seitdem spende ich ien Kirchgeld für genau dieses Projekt.
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