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Gießen

Homophober Mord: Angeklagter muss in Psychiatrie

Letztes Jahr tötete ein 49-Jähriger in Gießen einen Nachbarn aus Homosexuellenhass. Jetzt ist das Urteil gefallen: Der Mann ist wegen einer psychischen Erkrankung schuldunfähig und muss in einer Klinik behandelt werden.


Der 49-jährige Angeklagte hatte die Tat zugegeben (Bild: pixel2013 / pixabay)

Das Landgericht Gießen hat am Mittwoch einen 49-jährigen Angeklagten, der aus Homophobie einen Nachbarn getötet hatte, für schuldunfähig erklärt und in eine psychiatrische Klinik einweisen lassen. Wie die "Gießener Allgemeine Zeitung" berichtet, soll der Mann erst wieder in Freiheit kommen, wenn er keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit darstellt.

Der Angeklagte hatte zugegeben, am 29. Oktober 2020 am helllichten Tag vor seinem Wohnhaus im Norden Gießens einen 60-jährigen Nachbarn erstochen zu haben (queer.de berichtete). Vor Gericht hatte der Beschuldigte erklärt, er habe Stimmen gehört, die ihn aufgefordert hätten, einem schwulen Mann das Leben zu nehmen ("Gott hat mir gesagt, ich sollte einen bösen Menschen – einen Homosexuellen – töten"). Sein Opfer hatte er offenbar nach dem Zufallsprinzip ausgesucht.

Auch Staatsanwaltschaft für Einweisung in Psychiatrie

Ein nach der Tat angefertigtes psychiatrisches Gutachten bescheinigte dem Angeklagten eine paranoid-schizophrene Erkrankung, weshalb seine Steuerungsfähigkeit aufgehoben gewesen sei. Auch Staatsanwaltschaft und Nebenklage forderten während der Verhandlung die Einweisung des Täters in die Psychiatrie.

Am letzten Verhandlungstag sagte noch die Mutter des Angeklagten aus. Sie berichtete, dass ihr Sohn nach einer normalen Kindheit in Kasachstan seit 2017 das Krankheitsbild entwickelt habe. "Er wurde aggressiv", erzählte die Frau, auch sein Hass gegen Homosexuelle sei stärker geworden. Bereits wiederholt habe er sich in der Psychiatrie aufgehalten, allerdings habe dies nur kurzzeitig Besserung gebracht.

Laut dem Zeitungsbericht zeigte auch der Angeklagte die Einsicht, dass die Einweisung notwendig sei: "Ich weiß, dass ich schuldig bin und Hilfe benötige." Außerdem entschuldigte er sich bei der Familie des Getöteten. (cw)



#1 IsaakAnonym
  • 14.05.2021, 14:48h
  • Ein folgerichtiger Beschluss. Ich bin froh, in einem Rechtsstaat zu leben, der Krankheit nicht mit Schuld verwechselt.
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#2 AtreusProfil
  • 14.05.2021, 15:11hSÜW
  • Und der zweite Fall von Totalversagen, dem die Hinrichtung eines Schwulen mit dem Messer folgt.

    In Dresden Totalversagen der Justiz, Polizei und der grotesk naiven Sozialarbeiterin. In Gießen Totalversagen des behandelnden Arztes der Psychatrie, die der Täter (=bewusste Nutzung des Wortes) zuvor besuchte.
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#3 GodzillaAnonym
  • 14.05.2021, 15:18h
  • Es scheint die Gefahr zu bestehen, dass nach der Einweisung aber erneut eine Gefahr von ihm ausgeht.
    Was wird in dieser Richtung unternommen?
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#4 GodzillaAnonym
  • 14.05.2021, 15:24h
  • Antwort auf #2 von Atreus
  • Daran musste ich auch denken.
    Leider kommt es vor, dass Patienten ihre behandelnden Ärzte und Therapeuten täuschen oder auch Versagen seitens des Behandelnden. Daher bin ich dafür, dass mindestens zwei, am besten zeitgleich, den Patienten betreuen.
    Meines Erachtens ist nur so, aufgrund des Austausches untereinander, möglich das Risiko einer Fehleinschätzung zu minimieren.
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#5 AtreusProfil
  • 14.05.2021, 16:05hSÜW
  • Antwort auf #4 von Godzilla
  • Vor allem kann ich mir nicht vorstellen, wie ich überleben sollte, wenn ich meinen Mann, Partner, Bruder oder Freund nach einer brutalen Messerattacke verstorben in einem See aus seinem eigenem Blut finde würde und es nach der Verhandlung weder einen Schuldigen gibt, noch einen Mord, Totschlag oder religiös motiviertes Hassverbrechen. Sondern nur einen geliebten toten Menschen, dessen Ableben zum Versehen geronnen ist.

    Nachdem ich dann den ersten Kommentar hier lesen würde, der sich mit dem Täter als Opfer beschäftigt und kein einziges Wort über meinen Verlust verliert, wäre ich vermutlich reif für die Suizid-Präventionshotline.
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#6 LotiAnonym
  • 14.05.2021, 16:19h
  • Antwort auf #5 von Atreus
  • Ich stimme Dir zu. Doch gebe auch ich zu bedenken, das der Täter als krank eingestuft worden ist. Aber was bleibt ist ein sehr, sehr bitterer und mehr noch unwiederbringlicher Mord an einen geliebten Menschen vorrausgegangen.
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#7 Ralph
  • 14.05.2021, 17:08h
  • Stimmen, die sagen, dass man Homosexuelle töten müsse, hören wir in Deutschland häufig. Sie predigen in Kirchen und Moscheen. Wenn Leute, die auf sie hören, als geistetskrank gelten und in die Psychiatrie eingewiesen werden - was geschieht dann mit den Stimmen selbst? Wir wissen es alle - nichts geschieht mit ihnen. Sie dürfen ungebremst weiter hetzen.
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