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Podcast

"All you need": Warum spielen vier Heteros die Hauptrollen?

Im neuen QUEERKRAM-Podcast spricht Johannes Kram mit Regisseur Benjamin Gutsche und Produzentin Nataly Kudiabor über das Casting der ersten queeren ARD-Serie, Vielfalt in Film und TV, das Ende des linearen Fernsehens und was in der zweiten Staffel anders wird.

Direktlink | MP3 | Die 22. Folge (63 Minuten) | Der Podcast bei iTunes, Spotify, Podigee
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In unserer aktuellen Wochenumfrage geben über die Hälfte der Teilnehmenden der neuen Miniserie "All you need" die Schulnote eins oder zwei. Das will was heißen bei unserer bekanntlich sehr kritischen Leser*innenschaft! Auch das Medienecho zur ersten queeren ARD-Serie war enorm, und Das Erste bewirbt die in der Mediathek versteckte schwule Dramedy immerhin linear zur besten Sendezeit. Autor und Regisseur Benjamin Gutsche und Produzentin Nataly Kudiabor von der UFA Fiction können also recht zufrieden sein, oder?

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Die "wahnsinnige Verantwortung" von "All you need"

Im neuen QUEERKRAM-Podcast hat Johannes Kram die Beiden im Doppelpack zu Gast, um über die Serie als "Pilotprojekt" und über Queerfeindlichkeit und Rassismus im deutschen Fernsehen insgesamt zu sprechen. Ihm sei die "wahnsinnige Verantwortung" früh bewusst gewesen, für die ARD eine Serie mit vier schwulen Hauptfiguren, darunter der Schwarze Vince und der Deutsch-Iraner Levo, zu schreiben, erzählt Gutsche, der selbst ein weißer schwuler Mann ist. Er habe geahnt: "Alle aus der queeren Szene werden ihre Erwartungen, ihre Erfahrungen auf unser Projekt projizieren." Bewusst habe er deshalb auch Rassismus und Homophobie in die Story eingebaut. "Unser Anspruch war, unterhaltend zu sein und noch eine Message mitzugeben", ergänzt Produzentin Nataly Kudiabor, eine schwarze nicht-queere Frau.

Die größte Überraschung – und häufige Kritik – an der Serie ist, dass ausgerechnet vier heterosexuelle Männer die vier schwulen Hauptrollen spielen. Geplant war das nicht, sagen Gutsche und Kudiabor etwas kleinlaut im Podcast. Castingagenturen hätten die – vor #ActOut gestellte – Anfrage nach schwulen Schauspielern nicht beantworten können. Im kurzen Auswahlprozess hätten sich zwar Kandidaten emotional geoutet, so der Regisseur. "Es ist aber nicht der einzige Aspekt, der wichtig ist im Casting-Prozess, dass die sexuelle Orientierung stimmt."


Johannes Kram, Benjamin Gutsche und Nataly Kudiabor vor dem Tonstudio

Im Gespräch mit Johannes Kram verraten Gutsche und Kudiabor neue Details, wie die Serie entstanden ist, was sie bei der Produktion voneinander gelernt haben und was sie in der bereits beauftragten zweiten Staffel alles anders machen wollen.

Der langsame Wandel zu mehr Vielfalt

Das größere Thema, das alle drei bewegt, ist die Frage, warum das deutsche Fernsehen noch immer nicht die gesellschaftliche Vielfalt abbildet und rassistische Klischees reproduziert. "Immer wieder haben Leute über Sachen geschrieben, über die sie einfach keine Ahnung haben", analysiert die Produzentin. Damit sich was ändert, müssten Menschen aus marginalisierten Gruppen in Entscheidungs-Positionen kommen – notfalls mit Hilfe von Quoten. Benjamin Gutsche gibt sich selbstkritisch und fordert Minderheiten auf, ihre Sichtbarkeit aktiver einzufordern: "Ich bin Teil des Problems gewesen. Ich habe nie dafür gesorgt, dass mehr geht."

Die beiden Podcastgäste würdigen die Verdienste von #ActOut und kritisieren dabei "FAZ"-Feuilletonchefin Sandra Kegel, die sich über das Manifest der queeren Schauspieler*innen lustig machte. Insgesamt sehen sie einen langsamen Wandel zu mehr Vielfalt, sprechen von "Bewegung" und "Umbruch", und doch setzen sie ihre Hoffnung nicht mehr auf das lineare Fernsehen. Sie finden es deshalb auch gar nicht schlimm, dass "All you need" als erstes großes Projekt der ARD exklusiv für die Mediathek produziert wurde. "Die ARD investiert in non-linear, weil das die Zukunft ist", sagt Nataly Kudiabor. "Sehgewohnheiten haben sich verändert", meint auch Benjamin Gutsche. "Wer richtet denn noch seine Tagesgewohnheiten nach dem Fernsehen aus?"

Noch ein Hinweis in eigener Sache: Der QUEERKRAM-Podcast wurde für den Grimme Online Award 2021 nominiert (queer.de berichtete). Noch bis zum 10. Juni kann jede*r bei einem Online-Voting für den Publikumspreis abstimmen und an der Verlosung zweier Tablets teilnehmen.

Zu Gast bei QUEERKRAM

Folge 1 mit Falk Richter und Jonas Dassler:
Warum sich Schauspieler outen sollten
Folge 2 mit Anastasia Biefang:
Warum das Transsexuellengesetz auf den "Müllhaufen der Geschichte" gehört
Folge 3 mit Ralf König:
Warum Ralf König genug vom "Gezicke in sozialen Medien" hat
Folge 4 mit Stephanie Kuhnen und Juliane Löffler:
Wie viel kreatives Potenzial steckt in der Corona-Krise?
Folge 4 mit Georg Uecker:
Warum gibt es so viel Häme auch in der Community?
Folge 6 mit Ines Pohl:
Outest du dich im Interview mit Homohassern, Ines Pohl?
Folge 7 mit Patrick Lindner:
Warum Patrick Lindner auf dem CSD singen muss!
Folge 8 mit Pierre Sanoussi-Bliss:
"Dass mein Leben auch zählt, müssen mir Weiße nicht sagen"
Folge 9 mit Annie Heger:
"Ich werde als Christin von der LGBT-Community mehr angefeindet als andersrum"
Folge 10 mit Aminata Touré und Tessa Ganserer:
"Zwischen Queerfeindlichkeit und Rassismus gibt es Parallelen"
Folge 11 mit Riccardo Simonetti:
Warum wir auf unser "Anderssein" stolz sein können!
Folge 12 mit Sookee:
"Eine rassistisch agierende Community kann sich erneuern"
Folge 13 mit Linus Giese:
"Trans Menschen müssen nicht ihre Existenz erklären"
Folge 14 mit Kevin Kühnert:
Warum schweigt die Politik zum Mord in Dresden, Kevin Kühnert?
Folge 15 mit Manuela Kay:
"Die Berliner Szene kann die Pest sein"
Folge 16 mit Kristina Marlen:
"So offen hat sich die Fratze der heteronormativen Ordnung selten gezeigt"
Folge 17 mit Klaus Lederer:
Klaus Lederer: Wie er Wowereit mit "sanftem Druck" zur Gleichstellung drängte
Folge 18 mit Karin Hanczewski und Godehard Giese:
3 Wochen #ActOut: Karin Hanczewski und Godehard Giese ziehen Bilanz
Folge 19 mit Julian F. M. Stoeckel:
"Wir durften bei RTL so sein, wie wir sind"
Folge 20 mit Jens Brandenburg:
"Auch die Grünen könnten noch LGBT-freundlicher werden"
Folge 21 mit Sigrid Grajek:
"Die Revolutionäre von gestern sind die Konservativen von heute"

Wöchentliche Umfrage

» Welche Schulnote würdest du "All you need", der ersten queeren ARD-Serie, geben?
    Ergebnis der Umfrage vom 10.05.2021 bis 17.05.2021
Galerie:
All you need
25 Bilder
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#1 Dont_talk_about
  • 15.05.2021, 09:25hFrankfurt
  • Ein Kriterium ist also, dass "die sexuelle Orientierung stimmt". Genau damit werden schwule Schauspieler regelmäßig diskriminiert. Ich fass es nicht !!!
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#2 KaiJAnonym
  • 15.05.2021, 09:39h
  • Ich richte sie nicht danach aus, aber das Fernsehen gehört schon ziemlich zu meinen Tagesgewohheiten und wird es wohl auch für eine breitere Bevölkerung länger bleiben. Von daher verbannt die ARD die Serie zumindest in eine gewisse Art Subkultur. Das kann nicht in meinem und unser aller Interesse sein.
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#3 Taemin
  • 15.05.2021, 10:19h
  • Antwort auf #2 von KaiJ
  • Da die Serie morgen und übermorgen (dann nach "Coming out") in One gezeigt wird, stimmt es einfach nicht, dass sie exklusiv für die Mediathek produziert wurde, wie von Anfang an unzutreffend behauptet wird.
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