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LSVD-Wahlprüfsteine Sachsen-Anhalt

AfD schießt im Wahlkampf gegen homosexuelle "Dekadenz"

Die AfD Sachsen-Anhalt macht aus ihrer Ablehnung von Homo- und Transsexuellen keinen Hehl. Die Partei will sich lieber für "normale" Heterosexuelle einsetzen und schießt gegen "dekadente" Homosexuelle.


Bereits vor fünf Jahren warnten die Düsseldorfer Karnevalist*innen vor dem Werdegang der AfD

Der Lesben- und Schwulenverband Sachsen-Anhalt hat am Montag seine Wahlprüfsteine anlässlich der Landtagswahl am 6. Juni vorgestellt. Dabei warnte der Verband eindringlich vor der AfD, die laut Umfragen Chancen hat, stärkste Kraft im Land zu werden. "Die AfD will die Rechte von queeren Menschen radikal beschneiden und einschränken", so der LSVD.

Insgesamt hatte der Verband 118 Fragen aus 16 Kategorien an die sieben Parteien versendet, die Chancen auf einen Einzug ins Parlament von Magdeburg haben. Nur die liberal-konservative Partei "Freie Wähler", die bislang lediglich in die Landtage von Bayern und Rheinland-Pfalz eingezogen ist, verweigerte die Antwort.


Zu allen 16 Kategorien hat der LSVD die Antworten ausgewertet (siehe hier)

"Uns liegen mit den Antworten zu den LSBTIQ*-Wahlprüfsteinen in Sachsen-Anhalt erstmalig schwarz auf weiß die verachtenden Haltungen der AfD gegenüber Homosexuellen, Bisexuellen, Trans*- und intergeschlechtlichen sowie queeren Menschen und Familien in unserem Lande vor", erklärte der LSVD.

"Gesellschaftliche Dekadenz und kognitive Degeneration"

So geht die AfD, die in Sachsen-Anhalt wegen rechtsextremistischen Bestrebungen als Verdachtsfall des Landesverfassungsschutzes gilt, beispielsweise beim Thema Regenbogenfamilie auf Konfrontationskurs: "Was als Regenbogenfamilie oder neudeutsch 'Patchwork-Familie' – eigentlich Flickwerk-Familie – verniedlicht wird, ist in Wahrheit oft nicht mehr als das Ergebnis eines gescheiterten Versuchs, eine normale Familie aufzubauen." Gleichgeschlechtlichen Paaren sollte das bestehende Adoptionsrecht entzogen werden, weil "nur normale Ehepaare" Kinder adoptieren sollten. Die rechtliche Anerkennung von Eltern abseits von "exakt zwei Eltern: Vater und Mutter" sei außerdem "Ausdruck gesellschaftlicher Dekadenz und kognitiver Degeneration".

In Richtung älterer Schwuler und Lesben erklärt die AfD: "Wer in der Jugend keine Familie gegründet und Kinder gezeugt hat und stattdessen nur für seinen ungehemmten sexuellen Lustgewinn gelebt hat, für den ist das Alter eine bittere Zeit. Dies ist eine persönliche Entscheidung, für die jeder selbst verantwortlich ist."

Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Wahlprüfsteine zu LSBTIQ*-Themen Antworten der Parteien geben Überblick LSVD setzt...

Posted by LSVD Sachsen-Anhalt on Monday, May 17, 2021
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Bei vielen weiteren Fragen zeigt sich die AfD ablehnend: So will sie Homo-"Heilung" erlauben und bezeichnet queere Überfalltelefone als "überflüssig".

Die AfD lehnt außerdem ab, geflüchtete Homo- oder Transsexuelle, die in ihrem Heimatland wegen ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität verfolgt werden, aufzunehmen. Auf dieses Thema angesprochen forderte die Landespartei, "die Besonderheiten anderer Weltkulturen zu respektieren". Immerhin hätten die meisten Länder der Welt "eine strengere Sexualmoral" als Deutschland.

AfD verharmlost Nazi-Regime

Auf die Frage, inwieweit dem Schicksal von lesbischen Frauen und Mädchen im nationalsozialistischen Unrechtsregime in den sachsen-anhaltinischen Gedenkstätten würdig gedacht werden soll, antwortete die AfD kalt: "Gar nicht. Abgesehen davon, dass wir die Politisierung sexueller Neigungen ablehnen, lehnen wir auch eine noch stärkere Konzentration unser Erinnerungskultur auf die Unglücksjahre zwischen 1933 und 1945 ab."

"Nicht nur Lesbisches Gedenken und Erinnerungskultur werden im Zusammenhang mit der NS-Terrorherrschaft von der AfD abgelehnt, sondern die Schreckensjahre von 1933 bis 1945 auch noch als 'Unglücksjahre' verharmlost", kritisierte LSVD-Landesvorstandsmitglied Georg Matzel. "Allerspätestens jetzt muss jeder Person klar sein, dass die AfD uns Lesben, Schwule, trans*-, intergeschlechtlichen und queeren Menschen das Leben schwer machen will."

Bei den anderen Parteien unterstützen insbesondere Grüne und Linke die Forderungen der LGBTI-Aktivist*innen. Die CDU – zu einem geringeren Teil auch die FDP – gibt dagegen in vielen Punkte keine konkreten Antworten. Alle Antworten sind auf der Homepage des LSVD Sachsen-Anhalt einsehbar.

Derzeit regiert in Sachsen-Anhalt eine Kenia-Koalition aus CDU, SPD und Grünen. Diese Koalition könnte ihre Mehrheit knapp verteidigen. So würde die CDU laut der aktuellsten INSA-Umfrage 26 Prozent erreichen, die AfD käme auf 24 Prozent, die Linke auf 13 Prozent. Die Grünen könnten ihren Stimmenanteil mehr als verdoppeln und mit zwölf Prozent rechnen. Die FDP könnte den Wiedereinzug ins Parlament mit sechs Prozent schaffen.

In Teilen der CDU Sachsen-Anhalt gibt es auch Bestrebungen, mit der AfD zusammenzuarbeiten. Es gilt allerdings als unwahrscheinlich, dass sich die Landespartei auf ein derartiges Bündnis einlässt, weil dies der Union bundespolitisch nur drei Monate vor der Bundestagswahl Schaden zufügen würde.



#1 SakanaAnonym
  • 17.05.2021, 14:44h
  • Na, bei der klaren Positionierung der sachsen-anhaltinischen AfD sollte allen SPD-Basher:innen hier im Forum aufgehen, wo der wahre Feind in dieser Republik sitzt und wo nicht.
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#2 MazekosProfil
  • 17.05.2021, 15:02hDresden
  • Tja, so eine Antwort auf Nachfrage über den eigenen Wahlkampf zum Besten gegen und sich später darüber aufregen, dass einen ja der "pöse, pöse Verfassungs-Chutz" auf dem Kicker hat. Das grenzt an Realsatire. Ich warte ja immernoch verzweifelt auf den Tag an dem Jan Böhmermann über den AfD Parteitag tanzt und auflöst, dass das alles die größte Inszenierung war, die sie im Neo-Magazin Royale je geplant haben. Wird wohl eher nicht passieren, aber wie sagt man so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
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#3 SybilleAnonym
  • 17.05.2021, 15:06h
  • Wer hätte das bloß von der AFD gedacht? Dekadenz ist nur ein anderes Wort für "Entartung". Da wird einmal mehr deutlich, wo die Vogelschíß-Partei geistig steht und was von ihr zu erwarten ist. Das war schon deutlich sichtbar, als vor Jahren die Info-Tische der AFD in Gründung von lautstarken Stammtisch-Nazis "das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen" umlagert wurden. Die haben den Laden dann ja auch schnell übernommen.
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#4 Ralph
  • 17.05.2021, 15:27h
  • Antwort auf #1 von Sakana
  • Na immerhin ist der Geist, der aus den Äußerungen der AfD spricht, der selbe, der auch Thierse (SPD) und Wagenknecht (Linke) speist. Auch dass die Antworten von Union und AfD in dem innerhalb des Artikels gezeigten Ausschnitt gleich sind, dürfte nicht verwundern. Was die Freien Wähler angeht, fabulierte deren Vorsitzender, der jetzige bayerische Wirtschaftsminister Aiwanger, noch vor der jüngsten bayerischen Landtagswahl davon, dass er die Tür zur AfD offen halten wolle.

    Am meisten empört mich die Diffamierung gleichgeschlechtlicher Liebe als "ungehemmter sexueller Lustgewinn", verbunden mit der Ignoranz, dass Familiengründung für Schwule und Lesben früher schlichtweg verboten war und auch heute noch vom Staat nach Kräften behindert wird. Wie schlimm es sei, dass der Staat mit Ehe und vorher schon Lebenspartnerschaft reine Sexbeziehungen fördere, war eine in den damaligen Auseinanderdsetzungen gängige und beliebte Stereotype nicht nur der radikalen Rechten, sondern auch aus der vermeintlich bürgerlichen Mitte der Gesellschaft. Die von der kath. Kirche geprägte Bezeichnung "Homo-Konkubinat" war eine der übelsten Ausgeburten dieser schmutzigen Gesinnung, die Liebe und Partnerschaft von Schwulen und Lesben nur auf Ebene der Prostitution sehen wollte.
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#5 SakanaAnonym
  • 17.05.2021, 15:38h
  • Antwort auf #4 von Ralph
  • Dann würde mich in dem Zusammenhang interessieren, wie denn die SPD Sachsen-Anhalt die drei Fragen des LSVD beantwortet hat. Mit welchem Smiley werden denn die Antworten in der Graphik ausgewiesen?
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#6 TrekieAnonym
  • 17.05.2021, 15:49h
  • Antwort auf #1 von Sakana
  • Was soll eigentlich immer diese SPD verteidigung? Mitleidig in dem Laden?
    Ja, es gibt parteien die richtig braun sind. Das macht Thierses laut ihm von der Partei gedecktesgeseier aber nicht besser. Und überhaupt, was is das für eine Argumentation? "Okay, die SPD is nich für uns, aber die AfD und CDU sind doch viel schlimmer" Whatsboutism at it's best...
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#7 AtreusProfil
  • 17.05.2021, 16:02hSÜW
  • Die Aussagen finde ich insofern gut, da sie Futter für ein künftiges Parteiverbot liefern und es mir erlauben, die Wähler von sachsen-anhaltinischen AfD-Mitgliedern als Nazis zu bezeichnen. Denn besser kann man, abseits vom Tragen einer Hakenkreuzbinde oder dem Zeigen des Hitlergrußes, sein nationalsozialistisches Gedankengut nicht zur Schau stellen, wie es die AfD hier getan hat. Nur Nazis wählen Nazis.
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#8 SakanaAnonym
#9 Alexander_FAnonym
  • 17.05.2021, 17:14h
  • Antwort auf #1 von Sakana
  • Die Ausrede, dass die Rechtsradikalen noch schlimmer seien und man ja gegen sie zusammenhalten müsse, ist ein alter Hut aus der Ära Kohl, der verkennt, dass dieser Zusammenhalt nur dann möglich ist, wenn man inhaltlich mit der radikalen Rechten nicht übereinstimmt und man keine fünften Kolonnen der radikalen Rechten in den eigenen Reihen hat.
    Ein Herr Thierse ist aber genau das: er liefert, wenn auch in abgemilderter Form, genau die gleiche Ideologie. Er ist damit ganz genau so ein wahrer Feind wie die blöden Blauen auch.

    Ansonsten dürfte aber wohl tatsächlich auch dem letzten Deppen klargeworden sein, wohin die Reise mit der AfD gehen würde.
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#10 TrekieAnonym
  • 17.05.2021, 17:23h
  • Antwort auf #8 von Sakana
  • Wie oft hatte die SPD denn schon alles voller smilys, und dann genau nix von den versprechen umgesetzt?
    Aber nochmals, die werden nicht glaubwürdiger oder besser, nur weil andere noch rechter sind. Und wieder die Frage, bist in dem Laden? Weil macht echt den eindruck das egal was die verzapfen - jeder der was dazu sagt is "altbekannter SPD Basher". Kann von uns gier keiner was dafür, das denen niemand mehr irgendwas glaubt, und nur weil die AfD halt richtige nazis sind, macht es die leeren ersprechen anderer nunmal nicht besser
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