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  • 18. November 2005 10 3 Min.

Madonna und ihre "Beichten der Tanzfläche". Abtanz, Abgesang oder Abklatsch? Ein offener Brief an die Pop-Ikone.

Von Jan Gebauer

Liebe Frau Ciccone-Richie, Sie sind schon ein echtes Phänomen. Andere Sängerinnen bemühen sich jahrelang redlich, halbwegs vernünftige Schlagzeilen hinzubekommen, fallen in Glasscherben, schnupfen sich haufenweise Koks in die Nase oder eröffnen nach dem Nervenzusammenbruch einen Hundesalon. Sowas haben Sie nicht nötig: Zum neuen Album "Confessions On A Dancefloor" sind Sie zwar marketinggerecht ein paar Monate zuvor vom Pferd gefallen, haben aber ansonsten die Presse mit allerlei Nichtigkeiten gefüllt, ohne dafür großartig selbst in Aktion zu treten. Und Ihre wohlplatzierten Auftritte der letzten Zeit zeigen ohne Wenn und Aber, wie prall Ihre Backen und Keulen noch sind – ein Thor, wer da tatsächlich die Schwabbel-Weg-Vibrator-Geschichte mancher Gazetten glaubt.

Gemäß Ihren "Beichten auf einer Tanzfläche" (deutsche Übersetzung des Album-Titels "Confessions ...") haben Sie zuletzt wieder richtig in der Disco abgefeiert und sich nach der "American-Life"-Ernüchterung auf alte Werte besonnen: Musikalisches Futter zum Abtanzen! Im Booklet präsentieren Sie sich abermals gelenkig – rhythmische Altengymnastik könnte mit 47 auch durchaus zum Thema werden. Bravo, dass Sie auf diesem Wege mal wieder als Stil-Ikone einen neuen Trend los treten. Allerdings bin ich doch etwas bestürzt, dass manche Pose auch als Einladung zur analen Penetration missverstanden werden könnte, zumal man ja auch mehr von ihrem Hintern sieht als von ihrem Gesicht. Aber sie wollen schließlich immer noch eine "Schwulen-Ikone" sein, da muss man schließlich auch was bieten – Solidarität zählt!

Nein, ich war nicht wirklich enttäuscht, als ich die CD die ersten Male abspielte und das doch recht harte Gebumse ihrer neuen Musik vernahm. "Itz, itz, itz – bums, bums bums" – in einer scheinbar endlosen Schleife hauen Sie uns die Songs diesmal so richtig um die Ohren, auch wenn einem die meisten Ideen und Songstrukturen bereits merkwürdig vertraut scheinen. Okay, bei der ersten Single "Hung Up" springt einem das ABBA-Sample förmlich ins Gesicht, aber bereits bei "Future Lovers" denke ich unweigerlich an Kylie Minogues "Light Years". Bei "Get Together" fällt mir "Take Your Time" der S. O. S. Band ein und bei "Isaac" schwingt Ihr eigenes "Frozen" mit, untermalt von einem Zitat aus "Im nin'alu" der verstorbenen Israelin Ofra Haza. "Let It Will Be" könnte auch Erasure gut stehen und das fast schon kuschelige "Forbidden Love", na, da ist doch die kleine Kylie wieder am Start.

Nein, böse bin ich nicht, Frau Ciccone – denn nach zehnmaligem Anhören ist das Kopfschütteln fast verschwunden und selbst ich wippe kräftig mit – vielleicht würde ich in der Disco auch "von meinem Sitz springen", wie Sie es so schön in Interviews formuliert haben. Die Texte sind zwar weitgehend austauschbar und anonym, aber dafür einfach zum Mitsingen. Das von Ihnen gruftig angestimmte "Sooooooorry" zum Beispiel: "I Heard It All Before… Sooooooorry", schön lang gezogen, als wenn Sie sich schon beim zweiten Lied für das ganze Album entschuldigen wollten. Gar nicht nötig – schließlich hat Cher auch mit 52 ihre Disco-Manifest "Believe" aufgenommen und damit wahrlich nicht ihr bestes Album auf den Markt gebracht. Okay, ich gebe zu, ich warte immer noch auf ein weiteres, überragendes Meisterwerk wie Ihr Album "Like A Prayer", aber was soll's – immerhin singen Sie ja nicht die Klassiker des "Great American Songbooks" wie Rod Stewart. Da kann Ihnen zumindest keiner vorwerfen: "Schuster bleib' bei Deinen Leisten … eh, Pömps".

In diesem Sinne alles Liebe,
Ihr Jan Gebauer

18. November 2005

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-w-

#1 TomAnonym
  • 18.11.2005, 18:05h
  • Ganz hübsche Platten-Kritik. Allerdings hätte ich mir zur "Homo-Ikone" auch ein paar ernsthafte Worte zu Ihrer kürzlich gemachten Aussage - "Homos sollten mal ihre Lebensweise überdenken.." - gewünscht. Zudem finde ich Madonnas Zugehörigkeit zur obskuren Kaballah-Balla-Sekte überaus diskussionswürdig, da diese Homosexualität als Krankheit ablehnt.
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#2 HobbelAnonym
  • 18.11.2005, 19:42h
  • Sie hat ihren Glauben gewählt, der steht ihr frei. Katholizismus und Islam sehen Homosexualität ja auch nicht gerade gerne.
    Zudem sollte es doch um ihre Musik gehen und nicht um ihre privaten Angelegenheiten.
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#3 PhilAnonym
  • 19.11.2005, 16:21h
  • Ich muss auch sagen das "confessins on a dance floor" nicht gerade ein kreatives Meisterwerk ist aber es ist auf jeden Fall gute Music einer großartigen Künstlerin!!!!
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