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ProSieben-Interview

Laschet zu Homo-Segnungen: "Ich fand das in Ordnung"

Der CDU-Kandidat für die Nachfolge von Angela Merkel gibt sich im Interview jovial, wenn es um LGBTI-Rechte geht.


Armin Laschet will die Wahl am 26. September gewinnen und neunter Kanzler der Bundesrepublik werden (Bild: Screenshot ProSieben)
  • 18. Mai 2021, 12:03h 11 3 Min.

NRW-Ministerpräsident, CDU-Bundesvorsitzender und Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) hat sich am Montagabend in einem live auf ProSieben ausgestrahlten Interview auch zu LGBTI-Rechten geäußert. Dabei zeigte sich der gläubige Katholik offen für Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren und zeigte Toleranz gegenüber dem Gendersternchen.

Laschet erklärte auf Fragen von Linda Zervakis und Louis Klamroth, dass sich eine Partei, die das C im Namen trägt, immer rechtfertigen müsse, "wie sie ihre Politik aus Grundsätzen heraus ableitet". Er betonte, 2017 gegen die Gleichstellung von Homosexuellen im Ehe-Recht gewesen zu sein, erklärte aber gleichzeitig, seine Partei akzeptiere sexuelle Minderheiten: "Die Regenbogenfahne können Sie heute vor dem Konrad-Adenauer-Haus sehen, denn heute ist der Tag gegen Homophobie", so Laschet.

Von Klamroth auf die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in seiner Kirche angesprochen, zögerte Laschet erst ein wenig – setzte mit "Ich find..." an, um dann wieder innezuhalten. Anschließend erklärte der Christdemokrat entschlossen: "Ich fand das in Ordnung. Aber ich finde, Politiker sollten nicht kommentieren, was Religionen in ihren Regeln machen. Da versuche ich mich immer rauszuhalten." Laschet erinnerte auch an die tolerante Haltung des Chefs der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing (queer.de berichtete).

Laschet zu Gendersternchen: "Man kann das machen"

Klamroth fragte Laschet im Anschluss noch nach seiner Meinung zu geschlechtergerechter Sprache. Der Moderator wollte wissen, ob sich der Christdemokrat vom Begriff "Politiker*innen" angesprochen fühlt. Laschet: "Ich verwende es nicht – ich sag Politikerinnen und Politiker. Aber wenn das jemand mit großen I und Pause sprechen will, kann man das machen."

In dieser Frage betonte der Ministerpräsident Unterschiede zur französischen Sprache: "Ich bin deutsch-französischer Kulturbeauftragter und erlebe in Frankreich eine ganz andere Tradition, wo der Staat ganz massiv drauf achtet, dass die französische Sprache erhalten bleibt", so Laschet. Deutschland habe aber eine andere Tradition: "Deutschlands Sprache hat sich immer verändert. Ich finde nur, man sollte es Menschen nicht vorschreiben. Wenn Universitäten sagen, die Examensarbeit muss so oder so geschrieben sein, dann beginnt schon die Vorschrift. Dann dürfen sie nicht mehr schreiben, wie sie wollen."

Diese letzte Behauptung Laschets stieß auf Skepsis beim Moderator – und führte zu einem kurzen Schlagabtausch. Klamroth: "Das gibt's nicht." – Laschet: "Gibt's nicht?" – Klamroth: "Glaub ich nicht." – Laschet: "Hab ich gehört." – Klamroth: "Das sind, glaub ich, Gerüchte." – Laschet: "Wenn's das nicht gibt, ist es wunderbar."

Laschet hatte sich als erster Integrationsminister eines deutschen Bundeslandes 2005 ein liberales Image aufgebaut, galt aber stets als Gegner der Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben. Im Landtagswahlkampf 2015 behauptete er etwa als CDU-Spitzenkandidat von Nordrhein-Westfalen wiederholt, dass es im Grundgesetz ein verstecktes Ehe-Verbot für Schwule und Lesben gebe (queer.de berichtete). Auf Druck der Laschet-CDU weigerte sich sein Land 2017, dem Gesetz zur Ehe für alle zuzustimmen (queer.de berichtete).

In den letzten Monaten sorgten auch Verbindungen Laschets mit einem Homo-Hasser für Aufsehen: Mit dem Ministerialbeamten Nathanael Liminski hat sich Laschet ausgerechnet einen Mann zum Leiter seiner NRW-Staatskanzlei gemacht, der immer wieder durch radikalreligiöse und homophobe Äußerungen aufgefallen war (queer.de berichtete). So hatte er etwa 2007 gegenüber dem "Spiegel" gesagt: "Ich kenne viele Homosexuelle, und einige tun mir leid. Der Staat muss schon aus reiner Selbsterhaltung die natürliche Form der Ehe und Familie fördern". Es gilt als wahrscheinlich, dass Laschet seinen Strippenzieher und Chefstrategen nach einer gewonnenen Wahl nach Berlin mitnehmen wird. (dk)

-w-

#1 PetterAnonym
  • 18.05.2021, 14:08h
  • Vor der Wahl fressen sie alle immer Kreide.

    Aber jeder hier in NRW weiß sehr genau, wie Laschet tickt, wenn es um LGBTI-Themen geht.
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#2 Taemin
  • 18.05.2021, 14:14h
  • Also entweder ich akzeptiere Minderheiten - dann muss ich mich aber auch für ihre Gleichbehandlung einsetzen. Oder ich bin gegen Gleichbehandlung - dann akzeptiere ich aber nicht. Was denn nun, Herr Laschet?
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#3 IsaakAnonym
  • 18.05.2021, 14:27h
  • Antwort auf #1 von Petter
  • Glaube ich nicht, dass es sich hier um Kreide fressen handelt. Aus mehreren Gründen.

    1) 2021 ist nicht 2015 oder gar 2007. Inzwischen ist die Eheöffnung weitgehend kommentiert und wird von einer großen Bevölkerungsmehrheit getragen, darunter auch von einer Mehrheit innerhalb der CDU. Laschet hat absolut nichts zu gewinnen, hier einen konservativen Kurs zu fahren. Im Gegenteil: Er hat ein großes Interesse daran, das Thema LGBTQ möglichst geräuschfrei abzuräumen.
    2) Realistischerweise benötigt er nach der BTW die Grünen für eine Koalition. Warum sollte er da bitte Problemfelder aufmachen, wo keine sind?
    3) Innerparteilich hat sich Laschet im Zweikampf mit Merz (um den Vorsitz) und Söder (um die Kandidatur) wiederholt als liberal positioniert. Beide Male hat es gut funktioniert. Kein Grund, jetzt davon abzuweichen zumal 1) da weiterhin gilt.

    Ich halte Laschet für einen sehr fähigen und gewieften Politiker, dessen großes Glück darin besteht, immer wieder unterschätzt zu werden. Mich würde es nicht überraschen, wenn er viele Jahre lang das Kanzleramt besetzen würde.
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