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Westafrika

Angriffe auf trans Frauen in Benin

Nach einem brutalen, mit Videos auf Facebook verbreiteten Angriff auf drei trans Frauen kommt es im westafrikanischen Benin zu Drohungen gegen die gesamte LGBTI-Community.


Erniedrigt und geschlagen: Eine der betroffenen Frauen zeigt ihren erlittenen Bluterguss (Bild: privat)

Im westafrikanischen Benin ist es in den letzten Wochen zu massiven Angriffen auf drei transgeschlechtliche Frauen und eine Unterkunft für obdachlose LGBTI gekommen. Nachdem ein Mob von Männern die drei Frauen in einen Hinterhalt gelockt hatte, wurden sie geschlagen, begrabscht, bestohlen und vor laufender Kamera gezwungen, sich zu entkleiden. Die Videos gingen auf Facebook viral. In der Folge kam es zu Angriffen auf die Unterkunft der drei Frauen, die von der LGBTI-Organisation Hirondelle Club Benin betrieben und nun aufgegeben werden musste.

Eine der Betroffenen erzählte dem französischen Auslandsfernsehen France 24 von dem Vorfall, der in der Nacht auf den 1. Mai stattfand. Demnach sei sie von einem Mann, den sie eigentlich für einen Freund gehalten hatte, zu einer Geburtstagsparty in die "Sunset Bar" in Benins 680-Tausend-Metropole Cotonou eingeladen worden.

Als die drei Frauen in der Bar, in der sie auch sonst öfter zu Besuch gewesen waren, eintrafen, fingen anwesende Männer an, sie zu bedrängen. Dabei sei ihnen immer wieder aggressiv die Frage "Bist du ein Mann oder eine Frau?" gestellt und nach ihnen gegrabscht worden, wie sie berichteten. Eine der Frauen, Fati, sei dann von dem Bekannten heraus gebeten worden. Die Türe wurde geschlossen, so dass die Freundinnen im Innern eingeschlossen waren. Vor der Bar fingen dann Männer an, auf Fati einzuschlagen. Als die beiden im Innern, Kati und Jennifer, schließlich nach draußen konnten, seien alle drei zusammen attackiert worden, unter anderem mithilfe einer Flasche. Ein Foto zeigt den Bluterguss, der von einem Schlag mit der Flasche stammen soll.

Täter brüsteten sich mit Videos der Tat

Die Frauen wurden gezwungen, sich auszuziehen und ihre Genitalien zu zeigen. Das wurde aus der Tätergruppe gefilmt. Auf den Videos ist laut Amnesty International zu sehen, wie die Frauen gegen eine Wand gedrängt wurden. Ihnen wurden die Hände weggezogen, mit denen sie versucht hatten, ihren Intimbereich zu bedecken. Die Videos der Attacke verbreiteten sich auf Facebook, bis die Organisation Afrique Occident Solidaire das soziale Netzwerk dazu bringen konnte, mit Löschungen gegenzusteuern.

Die Frauen konnten schließlich entkommen. Eine von ihnen sagte France 24: "Als wir am nächsten Tag aufwachten, wussten wir, dass unsere Leben vorbei sind. In nur 24 Stunden hatte die ganze Nation die Videos gesehen, inklusive unserer Familien und Chefs. Wir würden nie mehr in der Lage sein, einen Job zu finden. Jeder hier ist gegen uns. Sogar kleine Kinder haben auf der Straße mit dem Finger auf uns gezeigt." Einige seien zudem von ihren Eltern bedroht worden, sie würden sie töten, wenn sie heimkehren würden.

Amnesty International schaltet sich ein

Zwei Wochen nach der Tat wandte sich Amnesty International an die Regierung des Benin. Die Menschenrechtsorganisation forderte die Behörden des westafrikanischen Landes auf, Maßnahmen zum Schutz der trans Bevölkerung und ihrer Unterstützer*innen zu ergreifen. Die Täter müssten identifiziert und in einem fairen Verfahren zur Rechenschaft gezogen werden.

In der Nacht nach dem Hinterhalt brachen zwei Täter in die LGBTI-Unterkunft ein. Als sie im Hof gesichtet wurden, konnten sie noch durch laute Rufe von den Bewohner*innen vertrieben werden. Am Tag nach der Tat versammelte sich eine aggressive Gruppe vor der Unterkunft und bedrohte hinein und hinaus gehende Bewohner*innen.

Eine weitere Person, die einer Unterstützungsgruppe von LGBTI vorsteht, sagte, dass die Angriffe seitdem im ganzen Land und auch gegen die eigene Organisation massiv zugenommen hätten: "In der Gegend, in der ich lebe, gehe ich kaum noch raus. Meine Eltern haben gedroht, mich rauszuschmeißen, und warfen mir vor, ein verfluchtes Kind zu sein." Eine andere LGBTI-Menschenrechtlerin habe Vergewaltigungsdrohungen am Telefon erhalten. Nach weiteren Angriffen auf die Unterkunft sah sich die Betreiberorganisation Hirondelle Club Benin schließlich gezwungen, die Unterkunft zu schließen und die Bewohner*innen zu evakuieren.

Lage spitzte sich auch durch Corona zu

Die Angriffe gegen die trans Community in Benin finden auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie statt. Die Gewalt gegen LGBTI hat in dem Land, in dem Homosexualität dem Prinzip nach legal ist, zugenommen, weil viele Menschen glauben, die Minderheit habe das Virus ins Land gebracht. Auch um die im Zuge dieses Seuchenmythos aus ihren Familien verbannten Menschen zu unterstützen, hatte der Hirondelle Club Benin im vergangenen Jahr die neue Unterkunft eröffnet.

Die Behauptung, woher das Coronavirus stamme, deckt sich mit der Erklärung, die viele Beniner*innen für homosexuelle und transgeschlechtliche Menschen haben: aus dem Norden importiert, nicht von hier, wie Aktivist*innen aus Benin die queerfeindliche Auffassung ihrer Landsleute beschreiben.

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