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Serientipp

Selten war schlechte Laune so sehenswert!

In der siebenteiligen Krimi- und Familienserie "Mare of Easttown" läuft Kate Winslet als mürrische Vorort-Polizistin mit lesbischer Tochter zu herausragender Form auf.


"Mare of Easttown" mit Kate Winslet läuft seit 21. Mai 2021 exklusiv auf Sky Ticket (Bild: HBO)
  • Von Patrick Heidmann
    21. Mai 2021, 04:45h, noch kein Kommentar

Bis wir in Deutschland Kate Winslet im eindrucksvollen lesbischen Liebesdrama "Ammonite" von Francis Lee sehen werden, müssen wir uns noch ein bisschen gedulden. Corona-bedingt wurde der Filmstart immer wieder verschoben, nun wird der 4. November angepeilt. Doch die Zeit bis dahin lässt sich – vor allem für Winslet-Fans – bestens vertreiben. Denn seit Freitag ist die Oscar-Gewinnerin in der Hauptrolle der großartigen neuen Serie "Mare of Easttown" zu sehen (bei Sky).

Hinter dem Titel verbirgt sich kein Pferd, sondern die von Winslet gespielte Protagonistin selbst. Mare Sheehan ist Polizistin in Easttown, einem unspektakulären Vorort von Philadelphia, aus dem sie es zeitlebens nicht herausgeschafft hat. Zu High-School-Zeiten wurde sie als Basketball-Star gefeiert, jetzt ist sie damit beschäftigt, Junkies oder potentielle Voyeure unter die Lupe zu nehmen.

Frustriert im Vier-Generationen-Haushalt

Dass seit einem Jahr eine junge Frau – noch dazu die Tochter einer einstigen Klassenkameradin – vermisst wird und bislang sämtliche Spuren im Sande verliefen, trägt in jedem Fall ebenso zu Mares Laune bei wie ihre private Situation im Vier-Generationen-Haushalt. Der Tod des Sohnes ist noch nicht verwunden, die Sorgerechtslage für den kleinen Enkel nicht endgültig geklärt und das Verhältnis zur eigenen Mutter (Jean Smart) eher ruppig. Dass der wieder liierte Ex-Mann direkt gegenüber eingezogen ist, macht die Sache auch nicht leichter. Als dann die Leiche einer ermordeten Teenager-Mutter gefunden wird, bekommt Mare nicht nur einen externen Kollegen (Evan Peters) an die Seite gestellt, sondern muss auch im unmittelbaren Freundes- und Familienkreis nach Verdächtigen suchen.

Bodenständige Ermittlerinnen, die im Kleinstadt-Setting Verbrechen aufklären müssen und ihre Emotionen unter einer rauen Schale verbergen, sind keine Neuheit. Denkt man an britische Produktionen wie "Broadchurch" oder "Happy Valley", aber auch US-Serien wie "Sharp Objects", erfindet nun "Mare of Easttown" also das Rad wahrlich nicht neu. Trotzdem ist die von Regisseur Craig Zobel und Drehbuchautor Brad Inglesby verantwortete Serie unbedingt eine große Empfehlung wert.

Krimi, Charakterstudie und Familiendrama

Das Tempo ist eher langsam, denn der Kriminalfall selbst steht gar nicht allzu sehr im Fokus und nimmt erst im Verlauf der insgesamt sieben Episoden immer größeren Raum ein und an Fahrt auf. Viel mehr als ein klassischer Krimi ist "Mare of Easttown" nämlich Charakterstudie und Familiendrama. Und das ist auch gut so, denn so echt, komplex und vor allem kompliziert wie hier werden zwischenmenschliche Beziehungen gerade in amerikanischen Serien selten dargestellt.


Angourie Rice spielt Mares lesbische Tochter Siobhan (Bild: HBO)

Dass fantastische Ensemble tut ein Übriges: Jean Smart (zuletzt noch mit Superhelden-Dildo in "Watchmen" zu sehen) ist großartig wie immer, Evan Peters besser als in jeder seiner "American Horror Story"-Rollen und auch Guy Pearce oder Julianne Nichols überzeugen in Nebenrollen auf ganzer Linie. Nicht zu vergessen Angourie Rice ("The Nice Guys") als Mares lesbische Tochter Siobhan, deren Queerness nicht zentral für den Plot ist, aber mit erfreulicher Selbstverständlichkeit im Raum steht.

Über allem aber schwebt hier Kate Winslet, die in ihrer ersten Fernsehrolle seit "Mildred Pierce" so viel Raum wie lange nicht bekommt, ihr Ausnahmekönnen auszuspielen, und prompt zu herausragender Form aufläuft. Selten war schlechte Laune so sehenswert. Abgesehen vielleicht von "Ammonite". Aber dazu dann in ein paar Monaten mehr.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zu "Mare of Easttown"
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