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USA

Bürgermeisterin lässt sich nur von nicht-weißen Journalist*innen interviewen

Seit zwei Jahren regiert die schwarze lesbische Demokratin Lori Lightfoot die Metropole Chicago. Zum Jahrestag prangert sie mit einer umstrittenen Aktion fehlende Vielfalt bei Medien an.


Lori Lightfoot ist seit 20. Mai 2019 Bürgermeisterin von Chicago (Bild: City of Chicago)

Mit einer ungewöhnlichen Aktion macht Chicagos schwarze Bürgermeisterin Lori Lightfoot auf mangelnde Diversität bei Medien aufmerksam: Zu ihrem zweiten Jahrestag im Amt gibt die Politikerin der Demokratischen Partei nur nicht-weißen Journalist*innen Einzelinterviews.

Sie sei schon seit Jahren darüber "schockiert", dass die überwältigende Zahl der Medienvertreter*innen in der US-Großstadt "weiß und männlich" sei, schreibt Lightfoot in einem auf Mittwoch datierten Brief an Medien, in dem sie ihre Entscheidung begründet. Von den im Rathaus akkreditierten Journalisten seien nur wenige "of color", also afroamerikanisch, latino-stämmig, mit asiatischen Wurzeln oder Nachfahren von Ureinwohner*innen.

Im Rathaus-Pressekorps gebe es zudem nicht eine einzige nicht-weiße Journalistin, führt die 58-jährige Bürgermeisterin aus. "Keine einzige. Ich finde das inakzeptabel, und ich hoffe, Sie sehen das auch so."

Lightfoot; Mangelnde Vielfalt hat Auswirkung auf Berichterstattung

Lightfoot war 2019 als erste Afroamerikanerin und erste offen lesbische Frau zur Bürgermeisterin von Chicago gewählt worden (queer.de berichtete). "In meinem Erwachsenen-Leben habe ich immer alles in meiner Kraft stehende unternommen, um für Diversität und Inklusion zu kämpfen", schreibt sie. "Als Bürgermeisterin bin ich in einer einmaligen Position, um dieses äußerst wichtige Thema ins Rampenlicht zu rücken."

Während es in den USA in den vergangenen Jahren ein wachsendes Bewusstsein über "systemischen Rassismus" und die Diskriminierung von Minderheiten gegeben habe, scheine das bei vielen Medien in Chicago nicht angekommen zu sein, schreibt Lightfoot weiter. Die fehlende Vielfalt in Medien sei in großes Problem: "Es ist unmöglich, dass sich dieser eklatante Mangel an Diversität nicht jeden Tag in der Berichterstattung über Regierung, Politik und Stadtleben niederschlägt."

Ihr Schreiben beendet Lightfoot, die am 20. Mai 2019 ihr Amt angetreten hatte, mit einem Appell an die Medien, mehr nicht-weiße Journalist*innen einzustellen.

Kritik von Journalist*innen

Die Entscheidung der Bürgermeisterin blieb nicht ohne Kritik. Der Verband afroamerikanischer Journalisten schrieb, zwar weise Lightfoot mit ihrem "wagemutigen" Schritt auf ein wichtiges Thema hin. Der Verband unterstütze aber nicht die "Taktik", bestimmte Journalist*innen von Interviews auszuschließen.

Der latino-stämmige Journalist Gregory Pratt von der "Chicago Tribune" schrieb auf Twitter: "Politiker dürfen sich nicht aussuchen, wer über sie berichtet." Er selbst habe zwar eine Interview-Zusage erhalten; er habe dann aber an das Rathaus appelliert, die Beschränkungen für andere Medien aufzuheben. Als dies abgelehnt worden sei, habe er das Interview abgesagt.

Scharfe Attacken kamen von Rechtsaußen: Der als Scharfmacher bekannte Fox-News-Moderator Tucker Carlson warf Lightfood "Rassismus" gegen Weiße vor und stellte die Bürgermeisterin gar in die Nähe von "Nazis". (cw/AFP)



#1 goddamn liberalAnonym
#2 hugoAnonym
#3 Ralph
  • 21.05.2021, 10:17h
  • Der letzte, der in den USA Journalisten/Journalistinnen handverlesen bzw. nach Gusto ausschließen wollte, war Donald Trump. Ein wünschenswerter Zustand größerer Vielfalt in einem Berufsstand lässt sich nicht befördern, indem Personen, die diesen Beruf aktuell ausüben, nach rassistischen und genderfeindlichen Kriterien zugelassen oder ausgeschlossen werden. Eine solche Bürgermeisterin macht keine Diversitäts-, sondern eine Diskriminierungspolitik. Sie sollte zurücktreten.
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#4 SebiAnonym
  • 21.05.2021, 10:31h
  • Eine unhaltbare Einschränkung von Pressefreiheit.

    Das ist keinen Deut besser, als wenn ein weißer Politiker sich nur von weißen Journalisten interviewen lassen würde. Oder wenn ein homophober Bäcker keine Schwulen und Lesben bedienen will.

    Das ist keine Förderung von Vielfalt, sondern Rassismus.

    Ich kann nur hoffen, dass die "nicht-weißen" Journalisten sich mit ihren Kollegen solidarisieren und sie auch nicht interviewen.

    Ein Ende des Rassismus ist es, wenn man gar nicht mehr unterscheidet, welche Hautfarbe jemand hat, sondern wenn das schlichtweg egal ist. Dann werden aber auch Weiße nicht augeschlossen.
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#5 PoC-RassismusAnonym
  • 21.05.2021, 10:54h
  • Das ist rassistisch und stelle sämtliche nicht-PoC-Menschen unter Generalverdacht und Sippenhaft.

    Man stelle sich die Schlagzeile "Bürgermeisterin lässt sich nur von nicht-muslimischen Journalist*innen interviewen" vor!

    Bislang hatte ich sehr große Sympathien für Lightfoot, aber jetzt ...
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#6 Carsten ACAnonym
  • 21.05.2021, 11:02h
  • "Lightfoot; Mangelnde Vielfalt hat Auswirkung auf Berichterstattung"

    Ach, und wenn man Journalisten aufgrund ihrer weißen Hautfarbe ausschließt ist das weniger eine Beschränkung der Vielfalt als andersrum?

    Mit Logik hat diese Dame es wohl nicht so.

    Alleine schon für diesen Rassismus hätte sie den Verlust ihres Amtes verdient.

    Was kommt als nächstes? Dass sie sich nur noch um die Belange schwarzer Bürger kümmert?
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#7 audeasAnonym
  • 21.05.2021, 12:32h
  • Starke Aktion angesichts der Zerbrechlichkeit von weißen Egos, die sie damit in Gang gebracht hat. Respekt vor dieser Frau!
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#8 DramaQueen24Profil
  • 21.05.2021, 12:37hBerlin
  • Eine mutige, und überfällige Entscheidung, denn bei Einzelinterviews sind es meist weiße männliche Journalisten, weniger Frauen oder nichtweiße, homosexuelle oder transidentische Journalist/innen.
    Das weiße Amerika der GOP schreit auf, brüllt "Rassismus", dabei ist es gerade die GOP, die rassistisch handelt, indem sie gerade:

    1. Wahlen für Afroamerikaner, die mehrheitlich Demokraten wählen, durch verschiedene Handlungen erschweren.
    2. Transsexuelle Jugendliche in ihren Rechten bescheiden.
    3. Frauen eine Abtreibung erschweren wollen (auch bei Inzest oder Vergewaltigung)
    4. Die Homo-Ehe wieder verbieten wollen.

    Ich wünschte, es gäbe mehr PolitikerInnen und KünstlerInnen wie Lori!
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#9 GegenmeinungAnonym
  • 21.05.2021, 12:38h
  • Schon interessant: da macht diese Frau einmal eine Aktion und kehrt das um, was sonst absolut Gang und Gäbe ist. Und nun ist SIE die böse Rassistin. Komisch halt, dass es nie als rassistisch gilt, wenn nur Weiße ausgewählt werden. Das gilt als "normal". PoC werden immer und überall marginalisiert, sollen das aber so hinnehmen, weil es nun mal seit eh' und je so ist. Aber eine einzige Aktion, die mal aufzeigen soll, wie rassistisch eigentlich dieses total alltägliche Gebaren ist, indem sie den Spieß einmal umdreht, macht sie nun gleich zur bösen Rassistin, die ihres Amtes enthoben werden soll?

    Sie hat den Finger da in eine Wunde gelegt. Und das tut weh. Aber es tut den falschen Leuten aus den falschen Gründen weh. Und es erinnert mich übrigens an die Weinerlichkeit von Leuten wie Thierse, die sich als "normaler Mensch" ausgegrenzt fühlen. Würden Menschen auch mal die Perspektive Anderer einnehmen, also wirklich empathisch nachvollziehen, was da abgeht, gäbe es jetzt und auch sonst nicht solches Theater.
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#10 OutAndProud