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Homosexuell und katholisch

Ein schwuler Seelsorger im Dialog mit seinem Vater

In der Autobiografie "Gregorsbriefe" erzählt Dr. Gregor Schorberger seinem verstorbenen Vater aus seinem bewegenden schwulen Leben.

  • 21. Mai 2021, 09:59h, noch kein Kommentar

"Gregorsbriefe" ist im Größenwahn Verlag als Taschenbuch und E-Book erschienen

"Bestimmt bist Du, Papa, gespannt zu hören, was aus Deinem 'Stammhalter' geworden ist." In 20 biografischen Briefen erzählt Dr. Gregor Schorberger seinem verstorbenen Vater Stationen von einem bewegten Leben: Kindheit, Lehrzeit als Postbote, Ordenszeit in Frankreich, Coming-out, Begegnungen in der Seelsorge mit Aids-Patienten und als Seelsorgeausbilder. Leser*innen bietet sich weit mehr als eine originelle bibliografische Lektüre. Es geht im Kern um einen Zeitzeugenbericht zum Umgang der deutschen Gesellschaft und der katholischen Kirche mit homosexuellen Menschen und ihren Rechten im Laufe der letzten Jahrzehnte. Das Buch ist ab sofort im Handel erhältlich.

Geboren wurde Dr. Gregor Schorberger am 13. August 1947 in Essen-Karnap im Haus der Polizeiwache über einer Gefängniszelle. Seine Jugendjahre verbrachte er mit seinem Vater, einem Essener Polizist in der Weimarer-, Nazi-, und Bundesrepublikanischen Zeit, seiner Mutter und seinen Schwestern. Seine ersten Schritte in ein spirituelleres Leben nahm er bei der Ordensgemeinschaft der Kleinen Brüder. Sein Weg führte ihn als Postulant nach Frankreich und als Novize nach Spanien. Noch während seines Theologiestudiums in Freiburg wagte er sein Coming-out. Schließlich schlug er eine Laufbahn als Krankenpfleger und Pastoralreferent in der Klinikseelsorge ein, u.a. für Menschen mit HIV und Aids – ein Engagement, dem er sich bis heute widmet. Vor 46 Jahren, 1975, gründete er in Frankfurt am Main eine schwule WG. Seit 1972 ist er in der Emanzipationsarbeit tätig und engagiert sich in schwulen Gruppen, darunter auch christlichen. Seinen Mann Burkhard heiratete Dr. Gregor Schorberger 2012 standesamtlich und ein Jahr später kirchlich.

Kampf gegen Strafen, Ausgrenzung und Diskriminierung


Dr. Gregor Schorberger berichtet in "Gregorsbriefe" aus seinem Leben (Bild: Größenwahn Verlag)

In den letzten Jahren wurden die Auseinandersetzung mit seinem Vater, die Strafparagrafen § 175, § 175a und die Auseinandersetzung mit der permanent diskriminierenden Haltung der römisch-katholischen Kirche wichtige Themen für ihn. Sein vielleicht bekanntestes Projekt, das von ihm 1991 mitgegründete Projekt "Schwul und katholisch" in der Gemeinde Maria Hilf.

Christliche Gemeinschaft von und für Schwule, Lesben und ihre Freund*nnen in der Gemeinde Maria Hilf wird von der Kirche zwar geduldet, sein ursprünglicher Name "Katholische schwule Gemeinde" musste nach kirchenrechtlicher Beanstandung jedoch bereits 1992 aufgegeben werden.

In "Gregorsbriefe" hat Dr. Gregor Schorberger nun seine bewegende Lebensgeschichte aufgeschrieben. In Briefen schildert er seinem verstorbenen Vater seine wichtigsten Lebensstationen. Und das, wie Theologe Pierre Stutz anerkennt, "mit kämpferischer Gelassenheit." Die Autobiografie ist jetzt im Größenwahn Verlag als Taschenbuch und E-Book erschienen und u.a. bei amazon.de erhältlich. (cw/pm)

Infos zum Buch

Dr. Gregor Schorberger: Gregorsbriefe. Autobiografie. 350 Seiten. Taschenbuch: 13,9 x 21,6 cm, 19,90 € (978-3-957712-83-7). E-Book: 11,99 € (ISBN: 978-3-957712-84-4). Größenwahn Verlag. Hamburg 2021.