Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?38933

Homophober Terrorakt

Höchststrafe im Prozess um tödlichen Messerangriff in Dresden

Lebenslang plus Sicherungsverfahrung unter Vorbehalt – das ist das Urteil gegen den Islamisten Abdullah A., der letztes Jahr aus Homophobie ein schwules Paar mit einem Messer attackiert und einen der Männer getötet hatte.


Das Oberlandesgericht Dresden hat sein Urteil gefällt (Bild: Fred Romero / flickr)

Im Prozess um einen mutmaßlich islamistisch motivierten Messerangriff auf ein schwules Paar in Dresden hat das sächsische Oberlandesgericht die Höchststrafe gegen den Angeklagten verhängt. Das Gericht verurteilte Abdullah A. unter anderem wegen Mordes und versuchten Mordes am Freitag zu lebenslanger Haft. Damit kann der Täter frühestens nach 15 Jahren zur Bewährung auf freien Fuß gesetzt werden.

Zudem stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest und behielt sich die anschließende Anordnung von Sicherungsverwahrung vor. Das bedeutet, dass zu gegebener Zeit geprüft werden muss, ob der Straftäter noch eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellt und weiter hinter Gittern bleiben muss, obwohl er seine Haftstrafe bereits abgesessen hat.

Das OLG verurteilte A. auch wegen gefährlicher Körperverletzung. Mit ihrem Urteil folgten die Richter den Forderungen der Bundesanwaltschaft. Die Verteidigung hatte nicht auf ein bestimmtes Strafmaß plädiert, sondern für den 21-jährigen Angeklagten die Anwendung des Jugendstrafrechts gefordert.

"Es ist eine Tat, die tatsächlich fassungslos macht", sagte der Vorsitzende des Senats, Hans Schlüter-Staats. Die Tat sei zweifelsfrei nachgewiesen: "Der Angeklagte handelte in radikal-islamistischer Gesinnung in den Bestreben, Repräsentanten einer von ihm abgelehnten freiheitlich demokratischen Gesellschaft zu töten." A. habe ohne Anlass zwei Menschen angegriffen, um sie allein wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer von ihm als ungläubig angesehenen Gesellschaft zu töten. Er habe ihnen deswegen das Lebensrecht abgesprochen und sie aufgrund ihrer homosexuellen Orientierung als besonders geeignete Opfer angesehen. Er habe "ein Leben ausgelöscht, das andere zerstört, erschüttert, beschädigt". Die Verletzungen der Männer zeugten davon, "mit welcher Wucht und absoluten Tötungsabsicht er zugestochen hat", und einer habe "nur durch glückliche Fügung" überlebt.

Der Vorbehalt der Sicherungsverwahrung wie bei Heranwachsenden spielt laut Schlüter-Staats keine Rolle dafür, wie lange A. eingesperrt bleiben muss. Lebenslang könne nur zur Bewährung ausgesetzt werden, wenn von ihm keine Gefahr mehr ausginge. Dass der Senat sie nicht verhängte, sei Zeichen des freiheitlichen Strafrechts, "das die Resozialisierung auch des schlimmsten Straftäters für möglich hält". Momentan sehen die Richter das allerdings nicht bei dem Syrer.

Attacke gegen "Feinde Gottes"

Der als islamistischer Gefährder eingestufte Täter hatte am 4. Oktober in der Dresdner Altstadt unvermittelt auf zwei Männer aus Nordrhein-Westfalen eingestochen, weil er sie als gleichgeschlechtliches Paar identifiziert hatte. Das 55-jährige Opfer Thomas L. aus Krefeld starb nach dem Messerangriff, sein 53-jähriger Partner aus Köln überlebte den Anschlag schwer verletzt (queer.de berichtete). Die beiden Opfer hatten zusammen Urlaub in Sachsen gemacht. Der Angeklagte soll Homosexuelle pauschal als "Feinde Gottes" ansehen, die den Tod verdienten (queer.de berichtete).

A. war nur wenige Tage vorher aus einer knapp dreijährigen Jugendhaft entlassen worden – er war unter anderem wegen Propaganda für den Islamischen Staat und Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verurteilt worden. In Deutschland hielt er sich nur geduldet auf, weil er nicht ins Kriegsland Syrien zurückgeschickt werden durfte. Er bekam eine Reihe von Auflagen, musste sich unter anderem regelmäßig bei der Polizei melden – was er vor und selbst nach der Tat auch machte.

Zudem wurde der Täter nach seiner Haftentlassung sowohl vom Landeskriminalamt als auch vom Verfassungsschutz observiert. Die Sicherheitsbehörden gingen davon aus, dass A. "unverändert islamistisches Gedankengut vertrat" und eine hohe Gefahr bestand, dass er wieder Straftaten begehen würde. Es gab viel Kritik an der Arbeit der Behörden, die den Anschlag nicht verhindern konnten.

Nach der Tat entkam A. zunächst. Knapp drei Wochen später wurde er anhand einer DNS-Spur identifiziert und in der Innenstadt gefasst – in seinem Rucksack befand sich ein Schinkenmesser.

Für Freitagabend ab 19 Uhr laden der CSD und weitere Organisationen zu einer Kundgebung vor dem Kulturpalast ein (mehr Infos hier). (AFP/dpa/cw)

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dirk Hilbert, der CSD Dresden e.V. bedankt sich bei Ihnen, dass Sie im Namen der...

Posted by CSD Dresden e.V. on Thursday, May 20, 2021
Facebook / CSD Dresden e.V. | Die CSD-Organisator*innen wünschen sich mehr Engagement aus der Politik
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Artikel mehrfach aktualisiert



#1 Eberhard WüstlingerAnonym
  • 21.05.2021, 10:43h
  • Ein verdientes Urteil, das leider nichts wiedergutmachen kann.

    Im Gefängnis kann sich der Täter nun schön weiter radikalisieren...bis zum nächsten Anschlag, wenn vielleicht auch nicht von ihm verübt.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 SebiAnonym
  • 21.05.2021, 10:45h
  • Die einzig richtige Entscheidung.

    Dieser Fanatiker darf nie wieder auf die Menschheit losgelassen werden.

    Der Fehler, ihn schon mal aus der Haft zu entlassen, hat ein Menschenleben gekostet.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 MinnaProfil
  • 21.05.2021, 10:58hSiegen
  • Lebenslang und Sicherungsverwahrung, prinzipiell gut, Abschiebung ist damit allerdings passé.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Carsten ACAnonym
  • 21.05.2021, 10:59h
  • Diese Entscheidung hätte schon viel früher fallen müssen. Dann hätte ein Menschenleben gerettet werden können.

    Ich kann nicht verstehen, wie man "Gefährder", von denen man weiß, dass sie eine Gefahr für andere Menschen sind (und die das teilweise sogar offen zugeben), noch auf die Gesellschaft loslassen kann.

    Man sollte zugewanderte Gefährder dahin abschieben, wo sie her kommen. Da ist dann auch egal, welche Zustände dort herrschen. Denn sie hatten ihre Chance und wollten stattdessen nur Angst, Gewalt und Tod verbreiten. Dann haben sie auch keinen Schutz verdient.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Carsten ACAnonym
  • 21.05.2021, 11:11h
  • Antwort auf #3 von Minna
  • Ja, leider.

    Ich hätte ihn auch lieber abgeschoben gesehen.

    Denn wieso soll der deutsche Steuerzahler jetzt sein ganzes Leben bezahlen. Denn Haft und Sicherungsverwahrung sind teuer.

    Aber besser so als wenn er wieder mal wegen "schwerer Kindheit" und was weiß ich nicht alles, freigelassen worden wäre. Viele haben eine schwere Kindheit und haben Traumata erlebt, ohne zu Mördern zu werden.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Julian SAnonym
  • 21.05.2021, 11:44h
  • Antwort auf #2 von Sebi
  • Dir ist aber schon klar, dass der nicht automatisch in Sicherungsverwahrung kommt und dass das "lebenslänglich" eben nicht für den Rest seines Lebens ist. Leider.

    Schlimmstenfalls kann der nach 15 Jahren schon wieder auf freiem Fuß sein, wie auch im Artikel erklärt wird.

    Ich kann nur hoffen, dass das nicht passiert. Das Opfer dieser vorsätzlichen und geplanten Tat wird ja auch nicht in 15 Jahren wieder lebendig.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 LeashAnonym
  • 21.05.2021, 11:54h
  • Also nach 15 Jahren zieht er um in einer nettere Zelle mit etwas mehr Freiheiten und dann wird jährlich geprüft ob er wieder auf die Menschheit losgelassen werden kann.
    Ich bin mir sicher er wird sich vorbildlich geben, wie auch schon in seiner Jugendhaft.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 AlexAnonym
  • 21.05.2021, 12:14h
  • Nein, Abschiebung ist KEINE Option!

    Solche Typen kann man auch keinem anderen Land zumuten. In Syrien würde der wahrscheinlich einfach weiter morden. Um wirklich sicher zu gehen, dass der nie wieder freikommt, muss man ihn schon hier behalten.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 audeasAnonym
#10 MaxiAnonym