Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?38938

Deutscher Bundestag

Blutspende: CSU-Politiker will Diskriminierung beenden

Nicht die sexuelle Orientierung, sondern "individuelles Risikoverhalten" soll bei allen Spendenden ausschlaggebend sein, fordert der Arzt und CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger.


Schwule und bisexuelle Männer dürfen in Deutschland nur Blut spenden, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex gehabt haben (Bild: Keine Autoreninfo)

Aus der Unionsfraktion kommen Signale für eine Aufweichung des Blutspendeverbots für schwule und bisexuelle Männer. Die bisher vorgegebene Zeit der Enthaltsamkeit vor einer Spende von zwölf Monaten solle auf sechs bis acht Wochen verkürzt werden, sagte der CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger dem "Münchner Merkur" vom Samstag. Dazu solle die Koalition einen Antrag in den Bundestag einbringen.

Schwule und bisexuelle Männer werden in Deutschland seit Jahrzehnten pauschal anders behandelt als spendewillige Heterosexuelle – und auch trans Menschen werden in den Richtlinien der Bundesärztekammer pauschal als besondere Gefahrengruppe identifiziert. Die Regelungen gehen auf die Anfangszeiten der Aids-Epidemie in den Achtzigerjahren zurück, als Männer, die Sex mit Männern haben, vollständig vom Blutspenden ausgeschlossen worden waren. Seit 2017 dürfen schwule und bisexuelle Männer wieder spenden – allerdings nur, wenn sie versichern, ein Jahr keinen Sex gehabt zu haben (queer.de berichtete).

"Fachlich nicht mehr wirklich begründbar"


Stephan Pilsinger (CSU) ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestags (Bild: Steffen Prößdorf / wikipedia)

Diese Vorschrift sei "fachlich nicht mehr wirklich begründbar", sagte Pilsinger, der neben seinem Bundestagsmandat in Teilzeit als Arzt in einer Hausarztpraxis im Münchner Umland arbeitet. Denn bereits nach Ablauf von sechs bis acht Wochen könne mithilfe eines modernen Antikörpertests festgestellt werden, ob eine HIV-Infektion bestehe oder nicht. Deshalb solle auch nur dieses Zeitfenster ausschlaggebend sein. Der Zeitraum von einem Jahr sei eine willkürliche Grenze.

Es müsse auch "einen Unterschied machen, ob jemand einen festen Partner oder wechselnde Partner hat – und ob der Verkehr geschützt oder ungeschützt war", sagte Pilsinger. Bei Homosexuellen müsse wie bei Heterosexuellen "zukünftig das individuelle Risikoverhalten" ausschlaggebend sein und "keine Pauschalität". Ansonsten handele es sich um ungerechtfertigte Diskriminierung. Die Gesellschaft könne es sich außerdem nicht leisten, potenzielle Blutspender ohne medizinisch gerechtfertigten Grund abzuweisen.

Im Landtag verteidigte die CSU das Blutspendeverbot

Zum Thema Blutspende kommen aus der CSU sehr unterschiedliche Signale. Noch im Dezember vergangenen Jahres hatte die CSU im bayerischen Landtag zusammen mit den Freien Wählern und der AfD gegen einem Antrag gestimmt, die Diskriminierung bei der Blutspende über eine Bundesratsinitiative zu beenden. Gesundheitspolitiker Bernhard Seidenath erklärte damals, dass es im "Interesse des Empfängers" sei, dass seine Gesundheit durch vermeintlich risikobehaftete Blutspenden "nicht beeinträchtigt" werde (queer.de berichtete).

Zuvor hatte die CSU-Politikerin Emmi Zeulner das Spendenverbot im Mai 2020 im Bundestag verteidigt (queer.de berichtete). Der parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Stefan Müller, sprach sich dagegen vor wenigen Wochen für eine Beendigung der Diskriminierung aus (queer.de berichtete).

Erst in der vergangenen Woche hatte die Bundesärztekammer den pauschalen Ausschluss von schwulen und bisexuellen Männern beim Blutspenden in einer Pressemitteilung verteidigt (queer.de berichtete). (cw/AFP)



#1 TheoAnonym
  • 22.05.2021, 09:13h
  • Ob 6 bis 8 Wochen oder 12 Monate kein Sex: solange für alle Menschen, die Blut spenden wollen, nicht diselben Regeln gelten, ist und bleibt es weiterhin Diskriminierung.
    Und auch diese zwar nicht willkürlich gesetzte Grenze ist immer noch einwandfrei an der Realität vorbeigerauscht.

    Von "beenden wollen" ist der gute Herr weit, weit entfernt!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 MonacoFranzeAnonym
  • 22.05.2021, 10:06h
  • Antwort auf #1 von Theo
  • Pilsinger frisst gerade Kreide. Im Wahlkampf vor 4 Jahren noch Gloria von Thurn und Taxis und Prälat Inkamp eingeladen. Er muss jetzt fürchten, dass die Grünen ihm sein Direktmandat wegnehmen. In den aktuellen Umfragen gehen alle Münchner Direktmandate an die Grünen. Auf einmal entdeckt der Klerikalabgeordnete sein Herz für Schwule. Nehmt das nicht für bare Münze.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 MinnaProfil
#4 MonacoFranzeAnonym
  • 22.05.2021, 14:07h
  • Antwort auf #3 von Minna
  • Eben, der Bezirk ist gut situiert. Heutzutage wählen SUV-Fahrer grün, na und? Hat schon die letzte Landtagswahl 2018 gezeigt: In München Grüne 31%, CSU 25%, 5 von 9 Direktmandate gingen an die Grünen. Die Tendenz wird sich im Herbst eher noch verstärken.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 AlexAnonym
  • 22.05.2021, 15:10h
  • Schön, dass es noch Leute gibt, die Vernunft über Ideologie stellen.

    Wollen wir hoffen, dass sich das durchsetzt.

    Aber ich halte jede Wette, dass die SPD dann behaupten wird, es sei ihr Verdienst.
  • Antworten » | Direktlink »