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Sachbuch

Neues Handbuch über Intergeschlechtlichkeit

Mit ihrem im Querverlag erschienenen Band "Inter" will die Autorin und Grafikerin Carolin Fritzsche einen "Überblick und Einstieg in das Thema Intergeschlechtlichkeit" ermöglichen – es ist ihr bedingt gelungen.


Symbolbild: Inter Aktivist*innen beim Auckland Pride 2020 (Bild: The Green Party of Aotearoa)
  • Von Katja Anton Cronauer
    23. Mai 2021, 07:41h, noch kein Kommentar

"Intergeschlechtliche Menschen werden aufgrund gesellschaftlicher Normierungen, Rollenbilder und Stereotype alltäglich diskriminiert, tabuisiert und unsichtbar gemacht", schreibt Carolin Fritzsche treffend in dem neu erschienenen Buch "Inter". Ein leicht zugängliches Handbuch zur Aufklärung klingt daher nach einer guten Idee.

In der Einführung des im Berliner Querverlag erschienenen Bandes schreibt die Autorin denn auch, ihr Ziel sei es, "einen Überblick und Einstieg in das Thema Intergeschlechtlichkeit zu ermöglichen". Leider stellen manche Erklärungen von Begriffen und Schreibweisen in dem Buch nur eine unter vielen Perspektiven dar – ohne darauf hinzuweisen, dass dem so ist.

Forderungen der inter Community gut wiedergegeben


"Inter" ist im Berliner Querverlag als Taschenbuch erschienen, eine E-Book-Version des Handbuchs ist nicht erhältlich

Dennoch gelingt Fritzsche einiges Wichtiges: Sie erklärt verständlich, was Intergeschlechtlichkeit ist und wie viele intergeschlechtliche Menschen es gibt, und sie verschweigt auch nicht die Tatsache, dass inter Personen – auch in Deutschland und auch heute noch – unnötig und mit lebenslangen negativen Folgen operiert werden.

Zudem werden die Forderungen der inter Community gut wiedergegeben. Etwa "geschlechtsverändernde invasive und irreversible Genitalveränderungen und Hormonbehandlungen, die nicht medizinisch notwendig sind" zu beenden und zu ermöglichen, dass inter Menschen "aussagekräftig, informiert und selbstbestimmt Entscheidungen über den eigenen Körper" treffen können. Auch weist das Buch darauf hin, dass das im März vom Bundestag beschlossene Verbot von Geschlechts-OPs bei inter Kindern lückenhaft ist.

Fragwürdige Literaturempfehlungen

Das Buch enthält zudem gute Links zu Organisationen und Filmtipps, um sich weiter zu informieren. Leider trifft dies nicht auf die aufgeführten Bücher zu: Eine im Band angegebene (schon länger nicht mehr aktualisierte!) Webseite mit Literaturempfehlungen ("Kittys Leseecke") ist mit Vorsicht zu genießen, da sich dort auch nicht zu empfehlende Bücher zum Thema Intergeschlechtlichkeit finden.

Unter den wenigen im Handbuch empfohlenen Büchern ist außerdem mindestens ein Titel, dessen Deutungen kritisch betrachtet werden sollten, zwei weitere Titel sind veraltet und meines Erachtens nicht sonderlich hilfreich. All dies scheint mir für ein einführendes Handbuch nicht angebracht. Die anderen vier empfohlenen Bücher sind gut – es fehlen aber auch wichtige Own-Voices-Bücher, die mit reingehört hätten.

Wenn keine allzu umfassenden Hintergründe gewünscht sind, ist Carolin Fritzsches Handbuch mit Einschränkung zu empfehlen. Sofern Lust auf mehr Text besteht, rate ich eher zu "Intersexualität – Intersex: Eine Intervention" (2012) von Heinz-Jürgen Voß sowie "Inter: Erfahrungen intergeschlechtlicher Menschen in der Welt der zwei Geschlechter" (2017) aus dem NoNo Verlag.

Infos zum Buch

Carolin Fritzsche: Inter. Ein Handbuch über Intergeschlechtlichkeit. 96 Seiten. Querverlag. Berlin 2021. Taschenbuch: 20 € (ISBN: 978-3-89656-293-7)