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Fünffache Olympiateilnehmerin

Imke Duplitzer erhält Preis für couragierte Lesben

Die Fechterin Imke Duplitzer wird im Juni mit dem "CouLe" für ihr Engagement und ihre Sichtbarkeit als lesbische Spitzensportlerin geehrt. Die Landesarbeitsgemeinschaft Lesben NRW vergibt den Preis zum vierten Mal.


Die Degenfechterin und mehrfache deutsche Meisterin Imke Duplitzer outete sich 2001 als lesbisch (Bild: JATPHOTO / wikipedia)
  • Von Jeja Klein
    23. Mai 2021, 14:51h, noch kein Kommentar

Die fünffache Olympia-Degenfechterin Imke Duplitzer erhält im kommenden Monat den "CouLe", den Preis für couragierte Lesben der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben NRW. Duplitzer trat bereits während ihrer aktiven Zeit als Leistungssportlerin offen lesbisch auf. Immer wieder sprach sie sich öffentlich gegen Sexismus und Homophobie im Sport aus. Den Deutschen Olympischen Sportbund kritisierte sie für Desinteresse an und Ausverkauf von Sportler*innen.

Anlässlich der Winter-Olympiade im russischen Sotschi 2014 äußerte sich Imke Duplitzer zur menschenrechtlichen Situation von queeren Menschen in Russland und forderte ein Fernbleiben europäischer Politiker: "Keine Eröffnungsfeier, keine Shakehand-Bilder, keine großen Gesten. Wenn Sie Ihren Sportlern Glück wünschen möchten – schicken Sie ein Telegramm". Schon zu den Spielen in Peking 2008 äußerte sie sich zur Menschenrechtslage in der Diktatur und kündigte ihr Fernbleiben von der Eröffnungsfeier an.

Duplitzer: "Ich bin normal"

Ihre Kritik richtete sich auch immer wieder gegen westliche Sportfunktionäre, denen sie vorwarf, von einem "unpolitischen Sport" zu "schwafeln", um sich nicht mit unbequemen Themen wie den Menschenrechten oder der Meinungsfreiheit in den Ländern zu beschäftigen, an die sie die Ausrichtung von internationalen Großveranstaltungen vergeben. In diesem Zusammenhang sah sie auch eine Abkehr von den sportlichen und olympischen Werten zugunsten wirtschaftlicher Interessen. Das Internationale Olympische Komitee nannte sie mal einen "Feudalherrscherclub, dem man nur auf Einladung beitreten kann". Über homosexuelle Sportler*innen sagte sie 2013, diese würden gemobbt, geschnitten und missachtet. Sie sei es leid, "wie ein Zirkustier begafft und behandelt" zu werden. "Ich will nicht behandelt werden, als wäre ich normal. Ich bin normal", so Duplitzer in einem Interview mit der "Berliner Zeitung".

Duplitzer ist siebenfache deutsche Meisterin, zweifache Europameisterin im Einzel und Vizeweltmeisterin von 2002 im Einzel. Sie holte bei den Olympischen Sommerspielen in Athen 2004 die silberne Medaille, nahm insgesamt fünfmal an den Spielen teil. Beim schwul-lesbischen Sportverein SC Janus leitet sie die Fechtabteilung. Imke Duplitzer hatte sich 2001 als lesbisch geoutet und danach zunächst mit Nachteilen und Diskriminierung zu kämpfen. Sponsoren zogen sich zurück und die Medien verloren das Interesse. Auch darüber hatte sie sich öffentlich geäußert – was in Zeiten vor Social Media weit weniger selbstverständlich war als heute.

Von 2014 bis 2018 war Imke Duplitzer Mitglied des LSVD-Bundesvorstands (queer.de berichtete). Die 45-Jährige ist Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen. 2014 kandidierte sie auf dem (erfolglosen) Listenplatz 17 für die Europawahl.

Preis wird im Juni zum vierten Mal vergeben

Stattfinden soll die Preisverleihung am Samstag, den 19. Juni. Anmeldungen zur Teilnahme an dem Online-Event werden bis zum 30. Mai an anmeldung@lesben-nrw.de erbeten. Der Einwahl-Link wird nach der Anmeldung verschickt.

Im Jahr 2019 erhielten die Macherinnen des seit 2005 bestehenden Forschungsportals lesbengeschichte.org den nun zum vierten Mal vergebenen Preis. Die Aktivistin Constance Ohms bekam ihn 2018 (queer.de berichtete). Ohms hat den Frankfurter Verein Broken Rainbows mitgegründet, der sich der Gewaltprävention und Antidiskriminierung verschrieben hat. Als eine von wenigen wagte sie es bereits in den Neunzigerjahren, über Gewalt in lesbischen Beziehungen zu reden. Im Jahr davor ging der "CouLe" an María do Mar Castro Varela. Die 57-jährige Politikwissenschaftlerin hat den Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik und Soziale Arbeit mit Schwerpunkt in den Gender und Queer Studies an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin inne. Von ihr erschienen zuletzt Buchbeiträge zu Theorien des Postkolonialismus.