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Neues Wahlkampfthema
CDU-Landeschef will staatlichen Stellen geschlechtergerechte Sprache verbieten
Selbst Formulierungen wie "Studierende" sind für den Hamburger CDU-Abgeordneten Christoph Ploß "Zerstörung unserer deutschen Sprachkultur" und "ideologisches Umerziehungsprojekt".

Christoph Ploß, Jahrgang 1985, ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages und seit September 2020 Vorsitzender der CDU Hamburg (Bild: Jenny Paul / wikipedia)
- 25. Mai 2021, 05:10h 2 Min.
Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß will es allen staatlichen Stellen untersagen, eine geschlechtergerechte Sprache zu benutzen. "Zu Hause am Abendbrottisch sollte selbstverständlich jeder, der das möchte, nach Herzenslust gendern können", sagte der Bundestagsabgeordnete in einem "Spiegel"-Interview (Bezahlartikel). "Aber von Beamten, Lehrkräften und Dozenten erwarte ich, dass sie im Dienst gültige Regeln und Normen nicht einfach willkürlich verändern." Deshalb sei für staatliche Stellen ein Gesetz nötig, wie es auch in Frankreich diskutiert werde.
Ploß lehnt etwa Formulierungen wie "Zuhörende" statt "Zuhörer" und die Nutzung des Gendersternchens ("Wähler*innen") in der Schriftsprache ebenso ab wie eine Kunstpause vor der zweiten Worthälfte ("Politiker_innen") in der gesprochenen Sprache.
Ploß: Verbotsforderung gehört ins Regierungsprogramm
Der CDU-Landeschef erklärte, er setze sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein und für eine Sprache, die zusammenführe. "Daher wehre ich mich dagegen, dass von Behörden, Ministerien, Schulen und Universitäten, also staatlichen Einrichtungen, eine grammatisch falsche, künstliche und ideologisch motivierte Gendersprache verwendet wird, die ständig das Trennende betont." Sprache sei für die Kultur und das Zusammenleben von enormer Bedeutung. "Daher sollte dieser Punkt Eingang in das gemeinsame Regierungsprogramm von CDU und CSU finden."
Bereits in seinem am 14. Mai in der Tageszeitung "Die Welt" veröffentlichten Gastbeitrag "Eine staatliche Genderpolizei dürfen wir nicht hinnehmen" hatte Christoph Ploß gendergerechte Sprache als "ideologisches Umerziehungsprojekt" und "Zerstörung unserer deutschen Sprachkultur" bezeichnet. "Hinter der Gender-Sprache verbirgt sich ein Weltbild, das Menschen in bestimmte Kategorien – wie das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung – einsortiert", kritisierte der CDU-Politiker. "Die bürgerliche Mitte muss auch in Deutschland endlich aufwachen und einer spalterischen linken Identitätspolitik entschlossen entgegentreten."
Auch in dem Gastbeitrag behauptete Ploß, dass geschlechtergerechte Sprache ausgrenze, schuf jedoch selbst einen angeblichen Widerspruch zwischen "hart arbeitenden Menschen" und Personen, die inklusive Formulierungen benutzen: "Wie soll ein Politiker hart arbeitende Menschen in Deutschland erreichen, wenn diese seine gekünstelte Sprache nicht verstehen?" (cw/dpa)














