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Geschlechtergerechte Sprache

Gesellschaft für deutsche Sprache gegen Gender­sternchen bei staatlichen Stellen

Für den Chef der deutschen Sprachschützer*innen widersprechen Gendersternchen und Co. der "Norm, an die wir uns zu halten haben".


Ein kleines Sternchen führt zu heftigem Streit (Bild: Catherine / flickr)

  • 26. Mai 2021, 09:46h 36 2 Min.

Der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Peter Schlobinski, hält Gendersternchen und Genderdoppelpunkte im Schriftverkehr von staatlichen Stellen und an Universitäten nicht für gedeckt mit den in Deutschland geltenden Rechtschreibregeln. "Für die offizielle Schreibung in Institutionen, Verwaltungen, Schulen, Universitäten haben wir den Rechtschreibrat", sagte der Sprachwissenschaftler dem Berliner "Tagesspiegel" laut Vorabmeldung vom Mittwoch. Dies sei "die Norm, an die wir uns zu halten haben".

"Wenn jetzt jeder davon abweicht – wir haben in Hannover den Stern, in Lübeck den Doppelpunkt -, dann führt das zu einer nicht vereinheitlichten Rechtschreibung", sagte Schlobinski. Dies sei "einfach nicht mit dem Auftrag, den die Kultusministerkonferenz dem Rechtschreibrat gegeben hat", gedeckt. Schreibungen etwa mit dem Sternchen führten "zu vielen sinnlosen und linguistisch widersprüchlichen Formen".

Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß hatte sich zuletzt für ein Verbot der Gendersprache bei staatlichen Stellen eingesetzt (queer.de berichtete). Von "Beamten, Lehrkräften und Dozenten" erwarte er, dass sie im Dienst gültige Regeln und Normen nicht "willkürlich" veränderten. Deshalb sei für staatliche Stellen ein Gesetz nötig.

Schlobinski: Queere Menschen im Genussystem nicht abgebildet

Das Drei-Genus-System im Deutschen – also Maskulinum, Femininum, Neutrum – habe sich bereits im Spätindogermanischen etabliert, sagte Schlobinski. "Und das steht sozusagen quer zu der Frage, ob ich intersexuelle, queere und andere Personen mitbezeichne oder nicht." Das sei im Genussystem nicht abgebildet.

"Also Genus auf der einen Seite und Sexus und Gender auf der anderen Seite – das ist in verschiedenen Punkten nicht miteinander kompatibel", sagte Schlobinski. Es gehe hier daher im Kern um gesellschaftliche Auseinandersetzungen – und dahinter stünden Machtkämpfe.

Bereits vergangenes Jahr hatte sich die Gesellschaft für deutsche Sprache in einer Pressemitteilung gegen das Gendersternchen ausgesprochen (queer.de berichtete). Gleichzeitig gab die in Wiesbaden ansässige Organisation zu, keine Lösung für das Problem der Geschlechtergerechtigkeit in der deutschen Sprache anbieten zu können.

Das Wort "Gendersternchen" war der Anglizismus des Jahres 2018 (queer.de berichtete). (AFP/cw)

-w-

#1 AtreusEhemaliges Profil
  • 26.05.2021, 12:18h
  • Die unvergleichliche Natascha Strobl hat auf Twitter eine krachende Replik auf die Liebesbekundung des Vereins gegenüber Ploß verfasst und gekonnt den sprachlichen Spiegel vorgehalten. Da der Thread als Zitat hier den Rahmen sprengen würde, verlinke ich ihn stattdessen:

    twitter.com/Natascha_Strobl/status/1393181792417484800
  • Direktlink »
#2 LinguistikAnonym
  • 26.05.2021, 13:58h
  • Antwort auf #1 von Atreus
  • 1. Natascha Strobl ist KEINE Linguistin. Wieso wird bei sprachlichen Fragen eher auf Laien gehört statt auf Expertzen? Das würde man in keinem anderen Wissenschafts-Bereich so machen. Oder würde man Atomkraftwerke von Soziologen bauen lassen oder Politologen Menschen operieren lassen?

    2. Die von Dir zitierte Antwort Strobls bezieht sich auf den VDS (Verein deutsche Sprache) und nicht auf die GfdS (Gesellschaft für deutsche Sprache).

    Während ersteres ein Laienverein von Sprachpflegern ist, ist letzteres (worauf sich dieser Artikel hier bezieht) eine Fachgesellschaft von Sprachwissenschaftlern.
  • Direktlink »
#3 LinguistikAnonym
  • 26.05.2021, 14:10h
  • Ich kann mich als Linguist nur meinen Fachkollegen anschließen:

    1.
    Das Gendersternchen verschlechtert die Lesbarkeit von Texten. Und zwar sowohl die Qualität als auch die Quantität der Informationsentnahme.

    2.
    Das grammatische Genus hat nichts mit dem biologischen Geschlecht, dem psychologischen Geschlecht oder dem sozialen Geschlecht zu tun (also auch nicht mit Gender-Begriffen).

    Das gilt übrigens nicht nur für die maskuline Form, sondern es gibt ja auch feminine Formen, die für Männer gelten (z.B. heißt es auch "die Person" oder "die Geisel", wenn ein Mann gemeint ist). Und auch bei Neutra (z.B. heißt es "das Kind" oder "das Opfer" unabhängig vom biologischen Geschlecht). Und wenn ich sage, dass ich Katzen mag, mag ich selbstverständlich auch Kater.

    Auch sprachhistorisch hat das grammatische Genus nichts mit Geschlecht von Lebewesen zu tun.

    3.
    Was soll daran Gleichstellung sein, wenn ich aus einer Form, die eigentlich unabhängig vom Geschlecht gilt, eine rein männliche Form mache und dann Frauen zum Anhängsel "innen" dieser Form degradiere, die nur deshalb rein männlich wird, weil ich Frauen zu einem "innen"-Anghängsel degradiere?!

    4.
    Es ist doch wohl unbestreitbar, dass Frauen, Transgender, Transsexuelle, Intersexuelle, etc. Diskriminierung erfahren. Aber glaubt irgendwer, das ändert sich, indem man Sprache komplizierter macht und damit das Ganze eher lästig erscheinen lässt?

    Die Politiker, die gerne immer wieder Orwell'sche Sprachpolizei spielen wollen, wollen damit nur davon ablenken, dass sie gegen wirklich Diskriminierung (Gender Pay Gap, Glass Ceiling-Effekt, etc.) nichts unternehmen. Wer wirklich Gleichstellung will, setzt endlich paritätische Quoten durch, macht gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit verpflichtend, etc. Aber lenkt nicht von der Untätigkeit in diesen Bereichen ab, indem man etwas vorschreibt, was genau wie Binnen-Majuskeln, Unterstriche und all die anderen bisherigen Versuche zum Scheitern verurteilt ist, weil Sprache eben nicht so funktioniert.

    Deshalb:
    statt sich mit sowas zu beschäftigen, erwarte ich eher ECHTE Gleichstellung von Frauen und auch von LGBTIQ. Dafür sind solche Ideen kontraproduktiv.
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