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Geschlechtergerechte Sprache

Gesellschaft für deutsche Sprache gegen Gendersternchen bei staatlichen Stellen

Für den Chef der deutschen Sprachschützer*innen widersprechen Gendersternchen und Co. der "Norm, an die wir uns zu halten haben".


Ein kleines Sternchen führt zu heftigem Streit (Bild: Catherine / flickr)

Der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Peter Schlobinski, hält Gendersternchen und Genderdoppelpunkte im Schriftverkehr von staatlichen Stellen und an Universitäten nicht für gedeckt mit den in Deutschland geltenden Rechtschreibregeln. "Für die offizielle Schreibung in Institutionen, Verwaltungen, Schulen, Universitäten haben wir den Rechtschreibrat", sagte der Sprachwissenschaftler dem Berliner "Tagesspiegel" laut Vorabmeldung vom Mittwoch. Dies sei "die Norm, an die wir uns zu halten haben".

"Wenn jetzt jeder davon abweicht – wir haben in Hannover den Stern, in Lübeck den Doppelpunkt -, dann führt das zu einer nicht vereinheitlichten Rechtschreibung", sagte Schlobinski. Dies sei "einfach nicht mit dem Auftrag, den die Kultusministerkonferenz dem Rechtschreibrat gegeben hat", gedeckt. Schreibungen etwa mit dem Sternchen führten "zu vielen sinnlosen und linguistisch widersprüchlichen Formen".

Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß hatte sich zuletzt für ein Verbot der Gendersprache bei staatlichen Stellen eingesetzt (queer.de berichtete). Von "Beamten, Lehrkräften und Dozenten" erwarte er, dass sie im Dienst gültige Regeln und Normen nicht "willkürlich" veränderten. Deshalb sei für staatliche Stellen ein Gesetz nötig.

Schlobinski: Queere Menschen im Genussystem nicht abgebildet

Das Drei-Genus-System im Deutschen – also Maskulinum, Femininum, Neutrum – habe sich bereits im Spätindogermanischen etabliert, sagte Schlobinski. "Und das steht sozusagen quer zu der Frage, ob ich intersexuelle, queere und andere Personen mitbezeichne oder nicht." Das sei im Genussystem nicht abgebildet.

"Also Genus auf der einen Seite und Sexus und Gender auf der anderen Seite – das ist in verschiedenen Punkten nicht miteinander kompatibel", sagte Schlobinski. Es gehe hier daher im Kern um gesellschaftliche Auseinandersetzungen – und dahinter stünden Machtkämpfe.

Bereits vergangenes Jahr hatte sich die Gesellschaft für deutsche Sprache in einer Pressemitteilung gegen das Gendersternchen ausgesprochen (queer.de berichtete). Gleichzeitig gab die in Wiesbaden ansässige Organisation zu, keine Lösung für das Problem der Geschlechtergerechtigkeit in der deutschen Sprache anbieten zu können.

Das Wort "Gendersternchen" war der Anglizismus des Jahres 2018 (queer.de berichtete). (AFP/cw)



#1 AtreusProfil
#2 LinguistikAnonym
  • 26.05.2021, 13:58h
  • Antwort auf #1 von Atreus
  • 1. Natascha Strobl ist KEINE Linguistin. Wieso wird bei sprachlichen Fragen eher auf Laien gehört statt auf Expertzen? Das würde man in keinem anderen Wissenschafts-Bereich so machen. Oder würde man Atomkraftwerke von Soziologen bauen lassen oder Politologen Menschen operieren lassen?

    2. Die von Dir zitierte Antwort Strobls bezieht sich auf den VDS (Verein deutsche Sprache) und nicht auf die GfdS (Gesellschaft für deutsche Sprache).

    Während ersteres ein Laienverein von Sprachpflegern ist, ist letzteres (worauf sich dieser Artikel hier bezieht) eine Fachgesellschaft von Sprachwissenschaftlern.
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#3 LinguistikAnonym
  • 26.05.2021, 14:10h
  • Ich kann mich als Linguist nur meinen Fachkollegen anschließen:

    1.
    Das Gendersternchen verschlechtert die Lesbarkeit von Texten. Und zwar sowohl die Qualität als auch die Quantität der Informationsentnahme.

    2.
    Das grammatische Genus hat nichts mit dem biologischen Geschlecht, dem psychologischen Geschlecht oder dem sozialen Geschlecht zu tun (also auch nicht mit Gender-Begriffen).

    Das gilt übrigens nicht nur für die maskuline Form, sondern es gibt ja auch feminine Formen, die für Männer gelten (z.B. heißt es auch "die Person" oder "die Geisel", wenn ein Mann gemeint ist). Und auch bei Neutra (z.B. heißt es "das Kind" oder "das Opfer" unabhängig vom biologischen Geschlecht). Und wenn ich sage, dass ich Katzen mag, mag ich selbstverständlich auch Kater.

    Auch sprachhistorisch hat das grammatische Genus nichts mit Geschlecht von Lebewesen zu tun.

    3.
    Was soll daran Gleichstellung sein, wenn ich aus einer Form, die eigentlich unabhängig vom Geschlecht gilt, eine rein männliche Form mache und dann Frauen zum Anhängsel "innen" dieser Form degradiere, die nur deshalb rein männlich wird, weil ich Frauen zu einem "innen"-Anghängsel degradiere?!

    4.
    Es ist doch wohl unbestreitbar, dass Frauen, Transgender, Transsexuelle, Intersexuelle, etc. Diskriminierung erfahren. Aber glaubt irgendwer, das ändert sich, indem man Sprache komplizierter macht und damit das Ganze eher lästig erscheinen lässt?

    Die Politiker, die gerne immer wieder Orwell'sche Sprachpolizei spielen wollen, wollen damit nur davon ablenken, dass sie gegen wirklich Diskriminierung (Gender Pay Gap, Glass Ceiling-Effekt, etc.) nichts unternehmen. Wer wirklich Gleichstellung will, setzt endlich paritätische Quoten durch, macht gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit verpflichtend, etc. Aber lenkt nicht von der Untätigkeit in diesen Bereichen ab, indem man etwas vorschreibt, was genau wie Binnen-Majuskeln, Unterstriche und all die anderen bisherigen Versuche zum Scheitern verurteilt ist, weil Sprache eben nicht so funktioniert.

    Deshalb:
    statt sich mit sowas zu beschäftigen, erwarte ich eher ECHTE Gleichstellung von Frauen und auch von LGBTIQ. Dafür sind solche Ideen kontraproduktiv.
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#4 AtreusProfil
  • 26.05.2021, 14:25hSÜW
  • Antwort auf #2 von Linguistik
  • Das ist äußerst leicht zu beantworten: Weil (fast) jede*r Bundesbürger*in sprechen und schreiben kann, damit aktiver Teil der deutschen Sprach- und Schriftkultur ist und somit jedwedes Recht hat, sich an der Debatte zu beteiligen.

    Zu Punkt II: Inhaltlich ist zwischen Gesellschaft und Verein keinerlei Differenz zu erkennen. Das gilt sowohl für die sprach- und schriftliche Unterdrückung nonbinärer und anderer ausgeschlossener Menschen, als auch für die Anbiederung an rechtskonservative bis rechtsradikale Politiker, die den Wunsch nach Sichtbarkeit als Wahlkampfmittel missbrauchen.
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#5 LinguistikAnonym
  • 26.05.2021, 14:38h
  • Antwort auf #4 von Atreus
  • Zu 1:
    Umgekehrt wird ein Schuh draus: nicht jeder, der einen Text korrekt schreiben kann, hat deshalb auch Ahnung davon, wie Sprache funktioniert.

    Genauso wie wir alle einen Körper haben und unseren eigenen Körper auch relativ gut kennen, aber dennoch keine Mediziner sind.

    Zu 2:
    Damit zeigst Du, dass Du Dich gar nicht informiert hast, sondern einfach mal los polterst.

    Erstens haben die beiden durchaus sehr unterschiedliche Positionen. Nicht nur in anderen Bereichen (z.B. bei der lächerlichen Anglizismenkritik des VDS, die von allen Fachleuten auch als lächerlich entlarvt wird), sondern auch bei inklusiver Sprache. Die GfdS kritisiert oft und zahlreich den VDS.

    Und zweitens:
    soll man denn wissenschaftliche Korrektheit negieren oder gar etwas behaupten, von dem man weiß, dass es wissenschaftlich unhaltbar ist, nur weil vielleicht eine unliebsame Partei dieselbe Meinung (wenn auch ohne wissenschaftliche Fundierung) hat?

    Und drittens:
    es geht dabei eben nicht um Unterdrückung oder Unsichtbarmachung von nichtbinären Personen o.ä. Das genaue Gegenteil ist der Fall: die Kritik an Genderstern & Co erläutert ja, warum damit das genaue Gegenteil erzielt wird.

    Ich habe ja oben auch erläutert, warum das "innen"-Anhängsel sexistisch und misogyn ist.

    Es geht ja gerade um echte Gleichstellung. Aber wenn man natürlich nur auf Sternchen fixiert ist und gleich los poltert, ohne sich die Argumente anzuhören, kann man da wenig gegen tun.
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#6 AtreusProfil
  • 26.05.2021, 15:26hSÜW
  • Antwort auf #5 von Linguistik
  • "Genauso wie wir alle einen Körper haben und unseren eigenen Körper auch relativ gut kennen, aber dennoch keine Mediziner sind."

    Vergleiche sind nicht deine Stärke, kann das sein? Ich sprach vom Teilhaberecht an der Debatte. Dafür muss ich weder Linguist sein, noch mich online als solcher ausgeben.
    Ebensowenig muss ich Proktologe sein, um wochenlangen Spritzpfiff als anormal kommentieren - und auch kein Ernährungswissenschaftler, um "übermäßiger Zuckerkonsum ist schlecht für den Körper" sagen zu dürfen.

    Und so wie ich, gegen jede ärztliche Kunde, meinem Körper bewusst zu viel Zucker zuführe, entscheide ich auch selbst, gegen jeden hochprofessoralen Zeigefinger, wie ich spreche und schreibe und ob ich den Stern nun verwende oder nicht. Selbiges möchte ich jedem Menschen ans Herz legen. Wird in Fachkreisen auch Selbstbestimmung genannt.

    "Zwei Menschen, die sich nicht verstehen: wie dramatisch!" - Roger Willemsen
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#7 queergayProfil
  • 26.05.2021, 16:57hNürnberg
  • Antwort auf #3 von Linguistik
  • Ein hervorragender Beitrag, dem ich voll zustimmen kann. Viele Gendersternchen-Anhänger & Co. halten sich oftmals leider nur zu gerne mit eher unwichtigen Kinkerlitzchen und Nebenaspekten lange Zeit und genußvoll fabulierend auf.
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#8 RhetorikAnonym
#9 KaiJAnonym
  • 26.05.2021, 17:52h
  • Der Rechtschreibrat ist der Rechtschreibrat. Und Gesetz ist Gesetz. Ich gehe davon aus, dass es kein Gesetz gibt, das die Rechtschreibung vorschreibt.
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#10 LegatProfil
  • 26.05.2021, 18:19hFrankfurt am Main
  • Antwort auf #3 von Linguistik
  • "Das grammatische Genus hat nichts mit dem biologischen Geschlecht, dem psychologischen Geschlecht oder dem sozialen Geschlecht zu tun (also auch nicht mit Gender-Begriffen)."

    Exakt, der grammatische Genus ist im Deutschen absolut willkürlich und wenn ich schon willkürlich agiere, kann ich auch gleich damit etwas Gutes tun und für ein bisschen mehr Gerechtigkeit sorgen, anstatt an ausgrenzender Willkür festzuhalten, nur weil mir aus willkürlichen Gründen die ältere, nicht-inklusive Willkür lieber ist. Was ist daran so schwierig?
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