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Bundestrainer

Jogi Löw bedauert fehlende Offenheit gegenüber Schwulen im Fußballstadion

Wäre er selbst schwul, würde er dazu stehen, so der Bundestrainer. Jogi Löw erkennt aber auch an, dass die Offenheit im Fußball geringer ist als in der Gesamtgesellschaft.


Jogi Löw ist seit 2006 Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft – 2014 führte er sein Team zum Weltmeistertitel (Bild: Granada / wikipedia)

Jogi Löw, der langjährige Bundestrainer der deutschen Fußballnationalmannschaft der Männer, hat sich im Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" (Bezahlartikel) ausführlich zu Homosexualität im Profifußball geäußert.

Auf das Coming-out von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger im Jahr 2014 angesprochen, sagte der 61-Jährige: "Thomas hat diesen Schritt gewagt, als seine Karriere eigentlich beendet war. Er hat mich dabei ein Stück weit auf dem Laufenden gehalten." In der Gesellschaft sei "die Offenheit" grundsätzlich vorhanden, so Löw. Das sehe er als wichtig an, erklärte aber einschränkend: "Obwohl sich schon wahnsinnig viel getan hat, fehlt sie aber vielleicht noch ein bisschen im Stadion." Auf die Frage, warum der Fußball der Gesellschaft hinterherhinke, erklärte Löw nur achselzuckend: "Das weiß ich auch nicht so genau."

"Fußball steht doch für Offenheit, Vielfalt und Teilhabe"

Ferner erklärte Löw, dass er diese fehlende Offenheit im Fußball "absolut" bedaure. "Unsere Gesellschaft, und damit auch der Fußball, steht doch für Offenheit, Vielfalt und Teilhabe", sagte der Bundestrainer. Auf die Frage: "Wie würden Sie handeln, wenn es Sie beträfe?" antwortete er: "Dann würde ich dazu auch stehen."

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Vor zehn Jahren hatte der von Löw nicht in die Nationalmannschaft berufene Torhüter Roman Weidenfeller offenbar aus Frust Homosexuellen-Gerüchte über Löw gestreut (queer.de berichtete). Das brachte dem Dortmunder damals den Vorwurf der Homosexuellenfeindlichkeit ein (queer.de berichtete). Löw selbst hatte zuvor Gerüchte über seine sexuelle Orientierung dementiert (queer.de berichtete). Löw wurde wiederholt von LGBTI-Aktivist*innen dafür kritisiert, das Thema der schwulen Fußballer "abgeblockt" zu haben (queer.de berichtete).

In dem "Zeit"-Interview spricht Löw auch über die Last und die Leere, die er in seiner 15-jährigen Zeit als Bundestrainer erlebt hat. So sei es furchtbar gewesen, so Löw, alt gedienten Spielern mitzuteilen, dass sie nicht mehr zum Team gehören. "Natürlich berührt mich das, sehr sogar. Manchmal liege ich nachts wach. Ich bin doch auch ein Mensch!"

Bedauern zeigt der Freiburger im Gespräch auch darüber, keine Kinder zu haben. "Mit 25, 30 oder 35 Jahren habe ich das noch nicht so gesehen. Da konnte ich es mir vielleicht nicht vorstellen, habe das Thema verdrängt oder weggeschoben. Die letzten zehn Jahre denke ich aber schon immer wieder daran oder darüber nach, wie es gewesen wäre, Kinder zu haben."

Für Löw wird die Fußballeuropameisterschaft, die am 11. Juni in Rom eröffnet wird, das letzte Turnier als Bundestrainer. Danach übernimmt der Ex-Bayern-Coach Hansi Flick den Job. (dk)



#1 AtreusProfil
  • 01.06.2021, 13:45hSÜW
  • Ich kann generell mit Menschen wenig anfangen, die sich nur auf Nachfrage äußern und Bedauern über Missstände formulieren. Ich habe Herrn Löw nicht ein einziges Mal eigeninitiativ für Akzeptanz streiten oder die rassistischen und homophoben Hassattacken während oder nach Bundesligasspielen verurteilen sehen. Der Befund, einzig das Stadion (=Fans?) wäre zurückgeblieben, ist ebenfalls falsch: ich erinnere an den ausländer- und schwulenfeindlichen Nachwuchstrainer vom FC Bayern, der über Jahre geschützt wurde, trotz unzahliger Beschwerden und den nur eine breite Berichterstattung zu Fall bringen konnte. Ich erinnere an Löw's Weltmeister Lahm, der Spielern nach deren Outing seelische und körperliche Schäden weihsagt und Hass aus der Kabine oder an Basler und Lehmann, die entweder bestreiten, dass es je Homosexuelle im Profifussball gab, harte Schüsse und Intelligenz nicht mit Hitzelspergers Schwulsein übereinbringen können oder Angst vor dem Duschen haben.

    Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass man sich innerhalb eines Interviews schon entscheiden muss: Entweder man bemängelt fehlende Offenheit im Stadion oder man attestiert dem Sport Offenheit und Vielfalt. Beides gleichzeitig geht schlecht. Ein Paradoxon. Dem Ball ist das vollkommen egal.
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#2 holyf_ck
  • 01.06.2021, 15:14h
  • Ein unterträgliches Geschwurbel. Im Prinzip sagt er ja, dass "der Fussball" eine Parallelgesellschaft ist. Da helfen auch keine noch so gut gemeinte Aktionen von Vereinen, wie z.B. dem FC St. Pauli.
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#3 Wo_ist_der_EimerAnonym
  • 01.06.2021, 20:33h
  • Auf die Frage: "Wie würden Sie handeln, wenn es Sie beträfe?" antwortete er: "Dann würde ich dazu auch stehen."
    Wie ich cis Heten liebe, die immer genau zu wissen meinen, wie offen sie zumindest hypothetisch - mit ihrem Queersein umgehen würden, ohne einen blassen Schimmer von der Welt zu haben, in der wir tatsächlich leben. Das sind dann leider auch meist diejenigen*, die meinen uns mit klugen Tipps beglücken zu müssen. Nein Danke.
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#4 Gemeiner_HaiProfil
  • 01.06.2021, 23:20hSchweinfurt
  • Ich finde es als Hetero immer extrem schwierig, mich einigermaßen kompetent zu diesem Thema zu äußern. Ich weiß beispielsweise schlicht nicht, ob ich im Fußballbusiness (oder auch nur im Privatleben) dazu stehen würde, wenn ich schwul wäre. Klar, man ist immer versucht zu sagen: "Ich würde bestimmt dazu stehen" - sagt sich halt auch leicht, wenn man es in der Praxis nicht bestätigen muss ...

    Ich fühle mich überhaupt nicht in der Position, schwulen Fußballern zu einem Outing zu raten oder davon abzuraten. Tatsache ist, dass ich es als Fan begrüßen und unterstützen würde, wenn sich Spieler outeten. Ich kann aber auch nicht sagen: "Outet euch gefälligst, ihr Feiglinge!", wenn ich die Konsequenzen nicht auszubaden habe. Ich finde, viel zu viele Leute äußern sich da zu Dingen, von denen sie keine Ahnung haben können. (Wobei Löws Aussage ja noch regelrecht reflektiert ist.)
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#5 LorenProfil
  • 02.06.2021, 01:04hGreifswald
  • Es fehlt noch "ein bisschen" im Stadion?
    Nö, es fehlt dort sowohl Respekt als auch Zivilcourage. Respekt derjenigen, die fanatisch für "ihren" Verein auch zu Gewalttaten bereit sind. Und Zivilcourage von denjenigen, die als Funktionäre für ihren Verein arbeiten oder als Fans ihren Verein unterstützen, ohne menschenfeindliche Aktionen selbst durchzuführen (von Ausnahmen abgesehen). Der Männerfüßball ist immer noch ein Machosport, gierig nach Erfolg und Einnahmen und ohne Gewissen.
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#6 Homonklin_NZAnonym
  • 02.06.2021, 08:52h
  • Antwort auf #4 von Gemeiner_Hai
  • ""Ich kann aber auch nicht sagen: "Outet euch gefälligst, ihr Feiglinge!", wenn ich die Konsequenzen nicht auszubaden habe. Ich finde, viel zu viele Leute äußern sich da zu Dingen, von denen sie keine Ahnung haben können. ""

    Danke. Das Ausbaden der Konsequenzen ist eben auch der Teil, den die Menschen nie übernehmen, welche zu einem "Outing" drängen - keiner von denen würde den Ausfall eventuellen Lohns ersetzen, oder für verlorene Karrierechancen, sich ggf. abwendende Kolleg*innen und Schwierigkeiten verwenden, die dem Spieler danach zufällig werden.

    Expertenmeinungen sind im Fußball schon von den Fans genug vorhanden, welche das Training oder einzelne Spieler und Züge im Spielverlauf "besser" hätten einsetzen, machen können, als der Trainer selbst.

    Die Sache, keine Kinder zu haben, macht Herr Löw's Erfahrung dem Leben vieler queerer Menschen in einer Weise ähnlich - es erschweren besondere Umstände. In seiner Zeit als Trainer hätte er für Kinder wohl kaum Zeit gehabt - bei Queeren fehlt nicht die Zeit, aber die Umstände sind aus anderen Gründen erschwert.
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#7 naivAnonym
  • 02.06.2021, 09:23h
  • Profi-Fussball ist ein Business und keine Leidenschaft. Die erfolgreichen jungen Männer bekommen mit Spielerfolgen auch kommerzielle Angebot, die aber normalerweise in der hetero-normativen Welt stattfinden. Deren Zielgruppe sind auch heranwachsende Teens weltweit und weder Ferrero noch Coke möchte in den Mainstream Medien zu bunt auftreten.
    Somit reduziert ein geouteter Fussballer seine kommerziellen Möglichkeiten. Dann lieber Doppelleben, Stille oder provokative Interviews.
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#8 Markus2Anonym
  • 02.06.2021, 19:52h
  • Antwort auf #4 von Gemeiner_Hai
  • Da ich auch Hetero bin kann ich Dir sagen: Ich würde es. Allerdings hat sich, als ich 13 war, mein Bruder als schwul geoutet und deshalb war das für mich nie ein Thema und immer vollkommen normal. B.T.W.: Hab gestern den Film "Tom of Finland" gesehen und fand den in seiner sensiblen Darstellung echt super. Hatte bei dem Thema ja echt anderes erwartet.
    P.S.: Mein Bruder ist schon lange glücklich verheiratet.
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#9 Gemeiner_HaiProfil
  • 03.06.2021, 14:24hSchweinfurt
  • Antwort auf #8 von Markus2
  • Das ist ja interessant - einer meiner Brüder ist ebenfalls schwul. Das hat uns damals alle überrascht, weil wir eigentlich keinerlei "Anzeichen" dafür gesehen haben (oder was man als Teenager halt so für Anzeichen hält), allerdings hat es nicht eine Person in seinem Umfeld negativ aufgenommen. Das hat mich nicht nur sehr für ihn gefreut, sondern es hätte mich im Fall des Falles wohl auch ermutigt. Klar, unter solchen Umständen outete es sich leichter, als wenn ihm schon Ablehnung entgegengeschlagen wäre. Und doch muss ich sagen, dass ich nicht sicher sagen könnte, wie ich reagieren würde. Insofern sind wir natürlich privilegiert, weil wir uns dieser Frage nie ernsthaft stellen müssen.
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