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Bundestrainer
Jogi Löw bedauert fehlende Offenheit gegenüber Schwulen im Fußballstadion
Wäre er selbst schwul, würde er dazu stehen, so der Bundestrainer. Jogi Löw erkennt aber auch an, dass die Offenheit im Fußball geringer ist als in der Gesamtgesellschaft.

Jogi Löw ist seit 2006 Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft – 2014 führte er sein Team zum Weltmeistertitel (Bild: Granada / wikipedia)
- 1. Juni 2021, 11:00h 3 Min.
Jogi Löw, der langjährige Bundestrainer der deutschen Fußballnationalmannschaft der Männer, hat sich im Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" (Bezahlartikel) ausführlich zu Homosexualität im Profifußball geäußert.
Auf das Coming-out von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger im Jahr 2014 angesprochen, sagte der 61-Jährige: "Thomas hat diesen Schritt gewagt, als seine Karriere eigentlich beendet war. Er hat mich dabei ein Stück weit auf dem Laufenden gehalten." In der Gesellschaft sei "die Offenheit" grundsätzlich vorhanden, so Löw. Das sehe er als wichtig an, erklärte aber einschränkend: "Obwohl sich schon wahnsinnig viel getan hat, fehlt sie aber vielleicht noch ein bisschen im Stadion." Auf die Frage, warum der Fußball der Gesellschaft hinterherhinke, erklärte Löw nur achselzuckend: "Das weiß ich auch nicht so genau."
"Fußball steht doch für Offenheit, Vielfalt und Teilhabe"
Ferner erklärte Löw, dass er diese fehlende Offenheit im Fußball "absolut" bedaure. "Unsere Gesellschaft, und damit auch der Fußball, steht doch für Offenheit, Vielfalt und Teilhabe", sagte der Bundestrainer. Auf die Frage: "Wie würden Sie handeln, wenn es Sie beträfe?" antwortete er: "Dann würde ich dazu auch stehen."
/ DIEZEITNach 15 Jahren zieht Joachim #Löw seine persönliche Bilanz. Ein Gespräch über Selbstzweifel, die Einsamkeit eines Weltmeisters und Cordon Bleus mit der Kanzlerin. https://t.co/oQkR0TLnVl #red #Abo
DIE ZEIT (@DIEZEIT) June 1, 2021
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Vor zehn Jahren hatte der von Löw nicht in die Nationalmannschaft berufene Torhüter Roman Weidenfeller offenbar aus Frust Homosexuellen-Gerüchte über Löw gestreut (queer.de berichtete). Das brachte dem Dortmunder damals den Vorwurf der Homosexuellenfeindlichkeit ein (queer.de berichtete). Löw selbst hatte zuvor Gerüchte über seine sexuelle Orientierung dementiert (queer.de berichtete). Löw wurde wiederholt von LGBTI-Aktivist*innen dafür kritisiert, das Thema der schwulen Fußballer "abgeblockt" zu haben (queer.de berichtete).
In dem "Zeit"-Interview spricht Löw auch über die Last und die Leere, die er in seiner 15-jährigen Zeit als Bundestrainer erlebt hat. So sei es furchtbar gewesen, so Löw, alt gedienten Spielern mitzuteilen, dass sie nicht mehr zum Team gehören. "Natürlich berührt mich das, sehr sogar. Manchmal liege ich nachts wach. Ich bin doch auch ein Mensch!"
Bedauern zeigt der Freiburger im Gespräch auch darüber, keine Kinder zu haben. "Mit 25, 30 oder 35 Jahren habe ich das noch nicht so gesehen. Da konnte ich es mir vielleicht nicht vorstellen, habe das Thema verdrängt oder weggeschoben. Die letzten zehn Jahre denke ich aber schon immer wieder daran oder darüber nach, wie es gewesen wäre, Kinder zu haben."
Für Löw wird die Fußballeuropameisterschaft, die am 11. Juni in Rom eröffnet wird, das letzte Turnier als Bundestrainer. Danach übernimmt der Ex-Bayern-Coach Hansi Flick den Job. (dk)














Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass man sich innerhalb eines Interviews schon entscheiden muss: Entweder man bemängelt fehlende Offenheit im Stadion oder man attestiert dem Sport Offenheit und Vielfalt. Beides gleichzeitig geht schlecht. Ein Paradoxon. Dem Ball ist das vollkommen egal.